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Gutenberg > Johann Wolfgang von Goethe >

Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1

Johann Wolfgang von Goethe: Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1 - Kapitel 62
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authorJohann Wolfgang von Goethe
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610

[Sonntag 25. März]

Der Herzog und Knebel haben meine Ruhe und meinen Fleis unterbrochen eh ich fortfahre wende ich noch dies Gebet an Sie. Meine Liebe diese fünf iahre her kommt mit dem schönen Reihen so vieler guten Empfindungen vor mir aufgezogen. O könnt ich dir sagen was ich dir schuldig bin.

d. 25. März 81.

G.

Ich habe Sie in Frizzen aufs herzlichste umarmt.

611

[Montag 26. März]

Den heutigen Tag meine Beste will ich in der Resignation zubringen Sie nicht zu sehen. Ich bin zu glücklich als daß ich mich wagen sollte. Ein unangenehmer Eindruck über den ich nicht Herr wäre könnte mich stören. Freylich wird mir's gegen Abend schweer werden, doch wird der schöne Gedancke Ihrer Liebe mir diese Stunden übertragen helfen. Adieu. Erst dacht ich einmal die Schröter einzuladen die in 8 Wochen nicht bey mir war, hernach zog ich die Einsamkeit vor. Leb wohl, und wisse wie sehr du mich glücklich machst.

d. 26. März 81.

G.

612

[Montag 26. März]

Schon heute früh hab ich gezweifelt ob ich's aushalten würde Sie gar nicht zu sehn, und ich überlies es dem Abend. Da ich weis wo Sie sind wird mich wohl meine Neigung zum Wirbel führen, in dem ich mich sogern verschlingen lasse.

Wenn die Menschen dir zur Freude Guts von mir reden, so mögt ich erst auch um des Ruf's willen etwas thun. Führe dein gutes Werck aus und erhalte mich im Guten und im Genusse des Guten.

Beyliegendes Tuch wird iemand umhaben und mir sagen daß es mich liebt.

d. 26. März 81.

G.

613

[Dienstag 27. März]

Der Himmel trübt sich ich werde nicht drüber murren, denn wenn ich bey dir bin so ist alles heiter. Den Frauens, und dir besonders hab ich in der Stille des Morgens eine Lobrede gehalten. Eure Neigungen sind immer lebendig und thätig, und ihr könnt nicht lieben und vernachlässigen. Die Offenheit und Ruhe meines Herzens die du mir wiedergegeben hast, sey auch für dich allein, und alles Gute, was anderen und mir draus entspringt sey auch dein. Glaub mir ich fühle mich ganz anders, meine alte Wohlthätigkeit kehrt zurück und mit ihr die Freude meines Lebens, du hast mir den Genuß im Guts thun gegeben, den ich ganz verlohren hatte. Ich thats aus Instinckt und es ward mir wohl dabey. Adieu. So mögt ich immer fortfahren und sey's gegenwärtig oder auf dem Papiere, und schweer wird mirs, mich von dir zu scheiden.

d. 27. März 81.

G.

Wann willst du wegfahren, ich komme eine Stunde früher damit wir reisen können.

Der Herzog ladt mich eben zum Essen ins Kloster und zu einem Nachmittag Spaziergang da komm ich sobald nicht los.

614

[Mittwoch 28. März]

Heute will ich mich in der Stille enthalten und verschiednes bey Seite schaffen.

Lassen Sie mir die Aussicht daß ich Sie heut Abend sehen kan, und schreiben mir ein langes Billet daß ich für den Tag etwas habe.

Wäre der Himmel nicht so umwölckt so würd ich Sie einladen nach Tische zu spazieren.

Sagen Sie mir was der Fus macht und wie Sie sich sonst befinden.

Adieu beste. Mir ists so ziemlich. Es ist mein Glück daß sich des Tags über so viele Haufen Geschäffte zwischen dich und mich legen, sonst wär ich den ganzen Tag bey dir, und wäre unglücklich dich nicht zu sehn.

d. 28. März 81.

G.

Schicke mir d[en] Longin.

615

[Mittwoch 28. März]

Innliegendes war schon gesiegelt als dein liebes Zettelgen kommt. Es ist mir ganz leidlich meine Beste. Wenn wir in einem bessern Clima wohnten; so wäre viel anders, ich bin der dezidirteste Barometer der existirt. Wie aber die schweere der Lufft und ihre Wärme nicht mit einander gehn, so macht mir deine Liebe auch ein besonder Clima.

Hier schick ich ein Frühstück. Und bitte daß du mir noch einmal schreibst. Und mir sagst wie es heut Abend ist.

d. 28. März 81.

G.

616

[Freitag 30. März]

Das schöne Wetter und deine Liebe thun zusammen die gewohnte Würckung, es ist mir recht artig. Wenigstens spür ich gar keinen Husten.

Sag mir was der Fus auf den gestrigen Tanz macht. Heut ist Conseil. Sag mir etwas von heute Nachmittag und Abend.

d. 30. März 81.

G.

617

[Sonnabend 31. März]

Ihr liebes Briefgen hat mich noch im Bette gefunden, wo ich die üblen Einflüsse der Jahrszeit zu lindern geblieben bin. Sehr ungern hör ich daß meine Wünsche nicht länger die Übel von Ihnen entfernt halten. Sie hätten nicht zeichnen sondern ruhen sollen. Der Himmel klärt sich auf, sonst bitt ich Sie nicht zu kommen. Ich bringe lieber die Zeichnungen hinüber. Den Compte rendu des H. v. Necker hab ich erhalten. Es ist eine köstliche Schrifft es wird mir wohl damit gehn wie mit dem Ewerdingen. Adieu beste. Der Herzog hat sich heute nacht ins Dickbein verwundt. Ich will ihn heute früh besuchen. Adieu beste. Frizzen hab ich in deine Seele geküsst.

d. 31. März 81.

G.

618

[Sonntag 1. April]

Ich wünsche zu hören daß das schöne Wetter auf meine beste so gut würckt wie auf mich. Erst vor kurzem erhebt sich ein Wind sonst ists Allerliebst. Sag mir wie du geschlafen hast und ob die Übel dein Liebes Haupt verlassen haben? Ob du mich zu Mittage willst, und was du dir sonst auf den Tag ausgedacht hast. Schicke mir die Landschafft.

d. 1. Apr. 81.

G.

619

[Montag 2. April]

Mich fängt schon wieder an zu reuen daß ich diesen Mittag nicht mit dir seyn soll.

Sage mir etwas gutes und liebes meine Beste. Diesen Morgen ists gut wenns nur so den Tag lang fortgehn könnte. Adieu. Sag mir was du machst? wie es heut Abend seyn wird. Adieu Liebste.

d. 2. Apr. 81.

G.

In der Neckerischen Schrifft liegt ein ungeheur Vermächtniss für Welt und Nachwelt. Der Geist macht lebendig, und das Fleisch ist auch nüzze.

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