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Gutenberg > Johann Wolfgang von Goethe >

Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1

Johann Wolfgang von Goethe: Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1 - Kapitel 95
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authorJohann Wolfgang von Goethe
titleBriefe an Charlotte Stein, Bd. 1
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940

[Donnerstag 8. August]


Zu Mittage hab ich einen Gast, Nach Tische wird wohl Bertuch kommen.

Gegen Abend such ich dich und finde dich hoff ich wie immer.

d. 8. Aug. 82.

G.

941

[Freitag 9. August]

Gegen deinen Kuchen kann ich dir nur Commißbrod schicken, aber Liebe gegen Liebe. Gern will ich zu Mittage kommen und von deinem Wesen Freude nehmen. Vielleicht schreiben wir diesen Nachmittag ein wenig. Cervantes hält mich iezo über den Ackten wie ein Korckwamms den Schwimmenden. Adieu beste einzige L.

d. 9. Aug. 82.

G.

942

[Freitag 9. August]

Zur guten und schlimmen Stunde sehnt sich mein Wunsch nach dir. Gute Nacht von einem Halbkrancken. Ich schreibe es der Lufft zu denn ich weis es von vorigen Zeiten. Adieu das wird vorüber gehn. Etwas anders nicht. Seit dem du den Hof der Löwen gesehen hast, ist mir der Alhambra lieber, weil ich nun auch mit dir darinne spaziren gehn kann.

d. 9. Aug. 82.

G.

943

[Sonnabend 10. August]

Heute früh habe ich das Capitel im Wilhelm geendigt wovon ich dir den Anfang dicktirte. Es machte mir eine gute Stunde. Eigentlich bin ich zum Schrifftsteller gebohren. Es gewährt mir eine reinere Freude als iemals wenn ich etwas nach meinen Gedancken gut geschrieben habe. Lebe wohl. Erhalte mir die Seele meines Lebens, Treibens, und Schreibens.

d. 10. Aug. 82.

G.

944

[Sonnabend 10. August]

Hierzu erhalt ich dein Zettelgen. Ja liebe du must mir viele Nahmen geben und mir viel seyn. Wenn ich keine scharfe Arbeit habe fühle ich mich leidlich.

Ich erwarte Euch im Garten, im Hause bin ich noch nicht eingerichtet. Es wird wohl enge. Sie werden sich schon vertragen.

d. 10. Aug. 82.

G.

Laß Carlen mitkommen.

945

[Sonntag 11. August]

Es wird mir ganz wohl seyn, wenn ich hoffen kann dich wie immer zu sehen.

Weder die Lufft des Himmels noch der Erde scheinen mir Ruhe geben zu wollen.

Adieu ich suche dich auf so bald ich frey bin. Und freue mich ewig deiner Liebe.

d. 11. Aug. 82.

G.

946

[Montag 12. August]

Seiner Geliebten Vertrauten sendet allerley der beständige. Ich bin ganz leidlich, meine Krabbeligkeit um nicht zu sagen mein Fleis, geht mit der neuen Woche wieder an.

Etwas aber geht nicht an, sondern es schlingt sich aus einer Woche in die andre.

Adieu beste. Sende mir die Papiere bald wieder.

d. 12. Aug. 82.

G.

947

[Mittwoch 14. August]

Die Erscheinung der Sonne verschafft mir eine freyere Welt. Ich hoffe heute besser des guten geniesen zu können was mir so reichlich in dir und durch dich bereitet ist.

d. 14. Aug. 82.

G.

948

Ich habe überlegt daß es gut ist, wenn ich nach Tisch nach Tiefurt reite.

Gegen Abend komme ich wieder und suche dich auf, wir wollen zusammen spazieren und unsre Abhandlungen ausführen.

G.

949

Stein sagt mir daß du mit mir fahren willst. Es wird mir sehr lieb seyn. sage dem Kutscher er soll das Korb Chaisgen um 3 Uhr anspannen. Ich will zu dir hinauskommen.

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