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Gutenberg > Johann Wolfgang von Goethe >

Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1

Johann Wolfgang von Goethe: Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1 - Kapitel 73
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authorJohann Wolfgang von Goethe
titleBriefe an Charlotte Stein, Bd. 1
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720

[Weimar, Montag 17. September]

Zum guten Morgen freundliche Früchte. Und bitte um meine Schweitzerreise, dem Prinz August zu schicken. Ich liebe Belwedere wo ich dich heute sehn werde.

d. 17. Sept. 81.

G.

721

[Mittwoch 19. September]

Mit dem Tableau de Paris schick ich gute Pfirschen. Gedencke mein. Heute wär ich sehr gerne zu Hause geblieben und hätte gearbeitet, nun muß ich noch einmal zu den Kindern dieser Welt.

d. 19. Sept. 81.

G.

722

[Donnerstag 20. September]

Sag mir wie du geschlafen hast. Ich komme gar nicht von dir weg. Von dem Kuchen gieb Fritzen ein Theil. Was beyliegt ist dein. Wenn du willst so geb ich's in's Tief. Journal und sage es sey nach dem Griechischen. Adieu beste. was wäre Morgen und Abend mir ohne dich.

d. 20. S. 81.

G.

723

[Freitag 21. September]

Ich hatte groses Verlangen dir etwas zu schicken da kommen mir die Früchte die ich dir wiedme.

Zugleich meld ich dir daß ich mich verrechnet habe, daß der Geburtstag der Hoheit d. 24ten ist und daß ich Sonnabends Nachmittag oder Sonntags ganz früh weg muß wenn ich zu diesem Feste kommen will. Richte Fritzens Bagage darnach ein. Nach Jena kommen wir also nicht. Adieu beste. Es übereilt mich schon von dir zu scheiden.

G.

724

[Sonnabend 22. September]

Es wird mir doch mitten in der Abreise Zerstreuung unheimlich von Ihnen zu gehn. Adieu beste. Sobald es möglich bin ich bey dir und nehme mit groser Freude dein liebes Unterpfand mit.

d. 22. Sept. 81.

G.

725

[Merseburg, Sonnabend 22. September]

Mit Fritzen an einem Tisch hab ich eine Cantzley aufgeschlagen, er ist recht gut lieb und rein. Cristus hat recht uns auf die Kinder zu weisen, von ihnen kan man leben lernen und seelig werden.

Ohne den mindsten Zufall hat unsre Tagreise sich geendet die ewigen Stoppeln machten Fritzen Langeweile, indessen ich an einigen Gedichten mich sinnend ergötzte, die ich in das Tiefurter Journal schicke von da aus sie erst meiner Besten die Cour machen sollen.

Adieu. Ich bin noch nicht von dir weg und hoffe dieser Brief soll dich noch in W[eimar] treffen.

Empfiehl mich der Herzoginn, und bleibe um mich. Wie anders schreib ich dir iezt als sonsten.

Merseburg d. 22. Sept. 81.

G.

726

[Weimar, Montag 1. und Dienstag 2. Oktober]

d. 1. Sept. 81. Weimar.

Heute Nacht gegen zwölfe sind wir wieder angekommen. Fritz ist gar brav, es ist davon viel zu erzählen. Jetzt bin ich so zerstreut daß ich nichts ordentliches werde vorbringen können.

Steinen hab ich in Leipzig gesehn, er war vergnügt uns zu treffen.

Alles ist nach Wunsch gegangen. Ich komme beladen wieder zurück. Ein halbes Jahr in der Welt würde mich sehr weit führen. Ein Brief vom Herzog von Gotha lädt mich aufs verbindlichste ein, Grimm ist drüben und ich werde wohl übermorgen hingehn. Die Bekanntschaft mit diesem ami des philosophes et des grands macht gewiss Epoche bey mir, wie ich gestellt bin. Durch seine Augen wie ein schwedenborgischer Geist will ich in ein gros Stück Land sehn.

Einige sehr schöne Bekanndtschafften hab ich gemacht.

Fritzens Urtheil über die Menschen ist unglaublich richtig. Nur müssen wir suchen zu hindern daß ihn das Glück nicht übermüthig mache. Ich hab ihm einige ruhige, sehr wahre Lecktionen gegeben, und er ist sehr geschmeidig.

Du hattest mir verboten dir nichts mitzubringen, schon ging ich betrübt unter manchen schönen Sachen, als mir das Glück einen geschnittnen Stein zuführte, davon ein Abdruck beyliegt, selten findet man unter Juwelier Waare ein so artig Steingen. Es stellt Psyche vor mit dem Schmetterling auf der Brust in gelbem Achat. Es ist als wenn ich dich immer meine Liebe Seele nennte. Auch hab ich dir ein Gedicht gemacht das du durch den Weeg des Tief. Journals sollst zu sehen kriegen.

In Leipzig hab ich das Offenbare Geheimniss gesehen und mein Gewissen hat mich gewarnt.

Meine Liebste ich habe mich immer mit dir unterhalten und dir in deinem Knaben gutes und liebes erzeigt. Ich hab ihn gewärmt und weich gelegt, mich an ihm ergötzt und seiner Bildung nachgedacht.

Knebel hat mir eine Stunde verplaudert die dir gewiedmet war. Ich habe ihm die Quintessenz meiner Reise erzählt warum kan ich es nicht dir diesen Mittag.

Den Boten will ich erst morgen fortschicken, denn ich kan doch von dir keine Antwort haben eh ich nach Gotha gehe.

d. 2. Oktbr.

Schon heute Abend will ich fort auf Gotha und habe noch viel zu schaffen und zu kramen.

Adieu Liebste. Hierbey kommt verschiednes von Fritzen. Grüse die Kleine und Carolingen. Jene soll haben was sie von mir in einem Billet verlangt. Dancke deinem Bruder für die Marmor. Tausendmal Adieu. Schreibe mir man schickt mir's nach. O wie mögt ich zu dir.

G.

727

[Dienstag 2. Oktober]

Ich bitte dich meine Geliebte die Ringmaase zu probiren und an den der dir gerecht ist ein Fädgen oder Bändgen zu knüpfen damit ich den Stein darnach kan fassen lassen schicke mir es balde wieder. Adieu. In Eile.

d. 2. Oktbr. 81.

G.

728

[Gotha, Dienstag 9. Oktober]

Den einzigen Lotte welchen du lieben kannst
Foderst du ganz für dich und mit Recht.
Auch ist er einzig dein. Denn seit ich von dir binn
Scheint mir des schnellsten Lebens lärmende Bewegung
Nur ein leichter Flor durch den ich deine Gestalt
Immerfort wie in Wolcken erblicke,
Sie leuchtet mir freundlich und treu
Wie durch des Nordlichts bewegliche Strahlen
Ewige Sterne schimmern.

d. 9. Oktbr. 81.

Grimm ist heute Nacht fort und ich bleibe aus vielen Ursachen hier.

Es geht mir wohl, und ich lerne endlich der Welt gebrauchen. Die Bekanntschafft mit dem Freunde hat mir die Vorteile gebracht die ich voraussah, es ist keiner ausgeblieben, und es ist mir viel werth auch ihn zu kennen und ihn richtig und billig zu beurtheilen.

Meine ehmalige Geschichten hier sind mir so lebhafft mit ihren Effeckten denn es sind dieselben Menschen derselbe Ort und die gleichen Verhältnisse. O Lotte was für Häute muß man abstreifen, wie wohl ist mirs daß sie nach und nach weiter werden, doch fühl ich daß ich noch in manchen stecke.

Die Zeichnungen des Herzogs machen mich glücklich, ich werde dir viel davon erzählen. Nach seinem Raphael hab ich gezeichnet und bring es mit, solch ein Blätgen zu besitzen wäre ein groser Wunsch. Nun versteh ich erst was nach ihm gestochen ist, nur der immediate Geist kan mich aufwecken. Zwischen allem durch denck ich an dich und an die Freude dich wiederzusehen. Manchmal wenn ich Abends die einsamen Treppen heraufgehe denck ich dich lebhafft als ob du mir entgegen kämst. Ich bin ganz dein und habe ein neu Leben und ein neu betragen gegen die Menschen seit ich weis daß du davon überzeugt bist. Adieu beste liebste. Grüse die deinigen.

G.

729

[Weimar, Montag 15. Oktober]

Wie freundlich mich Thal und Garten empfangen hat, kan ich mit Worten nicht ausdrücken. Der Gedancke an deine Liebe zu diesem Sonnenschein machte mich ganz glücklich, und zeigte mir die besten Hoffnungen.

Wenn ich die ersten Wellen ausgehalten habe die nach dieser Abwesenheit auf mich zuströmen schreib ich dir mehr.

Leb tausendmal wohl.

Grüse Lingen und die Sch. Adieu Beste.

d. 15. Oktbr. 81.

G.

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