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Gutenberg > Johann Wolfgang von Goethe >

Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1

Johann Wolfgang von Goethe: Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1 - Kapitel 59
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authorJohann Wolfgang von Goethe
titleBriefe an Charlotte Stein, Bd. 1
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580

[Dienstag 27. Februar]

Nur ein Wort, daß ich Sie liebe, daß ich Sie gegen Abend sehe, und bitte mich auf die Redoute zu nehmen.

d. 27. Febr. 81.

G.

581

[Dienstag 27. Februar]

Da Sie heute im nachlässigen Tabarro auf die Redoute gehen wollen, so hab ich sorgen müssen Sie zu zieren. Wie lieb ist mirs daß es Künste giebt die schönen Gestalten des Frühlings in dieser Jahreszeit hervorzutreiben. Denn es ist mir kein willkommner Zeichen Ihnen zu sagen dass ich Sie liebe als immer wechselnde Blumen. Ich sehe Sie bald.

d. 27. Febr. 81.

G.

582

[Mittwoch 28. Februar]

Wie hat mein lieber Müdling geschlafen? Ich bin um halb dreye nach Hause gekommen und die Ausschweifung scheint mir wohl zu bekommen. Ich bin heute Mittag bey Hof. Sie wohl den Abend. Haben Sie noch etwas von den Blumen mit nach Hause gebracht? Wie Sie weg waren hab ich der Frau v. Oertel die Cour gemacht, und noch gewalzt. Adieu liebste.

d. 28. Febr. 81.

G.

583

[Donnerstag 1. März]

Guten Morgen meine beste. Sie haben mich nicht verlassen, Sie sind mir auch im Traume freundl. gewesen dafür danck ich Ihnen und wünsche daß Sie recht gut mögen geschlafen haben.

d. 5. Merz 81.

G.

584

[Freitag 2. März]

Wie sind Sie mit dem Schlaf zufrieden, und werden Sie seinen Repräsentanten heute auch lieben? Um 10 Uhr. Komm ich.

d. 2ten März.

G.

585

[Sonnabend 3. März]

Da ich erwache wünsche ich daß sich meine liebe Nacht möge in Tag verwandelt haben und mögte mir gleich vor den Augen seyn. Ich esse mit Knebeln und sehe Sie alsdenn. Sagen Sie mir wie Sie aufgestanden sind. Sagen Sie mir was ich so gerne höre! Aus Zerstreuung tauch ich eben die Feder in den brennenden Wachsstock der auf dem Tische bey mir steht, sie scheint nach dem hefftigsten und reinsten Element zu verlangen, da ich im Begriff war Ihnen zu sagen daß ich Sie unendlich liebe.

d. 3. Merz 81.

G.

586

[Sonntag 4. März]

Ihr Packet erhalt ich im Kloster, wo ich an diesem anmutigen Morgen schon lange auf den gehofften Boten laure. Die Aepfel sind mir sehr willkommen denn es mangelte mir am Frühstück. In Ihr Geschenck will ich mich kleiden wie in Ihre Liebe. Es ist so schön daß ich wünschte Sie kämen nachher einen Augenblick herunter. Zu Tische werden Sie wohl Ihren immer getreuen Gast haben.

d. 4. März 81.

G.

587

[Sonntag 4. März?]

Kaum bin ich von Ihnen weg; so hab ich Ihnen schon etwas zu sagen und zu schicken. Der Himmel war gar schön, ich wünschte Sie nur einen Augenblick heraus. Die Lufft war gelinde und deutete von fern auf den Frühling. Der Braten den ich Ihnen schicke wird von härtlicher Natur seyn. Vielleicht wär er am besten in einer Pastete. Entscheiden Sie das und lassen mich wo möglich noch davon geniessen. Adieu beste! wenn es nur Worte gäbe Ihnen zu sagen wie ich Sie liebe und eine Dinte sie zu schreiben. Adieu! Adieu.

G.

588

[Montag 5. März]

Guten Morgen meine liebste, ich habe viel zu krabeln um noch alles in Ordnung zu bringen eh ich gehe. Daß ich Sie verlasse mag ich gar nicht dencken, und kanns nicht dencken, denn ich bleibe immer bey Ihnen.

d. 5. Merz 81.

G.

589

[Dienstag 6. März]

Zum leztenmal auf eine lange Zeit schreib ich Ihnen des Morgens mit der schönen Hoffnung die besten Stunden des Tags mit Ihnen zuzubringen. Wie ists mit unserm Braten heute? Es wird kein Conseil seyn und wir können ihn also in Ruhe verzehren. Weder der Tag, noch der Frühling noch die Liebe werden immer wiederkehrend alt.

d. 6. März 81.

G.

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