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Gutenberg > Johann Wolfgang von Goethe >

Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1

Johann Wolfgang von Goethe: Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1 - Kapitel 83
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authorJohann Wolfgang von Goethe
titleBriefe an Charlotte Stein, Bd. 1
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820

[Montag 18. Februar]

Seit meinem Erwachen bin ich mit dir beschäfftigt und muß dir einige Zeilen schreiben damit ich zu etwas andrem geschickt werde. Ich will heute einnehmen. Sag mir ob du in die Gesellschafft gehst.

Und dann Lotte, ich habe eine Sorge auf dem Herzen eine Grille die mich plagt, und schon lange ängstigt du must mir erlauben daß ich dir sie sage, du must mich aufrichten. Mit Schmerzen erwart' ich die Stunde da ich dich wiedersehe. Du must mir verzeihen. Es sind Vorstellungen die aus meiner Liebe aufsteigen, Gespenster die mir furchtbaar sind, und die nur du zerstreuen kannst.

d. 18. Febr. 82.

G.

821

[Dienstag 19. Februar]

Der H[erzog] hat das Conseil aufsagen lassen weil er von seinem Nachtritt ermüdet ist. Im vorbeygehn hofft ich dich zu sehen, und wollte dich um einen Bissen zu Mittage bitten. Nunmehr will ich zu Hause bleiben und den ganzen Tag fleisig seyn. Sag mir wann du diesen Abend nach Hause zu kommen denckst. Schicke mir den Band von Rousseau. und ein Zeichen deiner Gunst.

d. 19. Febr. 82.

G.

822

[Donnerstag 21. Februar]

Da ich dencke du bist in der Zeichenschule, schick ich erst ietzo meinen Morgengrus mit den lange versprochnen Blumen. Ich bitte um die Schachtel zurück.

Auch das Portrait soll bald gebracht werden. Sag mir wo du heute bist und ob du nicht spazieren fahren magst.

Lebe wohl und sag mir ein liebes Wort.

d. 21. Febr. 82.

G.

823

[Freitag 22. Februar]

Sage mir ein gutes Wort l. L. in meine Einsamkeit. Ich gehe still in meinem Wesen fort bin fleisig und sehe einige ruhige Tage vor mir. Heut Abend ist groser Thee bey dem Grafen. Du bist wohl schweerlich geladen. Sage mir den Plan deines Lebens, in den ich doch auch gewiss mit gehöre. Adieu vielgeliebte.

d. 22. Febr. 82.

G.

824

Noch ist nicht alles fertig aber es wird. Tausend Danck lebe wohl.

G.

825

[Sonntag 24. Februar]

Mir ists gut L. Lotte. Daß keine Cour ist freut mich nur halb. Ich nahm mir vor die Herzoginn Mutter zu besuchen, und habe schon deswegen geschrieben. Eh die Antwort kommt bleibt mein Schicksal unentschieden. Die Kreppel schmeckten fürtreffl. Hier ist das unvollendete Portefeuil. Adieu liebste ich sehe dich Nach Mittag.

d. 24. Febr. 82.

G.

826

[Montag 25. Februar]

Guten Morgen liebe Lotte! Nur daß ich erfahre was du vor hast, daß ich die Züge deiner Hand sehe. Ich habe viel zu thun und sehe immer queer durch nach dir. Adieu Beste.

d. 25. Febr. 82

G.

827

[Montag 25. Februar]

Der Herzog hat mir noch nichts sagen lassen vielleicht schickt er noch.

Mir ists ganz wohl ich bin schon auf meinen Hügeln gewesen. Hier schick ich alles. Auch eine Reisfeder. Adieu liebste ich sehe dich auf alle Fälle.

d. 25. Febr. 82.

G.

828

Man hätte mir auch ausser dem dürren Auftrag ein freundlich Wort sagen können, denn ich bin hier wie dort.

829

[Donnerstag 28. Februar]

Was macht der Fus? denn ich wünschte heut mit dir in dem schönen Wetter zu spaziren. Wie hat meine liebe geschlafen? Was hat sie heute vor? Vielleicht könnte man sich heute bey mir versammlen. Lebe wohl.

d. 28. Febr. 82.

G.

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