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Briefe an Luise Rau

Eduard Mörike: Briefe an Luise Rau - Kapitel 40
Quellenangabe
typeletter
authorEduard Mörike
booktitleVerschiedene Erzälungen
titleBriefe an Luise Rau
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(Ochsenwang), den 29. Juli 1832 Sonntag

Für Dich allein

So wäre ich denn nun wieder hier und hätte mich in unsrer kleinen Wohnung wieder eingelebt und eingesponnen, insoweit dies nach einer so starken und glücklichen Distraktion überhaupt möglich ist; denn der größte und wesentlichste Teil meiner selbst ist noch immer bei Dir, und niemals hat mein Berg und haben diese Wände mir weniger Heimatliches gehabt als eben jetzt, und das nicht etwa darum nur, weil ich ihnen selbst in Gedanken schon etwas untreu geworden bin, sondern weil ich – in Wahrheit ists gesagt – je länger je mehr es empfinde, daß mir nirgend recht gründlich wohl werden kann, wo nicht Deine unmittelbare Gegenwart sich allem meinem Tun und Lassen und Regen und Bewegen im schönen Element häuslichen Friedens, bald anregend, bald beruhigend und Äußeres wie Inneres ausgleichend, mitteilt. Ich habe diese selige Gewohnheit des Lebens mit Dir die letzte Zeit herein wieder einmal in reichlichem Maße gekostet und muß, da es nun abgebrochen ist, über meine eigene Armut und Leere erstaunen, die wieder auszubaun und herzustellen ich ein recht ausgesuchtes und gewaltiges Mittel bedürfte, wenn sich solches innerhalb der nächsten Grenzen meines geistigen Lebens und Schaffens sogleich und ohne weitere Vorbereitung würde habhaft werden lassen. – Ich lebe jetzt in einem dunkeln, sonderbaren Mittelzustand, und die ungewisse Hoffnung, daß meine ganze Existenz sich nun bald sollte regulieren dürfen, trägt nicht wenig bei, die Ungeduld zu vermehren, mit welcher ich nach einer tüchtigen Arbeit, sei es ein wissenschaftlicher oder poetischer Stoff, in Gedanken umhersuche und zu keinem Entschluß kommen kann. – Heute ist wohl (wenn Bahnmaier und Abele Wort gehalten haben) meine Bittschrift samt den halben Dutzend Beilagen nach Stuttgart abgefahren und kann schon die morgende Session erleben. Möge ein guter Geist drüber walten. Ich weiß nicht, was zu hoffen ist; hier verläßt mich die Prophetengabe; doch kennt ja der Himmel meine Wünsche und Deine.

Wenn der König von Livorno aus nominiert, so hat freilich Weishaar nichts dabei anzubringen. Vielleicht wartet man aber die Rückkehr des Königs ab, was immer besser wäre. Wir wollen auf den Fall des Fehlschlagens nur immer die Augen auf andere Orte offen halten. Begegnet Dir etwas derart, so säume ja nicht, mirs gleich mitzuteilen! –

Mein teures Kind! ich muß für diesmal schließen, es erwartet mich die Beantwortung noch dreier Briefe. Bald aber sollst Du Weiteres von mir hören.

Nur das noch: ich sehe am heutigen ganzen Tage (da mir Deine kirchliche Absicht bekannt) das liebe, liebe Bild meiner Luise mit einem ganz besonders schönen und geistigen Ausdruck vor mir. Eine wunderbare, selige Stille umfängt mein Gemüt bei dieser Vorstellung. Ich darf mir mit Entzücken keck es sagen: es ist dasselbe Kind, das mir am 26. November so ganz, so unbedingt sein Herz aufschloß – – .

Leb wohl, mein süßestes Leben! Sage der teuren Mutter in meinem und der Meinigen Namen den zärtlichsten Dank für alle genossene Liebe und Güte. Ebenso des guten Denks. Der lieben Jette aber versichere, daß der Bücherpack keineswegs mit Absicht, sondern aus reiner Vergessenheit und gegen meinen Willen mit hieher kam. Ich will es gutzumachen suchen. –

Wir haben gegenwärtig abscheuliches Wetter, Regen und dicke Herbstnebel, worüber sich mein Hals beklagt. Ich habe nun das Fontanell doch noch angefangen.

Leb wohl! Tausend der heißesten Küsse!

Dein treuster
Eduard

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