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Gutenberg > Johann Wolfgang von Goethe >

Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1

Johann Wolfgang von Goethe: Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1 - Kapitel 79
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authorJohann Wolfgang von Goethe
titleBriefe an Charlotte Stein, Bd. 1
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1782

774

[Weimar, Dienstag 1. Januar]

Mit dem ersten langsamen Scheine des Tages sag ich dir einen Willkomm in's neue Jahr, du weisst mit welcher Zufriedenheit ich es anfange, und daß ich nur Einen Wunsch habe dir recht danckbaar seyn zu können, da ich dir alles schuldig bin. Es ist mir als wenn mich nun kein Übel berühren könnte, die schönsten Aussichten liegen vor mir. Mein Vorsatz zu Hause zu mahlen ist schwanckend, und doch mögt ich gleich zu Anfange etwas über mich gewinnen. Sage mir liebste wie du geschlafen hast. Ich schicke ein kleines Gerichte. Leb wohl! Leb wohl!

d. 1. Jan. 82.

G.

Schicke mir die Everdingens und Dietrichs. Beykommendes bitte als ein Geheimniß zu verwahren, es ist ein lächerliches Werck, und besser ausgeführt als gedacht.

775

Gotha den 1t Januar

Wiewohl Sie mir schon eine abschlägliche antwort gegeben haben wage ich es doch Sie nochmals auf den Donnerstag zur redoutte zu bitten, niemand weis hier ein Wort von dieser invitation als die F. von Seckendorf, wenn Sie wollen recht artig seyn so Kommen Sie Donnerstags mittag, weil um da beym Prinz August speisen leben Sie bis dahin wohl und Kommen Sie und zwar bald.

Charlotte.

[Weimar, Mittwoch 2. Januar]

Diese Briefe erhalt ich eben Liebe Lotte durch eine Staffette. Was das für eine Unruhe in den Fürstlichen Gliedern ist. Sie können weder stille sizzen noch andre lassen. Wenn es noch eine französche Chaussee wäre, lies ichs gelten, aber ein Zug wie durchs rothe Meer nach des ungenannten Beschreibung. Es geht ein Thauwind, und was schlimmer als alles ist, ich mag nicht. Sag du mir auch daß ich nicht soll damit ich meiner Sache recht gewiß bin. Ich will ihr einen artigen Brief schreiben, das mag ihr gnügen. Vor Frühjahr kriegt mich niemand zum Spas aus dem Neste.

Schicke mir doch meine Bücher. Die Kupfer behalte.

Der Wind verdirbt mir eine Eis Parthie ich wollte draus essen. Und hoffte dich, vor oder nach Tisch, auch auf dem glatten Elemente zu bewillkommnen. Adieu Liebste. Sag mir ein Wort.

Unsre Herrschafften kommen also kaum zur Redoute, wenigstens Marode. Adieu. Willst du hinauf gehn?

d. 2. Jan. 81.

G.

776

[Donnerstag 3. Januar]

Lege, meine Liebe, diese Bogen zu der übrigen Abschrifft, was noch fehlt wird bald nachkommen, alsdenn lass ich dir's binden.

Sage mir wieviel deine Mutter Geld braucht und wie bald sie es erstatten will, wenn es nicht auf zu lange ist kann ich es ihr selbst geben, es ist mir eingefallen wie ich es machen kann.

Sag mir was ich so gern höre. Das entsetzliche Wetter macht mir keine Freude, es ist doch immer schöner wenn die Sonne scheint, es mag innwendig aussehn wie es will.

Ich bleibe zu Hause und bin fleisig. Was beginnst du?

Wie wohl ist mir daß ich nicht unterweegs zum Diné bin.

d. 3. Jan. 82.

G.

777

Sage mir wo du heute Abend seyn wirst. Ich mag gern noch einige Stunden fleisig seyn wenn ich weis daß ich dich finde.

Adieu liebste L.

G.

778

[Freitag 4. Januar]

Wie du die Augen aufthust mögt ich dir einen guten Morgen sagen, und hören wie du geschlafen hast. Ich schreibe dies Zettelgen, schon ganz frühe und muss es liegen lassen bis es Tag wird. Indessen antworte ich mir selber und sage mir in deinem Nahmen das beste. Ich freue mich auf ein süses Wort von dir im Masken Getümmel, freue mich aber nicht auf das Getümmel, was heute unser schönes ruhiges Zusammenseyn unterbrechen wird.

d. 4. Jan. 82.

G.

779

[Freitag 4. Januar]

Noch eine Nachschrifft zu diesem Blättgen. Erlaube mir daß ich mit dir esse und nach Tisch den Schirm, wie du es gestern verlangtest, mahle. Hier schick ich auch die Farben und hoffe sie werden gut seyn. Sie kommen von hohen blonden Händen.

d. 4. Jan. 82.

G.

780

[Sonnabend 5. Januar]

Da ich dir ieden Tag etwas geben mögte, und doch nicht ieder Tag reich ist; so ist mir's lieb daß die Abschrifft in einzelnen Bogen kommt. Lege diese auch zu den übrigen, die letzten werden bald fertig seyn.

Meinen besten Grus zum schönen kalten Morgen, bald sehn wir uns auf dem Eise. Heute bleib ich zu Hause und bin fleisig.

d. 5. Jan. 81.

G.

781

Auf einen Augenblick will ich kommen, und dir wenigstens mit einem Blick sagen was du weisst.

G.

782

Also komm ich vor wie nach heute Abend zu dir meine beste. Lebe wohl.

Ich will alles recht schön besorgen.

G.

783

Hier schicke ich den Brief zurück und wünsche das Vertrauen verdient zu haben.

Welche Freude mir die abgesagte Gesellschafft macht kann ich dir nicht sagen.

Lebe wohl. Ich habe vielerley zu thun. hoffte dich noch vor Tische zu sehn es geht aber nicht. Adieu Theuerste.

G.

784

[Donnerstag 10. Januar]

Du kommst mir mit deinem Zettelgen zuvor, schon den ganzen Morgen geh ich um dir zu schreiben, und konnte mich durch die vielen Papiere nicht zu dir durchwinden.

Diesen Mittag bin ich zu Hause, nach Tische seh ich dich, um 4 Uhr ist Probe.

Hier schick ich den Rahmen nimm dich des Werckes an.

Dein Siegel sieht heute so freundlich aus als wenn du mich recht lieb hättest.

Lebe wohl und möge dir meine Liebe seyn was mir deine ist und bleibt.

d. 10. Jan. 82.

G.

785

[Sonnabend 12. Januar?]

Wenn du spazieren fährst laß mirs ia sagen. Ich size zwischen Rechnungen auch alsdan dein.

G.

786

[Sonntag 13. Januar]

Mich verlangt ein Wort von dir zu sehen, zu hören wie du dich befindest. Ich bin an des Herzogs Aufzug und werde auch noch Balletmstr. Gegen zwölfe will ich aufs Eis wenns geht. Adieu beste gehst du an Hof.

d. 13. Jan. 81.

787

[Sonntag 13. Januar?]

Die Schrötern ist zu mir gekommen.

Wir werden spät essen und ich entbehr die Freude mit meiner besten zu fahren. Diesen Abend bin ich da

G.

788

[Montag 14. Januar]

Endlich wird das Weynachtsgeschencke ganz. Ich will dir's nun einbinden lassen, damit es dir immer bleibe.

Eh ich zur Probe gehe frag ich bey dir an. Die viele Zerstreuung und das Vertrödeln der Zeit ist mir unangenehm, und doch seh ich daß es höchst nothwendig ist, mich mit diesen Sachen abzugeben, und daß man Gelegenheit gewinnt das Gute zu thun indem man zu scherzen scheint.

d. 14. Jan. 81.

G.

789

[Mittwoch 16. Januar]

Wenn ich hören kann daß du wohl geschlafen hast, und besser bist werde ich sehr glücklich seyn. Der Herzog von Gotha hat mir einen Abguss der wahren Büste des Vatikanischen Apolls geschickt; gegen den der unsre ein würcklicher Bauerbube ist, du wirst grose Freude haben ihn zu sehen und zu zeichnen. Nur ein Wort.

d. 16. Jan. 82.

G.

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