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Gutenberg > Johann Wolfgang von Goethe >

Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1

Johann Wolfgang von Goethe: Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1 - Kapitel 84
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authorJohann Wolfgang von Goethe
titleBriefe an Charlotte Stein, Bd. 1
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830

[Sonnabend 2. März]

Mit was für Gedancken ich aufstehe das weist du. Sag mir wie du geschlafen hast? Hier schick ich das französche deutsche Theater.

Vous y trouveres une tragedie d'un Mr. Goethe, qui s'est acquis une grande Renommee par ses ecrits et qui naquit en 1749 pour Vous aimer en 1782 et toute sa vie.

Hast du ein Heft des Tiefurter Journals bey dir, so schick es mir. Prinz August verlangt darnach.

d. 2. März 82.

G.

831

[Sonntag 3. März]

In der Hoffnung meine Liebe heute bey mir zu sehen fang ich den Tag an, schickt ihr eine schöne Rose und wünsche daß ihr meine Neigung immer so schön vorkommen möge als diese Blume aussieht.

d. 3. März 82

G.

832

[Montag 3. März]

Sag mir liebste wie du geschlafen hast? Hier die versprochnen Blumen, da noch die Welt dürr und rauh ist. Was ihnen an Wahrheit abgeht, gewinnen sie an Schönheit der Nachahmung und an Dauer. Beiliegende Verse sende doch ia zur rechten Zeit, mit einem Porzellanteller voll Hafer an die Jöchhausen wenn der Thee beysammen ist. Daß es aber ia recht bestellt wird. Adieu. An diesem Abend leuchten mir keine schöne Sterne.

d. 4. März 82.

G.

833

[Donnerstag 7. März]

Hier l. Lotte ist ein Brief von Knebeln, mit einem guten Morgen, ich sehe dich balde, dich

α/ω.

d. 7. März 82.

G.

834

[Sonnabend 9. März]

Ich wünschte gar sehr zu wissen wie meine beste geschlafen hat? Wie sie sich befindet? und was sie heute vorhat? Sodann erwart ich das Portefeuille mit Freuden.

d. 9. März 82.

G.

835

[Donnerstag 14. März]

Mein erstes Verlangen beym Aufwachen geht wieder zu dir, und es will gar nicht mit der Nothwendigkeit übereinstimmen mich bald zu entfernen. Lebe wohl. Mein ganzes Wesen wird dir immer fester verbunden. Du weisst es, aber fühl es auch und sey glücklich wie du mich glücklich machst. Leb wohl! ich kan so wenig von diesem Papier als von deiner Gegenwart mit Willen scheiden.

d. 14. März 1782.

G.

836

[Jena, Donnerstag 14. März]

Der Kutscher soll diesen Grus überbringen der bald zurückfährt. Ich bin schnell und bequem herüber gekommen, dancke dem Herzog dafür. Da das Wetter so übel ist fürcht ich für Dornburg, deswegen thu ich einen andern Vorschlag wenn ienes nicht möglich würde.

Den 19ten frühe kämt ihr nach Osmannstädt wo ich auch zeitig seyn wollte, und Abends gingen wir auseinander. Davon müsst ich die Nachricht d. 18ten in Apolda haben. Lebe wohl. Allein in Osmannst. müsstet ihr etwas mitbringen dort kan ich für nichts sorgen. Adieu ich schwebe um deine Schultern.

Jena d. 14. März 82.

837

[Donnerstag 14. März]

Wie es Nacht wurde wollt es schon nicht recht mit mir fort, und nun schlagen sie den Zapfen Streich den ich sonst an deiner Seite zu hören gewohnt bin, und mein Verlangen dich zu sehen wird schmerzlich.

Wie wird es werden wenn das Wetter dich Sonnabends wie ich fürchte hindert.

Es geht mir wohl hier, weil manches wohl geht. Ach Lotte was kann der Mensch! Und was könnte der Mensch.

Lebe wohl, ich bin auf alle Weise dein. Und muss dir's sagen, und kann mich nicht bey einzelnen Vorfällen aufhalten. Ich freue mich auf's neue unsere Naturlustige Gesellschafft künftigen Winter zu bewirthen. Die Einrichtung wird gewiss artig, wenn nicht der böse Dämon der Plattheit, der mir so manches verderbt hat, auch dieses zerstört.

Adieu. Meine Gedancken eilen zu dir und freuen sich dich auf halbem Weeg anzutreffen.

Jena d. 14. März 82.

G.

NB. Zum Glück werd ich gewahr daß ich heute früh durch ein Versehen falsche Datums geschrieben habe. Ich kann d. 19ten in Osmannstädt seyn und den Tag da zubringen, wenn ich d. 18ten davon in Apolda Nachricht erhalte. also dies zur Beherzigung wenn der Ausfall auf Dornburg mißglückte.

838

[Dornburg, Sonnabend 16. und Sonntag 17. März]

Dornburg d. 16ten März 82 Abends um 6.

Als ich heute früh erwachte und die schöne Sonne sah, hofft ich du würdest kommen und so bracht ich meinen ganzen Tag zu. Jetzt da es Nacht wird sinckt mein Vertrauen nach und nach, und die Resignation tritt ein.

Der Herzog wird in einer Stunde hier seyn und der bringt mir hoff ich einige Worte von dir.

Auf den Dienstag wirds vielleicht eher, ich darf mir nicht dencken, daß der auch vorbey gehn soll ohne daß ich dich sehe, und soll dir so nah seyn.

Du denckst dir nicht mein Erwarten und Sehnsucht, um drey, vier Uhr wo mir ieder Augenblick dich bringen konnte.

Mein Mieting ist fertig, ich hofft ihn dir vorzulesen, und euch einen guten Abend zu machen. Mir scheint das Ende des Anfangs nicht unwerth und das ganze zusammenpassend.

Nun will ich über den Egmont und hoff ihn endlich zu zwingen.

Noch betrügen mich Stimmen und die Erwartung bald denck ich den Schach zu hören, Bald als käm eine Kutsche und es wird immer dunckler, und gewisser du kommst nicht.

d. 17ten Sonntags. früh.

Gestern kam der Herzog und brachte mir deine Beyden Briefe die er in Jena aufgefangen hatte, ich war herzlich vergnügt deine Hand zu sehn und was ich von deinen Lippen zu hören hoffte, in dem Briefe zu finden.

Heut und Morgen will ich recht vergnügt zu bringen, da mir den Dienstag das Glück dich zu sehn bevorsteht. Jetzt ist mir's lieber daß du nicht gekommen bist. Der halbgeschmolzne Schnee zwischen den schwarzen Bergen und Feldern, giebt der Gegend ein leidig Ansehn. Du sollst sie im Sommer zum erstenmal besuchen.

Der Herzog ist vergnügt, doch macht ihn die Liebe nicht glücklich sein armer Schatz ist gar zu übel dran, an den leidigsten Narren geschmiedet, kranck, und für dies Leben verlohren. Lebe wohl meine beste, du immer gleiche. Möcht ich dein Glück machen wie du meins. Adieu. ich bin immer um dich, und du hast mich noch nicht einen Augenblick verlassen.

Dienstags um zehn erwart ich dein in Osmannstädt.

G.

839

[Sonntag 17. März]

Dornburg. Sonntag Abends.

Der Tag ist stille hingegangen. Wir haben geschwäzt und gelesen, sind ein wenig gegangen pp. Ich bin ganz leise fleisig, ich möchte nun Egmont so gar gerne endigen, Und seh es möglich.

Es geht morgen ganz früh ein reitender Bote nach Weimar, so kannst du dies zum guten Tag haben.

Meinen Montag bring ich in Hoffnung des Dienstags zu. Wenn du nur gesund bleibst! Ich bin in Sorge denn es macht mir gar grose Freude, und alsdann vergehn acht Tage eh ich dir näher komme.

Mein Gedicht hat der Herzog sehr gut aufgenommen, ich bin auf sein weitres Schicksaal verlangend. Ich habe der Schr[ötern] zu ehren zwölf Verse drinne, die du hoff ich schön finden und in allem Sinne damit zufrieden seyn sollst.

Tobler hat noch drey Stücke des Aeschylus geschickt, und ein Packetgen aus der Griechischen Anthologie für dich, die Werthern und die Kleine.

Lebe wohl. ich bin dein. Meine Seele schließt sich in sich selbst zusammen wenn mir dein Anblick fehlt. Diesmal wird mir Osmannstädt wohl unterhalten und meublirt vorkommen. Adieu meine liebste. Sey fleisig am Apoll.

G.

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