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Gutenberg > Liselotte von der Pfalz >

Briefe der Herzogin von Orléans

Liselotte von der Pfalz: Briefe der Herzogin von Orléans - Kapitel 4
Quellenangabe
typeletter
authorElisabeth Charlotte von Orléans
titleBriefe der Herzogin von Orléans
publisherR. Voigtländers Verlag
seriesVoigtländers Quellenbücher
volumeBand 55
editorHermann Bräuning-Oktavio
year1913
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070725
projectid79037b0c
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Port royal den 22 Augusti [1698]

A. mad. Amelie Elisabeth raugräffin zu Pfaltz a FranckfortBibl. d. lit. Vereins, Bd. 88, Nr. 65.

....Wen man schon schön ist, wehrt es doch nicht, undt ein schön gesicht endert baldt, allein ein gutt gemüht ist zu allen zeitten gutt. Ihr müst meiner sehr vergeßen haben, wen Ihr mich nicht mitt unter den heßlichen rechnet; ich bin es all mein tag geweßen undt noch ärger hir durch die blattern geworden; zu dem so ist meine taille monstreuse in dicke, ich bin so viereckt wie ein würffel, meine hautt ist rotlich, mitt gelb vermischt; ich fange ahn, graw zu werden, habe gantz vermischte haar schon, meine stirn undt augen seindt sehr runtzelicht, meine naße ist ebenso scheff [schief], alß sie geweßen, aber durch die kinderblattern sehr brodirt, so woll alß beyde backen; ich habe die backen blat, große kinbacken, die zän verschlißen, das maul auch ein wenig verendert, indem es größer undt rontzeliger geworden; so ist meine figur bestehlt, liebe Ameliße! Ich glaube, sie werden mich endtlich närisch mitt den contrefetten machen; ich kan sie nicht von den leütten bekommen, so sie haben. Wovon kommen Eüch die bloden augen? Mich deücht, wie Ihr kinder wahret, war es Caroline alleine, so blode augen hatte. Ich muß lachen, daß Ihr sagt, daß ich beßere occupationen [Beschäftigungen] habe, alß zu arbeitten. Wen Ihr meint, daß der himmel hir voller geigen hengt, betriegt Ihr Eüch sehr; die langeweill regirt so starck hir, alß in keinem ort von der welt. Viel leütte hir drincken thé undt caffé undt chocolat, aber ich nehme gar nichts von dießem zeüg, bilde mir ein, es seye nicht gesundt. Ich spielle auch nie, sehe nur etlichmahl zu, wen man abendts a lombre spielt. Ein spiel, wobey man lachen undt reden kan, würde hir sehr veracht werden. Unter dem grand prieur undt dem printz de Conti ist nie gar große freündtschafft geweßen; den der printz de Conti undt des grand prieurs bruder, der duc de Vandosme [Vendôme], pretendiren jeder, mons. le Dauphins favorit zu sein. Ich habe letztmahl schon zum vorauß vor keyser Carls kopffwaßer gedanckt. Vergest nicht den zettel dabey zu schicken, von waß es kost! Ich weiß woll, daß man von printzes Amelie vor den römischen könig spricht; es kompt aber noch nichts gewißes hirvon. Mein dochter ist so persuadirt, daß sie mitt dem hertzog von Lotheringen glücklich sein wirdt, daß ich es gantz hoffe. Wen sie nur zufrieden ist, werde ich es auch sein; bedancke mich sehr vor den part [Anteil], so Ihr drinnen nehmen wolt, undt erfrewet mich recht, Ewer affection zu verspüren. Seit versichert, daß ich Eüch kinder alle recht lieb habe! Von hir kan ich nicht viel neües sagen. Madame de Chartre hatt unß wider ein metgen da hergesetzt, biß dinstag solle es getaufft werden; mons. le Dauphin undt die ducheße de Bourgogne werden sie auß der tauff halten. Die elste, so nun 3 jahr alt worden, ist froh, daß man sie mademoiselle d'Orleans heist undt ihr schwestergen mademoiselle de Chartre ist; die elste wirdt all artlich. Adieu, hertzliebe Ameliße! Ich ambraßire [umarme] Eüch von hertzen undt Louise auch undt versicher Euch, daß ich Eüch lieb behalte.

Elisabeth Charlotte.

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