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Gutenberg > Johann Wolfgang von Goethe >

Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1

Johann Wolfgang von Goethe: Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1 - Kapitel 56
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authorJohann Wolfgang von Goethe
titleBriefe an Charlotte Stein, Bd. 1
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550

[Montag 29. Januar]

Dancke für den guten Morgen auf Frizzens freundlichem Gesicht. Gestern Abend kriegte ich noch Ziehen im Kopf darum ich mich bald niederlegen musste und ich lies mich um 8te aufwecken um Ihnen guten Abend zu sagen, und ein wenig zu essen. Ich darf nicht wagen zu zeichnen, weil es immer anstrengt und mich wenn ich so bin erhizt. Mein Hals ist besser doch spür ichs noch, auf die Probe heut Abend muss ich mich Sammeln. Schicken Sie mir doch das Exemplar der Iphigenie, ich muss noch einige Stellen ansehen. Adieu. Wenns bessrer Weeg und Wetter wäre besuchten Sie mich wohl. Adieu liebste.

d. 29. Jan. 81.

G.

551

[Dienstag 30. Januar]

Es ist umgekehrt wie gestern, ich habe sehr gut geschlafen und mein Hals ist schlimmer. Ich halte mich sehr still um bis den Abend auszulangen. Dancke für Ihren Anteil, und hoffe Sie durch mein Spiel vergessen zu machen dass mir was fehlt. Bringen Sie ein feines Herz mit, wir wollen das unsrige thun.

d. 30. Jan. 81.

G.

552

[Mittwoch 31. Januar]

Lang hab ich gesonnen wie ich Ihnen ein Zettelgen in die Gesellschafft zu bringen wollte. Zulezt ging auch Knebel nicht und ich sizze ganz allein in der unfreundlichen Nacht.

So will ich Ihnen noch einen guten Abend auf den Schreibtisch legen lassen, dass Sie mein gedencken wenn Sie nach Hause kommen. Auch schick ich das Schweinsköpfgen und Rückgen. Es ist mir gar nicht als wenn ich Gäste haben mögte. Laden Sie Sich iemand drauf der Ihnen lieb ist und vergessen mich nicht dabey. Adieu beste allerliebste.

d. 31. Jan. 81.

G.

553

[Donnerstag 1. Februar]

Ich schicke Ihnen ein Stückgen Brod, und bitte mich zu Tisch wenn Sie nichts hindert. Heut früh war ein sehr schöner Sonnenblick. Knebel läuft schon mit seiner Pfeife in der Welt herum.

d. 1. Febr. 81.

G.

554

[Sonnabend 3. Februar]

Sagen Sie mir wie Sie geschlafen haben. Ich soll heute zu Haus bleiben, und wenn Sie Sich nicht meiner annehmen, hab ich einen betrübten Tag vor mir. Recht lieb wären Sie wenn Sie zu Mittag bey mir essen wollten, ich lies Ihnen einen Phasan braten. Sie brächten mit wen Sie wollten. Sagtens Knebeln und so würde es hier in der Einsamkeit lebendig. Vielleicht käme der Herzog ein wenig und Sie steckten den Cinna ein. Adieu. Ich muß mich ruhig halten sehe ich wohl. Es will nicht recht mit mir fort.

d. 3. Febr. 81.

G.

555

[Sonntag 4. Februar]

Kaum bin ich aufgestanden so mach ich schon Plane wie ich zu Ihnen kommen und den Tag bey Ihnen zubringen will. Ich bin recht leidl. ausser dem Hals und mag gerne allerley thun. Solang das geht werd ich in meinem Schneegestöber aushalten, und schreiben und zeichnen, hernach komm ich und fahre mit Ihnen ins Conzert. Adieu meine liebe Cometenbewohnerinn.

d. 4. Febr. 81.

G.

556

[Montag 5. Februar]

Mir ists ganz leidlich, wie befinden Sie Sich? Ich habe vielerley bey Seite zu bringen, und muß doch sachte gehn, denn ich spüre gleich dass es noch nicht fort will. Hier kommt Ihr Zettelgen. Heut werd ich mich ruhig halten, vielleicht seh ich Sie Abends. Wir wollen uns recht herausputzen und ich will uns schöne Versgen machen. Adieu beste. Halten Sie mit mir, so lang ich noch halte.

d. 5. Febr. 81.

G.

557

[Montag 5. Februar]

Wenn mir Knebel nicht schon zuvorgekommen ist, wie ich vermuthe, so wird Ihnen dies platonische Gespräch zum Abende angenehm seyn. Gerne geb ich Ihnen heut noch so etwas guts. Ich will zu hause aushalten, bin still und fleisig. Adieu beste liebste.

d. 5. Febr. 81.

G.

558

[Dienstag 6. Februar]

Es reizt mich Ihre Einladung sehr. Ich werde wohl kommen und mein liebstes wieder sehn. Knebel war schon bey mir. Ich hab ihm die Literatur vorgetragen an der ich gestern gearbeitet habe. Adieu bis zu Mittag, und leiden Sie nicht daß ich zu viel esse.

d. 6. Febr. 81.

G.

559

[Donnerstag 8. Februar]

Mit Ihrem Freunde gehts so ziemlich, er hat gut geschlafen nur heute früh Nasenbluten beym Aufstehn gehabt, welches ich einem gebratnen Täubgen und einigen Gläsern Wein zuschreibe die er gestern Abend als er von Ihnen ging noch zu sich nahm.

Es zeigt sich also immer noch eine Unregelmäsigkeit welche nebst andern die Götter ins gleiche bringen mögen.

Ferner geht mir eine Grille durch den Kopf: ob ich wohl thue bey der Maskerade zu seyn. Wär ich nicht mit Ihnen versprochen, würd ich ihr nachhängen, so aber will ich's ganz in Ihre Hände legen, sehen Sie's unbefangen an und sagen Sie mir ob ich soll oder nicht, ohne die Ursachen hinzuzuthun. Ihr Ausspruch allein soll mich bestimmen und beruhigen. Fänden Sie dass ich wohl thue davon zu bleiben; so hab ich in meiner Kranckheit eine bereite Entschuldigung, ich will doch für alles sorgen, Ihre Maske mit ausstudiren helfen die Verse machen, kurz es soll nichts fehlen. Der Prinz würde Ihre Moitie, und wenn ich ihn heimlich beneidete würd ich doch ein süs Gesicht dazu machen. Adieu beste, sagen Sie mir wie Sie leben. Ich will mich heute zu Haus halten.

d. 8ten Febr.81.

G.

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