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Briefe der Herzogin von Orléans

Liselotte von der Pfalz: Briefe der Herzogin von Orléans - Kapitel 2
Quellenangabe
typeletter
authorElisabeth Charlotte von Orléans
titleBriefe der Herzogin von Orléans
publisherR. Voigtländers Verlag
seriesVoigtländers Quellenbücher
volumeBand 55
editorHermann Bräuning-Oktavio
year1913
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070725
projectid79037b0c
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Briefe.

An ihren Vater, Kurfürst Karl Ludwig von der PfalzPublikationen aus den Königl. Preußischen Staatsarchiven, Bd. 26 (1885, S. 20, Anmerkung 4).

[1659 im Haag]

hertz libster papa.

ich glaube i.[hre] g.[naden] werden von matanten [Kurfürstin Sophie von Hannover] schon vernommen haben, das gesunt sein hir vor 8 tagen angekommen. I[hre] M[ajestät] die königin ist mir gar gnedich, hatt mir auch schon ein huntgen geschenket; morgen werde ich einen sprachmeister bekommen, der dantzmeister ist schon 2 mall bei mir gewesen; matante sacht, wen imant hir ist, der woll singen kan, soll ich auch singen lernen; werde ich also gar geschickt werden und hoffe ich, wen ich die gnade wider haben werde, papa die hende zu kussen, sollen i. g. finden, daß ich fleißich gelernet habe. Das schälgen vor die königin habe ich noch nicht überlieferen können, weillen mein Zeuch noch uff dem schiff undt von unsern leutten auch noch zurucke sein; gott gebe nur, daß sie nicht ersoffen sein, es were sonsten ein schlechter posse. Itzunder soll ich mitt mein tanten bei die prines von Orangen gehen, mus deswegen endigen und küsse himitt i. g. gehorsamlich die hende mitt demutiger bitte, mein lieber papa wolle mich in seiner gnade erhalten undt glauben, das liselotte alzeit wirtt bleiben mitt udtkommenem schuldigem respectt

meines allerlibsten papas gantz gehorsamst untterdenichste dochter undt dinerine

Elisebett Charlott.

An Frau von Harling, geb. v. Offeln Bodemann,Briefe der Herzogin Elisabeth Charlotte von Orléans an ihre frühere Hofmeisterin v. Harling und deren Gemahl. Hannover 1895 Nr.3.

Heidelberg den 13. Januarius 1666.

Meine hertzallerliebste Frau von Harling.

Ich bin recht fro gewesen, aus eurem brif zu hören, daß ma tante nun wider ein klein printzgen [Maximilian von Hannover] hatt; ist mihr aber leit, daß sie nicht alle beyde sein leben bliben [der Zwillingsbruder starb bei der Geburt], daß die freud desto volkommener wer. Ich mochte woll wünschen, daß die 2 eltesten princen [Georg Ludwig und Friedrich August] hir weren, so könten sie mitt auf dem schlitten fahren, dan es ligt gar ein schönner schnee hir. Vergangenen montag seint wir hir masquerate in schliten gefahren; wie wir aber wider auß der stat herauf sein gefahren, da ist einer von den edelleut auch mit herauf gefaren, welcher nimants im schliten hatte. Wie er aber hatt wollen 'nunder faren, ist die stanck von schlitten gebrochen und das pferdt hat ihn auf den berg von schlitten geworfen und ist folgens den gantzen berg hinunder geloffen. Unterwegens aber ist des pauckers seine schwiegermutter,Ergänze: ihm begegnet. hat wollen den berg herauf gehen; das pferdt hat aber die frau zu boden geworfen und hat sie tot getreten. Es ist schon eine alte frau gewessen und hatt schon 5 männer gehatt. Des docter Faust [Hofarzt] seine frau ist auch vor etlich tagen an einem schlackfluß gestorben. Das seint alle die neuen zeitung, die ich weiß. Ich bedancke mich auch vor den gutten neujahrswunsch; ich wünsche mein lieb frau Harling alles was sie begert. Mein bruder [Kurprinz Karl] lest euch auch sehr dancken vor das, »so was so was«; er sagt, er wünsche euch auch »so was so was«, da ihr mit spielen könt, den gelehrten wer auch gut predigen. Unterdessen werde ich allzeit verbleiben

Eure treuwe freundin Elisabethe Charlotte.

An dieselbe.Bodemann, Harling Nr. 14.

Schwetzingen den 26. may 1671.

.... Auß ihrem lieben schreiben sehe ich, daß mein bruder nuhnmehr zu Osnabruck ankommen ist. Wie leidt es mir ist, daß ich nicht mit dabey sein kan, halte ich woll, daß mein lieb fraw Harling wohl selber wirdt erachten können, ohne daß ichs viel beschreibe; freuet mich doch noch, daß ich mit dabey gewünscht werde, muß aber denken, daß es mir geht alß wie unser Hergott zum reichen mann gesagt hatt: ich habe mein guttes vor etlichen jahren entpfangen undt mein bruder bekombts erst itzunder. Jedoch habe ich noch hofnung, sie allesambt baldt hir zu sehen undt muß mich also mit der hofnung abspeißen, wiewohl es ein zimblich mager eßen ist. Ich höre wohl, mein bruder vertritt gantz meine stelle, biß auch auf das, daß er auch so gewaschen wirdt wie fraw Harling mich als gewaschen hat. Dißes thut ihm als einem hochzeiterEr reiste nach Kopenhagen zu seiner Verlobung mit der Prinzessin Wilhelmine Ernestine von Dänemark. gar wohl von nöhten, damit, wan er zu seiner braut kompt, daß er gläntzt wie ein carfünckelstein im Ofenloch. Mein bruder kan mir nicht genug beschreiben, wie große gnade und ehr ihm widerfähret, undt gefällt ihm das leben gar wohl. Er ist aber nicht närrisch hirin; ich weiß auch wohl, was es ist. Er hat mir auch gerümbt, wie der eltfte prinz schon so braff zum ring rennen kann und auch den ring in die mitte hinweg genohmen habe; suma sumarum sein gantzer brieff ist nichts anders als wie er so wohl zufriden und wie's ihm so wohl geht. Das tantzen und spilger spillenjouer à un jeu; wir würden vielleicht sagen: ein Spielchen (Kartenspiel) machen. gefallt ihm auch gar trefflich woll ... Mein lieb fraw Harling muß noch nicht von alter sagen, denn weil sie noch so frisch undt gesundt ist undt sich noch als mit lustig machen kan, muß sie sich gar nicht einbilden, daß sie alt sey; ich aber hoffe sie noch viel innerhalb 20 jahren zu sehen undt mit ihr lustig zu sein. Mein bruder wirdt doch die hoffmeistersschafft unter dem nahmen gutten rahts gar gern annehmen, ich imgleichen auch, wan ich nur möchte darbey sein. Ich bitte, mein lieb fraw Harling wolle mich doch auch als bey matante undt oncle [Ernst August, Kurfürst von Hannover] in gnaden helfen erhalten undt auch achtung haben, daß mein bruder, so anweßendt, mich abweßende nicht gantz aussticht.

An DieselbeBodemann, Harling Nr. 16.

St. Germain den 4. februari 1672.

Ma tante schreibt mir, daß ich euch vergeßen hette, weil ihr kein schreiben von mir bekommen. Ich kan nicht wißen, wie das zugeht; ich hab nur 2 brief von euch bekommen, welche ich auch beide beantwort ... Damit mein hertzlieb jungfer Uffeln aber nunmehr keinen zweiffel ahn meinem gedechtnuß haben mag, sondern fest glauben, daß ich sie als noch lieb hab undt behalten will, so schreib ich ihr am ende meiner kranckheit unangesehen, daß ich noch etwas matt bin, obwol die kranckheit nicht lang geweret, undt will euch den gantzen verlauf davon verzehlen, damit, wans papa undt matante hören, daß sie nicht in sorgen sein mögen. Solang ich hir im landt bin, hab ich das eßen, so sie hir eßen, welches mit lauter speck undt kein bißen butter ist, nicht recht gewonen können undt derhalben nie gar viel geßen; wie ich aber nach Versailles kommen, hab ich mehr exercitien gethan als zu Paris, undt derowegen auch hungriger geweßen, als vor dißem. Also hab ich vergangen Freitag, nachdem ich den gantzen tag spatziren war gangen, nachts nach mitternacht zu nacht, welches man medianoche hir heist, geßen, welches man thut, damit man fleisch eßen darf. Monsieur [ihr Gemahl, Herzog von Orléans] hat mit dem könig medianoche gehalten und ich hab' mit meinen leutten geßen; der König aber hat sein eßen viel eher bekommen, als ich; derhalben wie wir am halben eßen waren, kam Monsieur schon nach hauß, wir aber aßen fort, undt wie ich praffen hunger hatte, aß ich mich so dick, daß ich mich nicht rühren konte, undt mußte darauf gleich nach bett gehen mit vollem magen. Dieselbe gantze nacht war ich zwar nicht kranck, aber schwitzte die gantze nacht wie ein tantzbeer; den sambstag mittag war ich so spät aufgestanden, daß ich nicht zu mittag eßen kont und derowegen abendts wider so schrecklichen hunger hatte, daß ich mich wieder gantz dick geßen, mußte auch gleich drauf schlafen gehn, weil monsieur schrecklich zahnpein hatte. Dieselbe nacht hab ich schreckliche hitz gegricht, daß ich die gantze nacht nicht hab schlafen können, undt gegen morgen wider geschwitzt undt dabey abscheulich kopfwehe. Ich ließ mir aber nichts mercken, sondern stundt auf undt that mich ahn undt ging mit dem könig in die meß wie ordinari; aber im hin undt her gehen dacht ich, daß mein kopf vor pein verspringen solte. Sobaldt ich in der Königin [Maria Theresia] gemach kam, fragte mich die königin und alle damens, was mir felte, daß ich so trawrich außsehe? Ich sagte aber, ich hette die nacht nicht woll geschlafen und were schläfferig. Wie ich an tafel kam, fing der König gleich an zu rufen: »Wie secht ihr so schrecklich ubel auß, ich glaub, ihr habts fieber.« Ich blieb aber bestendig drauf, ich wer schläfferich. Der König trauete aber nicht, sondern ließ mir den pulß durch der Königin docktor, so da stundt, fühlen, welcher versicherte, daß ich kein fieber hette, aber ich konte kein bißen eßen, sondern der geruch von eßen war mir zuwider. Sobaldt ich vom eßen aufstundt, sagt mir Monsieur undt der König, ich solte in mein Kammer gehn schlafen, ob vielleicht mir beßer werden würde. Ich ging in kammer undt ließ die Hinderson [Hofdame] rufen; die hielte mir den gantzen tag den kopf; ich schlief ein stundt oder 3, darnach that mir mein kopf noch viel weher als zuvor. Abendts kam der König zu mir undt fült mir den pulß undt den kopf undt sagt, ich hette ein inerlich fieber; der königin docktor aber sagte, ich hette gar kein fieber. Endtlich wolten sie mich uberreden, ich solte ein clistier nehmen, welches ich nicht thun wolte; der König aber wolt nicht weg gehn, biß ich ihm versprochen, daß ich mich zu bette legen wolte undt ein clistiera nehmen. Darauf fing ich an so übel zu werden, daß, so oft ich auf den stull ging, welchs 3 mahl geschehen, hab ich mich allemahl 4 mahl ubergeben. Damit kam der dockter undt fülte mir den pulß undt sagte, daß ich das fieber nun rechtschaffen hette. Derselbe acces hat 24 stundt geweret. Andern tags bin ich hirher gefahren undt hat mich das fieber umb 8 abendts angestoßen undt habe es biß 10 andern morgen gehabt undt haben mir wider clistiere geben. Sie haben mir mit aller gewalt wollen aderlaßen undt medicin geben, aber ich hab durchauß nicht gewolt. Endtlich, wie sie keinen raht mehr mit mir gewust, hat der König und Monsieur kommen wollen; einer hat mir wollen den ahrm, der ander die ander handt undt den kopf mit aller gewalt halten, aber zu allem glück hat mich eine jungfer [Menstruation] besucht, welche verursacht, daß man mir nicht [zur ader] gelaßen (ihr versteht mich woll). Seyder dem hab ich gar kein fieber mehr gehabt, auch kein schmertzen mehr; das schlimste aber ist, daß mich hungert undt vor morgen darf ich nicht eßen, weilen man noch lauert, ob es kein 4tagig fieber geben will. Heute haben sie mir wider ein clistier geben, sonstens geben sie mir gottlob nichts, als alle 4 stundt ein schüßel voll kälbersaft, wie sie es heißen, welches etwas beßer ist als fleischbrühe.

Dißes ist die ganze relation [Bericht] von meiner kranckheit. Hinfüro will ich beßer in acht [sein] undt nicht so viel freßen ...

An DieselbeBodemann, Harling Nr. 20

Versailles den 23. November 1672.

... O, mein liebe jungfer Uffel! wie kompt das einem rauschenplattenknechtgen so spanisch vor, wan man nicht mehr laufen undt springen darf, auch gar nicht einmahl in der kutzschen fahren, sondern alß in einer chaise [Tragstuhl] muß getragen werden. Undt wan es baldt gethan were, so were es noch ein sach, aber daß es so 9 gantzer monat fort weren muß, das ist ein trübseeliger zustandt undt möcht ich schir sagen wie printz Gustien [Friedrich August von Hannover] vor dißem zu heydelberg: großhoffmeisterin, ich möchte gern patience [Geduld] haben, ach wolt ihr mir wol patience geben, denn das ist waß ich itzunder am meisten nöhtig habe. Wan aber diß ey einmahl wirdt außgebrühtet sein, so wolt ich, daß ichs euch auf der post nach Osnabruck schicken könte, denn ihr versteht euch beßer auf diß handtwerck, alß alles waß hir im gantzen landt ist, undt bin ich versichert mit meiner eygenen experientz [Erfahrung], daß es woll versorgt sein würde; aber hir ist kein kint sicher, denn die dockter hir haben der Königin schon 5 in die ander weit geholffen; das letzte ist vor 3 wochen gestorben, undt 3 von Monsieur,Aus erster Ehe mit Henriette von England. wie er selber sagt, seindt auch so fortgeschickt worden. Aber apropo von zucht: wan ihr mir waß wolt zu zichen geben, so müst ihrs mir baldt schicken, nehmblich einen pagen, denn morgen oder übermorgen wirdt einer von meinen pagen wehrhafft undt ich werde die stelle so lange offen halten, biß ich wider antwort von euch bekomme, ob ihr mir einen von eueren vetteren schicken wolt oder nicht, denn eine sache will ich euch nicht verhellen: ich kan nicht gutt davor sein, daß er, wofern er nicht catholisch ist, bey seiner religion wirdt bleiben, wofern dißes aber ursach sein solte, daß ihr euch scheuen würdet, einen von eueren verwandten hirher zu schicken, so bitte ich, ihr wolt doch ahn herrn presidenten Hammerstein fragen, ob er mir einen schicken wolte, denn ich habs ihm auch versprochen.

Versaille den 19. mertz 1674.

An DieselbeBodemann, Harling Nr. 25.

... Waß meinen kleinen rauschenblattenknechtgen ahnbelangt, so hat er den nahmen wol mit der that undt ist ein greulicher wiltfang, lacht undt will alß von einem ort zum andern getragen sein, wirdt itzt nach ostern erst einen rock griegen, denn man lest die kinder hir im landt schrecklich lang eingewickelt; alszdenn werden wir sehn, ob er baldt wird gehn lernen oder nicht. Er hat noch keinen entzigen zahn ... bitte, schreibt mir doch, wie viel man ihm meledikentsbulver [Milady-Kent-Pulver] geben könte, wan ihm, da gott vor sein wolle, bey den zehnen das fieber ahnstieße, ob ein gran zu viel ist? weil er noch kein jahr alt ist. Er ist gottlob sehr lustig, kan aber noch nichts machen, altz ein näßgen, wie der elfte printz [Herzog Ludwig von Hannover] zu machen pflegte, wie er in dem alter war. Genung von dißem. Waß den andern springinsfeldt ahnbelangt, so jetzt auf halben weg ist, so macht er mir viel ungemachlichkeit, denn ich bin alle tag nach den eßen so kranck wie ein hundt, daß ich mich in zwey stunden nicht zu helfen weiß. Weillen ich euch von meinen kindern schreibe, muß ich auch waß von unserm kleinen HarlingLiselotte hatte den sechsjährigen Neffen bei Frau v. Harling, Eberhard Ernst Franz v. H., als Pagen zu sich genommen. sagen. Er ist gar fromm undt artlich, die leutte, da er bey in kost ist, haben ihn sehr lieb undt tragen große sorge vor ihn. Er ist so fromm, daß er auch nicht einmahl mit der rutten ist getrewet worden; drumb hat er auch letztmahl gesagt, er möchte wol wißen, auf welch manir man die kinder in frankreich streicht. Er förcht mich so sehr, daß man ihn mit meinem nahmen alles thun macht, waß man will, denn ich predige ihm etlichmahl. Seitterdem ich nicht zu Paris geweßen, hat er sein teutsch vergeßen undt kan schir nichts mehr; weillen ich ihm aber drüber gezörnt, hat er ein buch gekauft undt lernts wider, denn wan er zu mir kompt, mach ich ihn seine gebete beten, umb zu sehen, daß er das beten nicht vergist.

An ihre Tante, die Kurfürstin Sophie von Hannover Bodemann.Briefe der Herzogin Elisabeth Charlotte von Orléans an die Kurfürstin Sophie von Hannover, 2 Bde., 1891. – Bodemann, Sophie, Nr. 7. Vgl. dazu Ranke, Französische Geschichte, Bd. V (sämtliche Werke. 2. Aufl. Bd. XIII), wo diese Briefe im Auszug mitgeteilt sind.

Paris den 22. May 1675.

Gott sei lob undt danck, nicht so sehr, daß Er mich wider vom todt erlößet, sondern daß Er mir heütte Einmahl Ein tag bescheret, worinnen Ich E. L. [Eure Liebden] meine gantz demütigste dancksagung vortragen kan vor dero gnädiges brieffgen, worinnen mir E. L. mitt so gar großer güttigkeitt dero affection bezeugen undt die trauerigkeit, so E.L. undt oncle wegen meiner großen kranckheitt gehabt. Ich glaube auch vestiglich, daß Monsieur, papa, E. L. undt oncle mich eher vom fieber geholffen undt wider zu meiner vollkommenen gesundheitt gebracht haben, alß mrs. Braye, Baylay, Lissot undt Esprit, undt glaube, daß die freüde, mich von obgemelten betauert zu sehn, mehr meine miltz purgirt hatt, altz die 72 clistier, die mir letztere haben geben laßen. Die unerhörte mengte menschen, so täglich zu mir kommen sein (welche ich nicht hab quittiren dörffen, weillen sie mir alle so viel freundschafft In meiner Kranckheit Erwießen,Diese Stelle findet sich nur bei Ranke, Bd. XIII, 3. haben mich verhindert biß auff heütte, zu antworten; hernach bin ich nach hoff [gegangen], da seindt alle abschidt 8 gantzer tag nach Einander kommen, welche alle nach der armée gangen; dabey stehet man hier Erstlich umb halb 11 auff, gegen 12 geht man in die meß, nach der meß schwetzt man mitt denen, so sich bei der meß infunden; gegen 2 geht man zur taffel; nach der taffel kommen damens; dießes wehret biß umb halb 6; hernach kommen alle manßleütte von quallitet, so hir sein; den spilet Monieur à la bassette [Glücksspiel mit Karten] undt ich muß ahn einer andern taffell auch spillen, damitt alle, die da sein, hin undt her gehn können, oder ich muß die überichen in die opera führen, welche biß 9 wehrt, wan ich von der opera komme, dem muß ich wider spillen biß umb 11 oder halb 11, gen zu bett. Da kennen E.L. dencken, wie viell zeitt mir überig blieben. Hinfüro aber werde ich fleißiger sein. Den zukünfftigen Sambstag gehn wir nach St. Clou, alwo ich nicht so viel geselschafft haben werde, so mich ahn schreiben verhindern wirdt.

St. Clou[d] den 14 september 1675.

An Frau von HarlingBodemann, Harling Nr. 27.

... Aber leider alle dise divertissementen seindt mir unerhört sauer eingetrenckt worden, denn den abendt alß ich herkam, welches eben just heutte 8 tag ist, fand ich meinen elsten sohn aufm todt, hatte eine greuliche Hitze, unerhörten durchlauf, undt alles waß man ihm zu eßen gab, kotzte er wider. Ich laß euch, mein hertzlieb fraw von harling, gedencken, wie mir zu muhte war; ich hab es mir so sehr zu hertzen gezogen, daß ich schir selber kranck drüber worden were. »Ach,« sagte ich zu Monsieur, »wann ich Herr undt meister were, ich weiß woll, maß ich thete«. »Waß?« sagte er. Ich antwortete: »Ich schickete meine zwey kinder nach Osnabruck in pension undt wolte die fraw von Harling, so meine Hoffmeisterin geweßen undt jetzt bey matante kindern ist, bitten, daß sie sorg vor sie tragen möchte, so weiß ich gewiß, daß ich meine kinder beym leben behalten würde.« Denn umb die warheit zu sagen: auf die hießige auferzucht setze wenig vertrawen; aber mein unglück ist, daß ich es nicht thun darf, welches mich noch manche threnen kosten wirdt. heutte ist es, gott sey danck, waß beßer mitt ihm ... Ich bitte euch, sagt mir doch, waß euch davon deucht, denn wol kein mensch sich beßer auf kinder versteht alß ihr.

Paris den 2. October 1675.

An die Kurfürstin Sophie von HannoverBodemann, Sophie Nr. 10, und Ranke XIII, 4.

E.L. sehr wehrtes schreiben, so ich gestern entpfangen, hatt mich woll von hertzen erfreüet, weillen ich darauß erstlich ersehen, daß E. L. mitt oncle, princen undt patte Gott sey danck wider glückliche ahnkunfft seind erfreüet worden, undt zum andern, daß E. L. allerseits so gnädig mitt mir zufrieden sein ... Ich habe vorgestern eine rechte lust gehabt, mr. de la Trousse zuzuhören, in waß admiration er von dießen 3 herren ist undt alles was er von ihnen rümbt, nicht allein ahn mich, sondern ahn alle menschen. Alle hoffleütte führen mir von ein tag zum andern von unßern hertzogen gefangene her, umb, wie sie sagen, leur cour [ihre Aufwartung] bey mir zu machen, denn sie wißen jetzt alle, mitt waß vor lust ich von ihnen verzehlen höre. Gestern hatt man mir mr. le chevallier de Sourdis undt Rochebrune [Rochebronne] hergeführt, aber weilten ich eben in die statt fuhr, hatte ich nicht die zeitt, mitt ihnen zu reden, undt hab sie wider ahn einen andern tag bescheyden. Alle augenblick kömbt man in meine camer sagen: » Madame, voilà encore des louanges de messieurs vos oncles et monsieur votre cousin«,» Madame [Anrede der Herzogin], noch immer Lobreden auf Ihre Onkels [ und ihren Vetter [Georg Ludwig von Hannover, ältester Sohn der Kurfürstin Sophie von Hannover].« das wehrt den gantzen tag durch. Ja Monsieur selber führt mir sie her, weillen er weiß, daß ich lust drin nehme; ja man meint, daß ich jetzt waß gar besonders sein müße, weillen ich 5 jahr [von Juli 1659 bis Juli 1663] bey E.L. geweßen, worauff ich, umb E.L. keine schande ahnzuthun, antworte, daß ich nicht zweiffele, daß, wan ich lenger dort geblieben were, daß ich woll beßer were erzogen worden, alß by jungfer Kolbin [Kolbe, ihrer früheren Hofmeisterin] allein daß ich leider gar zu jung weg were kommen; ja der gantze hoff sieht mich drüber ahn und ich höre im vorbeygehn, daß man sagt: » ses [ces] princes, qu'on loue tant là, sont oncles et cousin germain de Madame«,»Die Fürsten, die man so laut lobt, sind Onkels und ein echter Vetter von Madame.« bin auch selber gantz hoffertig, wan ich ein brieff von C.L. bekomme, leße ihn 3 oder 4 mahl, undt insonderheit wo ich die meiste leütte beysamen sehe, den ordinari fragt mich einß, von wem der brieff komme? Dem sage ich über die axel: de ma tante madame la duchesse Osnabruck, den sicht mich alle menschen ahn wie ein kuh ein neü thor ...

St. Cloud den 30 may 1676.

An Frau von HarlingBodemann, Harling Nr. 31.

.... was mein großes unglück ahnbelangt,Am 16. März 1676 war ihr ältester Sohn gestorben. so hab ich woll gedacht, daß es euch meinethalben leidt thun würde; muß gestehen, daß ich es vor mein theil noch mit großer mühe verdauen kan, denn mir dießer fall gar zu hart ahnkommen ist. Ihr habt wol recht, mein lieb fraw von Harling, daß ihr sagt, daß je elter man wirdt, je mehr lernt man die weit kennen und verspüret alle verdrießlichkeiten, so man unterworfen ist, denn auch jetzt, da ich noch nicht von dießem unglück zurecht kommen, ist Monsieur nach der armée, alwo er mir schon tausent ängsten eingejagt hat, indem er sich, wie man mir von allen orten herschreibt, so unerhört in den zwey belagerungen von Condé und hernach von Bouchain gewaget, welche letztere er selber ahngefangen und gott sey danck in kurzer zeit eingenohmen undt glücklich volzogen hat. Undt nun hab ich wider eine andere sorg: man schreibt unß, daß viele leutte in der armée kranck werden, undt wie Monsieur nicht weniger alß die andern fatigirt undt oft über 24 stunden nicht vom pferde kompt undt nicht schläft, so ist mir angst, daß er endlich auch kranck wirdt werden, denn wie man sagt, so soll die campagne noch lange weren undt der König denckt noch ahn keine zurückkunft. O das ist ja ein gar langwirich verdrießliches weßen, welches einem woll, wie ich schon einmahl geschrieben, das rauschen vertreibet, undt die miltzkranckheit vor dem alter herbey bringet. Ich wünsche woll von grundt meiner seelen, daß wir baldt einen gutten frieden haben mögten, denn ich bin des Krieges so müde, alß wan ich ihn mit löffeln gefreßen hette, wie man alß pflegt zu sagen ....

Ich wolte, daß ich euch meinen jetzigen uberbliebenen de Chartre [der spätere Regent] in einem brieff könte schicken, denn also were ich gewiß, daß er beym leben bleiben würde, aber so ist mir alß angst undt wolte gern ein jahr 3 oder 4 elter sein, damit daß ich dieß kint woll entwenet sehen mögte, denn das verstehen sie gar nicht hir im landt undt wollen sich auch nichts sagen laßen undt schicken also einen hauffen kinder in die andere welt, daß es nicht zu sagen ist, ich nicht weiß, ob sie es thun, weilen es so wunderlich in dißer welt zugeht, daß sie den armen kindern der mühe wollen entberen, der welt ellendt zu betrachten; aber ich glaube, daß es vielmehr auß thum- [Dummheit] und nachläßigkeit geschicht, wie ich ein gar zu starckes exempel habe. Bey ewrer herschaft wie auch mein patgen bitte ich mein compliment zu verrichten.

St. Germain den 14. Dec. 1676.

An die Kurfürstin Sophie von HannoverBodemann, Sophie Nr. 12; vgl. Ranke XIII, 6.

E.L. bitte ich demütigst umb verzeyung, daß ich In so langer ewiger zeit meine schuldigkeit mitt schreiben nicht abgelecht habe ... Erstlich zu Versaille, alwo wir den gantzen tag zu thun hatten, den morgents biß umb 3 nachmittags waren wir auff der jagt, darnach, wan wir von der jagt kommen, so kleite man sich anders ahn undt gingen 'nauff zum spiel; dorten blieb man biß umb 7 abents; von dar ging man in die commedie, welche umb halb 11 auß war, alßdan ging man zum nachteßen, vom nachteßen zum bal, welcher biß 3 uhr morgendts werte, undt dan zu bett.

Drumb laß ich E.L. selbsten gedencken, ob ich dortten zeitt zu schreiben gehabt habe; nachdem ich aber hieher bin kommen, hab ich alle tage antworten wollen, aber allemahl ist waß dazwischen kommen ...., insonderheit verdrießliche vissiten, die mich mein fall, so ich vom pferde gethan, auff den halß gezogen, welche histori ich E.L. doch verzehlen Muß. Wir hatten schon einen haßen gefangen und eine elster geflogen, derowegen ritten wir allgemach schritt vor schritt; mich deüchte, daß mein rock nicht recht unter mir war, drumb hilte ich stille undt bückte mich, umb mich zu recht zu setzen, undt in dem augenblick, daß ich in der postur bin, steht ein haaß auff, welchem alle nach jagen, undt mein pferdt, welches die andern jagen sicht, will auch hernach undt springt auff ein seit, alßo daß ich, die schon halb auß dem sattel war, fundt mich durch dießen sprung gantz auff ein seitt, ergrieffe in aller eyll den sattelknopf undt behilte den fuß im steigbügel, in Hoffnung, mich wider in den sattel zu heben; aber indem ich den sattelknopf ergreiffe, entfelt mir der zügel. Ich rieff einen, der vor mir war, daß er mein pferdt auffhalten solte; dießer aber kam mitt einer alzugroßen f urie auff mich loß undt machte also meinem pferdt bange, welches aber nicht faull war, sondern sich gar baldt auff eine andere seitte wentte undt durch ginge. Ich aber hilte mich feste so lang ich merckte undt sahe, daß die andern pferde nah bey mir waren; sobaldt ich mich aber alleine sahe, ließ ich mich algemach loß undt auff die grüne blousse [ pelouse =Rasen) fallen, undt dießes (ist) so glücklich abgangen, daß ich mich Gott sey danck nicht das geringste wehe gethan habe. E.L., die unßern König so sehr admiriren, daß er mir so woll in meinen Kints Nöthen beygestanden, werden ihn dan noch auch woll lieb haben in dießer rencontre, denn er war selber der erste bey mir so bleich wie der todt, undt ob ich ihm schon versicherte, daß ich mir gar kein wehe gethan undt nicht auff den Kopff gefallen were, so hatt er doch keine ruhe gehabt, biß er mir selber den Kopff auff alle seitten vissitirt undt endtlich funden, daß ich ihm war gesagt hatte; hatt mich selber hir In mein Cammer geführt undt [ist] noch etlich Zeitt bey mir blieben, umb zu sehen, ob ich auffs wenigst nicht taumblich were... Ich Muß sagen, daß der König mich noch täglich mehr gnade erweist, den er spricht mir überall zu, wo er mich ahntrifft, undt lest mich jetzt alle Sambstag hollen, umb medianosche [ médianoche, Mitternachtsschmaus] mitt ihm bey mad. de MontespanFrançoise Athénais de Rochechonart, 1663 verheiratet mit dem Marquis de Montespan; später die Mätresse Ludwigs XIV., bis sie von der Maintenon verdrängt wurde. zu halten. Dießes macht auch, daß ich jetzt sehr à la mode bin, denn alles waß ich sage undt thue, Es sey gutt oder überzwerck [verkehrt], daß admiriren die hoffleütte auch dermaßen, daß, wie ich mich jetzt bey dießer Kälte bedacht, meinen alten zobel ahnzuthun, umb wärmer auff dem halß zu haben, so lest jetzt jederman auch einen auff dieß patron machen undt es ist jetzt die größte mode; welches mich woll lachen macht, denn eben dieselben, so jetzt dieße mode admiriren undt selber tragen, haben mich vor 5 jahren dermaßen außgelacht undt so sehr mitt meinem zobel beschrieen, daß ich ihn seiderdem nicht mehr hab ahnthun dörffen. So gehts hir bey dießem hoffe zu, wen die courtissans sich einbilden, daß einer in faveur ist, so mag einer auch thun was man will, so kan man doch versichert sein, daß man apropirt werden wirdt, hergegen aber, wan sie sich daß contrari einbilden, so werden sie einen vor ridicule halten, wen er gleich von Himmel kämme ...

Versaille den 4. Nov. 1677.

An DieselbeBodemann, Sophie Nr. 15.

... Ich gehe alle 2 tage und sehr offt 2 undt 3 tage nach einander mitt dem König auff die jagt, undt wir jagen hir nicht weniger alß zu Fontainebleau. Der lust von der hirschjagt ist unßerm König jetzt gantz auffs neue ahnkommen, deß bin ich recht froh undt ich folge ihm so offt es möglich ist, denn ich liebe die jagt ebenso sehr als I.M. [Ihre Majestät] undt das ist ein rechter lust vor ein rauschenblatten knecht wie ich bin, denn man darf sich da nicht viell butzen noch rott ahnthun [schminken] alwie bey den bal.

An ihren Vater Kurfürst Karl LudwigMitgeteilt in »Historische Zeitschrift«. Bd. 49, 1883, S.131/2.

[St. Germain] 22. nov. 1677.

Weilen ich seiter 3 monat her die gnade nicht gehabt habe, Eintzigen brieff von E. G. [Euer Gnaden] zu entpfangen noch Einiges Wort von E. G. zu vernehmen, so habe ich auß Respect auch nicht schreiben dörffen und geförchtet, daß meine brieffe E. G. importuniren [unbequem sein] mögten; jedoch so habe ich Ein kindliches vertrawen zu E. G. getragen und mir dero vergangene güte und gnaden, so ich jederzeit gespüret, dermaßen vor die augen gestellet, daß ich nicht anderß hab gedencken können, alß daß diese schlimme kriegszeitten hieran schuldig weren, E. G. aber nicht destoweniger dero vatterliche affection [Zuneigung, Liebe] mir nicht entzogen, indem mein gewissen mir stehts vorstellt, daß ich mich dero gnade nicht unwürdig gemachet, seider der zeit ich nicht mehr so glücklich bin, E. G. persöhnlich auffzuwarten ....

Ich war auch willens E. G. nicht Eher zu schreiben, biß ich durch Eines dero gnädigen brieffen gleichsam die Erlaubnisß Entpfinge. Nun aber zwingt mich hierzu meine unterthänige kindliche affection und glaube, daß ich mich unwürdig machen würde aller gnade, so ich jemahlen von E. G. entpfangen und aller versicherungen, so E. G. mir von der vatterlichen zuneigung geben haben, wen ich E. G. nicht wissen thete, welch Ein wunderbar geschrey hier von E. G. geht, so vor I.M. des Königs und Monsieur ohren kommen, welches wie ich besorge E. G. auff die lenge in den gemühtern großen tort thun mögte, den man sagt, daß solches ohne exempel und Eine unerhörte sache seye. Man gibt vor, daß E. G. meinem bruder ohne ursach ungnädig sein, selbigen sozusagen wie Einen gefangenen halten, von ihm begehren, daß Er unsere fraw Mutter I. G. die Churfürstin überreden solle sich gutwillig von E. G. zu scheiden, und wofern sie sich dieses weigern, wolten E. G. par force [mit Gewalt] eine andere gemahlin Nehmen und dermaßen böße schrifften von I. G. unßer fraw Mutter außgehen laßen, welche unß allen schimpflich sein würden. Ich gestehe, daß ich, die (wie schon gesagt) E. G. gütte gegen mein bruder und mir so offt gespüret, dießen Zeittungen schwerlich kan glauben zustellen, wie sehr man mich dießes auch versichern will, jedoch so bekenne ich, daß es mich in meiner seelen schmertzt dergleichen zu hören, und fürchte, daß wan Monsieur und I. M. der König selbst persuadirt [überzeugt] sein mögten, daß E. G. Etwaß unterfangen, so unß schimpflich, Es nicht gut finden und Mittel suchen mich von einem affront [Beleidigung]abzuwaschen, umb der Ehren deren alliance [Verbindung] würdig zu bleiben, welches vielleicht und wovon unß Gott behüten wolle, ärgere unglücke nach sich ziehen mögten, alß wan mein bruder ohne erben sterben und die pfalz in des hertzogen von Neuburgs hände kommen. Aber mein bruder undt seine gemahlin seindt noch jung, derowegen noch hoffnung. Drumb bitte ich E. G. auf meinen knien unterthänigst und umb Gottes willen, E. G. bedencken dieses recht, und wofern E. G. noch Ein fünklein dero vätterlichen affection vor meinen bruder und mich uberig haben, so Erbarmen sie sich doch unßer gnädigst, weillen ja, wofern dieß geschrei war ist, nichts anderes drauß erfolgen kan alß lautter unglück sowohl vor E. G. selbsten, als unß beyden. Vielleicht werden E. G. übel nehmen, daß ich so frey herauß schreibe, aber ich verlaße mich auf E. G. gerechtigkeit, welche mich nicht wird verdammen können, weilen mir hirinnen E. G. reputation viel mehr alß meine eigene zu hertzen geht, welches auch das Eintzige motif schier ist, so mich zu schreiben bewogen hat.

An die Kurfürstin Sophie von HannoverBodemann, Sophie Nr. 16.

St. Germain den 24. Nov. 1677.

E. L. wehrtes schreiben vom 26. Oct. habe ich zu endt der vergangen woche zu Paris entpfangen, undt weillen ich darauß ersehe, daß es E. L. lieb ist, daß Corneille seine commedien wider à la mode werden, so muß ich E. L. sagen, daß man jetzt die allerälsten nach einander spielt undt das ist der gröste spaß, den ich zu Paris hab, wenn ich dorten bin. Der arme Corneille ist so froh darüber, daß er mir versichert, daß es ihn so sehr verjüngt hette, daß er wider noch eine hübsche commedie vor seinem endt machen will; möchte wünschen, daß ich so glückseelig sein mögte, E.L. in dießelbe zu führen, aber ich förchte, daß der krieg lenger werden wirdt, alß deß gutten alten Corneille sein leben...

St. Germain den 11. Januari 1678.

An DieselbeBodemann, Sophie Nr. 17.

... Wegen der histori vom divorseBetrifft die geplante Ehescheidung des Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz von seiner Gemahlin Charlotte von Hessen. werde ich alle tage zu rede gestellt. Daß E.L. undt oncle über mich lachen, daß ich jetzt so gutt catholisch bin undt so viel vom sacrement des ehestandts halte, so schlegt mir aber solch sacrement woll genung zu, umb zu wünschen, daß es ewig wehren undt man kein mittel finden möge, selbiges zur scheydung, denn wer mich von Monsieur scheiden wolte, thete mir keinen gefahlen, drumb können E.L. woll dencken, daß mihr eine solche mode, wenn sie aufflammen solte, gantz undt gar mißfahlen würde undt wan es nöthig were, noch 3 abjurationen zu thun [Glauben wechseln] wie ich zu Metz gethan, umb zu persuadiren, daß der ehestandt ein sacrement sey undt derowegen nicht könne geschieden werden, so würden E.L. ahnstatt der einen noch 3 versigelte promessen [Versprechen] bekommen. Ich mögte von hertzen wünschen, daß I.G. der Churfürst [ihr Vater] auch meiner Meinung weren, setze aber auch dazu, daß I.G. auch so vergnügt lebten als ich. Ich hoffe, mein bruder [Kurprinz Karl) undt unßere princes [Wilhelmine Ernestine]werden sich einmahl der sachen laßen ernst sein undt unß durch ein kintgen auß allen dießen lermen helffen ...Diese Hoffnung erfüllte sich nicht; er starb 1685 ohne männliche Nachkommen, worauf das Haus Pfalz-Neuburg folgte. Ludwig XIV. aber machte Ansprüche für Liselotte geltend, deren Nichterfüllung 1788 den Orléansschen Krieg und die Verwüstung der Pfalz zur Folge hatte.

St. Germain den 24. Julli 1678.

An DieselbeBodemann, Sophie Nr. 20

... Ich habe alle E. L. brieffe wol entpfangen, wenn aber auch E.L. letztes schreiben in andere Hände alß die meinige gerathen weren, so können E.L. doch versichert sein, daß man sie wegen der poßen, so drinnen stunden, nicht würde vor dörigt gehalten haben, denn E.L. reputation ist hir gar woll establirt in alles, aber insonderheit auch waß den verstandt betrifft; zudem auch so ist man nicht so delicat [zartfühlend] hir im lande, sondern man spricht all frey genung von allerhandt natürliche sachen. Ich weiß ein galand, welchen ich aber nicht nennen will noch darff, welcher alß mitt seiner maitresse auffn kackstul geht undt wan eins von ihnen seine sachen verricht hatt, dan setzt sich das andere drauff, undt entreteniren [unterhalten] einander auff dieße weiße. Undt ein ander par kenne ich auch, die einander alß vertrawen, wenn sie ein clistier nehmen undt von nöhten haben; ich habe solches mitt meinen eygenen ohren gehört undt der liebhaber bekente, daß er solches von nöhten, weillen er den abendt zuvor zu viel gefreßen hette, so ihm ein groß magenwehe verursagte, drumb wolle er ein clistier nehmen, umb desto beßer wider zu mittag zu eßen, ohne desgoust [Widerwille]. Wenn das Teütsche theten, wie solten die Frantzossen lachen, aber weillen sie es selber thun, so ist es gar hofflich. Noch etwaß muß ich E.L. verzehlen, so mir ahm anfang sehr frembt ist vorkommen: man redt hir ohne schew von jungfer Catherine [Jungfer Kattl = Menstruation], undt die Königin, so so eine erbare fraw ist, spricht ahn offendtlicher taffel mitt allen manßleütten davon...

An Frau v. HarlingBekenntnisse der Prinzessin Elisabeth Charlotte von Orléans 1791, S. 122.

Den 20ten August 1678.

Im ubrigen so schicke ich Euch hiebey daß versprochene schächtelgen, worinnen ich mein berenkatzenaffengesicht ein gespert, weillen ich gedacht, daß solches euch, mein lieb jungfer Uffel, nicht unangenehm sein würde. Sie wollen Einen hir alß hübscher mahlen alß man ist, drumb haben sie mich fetter gemacht, als ich in der that bin, wie ihr sehn werdet. Daß Es aber nicht sehr gleicht, ist meine schuldt nicht, denn ich hab mich Euch zu gefahlen Einen ganzen nach mittag dahergesetzt, umb mich mahlen zu laßen, welches gar nicht Divertissant [belustigend] ist, aber vor seine freunde undt insonderheit freunde, die man obligirt [verpflichtet] ist, wie ich Euch bin, thut man woll waß, das man sonst nicht thete.

St. Clou den 24. September 1680.

An die Kurfürstin Sophie von Hannover Bodemann, Sophie Nr. 32; Vergl. Ranke, XIII, 16.

Ob meine augen mir zwar vom viellen weinenÜber den Tod ihres Vaters, am 28.August 1680. so wehe thun, daß ich kaum recht drauß sehen kan undt also große mühe zu schreiben habe, so habe ich doch unßern printzen [Georg Ludwig von Hannover] nicht weg können laßen ohne ihm ein schreiben ahn E.L. mitt zu geben, undt ob zwar meine trauerigkeit undt schmertzen über den abscheülichen verlust, so wir gethan, über die maßen ist, so deücht mir doch, daß sich mein hertz ein wenig erleichtert, ahn jemandes zu schreiben, so eben so betrübt ist alß ich bin undt dießes große unglück mitt mir theilt. E.L. aber zu sagen was ich entpfinde undt wie mir tag undt nacht zu mußte ist, were woll schwerlich zu beschreiben, aber E.L. können solches leyder woll bey sich selbsten abmeßen. Nun ich sichere gelegenheit habe, kan ich auch frey herauß reden, muß derowegen sagen, daß E.L. noch glücklicher sein alß ich, denn ob sie schon eben so viel verlieren, so seindt sie doch nicht obligirt, bey denjenigen zu leben, welche ohne zweyffel ahn I.G. des Churfürstens seeliger todt ursach sein durch den chagrin [Kummer], so sie ihm gegeben, undt dießes ist mir hartt zu verdauen. E.L. sagen mir in dero letzten gnädiges schreiben, daß sie sich mitt mir erfreüen, daß ich bey dem König bin, bey welchem ich so gerne bin; ja ehe er papa so verfolgt hatte, gestehe ich, daß ich ihn sehr lieb hatte undt gerne bey ihm war, seitterdem kan ich E.L. woll versichern, daß es mir sauer genung ahnkommen ist undt hinfüro mein leben lang ahnkommen wirdt, ja ich hette mich auch nicht dazu resolviren [entschließen] können, wenn er mir nicht selbst zu Fontainebleau versprochen, daß er es beßer machen undt endern wolle, im fall ich nur woll mitt ihm lebte, undt auß dießer ursachen hab ich in wehrender reiße mein bestes gethan, welches mir aber leyder nicht gelungen ist, wie E.L. sehen. Wenn mich Gott der allmächtige so glückseelig machte undt zu papa zöche, könt mir woll nicht beßer geschehen, denn mein gantzes leben kan hinfüro nicht anderß alß ellendt sein, wie E.L. woll selber sehen. Wolte Gott auch, daß ich mitt dem printzen [Georg Ludwig von Hannover] zu E.L. dörffte, denn ich wolte lieber mitt E.L. weinen, alß hir bey allen den lachenden gesichtern zu sein, welche mir denn, wo es möglich were, meine trauerigkeit noch überheüffen. Ich glaube auch, daß I.L. der printz kein regret hatt [nicht bedauern würde], dieß landt zu quittiren [verlassen],undt daran haben S.L. woll groß recht...

An ihren Stiefbruder den Raugrafen Karl Ludwig Holland † 1688Briefe der Herzogin Elisabeth von Orléans aus den Jahren 1676–1722; Bibliothek d. Literar. Vereins in Stuttgart. Im folgenden zitiert: Bibl. d. lit. Vereins Bd. 88, 107, 122, 132, 144 u. 157. Dieser Brief: Bd. 88, Nr. 8.

St. Clou den 25. Aprill 1681.

Hertzallerlieb Carllutz, es ist zwar war, das ich seyder unßer aller so abscheülich unglück undt schleünigen todt I.G. deß churfürstens, unßers Herren vattern, 3 brieff von Eüch entpfangen ..., habe aber solche auß nachfolgende ursachen nicht beantwortet, erstlich weillen ich damahlen, nehmblich alß ich Eweren ersten brieff entpfangen, schon ahn meinem bruder Ewer aller wegen geschrieben undt derowegen seiner antwort erwarttet, zum andern alß ich solche eben nicht dermaßen gefunden, alß ich es für Eüch gewünscht, habe ich noch zwey mahl ahn meinem bruder undt auch an I.G. die churfürstin, mein fraw mutter, geschrieben undt Eüch zum besten undt starck recommandiret, Ewere geschwisterig all ins gemein undt Eüch noch absonderlich. Dießes alles aber, wie ich sehe, hatt Eüch leyder mehr geschadt, alß genutzt. Die churfürstin, mein fraw mutter, ist gar raisonable undt scheynet gar nicht erbittert zu sein; mein bruder aber, wie sie mir geschrieben, ist gar übel mitt Eüch zufrieden. In meinem letzten brieff, den ich ihm geschrieben, habe ich ein lang capitel von Eüch gehalten, ihn auch gebetten, das er mir doch sagen möge, worumb er böß auff Eüch seye, sintemahlen ich Eüch, wie Ihr hir wahret, in solchen gutten sentimenten [Gesinnung] vor ihm gesehen, daß ich unmöglich glauben könte, das Ihr seyderdem etwas gegen ihm hettet thun können, so ihm zuwider were, könte derowegen nichts anderst hirauß urtheillen, alß das er jemandes bey sich haben müste, so Eüch einige böße officien müste geleistet haben, hätte ihn derowegen, mir alle ursachen zu schreiben, so er über Eüch zu klagen hette; den ich versichert were, das ich Eüch leicht bey ihm justificiren [rechtfertigen] würde. Auff dießen brieff hatt er mir aber gar nicht geantwortet, auffs wenigst biß auff dieße stunde nicht. Dießes ist gar ein böß zeichen undt alles, was ich Eüch hirauff sagen kan, ist, das es mir von grundt meiner seelen leydt ist, das es Eüch übel geht, undt wen es mir möglich were, Eüch besser zu dinen, alß ich es bißher gethan, wolte ich es von hertzen gerne thun; mehr aber alß ich bißher gethan, ist unmöglich; den ich habe mir dadurch schir meiner fraw mutter undt meines bruders unwillen überem halß gezogen. Nun aber ist nicht anderst zu thun, alß das Ihr Eüch gedulden müst; den mein fraw mutter schreibt mir selber, das sie glaubt, das mitt der zeit mein bruder gegen Eüch endern wirdt. Sie sagt auch, das er Ewere schwestern lieb hatt; drumb werden sie Eüch dortten auch woll gutte officien [Dienste] leisten können. Unterdessen aber rahte ich Eüch, die gelegenheit nicht auß der handt zu lassen, so Eüch oncle offerirt, bey ihm zu bleiben. Geht derowegen nur in gottes nahmen nach Hannover! Undt weillen ich glaube, das Ihr wegen Ewerer langen reiße woll waß gelt von nöhten habt, so schreibt mir nur, so baldt Ihr zu Hannover werdet ahnkommen sein, so will ich Eüch ein wechselbrieffgen von 800 pistollen schicken, welches ein rest ist von dem gelt, so mir der könig vergangenen neüjahrstag geben. Hette ich mehr, wolte ichs Eüch von hertzen gerne schicken; unterdessen aber, hertzlieb Carllutz, müst Ihr den willen vor das werck nehmen undt gedencken, das, wen es bey mir stünde, Eüch glücklich zu machen, das ich kein augenblick verseümen würde. Das glaubt nur vestiglich! Den ich sag es Eüch ohne complimenten. Es bleibt mir nun nichts mehr überig, alß Eüch zu sagen, warumb ich endtlich noch nicht eher, alß nun auff Ewerem 3ten undt letzten brieff geantwortet. Die ursach ist, das wir 8 tag den gantzen hoff hir im hauße gehabt haben. Ihr, der diß gethuns hir gar woll kent, könt jetzt leicht errahten, warumb ich in der zeit nicht geschrieben. Ein tag war bal, ander tags commedie undt seindt 3 mahl auff die jagt. Segt jetzt, was vor zeitt mir hatt überig bleiben können! Aber weillen Ihr, wie schon gesagt, alles dießes gethuns eben so woll alß ich selber wist, so will ich Eüch nicht lenger damitt auffhalten, sondern von waß anderst reden. Oncle ist, gott sey danck, wider in vollkommener gesundtheit zu Hannover ahngelangt ... Adieu hertzlieb Carllutz! Glaubt das niemandes in der welt Eüch lieber hatt, alß ich, undt wo ichs Eüch werde erweißen können, werde ichs von hertzen gerne thun; den biß in todt werde ich Ewere trewe freündin verbleiben. Vielle undt manche ursachen verbinden mich hirzu, insonderheit aber das vertrawen, so Ihr mir erweißt. Wen der könig fort fahret, mir alle jahr zu geben, wie diß jahr, solt Ihr es gewiß, wen Ihrs von nöhten werdt haben, mitt entpfinden. Adieu!

Elisabeth Charlotte.

Versaille den 21. Julli 1682.

An die Kurfürstin Sophie von HannoverBodemann, Sophie Nr. 39.

... Ich hoffe zwar, daß E.L. mir woll die justice thun, solches zum vorauß zu glauben, allein so tröst es mich doch, wenn ich gelegenheit finde, E.L. solches zu sagen; undt trost hab ich hoch von nöhten, denn ich bin wider so leünisch [launisch] wie ein alter hundt, undt ich glaube, daß seyder ein jahr hir der teüffel sich in menschliche gestalt verwandelt hatt, umb mich auß der hautt fahren zu machen, undt zu erlernen alles was die teüffelische undt menschliche falschheit vermach, undt hirin bin ich nun so perfect gelert, daß meine lehrmeisters mich nun woll einmahl in ruhe solten laßen, denn ich weiß nun gar zu woll undt experimentire solches nur täglich gar zu viel, was lügen sein, woran nicht ein eintziges wort wahr ahn ist, was viel versprechen undt nichts halten ist, was gutte minen sein, wen man einem den grösten affront von der welt preparirt undt einem heimlich die ehre abschneit, ja was es ist, sich ahnzustellen, alß wenn man waß bößes von einem glaube, da man doch in dem grundt alles viel beßer weiß, waß es endtlich ist, sich verwundern, worumb man trawerig ist, solches ahn alle menschen fragen, da man doch in seinem gewißen weiß, daß man täglich undt stündtlich ursach dazu gibt. Aber wenn ich alles so nach einander sagen solte, was ich seyder ein jahr her erfahren habe, würde mein brieff nicht allein gar zu lang werden, sondern E.L. auch gar zu langweillig zu lesen fallen; will derowegen dießen discours fahren laßen undt von was anderst reden. Mein bößer humor würde mir woll baldt vergehen, wenn man mir erlauben wolte, E.L. ein zeit lang auffzuwarten, aber dieße freüde darff ich mir nicht machen, muß also dießen Text auch quittiren, sonsten werden mir die grillen noch ärger im kopff steigen, alß sie schon sein. Wovon soll ich E.L. den weitters entreteniren? ...

Versaille den 12. September 1682.

An DieselbeBodemann, Sophie Nr. 40; vgl. Ranke XIII, 20 f.

... Damitt ich nun aber ordentlich antwortte, so muß ich E.L. sagen, daß leider die ritterischeIhre Gegner, an deren Spitze der Günstling ihres Sohnes, der Chevalier Philipp de Lorraine, stand. schar ihre böße ahnschläge gar nicht fehlen, sondern alles was sie nur vor teüffelische ahnschläge haben, die gehn ihnen von statten, wie E.L. woll sehen. [Ich] wolte taußendtmahl lieber in einem ort wohnen, wo böße geister undt gespenster regireten, denn denen ließe unßer herr Gott keine macht über mir; dieße verfluchte ritters geister aber, so nur gar zu viel fleisch undt bein haben, denen lest der König undt Monsieur alle boßheit zu, so nur zu erdencken sein; welches ich täglich nur zu gewahr werde, undt obschon der ritter dem großen mann [Ludwig XIV.] seinen sohn debauchirt [zur Ausschweifung verführen], abscheülich von seiner tochter gesprochen undt mich täglich verfolgt, so geschicht ihm doch über diß alles nichts undt ist schir beßer dran alß andere, so nur ihren weg fortgehen. Ach wolte Gott, daß E.L. wunsch wahr würde undt daß ihn Lucifer baldt in sein reich nehmen mögte, aber weillen er sich alleine fürchten mögte, so wünsch ich ihm zu dießer reiße noch einen gesellen, nehmlich den marquis d'Effiat,Oberstallmeister und Günstling ihres Sohnes; einer ihrer Gegner. welcher woll den weg wißen kan, denn auß seinen erschrecklichen laster undt sonsten noch boßheit kan ich nichts anderß urtheillen alß daß er schon des Lucifers unterthan muß geweßen sein, auch ehe er menschliche Gestalt ahn sich genohmen hatt undt sich hieher begeben, umb mich hir auß der haut fahren zu machen ... In dießer letzte sache ist es mir gar zu nahe gangen, daß man mir ahn meine ehr undt reputation gegriffen. Ich habe mad lle de Theobon [Hoffräulein der Herzogin] sehr lieb undt hette mich woll hertzlich geschmertzet, daß man sie von mir thut, indem ich sie sehr trew vor mich befunden undt stehts gar ein groß attache [Zuneigung] vor mich gehabt hatt, welches ich ihr mein leben danck wißen werde; allein so hette ich mich doch eben so erschrecklich nicht betrübet, sondern die sach eben auffgenohmen alß wie man mir die mareschalle Clerembeault [Hofdame der Herzogin] undt Beauvais weg gethan hatt, welche auch in der that kein ander crime [Verbrechen] hatten alß daß sie mir trew waren undt gerne bey mir, eben wie Theobon. Damitt aber dieß letzt stückel, so meine feinde mir ahngethan, desto mehr krafft hette, so haben sie es mitt nachfolgenden umbstenden bestickt: nehmblich sie haben 3 monat vorher das geschrey außgebreitet, daß ich eine galanterie hette undt daß Theobon meine brieffe trüge, undt hernach machen sie, daß sie Monsieur wegjagt auff einen stutz, mitt befehl, daß sie ihr leben kein comers mehr mitt mir haben solle, undt der chevalier de Beuvron wirdt mir weggejagt auß forcht, daß ich ihn sprechen mögte, umb commissionen ahn Theobon zu geben. Ich laße E.L. jetzt gedencken, was alle welt davon judiciren kan undt ob es mir nicht schmertzlich ist, mich gantz unschuldig zu wißen undt doch eine solche schande zu erleben, ohne daß man mich einmahl ahnhört, ob ich mich rechtfertigen kan oder nicht, wie sehr ich auch drumb mitt threnen gebetten ... Wolte Gott, es were mir erlaubet, alles zu quittiren undt daß ich E.L. mein leben auffwarten müste: allezeit würde niemandes assiduer [dienstbeflissener] sein alß ich undt darvor gern alle hießige grandeurs [Herrlichkeiten] quittiren; sie kommen einem gar zu thewer ahn. E.L. dencken, wie ich muß verendert sein undt wie sehr mir alle die schimpff müßen zu hertzen gehen. Ich bin resolvirt geweßen, mein leben zu Maubuisson zu schließen undt hab den König 3 tag continuirlich drumb geplagt, auch so, daß er mir endtlich gesagt hatt, daß er sich absolutte dagegen opposiren würde undt daß ich mir solches auß dem kopff schlagen solle, denn er die tag seines lebens nicht drein consentiren würde, es möge mir auch begegnen was da wolle ...

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