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Gutenberg > Johann Wolfgang von Goethe >

Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1

Johann Wolfgang von Goethe: Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1 - Kapitel 67
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authorJohann Wolfgang von Goethe
titleBriefe an Charlotte Stein, Bd. 1
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660

[Montag 21. Mai]

Eben wollt ich dir schreiben und dich wo möglich um gute Nachricht bitten. Ich habe keine frohe Stunde bis du wieder heil bist. Es war mir die ganze Zeit her bange für so etwas. Zu Mittage muß ich bey dir essen, und will dir Gesellschafft leisten und dein warten. Adieu meine beste. Laß doch ia Engelharten kommen, und schone dich aufs möglichste.

d. 21. May 81.

G.

661

[Mittwoch 23. Mai]

Sag mir daß es sich immer bessert, daß du wohl geschlafen hast, und daß du mich heute wie gestern willst. Zu Tisch komm ich nicht, ich will Kaysern zum Abschiede bey mir haben, nachher komm ich und wir leben weiter zusammen. Adieu beste.

d. 23. May 81.

G.

662

[Donnerstag 24. Mai?]

Heute bin ich wieder ein Hofverwandter, sehe aber meine beste noch vor Tische.

G.

663

[Freitag 25. Mai]

Wie hast du geschlafen. Was macht der Fus und willst du mich zu Tische? das sind meine alten Fragen, und noch eine die ich auch immer thue will ich mir diesmal selbst beantworten.

d. 25. May 81.

G.

664

[Sonntag 27. Mai]

Ich hatte schon alles zusammengepackt und wollte Ihnen Vorrath auf heute schicken als mir der Herzog sagen läßt ich mögte zu ihm hinauf kommen, und mir also die Ruh und Hoffnung auf den ganzen Tag genommen ist.

Hier schick ich indessen allerley, und komme so bald als möglich wieder. Denn die Hofnoth steh ich nicht den ganzen Tag mit aus. Heben Sie mir ein recht freundlich Gesicht auf. Der deine auf ewig.

d. 27. May 81.

G.

665

[Montag 28. Mai]

Es geht so bunt heute früh daß ich noch nicht habe an mein liebstes dencken können. Wie geht es dir, und bleibts noch bey unsrer Fahrt? Die Werthern hat mir ein gar artig Zettelgen bey Zurücksendung des Wilh. Meisters geschrieben. Die Schröter kommt zu Mittage. Ich bin und bleibe einmal der Frauen Günstling, und als einen solchen mußt du mich auch lieben. Hier lies den köstlichen Brief von Lavatern. Adieu meine beste, einzige innigste,

d. 28. May 81.

G.

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[Mittwoch 30. Mai]

Frizze hat gezeichnet zieht aber doch das spazieren aller Arbeit vor, das ich ihm nicht verdencke.

Hier sind Lavaters und d[er] Schulthes Briefe mein Herz hat vor deinem nichts verborgen. Und wenn ich dir Fehler verstecke so ists nur um deine Liebe nicht zu betrüben, vermindern kan sie nichts. Adieu meine beste. Sag mir von deinem Tage etwas. Frizzen schick ich dir zu Tische.

d. 30. May 81.

G.

667

[Donnerstag 31. Mai]

Ich küsse dich mit dem Kuß der Gedancken. Sag mir ein freundlich Wort von dir und deinem Befinden. Und schick mir meine Everdingens und die Wertherischen. Adieu beste.

d. 31. May 81.

G.

668

[Freitag 1. Juni]

Die Erdbeeren sind in meinem Garten schneller als die Rosen. Hier meine beste schick ich die ersten. Ich glaube nicht daß Conseil seyn wird, die Entfernung des Hofs macht die Nachrichten langsamer. Ich wünsche diesen Mittag bey dir zu essen. Gestern Abend begleitete ich die Gesellschafft bis unter deine Fenster, und sagte dir in einem feinen Herzen gute Nacht. Herder war gar gut, wenn er öffter so wäre man mögte sich nichts bessers wünschen. Mit d. Herzog Hab ich eine sehr sinnige Unterredung gehabt. In dieser Welt meine beste, hat niemand eine reichere Erndte als der dramatische Schriftsteller, und die Weisen sagen: beurtheile niemand bis du an seiner Stelle gestanden hast.

d. 1. Jun. 81.

G.

669

Eine schädliche Frucht reicht unsere Mutter dem Gatten
Und vom törigen Biß kränkelt das ganze Geschlecht.
Von dem heiligen Leib der Seelen speiset und heilet
Kostest du Lydia fromm, liebliches büsendes Kind;
Darum send ich dir schnell die Früchte voll irdischer Süse
Daß der Himmel dich nicht deinem Geliebten entzieh.

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