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Gutenberg > Johann Wolfgang von Goethe >

Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1

Johann Wolfgang von Goethe: Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1 - Kapitel 65
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authorJohann Wolfgang von Goethe
titleBriefe an Charlotte Stein, Bd. 1
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640

[Montag 23. April]

Diesen Morgen ward mirs sowohl daß mich ein Regen zum Tasso weckte. Als Anrufung an dich ist gewiss gut was ich geschrieben habe. Obs als Scene und an dem Orte gut ist weis ich nicht. Hier etwas neues von den Kindern der Erde. Ich habe mich zu reiten entschlossen, will zu Hause essen, und hören was du für mich von deinen Abendstunden aufhebst da du zum Thee gehst. Adieu meine Seele ist auf deinen Lippen.

d. 23. Apr. 81.

G.

641

[Dienstag 25. April]

Heute seh ich dich wohl nicht unter meinen Blüten und mir wird nicht was daraus folgte. Ich will zu Hause bleiben und manches abthun. Sage mir von heut Abend, denn mit den Abend und Morgenwolcken eilt meine Seele zu dir. Lebe wohl meine Theure wie hast du geschlafen und bist du wohl? es ist nicht mehr Anteil wenn du kranck bist, ich bin selbst kranck. Adieu tausendmal.

d. 24. Apr. 81.

G.

642

[Mittwoch 25. April]

Ich hoffe das kühle Wetter soll die Blüten noch erhalten, und beym ersten Sonnenblick hoff ich auf dich. Heute wird mirs kaum so wohl werden.

Es ist Conseil, ich will zu Hause Essen, sag mir von deinem Nachmittag und ob du ins Conzert gehst.

Hier ist ein Anschlag zu einer Sprüzze. Adieu liebste, ich bin sehr dein.

d. 25. Apr. 81.

G.

643

[Freitag 27. April?]

Sie wird kommen! Sie wird kommen! War mein Ausruf als ich die Augen aufmachte und die Sonne sah. Die Stunden dieses Tags bringen mir ein schönes Glück.

Hierbey ist eine Epistel wenn Sie meynen So schicken Sie das Blatt dem Herzog, reden Sie mit ihm und schonen Sie ihn nicht. Ich will nichts als Ruhe, und daß er auch weis woran er ist. Sie können ihm auch sagen, daß ich Ihnen erklärt hätte, keine Reise mehr mit ihm zu thun. Mach es nach deiner Klugheit und Sanftheit. Und theile meine Ruhe und mein Glück, da du soviel mit mir ausgestanden hast, und wisse wie glücklich ich in deiner Liebe bin.

d. 27. Apr. 81.

G.

644

[Freitag 27. April]

Der Himmel will mir das zugedachte Gute noch aufspaaren, indessen muß ich leben und kan dich nicht entbehren. Heut ist Conseil doch bitt ich hebe mir etwas zu Essen auf ich will mich von deinen Händen nähren, aber warten mußt du nicht wegen Ernsts. Adieu beste ich habe allerley zu thun, und deine Liebe macht mir auch zu thun, so eine angenehme Beschäfftigung es ist. Ich bin bey dir bis zur Abenddämmrung der Götter.

d. 27. Apr. 81.

G.

645

[Sonnabend 28. April]

Heute ruft dich das Wetter und heist dich das Herz zu mir zu kommen und dich am Neste der Blüten zu ergözzen. Sag mir liebe wie du geschlafen hast, und die Stunde wann du diesen Nachmittag kommen, und wen du mitbringen willst. Adieu du Liebe unversiegende Quelle meines Glücks.

d. 28. Apr. 81.

G.

646

Ich dancke den Göttern, dass sie mir die Gabe gegeben in nachklingende Lieder das eng zu fassen, was in meiner Seele immer vorgeht. Ich hohle Sie ins Conzert ab.

G.

647

[April?]

Ungerührt von den zwey Canonschüssen bin ich an meinem Tische geblieben, habe verschiedne Arbeit verrichtet und nachher in Chandlers Reisen nach Griechenland gelesen. Ihr Briefgen kam mir recht erwartet. Ich habe Sie in der Zeichenstunde besucht und Ihnen Glück gewünscht. Adieu. Ich sehe Sie bald.

G.

648

[Anfang Mai]

Im Stern erhalt ich den Grus. Ich gehe zur S[chrötern?] und bin nur halb da, nicht einmal halb. Adieu ich seh sie noch. Jetzt schreib ich am Tasso.

G.

649

[Dienstag 1. Mai]

Heut werd ich dich wenig sehn. Ein erwarteter Fremder Tobler von Zürch ist da den ich bewirthen muß. Meine Seele ist dir nahe. Sag mir wie du geschlafen hast und was du heute thun wirst. damit ich dir folgen kan. Adieu Liebe Lotte.

d. 1sten Wonnemond 81.

G.

Könnten Sie heut Abend die Waldnern alleine haben ich hätte ihr die zugedachte Predigt zu halten nötig.

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