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Gutenberg > Johann Wolfgang von Goethe >

Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1

Johann Wolfgang von Goethe: Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1 - Kapitel 69
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authorJohann Wolfgang von Goethe
titleBriefe an Charlotte Stein, Bd. 1
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680

[Sonnabend 23. Juni]

Guten Morgen meine Beste eh du ins Bad steigst! daß es dir doch recht wohl bekommen möge. Die Briefe bring ich zu Mittage mit, denn du willst doch daß ich diese lezte Zeit so viel möglich mit dir zubringe. Adieu meine einzigste. Ich schicke dir hier einige Rosen.

d. 23. Jun. 81.

G.

681

Meine Köchinn hat einmal wider ihre Gewohnheit unser Mittags essen so schmal eingerichtet, daß es kaum für 3 Personen hinreicht. Also kan ich nichts schicken und will mich mit meinem Reiskuchen, den ich leider unter d. grosen Troublen des Morgens zu bestellen vergessen habe, Morgen einfinden.

G.

Hierbey folgt ein sehr interessanter Brief den ich bitte sogleich zu lesen und mir ihn wieder zurück zu schicken.

682

[Montag 25. Juni?]

Noch einmal Adieu meine beste ich bin so ungewohnt zu verreisen daß ich kaum weis wie ich mich dazu schicken soll. Behalte mich deinem Herzen nah, ich dencke immer an dich, und schreibe mir.

d. 25. Jun. 81. früh.

G.

683

[Ilmenau, Donnerstag 28. Juni]

Der erste Grus und die Bitte um Gerharden wird zu dir gekommen seyn. Hier den zweyten. Ich bin in meinem Elemente unter deinen Nahmensverwandten. Wenn das leidige Geschäfft vorbey ist will ich mirs noch wohler seyn lassen. Adieu beste. Jezt ists an der Zeit daß ich zu dir zu gehn gewöhnt bin. Adieu. und liebe mich.

d. 28. Jun. 81.

G.

684

[Sonntag] d. 1. Jul. 81. Illmenau.

Dein Andencken hat mich stille bey Tag und Nacht begleitet, ich wollte dir nicht eher schreiben als bis ich ganz ruhig wäre. Heute ist der Valetschmaus, Morgen gehn unsre Freunde weg, und ich auch mit Knebeln nach Rudolstadt. In Schwarze will ich dir zeichnen wenn ich nur das rechte Fleckgen treffe. Diese Tage her hab ich auch etwas für dich gearbeitet das ich dir mitbringe du sollst ihm hoff ich ansehn daß ich dich liebe. Was es ist sag ich noch nicht. Daß deine Empfindung durch den lezten Abend gestört ward, nimmt mir von meinem freudigen Andencken an dich die schöne Beleuchtung, doch hoff ich du sollst mich mit lebendiger Liebe empfangen. Leb wohl. grüse Steinen und was gut ist. Ich befinde mich wohl. Mehr kan ich nicht schreiben, ich bin in mich gekehrt und liebe dich.

G.

Gieb dem Boten etwas für mich mit, man weis mich zu finden. Noch leg ich eine Sudeley von gestern Abend hierbey.

685

[Montag 2. Juli]

Noch ein Wort meine liebste Lotte durch einen Boten den d. Herzog schickt. Wir steigen zu Pferde und gehn in die Gebürge. Ich sehne mich recht von hier weg, die Geister der alten Zeiten lassen mir hier keine frohe Stunde, ich habe keinen Berg besteigen mögen, die unangenehmen Erinnerungen halten alles befleckt. Wie gut ists daß der Mensch sterbe um nur die Eindrücke auszulöschen und gebadet wieder zu kommen.

Deine Liebe von allen will ich allein behalten. Du bist immer vor mir dein böser Fus und deine Herzlichkeit, und ich fühle still daß ich ganz dein bin. Adieu. Zu Ende der Woche kommen wir wieder und du erhältst wohl noch etwas indess.

d. 2. Jul. 81.

G.

686

Illmenau [Donnerstag] d. 5. Jul. 81.

Wir sind gestern Abend wieder hier angekommen. Ich fand einen Brief von dir und eben iezt empfang ich noch einen zum Nachtisch.

Ich bin nicht von dir gewichen, du hast mich immer begleitet, und hätten nicht die Wölckgen deines Unglaubens meinen Horizont getrübt, so wär es der reinste Himmel gewesen. Knebel ist sehr brav und unterhaltend. Es ist uns auch wohlgegangen, wir haben sehr manigfaltige Sachen gesehen, schöne Gegenden, und verschiedne Menschenerscheinungen in allerley Styl. Wir sind auf Schwarzburg das sehr interessant liegt, wie du aus einer leider nur umrissnen Zeichnung sehn wirst, gegangen. Von guten Menschen bewirthet worden, haben im Zucht- und Tollhaus merckwürdige Gestalten gesehn. Von da auf Blanckenburg wo Knebel einen Philister gemishandelt hat. Daselbst haben wir die Bergwercke befahren. NB. von Schwarzb. auf Blburg ist ein fürtrefflicher Weeg der Schwarze nach, durch ein tiefes Thal zwischen Fels und Wald Wänden.

Dann sind wir auf Rudolstadt, haben da nur geschlafen. Von da nach Teschniz den Marmorbruch zu sehn, und wieder hierher. Die Sonne hat uns durchgeglüht und der Mond erquickt, wir haben beydes im reichen Maase genossen. So kurz unsre Reise war so unterhaltend und angenehm war sie. Nun dencken wir Morgen nach dem Inselsberg zu gehn. Allein Sonntag, da ich dachte wieder bey dir zu seyn, muß ich wieder hierher und komme erst zu Ende der nächsten Woche. Verschiedne Sachen das Bergwerck betreff. will ich gleich in Ordnung bringen, um nicht wieder heraus zu müssen.

Deine Stiefel sind bestellt.

Wir werden dir noch allerley artiges erzählen.

Die Tasse die beykommt hab ich dir gemahlt, ich wünschte die Masse des Porzellans wäre besser, ich habe eine kindische Freude dran gehabt und besonders in der Hoffnung daß dichs auch freuen soll. Wenn ich einmal Rothbergisches Porzellan haben kan, und nur noch ein wenig Übung, so soll auch das bessre dein seyn. Ich dencke drauf dir ein Paar Blumenkrüge zu mahlen.

Die Füllhörner werden auch noch fertig eh ich hier weggehe.

Ernstens husten beunruhigt mich, sorge doch auch für Fritzen, der auch einen Ansaz hat. Grüse Steinen. Wenn ich zurückkomme lad ich euch alle auf eine Geschichte ein, die euch gewiss rühren und gefallen soll.

687

[Freitag 6. Juli]

Ein Regen und Nebelwetter hat uns abgehalten auf den Inselsberg zu gehn, indessen habe ich dir meine beste beykommende zwey Blumentöpfe gemahlt, und hoffe sie werden dich freuen. Ich werds immer besser machen und du sollst auch das bessere haben.

Knebel ist gar gut und brav, wenn du es leiden magst, will ich ihm auch so einen Blumen Topf mahlen.

Was ich übrigens thue und leide um des Reiches Gottes willen mag ich dir gerne verschweigen.

Wir haben |: Knebel und ich :| schöne Dialogen über das Himmelreich gehalten und sind einig und vergnügt. Adieu liebe Lotte, bleibe bey mir. Ich habe dich sehr lieb.

Morgen wenn das Wetter gut bleibt, geh ich nach Paulin Zelle, dort eine Ruine zu zeichnen. Grüse den Herzog, Steinen, Carolingen und die Waldnern. Frizen nicht zu vergessen, frag ihn was ich ihm mitbringen soll.

d. 6. Jul. 81.

G.

Leider ist einer von den Blumentöpfen im Feuer verunglückt und ich kan dir also nur einen schicken. Adieu liebste ich will dir gleich einen neuen mahlen.

688

[Sonntag 8. Juli]

Knebel wird dir diesen Brief bringen und sagen wie es uns gegangen ist und wie es mir geht. Er wird von einem Donnerwetter erzählen das nach Mitternacht über den Wald kam und mit einer fürchterlichen Gewalt um uns leuchtete schlug und prasselte, da es gegen Nordost zog dacht ich vielleicht weckt es auch meine liebe auf, an mich zu dencken.

Ich sehne mich heimlich nach dir ohne es mir zu sagen, mein Geist wird kleinlich und hat an nichts Lust, einmal gewinnen Sorgen die Oberhand, einmal der Unmuth, und ein böser Genius misbraucht meiner Entfernung von euch, schildert mir die lästigste Seite meines Zustandes und räth mir mich mit der Flucht zu retten; bald aber fühl ich daß ein Blick, ein Wort von dir alle diese Nebel verscheuchen kan.

Lebe wohl meine Liebste die Tage die ich von dir entfernt seyn muß. Gar sehr verlang ich nach einem Briefe von dir.

Jeden Abend grüs ich das röthliche Gestirn des Mars, das über die Fichtenberge vor meinem Fenster aufgeht, es muß dir über meinem Garten stehn und bald seh ichs mit dir an einem Fenster. Gute Nacht meine beste, entfernt von seiner Liebe ist nicht zu leben.

Illm. d. 8. Jul. 81.

G.

In sorglichen Augenblicken ängstigt mich dein Fus, und deiner Kinder Husten. Wir sind wohl verheurathet, das heist: durch ein Band verbunden wovon der Zettel aus Liebe und Freude, der Eintrag aus Kreuz Kummer und Elend besteht. Adieu grüse Steinen. Hilf mir glauben und hoffen.

689

[Weimar, Donnerstag 12. Juli]

Zum erstenmal wieder von Haus einen guten Morgen. Gestern Abend verlangte mich noch recht herzlich dich zu sehn. Die Gesellschafft blieb zu lang beysammen und ich konnte nicht weg. Heut bin ich bey Hofe geladen, und bringe vorher meine Sachen in Ordnung. So geht es alsdann unter dem alten Joche den gewohnten Pfad. Aber freylich auch wieder in guten Stunden den gewohnten Pfad zu dir. Adieu meine beste.

d. 12. Jul. 81.

G.

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