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Gutenberg > Johann Wolfgang von Goethe >

Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1

Johann Wolfgang von Goethe: Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1 - Kapitel 89
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authorJohann Wolfgang von Goethe
titleBriefe an Charlotte Stein, Bd. 1
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880

[Sonntag 2. Juni]

Zum erstenmale aus dem neuen Quartier schreib ich und schick ich dir was du aus dem alten so offt erhieltest, einen Morgengrus und die Versicherung meiner Liebe. Es ist mir ganz einerley wo ich bin wenn ich dir nur nahe wohne. Zugleich folgt ein Bund Spargel den ich diesen Mittag mit dir zu verzehren hoffe. Adieu. L. ich sehe dich bald.

d. 2. Juni 82.

G.

881

[Montag 3. Juni]

Guten Morgen meine liebste Nachbarinn. Eine Kutsche die Wielanden nach hause brachte und das Rufen der Wache hat mich schon fühlen lassen daß ich von meiner schönen Einsamkeit getrennt bin. Bin ich es doch nicht von dir vielmehr dir immer näher. Adieu schreibe mir heute wohin deine Weege gehn.

d. 3. Jun. 82.

G.

882

[Dienstag 4. Juni]

Ich habe Carolingen geschrieben, der Brief ist fort. Das Wetter ist nicht liebreich, wenn du es mir nur bleibst.

Diesen Morgen wird gekramt. Mittags bin ich bey Hofe und dann bey dir.

Hier schick ich dir das Diplom damit du nur auch weissest wie es aussieht. Ich bin so wunderbar gebaut daß ich mir gar nichts dabey dencken kan.

Wieviel wohler wäre mir's wenn ich von dem Streit der politischen Elemente abgesondert in deiner Nähe meine Liebste, den Wissenschaften und Künsten wozu ich gebohren bin, meinen Geist zu wenden könnte.

Adieu. Liebe mich denn ich bin dein.

d. 4. Juni 82.

G.

883

[Mittwoch 5. Juni]

Sage mir m. beste ob du dich wohl befindest? Ich habe keine fröhliche Stunde so lang du kranck bist. Gestern Abend war Fritz gar lieb, er bot sich mir zum Vorlesen an und las mir in den Confessions recht artig, und schien das meiste zu verstehn.

Leb wohl. Ich habe viele Briefe zu schreiben.

d. 5. Jun. 82.

G.

884

[Donnerstag 6. oder Montag 10. Juni?]

Ohne ein groser General zu seyn, sah ich das traurige Ende vorher das die Maneuvres unsrer Herrschafften heute Abend nehmen würden. Ein vollstimmiges Conzert war ins Closter bestellt, die Musici im Anzug, die keglenden Prinzen ieden Augenblick zu erwarten. Die H[erzoginn] bestellte sich noch über das alles einen Thee und der Regen brach herein. Ist alles besser geworden als ich dencke, und hast du dich gerettet; so sage mir es, denn ich bin noch angezogen dich zu besuchen.

G.

885

[Sonntag 9. Juni]

Es ist alles fort und m. L. ist noch da, und so ist für mich alles hier. Wie schön daß ich dir es einmal an einem schönen Morgen sagen kann. Diesen Mittag esse ich bey dir, wenn du willst so spazieren wir den Abend und ich will kaltes Essen in meinen Garten bestellen. Nur wenig. Vielleicht mag deine Schwägerinn oder sonst iemand dazu.

d. 9. Jun. 82.

G.

886

[Donnerstag 13. Juni]

Mir ists wohl in dem Gedancken daß ich dich immer wieder finde meine beste.

Da alles Epochen weise mit mir geht so hoff ich die neue Veränderung und Erweiterung meiner Bestimmung soll mir und andern wohl thun.

Adieu alles was ich habe ist für dich.

Diesen Abend such ich dich auf.

Lebe wohl. Ich bin fleisig.

d. 13. Jun. 82.

G.

887

[Freitag 14. Juni]

Ich mögte nur eine Zeile von deiner Hand sehen, wissen wie du geschlafen hast, und mit einer Versicherung deiner Liebe eine schöne Aussicht auf den Tag eröffnet sehen.

Um 10 geh ich ins Conseil, vorher einen Augenblick zu dir. Lebe wohl. Es ist mir immer wenn ich an dich dencke als wenn ich dich halben Weegs zu mir anträfe.

d. 14. Jun. 82.

G.

888

[Sonnabend 15. Juni]

Von dem Augenblick da ich dein Billet erhalte geht erst mein Tag an, ich war immer in Sorgen, du mögtest kranck seyn. Nach Tische geh ich hinaus die Wohnung der Ruhe einzuweihen. Mit wieviel Freude erwart ich dich hineinzuführen.

d. 15. Jun. 82.

G.

889

[Sonnabend 15. Juni?]

Es ist noch lange hin bis diesen Abend. Ich muß dir noch ein Wort sagen und eins von dir hören.

Wenn du magst so will ich eine Bier Kaltschaale unter dem Zelt geben, und wenig kaltes. Wenn die Herzoginn nichts weiter hat so wäre es liebreich von ihr wenn Sie uns nicht verschmähte. Frage sie und sage mir ob Stein auch kommen will und was weiter.

G.

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