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Gutenberg > Johann Wolfgang von Goethe >

Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1

Johann Wolfgang von Goethe: Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1 - Kapitel 64
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authorJohann Wolfgang von Goethe
titleBriefe an Charlotte Stein, Bd. 1
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630

[Charfreitag 13. April]

Das Bild ist mir doppelt und dreyfach werth. Könnt ich Ihnen doch einmal etwas recht guts dagegen geben. Der Herzog und Knebel sind bey mir. Zu Mittag komm ich und sag Ihnen was Sie schon wissen. Adieu beste. Es wird recht schön grün und putzt sich auf Morgen.

d. 13. Apr. 81

G.

631

[Sonnabend 14. April]

Der Tag ist wie gewünscht. Ich will Ihn zu Hause zu bringen, in Erwartung meiner Geliebten. Sie bringen Lingen mit. Die andre Gesellschafft lad ich ein.

Kommen Sie ia zeitig und lassen mir Ihre lieben Augen unter dem schönen Himel sagen, daß ich geliebt bin. Adieu. Adieu.

d. 14. Apr. 81

G.

632

[Ostersonntag 15. April]

Sie gehn wohl in die Kirche und sagen Ihrem Haiden wohl noch vorher ein Wort. Er hat Ihnen das immer neue alte zu sagen, und kommt noch Sie zu sehn ehe er bey Hof geht.

Es träumte mir, wir reisten zusammen und hätten besondre Schicksaale.

Ostertag 81.

G.

633

[Ostermontag 16. April]

Ich mögte hören wie sich meine beste befindet. Ob sie mich heute zu Tisch mag, und ob sie mir erlauben will ihr heute zu wiederholen was ich so gern von ihr höre.

2ten Ostertag 81.

G.

634

[Dienstag 17. April]

Ich bin wie gebannt und kan nicht aus meiner Gegend kommen. Sag mir meine beste daß du wie ein guter Geist mit deinem Andencken über mir schwebst, und ob du mich noch heut Abend willst. Crone ist heut mit mir. Ich hab an Iphigenien übersezt und werds noch mit ihr. Adieu liebste Seele.

d. 17. Apr. 81.

G.

635

[Mittwoch 18. April]

Wenn ich ein Wörtgen Antwort von Ihnen habe will ich meine Reise gleich antreten. Die Verse bitt ich sehr. Ich will sehn wie mich die Geister heut behandlen. Ihr guter Geist sey immer bey mir, und die Gegenwart des lieben Gesezzes mache mich gut und glücklich. Adieu bis auf heut Abend bleiben Sie nicht zu lange.

d. 18. Apr. 81.

G.

636

[Mittwoch 18. April]

Kayser hat mit mir zu Mittage gegessen, dann sind wir spazieren gegangen. Jezt will ich ausruhen und dann fort arbeiten gegen achte kan ich fertig seyn. Da will ich meine Liebste aufsuchen und meines Herzens Lust noch am Ende des schönen Tages sehen. Indess sag ich Ihnen einen guten Abend und konnte Sie ohne diesen Grus nicht in Gesellschafft gehen lassen.

d. 18. Apr. 81.

G.

637

[Donnerstag 19. April]

Da mich gute Geister in meinem Hause besucht haben bin ich nicht auswärts gegangen sie aufzufinden. Am Tasso ist geschrieben, und wenn Sie mich bewirthen mögen; so komm ich zu Tische.

Da Sie sich alles zu eignen wollen was Tasso sagt, so hab ich heut schon soviel an Sie geschrieben daß ich nicht weiter und nicht drüber kann.

d. 19. Apr. 81.

G.

638

[Freitag 20. April]

Ich hab ein groses Verlangen zu wissen wie du geschlafen hast und ob du wohl bist. Von mir sag ich dir nichts noch vom Morgen. Ich habe gleich am Tasso schreibend dich angebetet. Meine ganze Seele ist bey dir. Diesen Abend hoff ich mit dir zu spazieren. Heut will ich fleisig seyn.

d. 20. Apr. 81.

G.

639

[Sonntag 22. April]

Fritz hat mich noch im Bette angetroffen und so war das erste was ich heute sah das Beste was dir angehört. Gestern Nacht hat ich grose Lust meinen Ring wie Polykrates in das Wasser zu werfen, denn ich summirte in der stillen Nacht meine Glückseeligkeit und fand eine ungeheure Summe. Ich werde wohl am Tasso schreiben können. Sag mir was du heute vorhast. Ich will doch die kleine Schwägerinn besuchen. Es ist ein unendl. schöner Tag, vielleicht giebts einen warmen Regen. Adieu liebste. Du meine Erfüllung vieler tausend Wünsche.

d. 22. Apr. 81.

G.

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