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Gutenberg > Johann Wolfgang von Goethe >

Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1

Johann Wolfgang von Goethe: Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1 - Kapitel 93
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authorJohann Wolfgang von Goethe
titleBriefe an Charlotte Stein, Bd. 1
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920

[Montag 22. Juli]

Ich will nicht überlästig seyn, aber nur so viel sagen daß ichs nicht verdient habe. Daß ichs fühle. Und schweige.

d. 22. Jul. 82.

G.

921

[Montag 22. Juli?]

Ich schicke das Büchelgen nur zum Vorwande. denn du mußt mir noch ein Wort sagen, sonst hab ich keine Ruhe. Ich bin dir viel schuldig das weis ich wohl, aber du bist mir's auch. Laß mich nicht so.

922

[Dienstag 23. Juli]

So war es denn Gott sey Danck ein Mißverständniß das dich dein Billet schreiben lies. Ich bin noch betäubt davon. Es war wie der Todt man hat ein Wort und keinen Begriff für so etwas. Von meinem gestrigen Stück, das sehr glücklich ablief, bleibt mir leider nichts als der Verdruß daß du es nicht gesehn hast. Lebe wohl. Öffne mir dein Herz wieder l. L.

d. 23. Jul. 82.

G.

923

Beydes nehm ich mit Vergnügen an. Es wird leidlicher mit mir doch hab ich noch keinen Gebrauch der Welt.

G.

924

[Mittwoch 24. Juli]

Während daß ich schlief kam die Erquickung von dir, wie ich aufwache erhalte ich sie. Noch weis ich nicht wie mir ist, o daß der Zustand bald vorüber gehn möge. Es ist noch so heis, in einigen Stunden will ich kommen, will abwarten wo es hinaus will, mein ganzes Wesen ist in seinem innersten angegriffen. So tief deine Liebe drang und mir wohl machte so tief hat der Schmerz die Weege gefunden und zieht mich in mir selbst zusammen. Ich kan nicht weinen, und weis nicht wohin. Adieu verzeih mir. Dein Schmerz ist's der mich ängstigt. Wenn dir's nicht wieder mit mir wohl werden kann so geb ich auf eine freudige Stunde zu haben.

925

[Mittwoch 24. Juli]

Es wird hoff ich werden, noch sitze ich da und sehe vor mich hin, es ist mir so wie eine Leerheit in meinem Ganzen Wesen. Tausend Danck für deine Liebe. Ich kann nichts zusammenbringen. Aengstige dich nicht du kannst alles. O Geliebte. Ich will kommen so bald ich nur kann.

G.

926

[Donnerstag 25. Juli]

Ich habe lang geschlafen und gut, dein frühes Zettelgen empfängt mich und ist der erste Grus des neuen Tags. Mir ist um vieles besser, noch wie ein vom Blitz gestreifter fühl ich eine kleine Lähmung, die wird aber bald verschwinden wenn die einzige Arzeney angewendet wird. Wenn ich noch daran zurück dencke so graust michs wieder, und ich kann nicht eher ruhig werden, als biß ich für die Zukunft sicher bin. Wie gern will ich mich heute durch die Blechkasten und Ackten durch arbeiten, da ich zu dir mit Freuden meine Gedancken wenden kann. Lebe wohl und sey versichert daß mein ganzes Wesen an dich gebunden ist.

d. 25. Jul. 82.

G.

927

[Freitag 26. Juli]

Hat dich das Gewitter nicht beunruhigt? Hast du wohl geschlafen. Ich muß in der Hitze in's Conseil und komme vorher einen Augenblick die Versicherung meines Glückes zu hören.

d. 26. Jul. 82.

G.

928

[Sonnabend 27.Juli]

Heute ist wieder ein Tag der in der Stille bis gegen Abend zugebracht werden muß. O Laß mir es heute an dem nicht fehlen was mir so nothwendig ist, es sey heis oder kalt. Lebe wohl und sey mir hold.

d. 27. Jul. 82.

G.

929

[Sonnabend 27. Juli]

Du wirst nun auch mein Zettelgen haben. Der Herzog war heute frühe bey mir. Es ist schon sehr warm. Ich möchte gerne erfahren was du heute vorhast. Lebe wohl. Ich bin und bleibe dein und um dich. Heute Früh kam mir's vor als wenn kein Mensch in einer glücklichern Lage seyn könnte als ich.

d. 27. Jul. 82.

G.

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