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Gutenberg > Johann Wolfgang von Goethe >

Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1

Johann Wolfgang von Goethe: Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1 - Kapitel 76
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authorJohann Wolfgang von Goethe
titleBriefe an Charlotte Stein, Bd. 1
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750

[Dienstag 27. November]

Von meiner Tageswandrung, und nachdem ich stille unter deinen Fenstern weggegangen, komm ich nach Hause, und auch das heist zu dir kommen. Ich finde dein liebes Briefgen, mit dem langgehofften Siegel gesiegelt. Es ist und wird gewiss recht schön und gut mit uns, denn alles geräth nach und nach. O wer doch öffters so verständig wäre sein Glück brauchen zu können, und so glücklich daß er seinen Verstand ganz anwenden könnte. Gott versteht mich und du auch. Gute Nacht beste. gieb beyliegendes der Kleinen.

d. 27. Nov. 81.

G.

751

Mich verlangt sehr zu wissen meine beste ob du dich aus deiner Stille und Trauer wieder herausgerissen hast und deine Seele wieder ins Licht der Liebe getreten ist, die alle Gegenstände mit dem Glanze der Colibri Hälsgen scheinen macht.

Adieu. Nach Tisch fahr ich mit dem H[erzog] nach Tiefurt, Abends seh ich dich

G..

752

[Freitag 30. November?]

Wie hat meine liebe geschlafen? was macht das Kopfweh und wie siehts mit unsrer Morgenden Parthie? Ich muß Lodern einen Boten schicken.

G.

753

[Sonnabend 1. Dezember]

Einen guten Morgen Liebste, und das Tiefurter Journal. Ich suche dich in der Zeichenstunde auf und freue mich deiner Liebe, und deiner stillen Geschäfftigkeit. Gerne blieb ich Morgen hier wenn ich es Lodern nicht so sicher versprochen hätte.

d. 1. Dez. 81.

G.

754

[Sonntag 2. Dezember]

Daß mein Geist dich nicht verlassen hat kannst du wohl dencken, ich habe die ganze Nacht von dir geträumt. Unter andern hattest du mich an ein artiges Misel verheurathet und wolltest es sollte mir wohlgehn. Nachher war ich auf einmal ohne zu wissen wie, wieder von ihr geschieden. Wenn ich mich nicht schämte schickte ich die Pferde fort und schickte den Reitknecht absagen zu lassen. Adieu beste wenn ich nur noch diesen Abend Hoffnung hätte dich zu sehen es wird aber nicht werden, wenn ich vor 10 Uhr komme seh ich nach deinen Lichtern.

d. 2. Dez. 81.

G.

755

[Montag 3. Dezember]

Ich krame in meinen Papieren und Sachen, um mich auf die Reise vorzubereiten.

Diesen Abend seh ich dich. Krause isst zu Mittage mit mir.

Leb wohl mein süses Glück.

d. 3. Dez. 81.

G.

756

[Dienstag 4. Dezember]

Meine Gäste kommen, ausser der Seckendorf die kranck ist, ich erwart euch gegen sechse. Der neue Spieltisch ist bereit und Karten nebst allem nach Ernstens Vorschrifft.

Hier schick ich die verlangten Everdingens und an Olympien nebst meinem Brief an Knebeln, schick ihm beydes nebst den Chronologen zurück und schreib ihm dazu. Dencke manchmal dran daß wir ihm mittheilen was hier vorkommt, was im Sande aufgeht. Adieu liebste! Truncken und nüchtern bin ich dein und überlasse mich dir ganz. Ich bitte um ein wenig Essen.

d. 4. Dez. 81.

G.

Hab ich bey dir den Entwurf zum Ballet liegen lassen?

757

[Donnerstag 6. Dezember]

Schick mir liebste meine Schlüssel die ich gestern habe liegen lassen. Aber die Schlüssel mit denen du mein ganzes Wesen zuschliesest daß nichts ausser dir Eingang findet bewahre wohl und für dich alleine. Adieu ich hoffe schon wieder auf dich.

d. 6. Dez. 81.

G.

758

[Donnerstag 6. Dezember?]

Wenn m. L. nach Hause kommt soll sie ein Wort von mir finden. Heute früh habe ich mir viel Vorwürfe gemacht daß ich nicht zu dir gekommen bin. Nun sag ich dir noch einmal lebe wohl.

Auf diesem beweglichen Erdball ist doch nur in der wahren Liebe, der Wohlthätigkeit und den Wissenschafften die einzige Freude und Ruhe. Lebe wohl. Ich dencke es wird mir wohl gehn, am besten wenn ich dich wieder sehe.

G.

759

[Erfurt, Freitag 7. Dezember]

Durch Arnolden der wieder zurückgeht, einen schönen guten Morgen! Es ist halb sechse und die Pferde werden bald da seyn, meine Gestalt geht vorwärts und mein Geist zurück. Ich habe einen vergnügten Abend mit dem Stadthalter zugebracht, er stickt voller Kenntnisse und Interesse für tausend Dinge. Nun wollen wir sehn wie wir weiter kommen. An diesem rothen Tische hab ich dir schon offt geschrieben. Schon seit sechs Jahren sind meine Gedancken offt in dieser Stube an dich gerichtet gewesen.

Meinen neuen Roman über das Weltall hab ich unterweegs noch durchgedacht und gewünscht daß ich dir ihn dicktiren könnte es gäbe eine Unterhaltung und das Werck käme zu Papier. Adieu Lotte. Ich scheide nicht von dir.

d. 7. Dez. 81. Erf.

G.

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