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Gutenberg > Johann Wolfgang von Goethe >

Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1

Johann Wolfgang von Goethe: Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1 - Kapitel 72
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authorJohann Wolfgang von Goethe
titleBriefe an Charlotte Stein, Bd. 1
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710

[Dienstag 28. August]

Auser deinem Übel empfind ich keins an dem heutigen Tag. Meine Freunde sind freundlich und schicken mir allerley gutes. Hier hast du vom Angebinde dein Theil.

Gegen 10 geh ich ins Conseil. Adieu meine Beste. Ich bin immer dein und bey dir, leibeigner als sichs dencken lässt.

d. 28. Aug 81.

G.

711

[Mittwoch 29. August]

Gestern ist das Schauspiel recht artig gewesen, die Erfindung sehr drollig und für den engen Raum des Orts und der Zeit sehr gut ausgeführt.

Hier ist das Programm. NB es war en ombre Chinois wie du vielleicht schon weisst. Adieu Beste. Bleibe mir, und wenn's möglich ist so laß mich die Freuden rein geniessen die mir das Wohlwollen der Menschen bereitet.

d. 29. Aug.

G.

712

[Freitag 31. August]

In der Hoffnung bald aufgeweckt zu werden legt ich mich nieder. und dancke nun für Ihr frühes Andencken. Ein Hemd kommt mit. Es ist Conseil und wenn ich nicht mit dem H[erzog] bleibe so folg ich Ihrer Einladung.

d. 30. Aug 81.

G.

713

[Sonnabend 1. September]

Danck für alles gute und liebe. Hier Trauben und Pfirschen. Vielleicht komm ich in die Zeichenschule.

Adieu beste. Ich bin heut musikalisch und esse mit der S[chrötern], bin und bleibe doch aber ganz dein.

d. 1t. S. 81.

G.

714

Wenn mich's zu hause lässt, so schick ich und lasse holen was mir das liebe anbietet.

G.

715

Die Pfirschen sollen dich begrüsen, und ihr guter Geschmack dich erinnern daß ich dich liebe. Leb wohl meine beste. Und erhalte mir mein kostbaarstes.

G.

716

Zahn wird heut Abend mit der Harfe kommen, die Schr[öter] auch. Willst du die Lieder hören so komm und bringe mit wen du willst. Etwa auch deine Mutter. Ich lasse beyde Häsgen und das Feldhuhn braten daß wir alle satt haben.

G.

717

[Montag 10. September]

Wie hat meine beste und liebste geschlafen? Gar zu gerne hätt ich dir etwas geschickt. O warum wohn ich in keinem Weinberge. Hier sind indess einige Zeichnungen aufzuheben.

d. 10. Sept. 81.

G.

718

[Donnerstag 13. September]

Ich schicke Biörnst[ähl] und die Scheere. Robertsonen hab ich im Closter liegen lassen. Und der Mensch der durch dich heil und gut und ganz wird ist auch ganz dein.

d. 13. Sept. 81.

G.

719

[Erfurt, Sonnabend 15. September]

Eine Schachtel mit Früchten die hoff ich gut sind bringt dir die Botenfrau, durch die ich ein Wort von deiner Liebe erbitte. Die schöne Gräfinn ist heute früh weg. sie sieht aus und ist wie eine schöne Seele, die aus den letzten Flammenspitzen eines nicht verdienten Fegfeuers scheidet und sich nach dem Himmel sehnend erhebt.

Sag mir daß du wohl bist. Der Stadthalter hat schon wieder mit mir ein unendliches Gespräch angefangen. Das eigne Wesen eines Menschen das ganz fremde Würckungen aus sich hervorbringt ist mir sehr merckwürdig. Adieu. Ich bleibe in deiner Liebe.

Sonnabend Mittags.

G.

Grüse die Herzoginn von mir.

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