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Gutenberg > Johann Wolfgang von Goethe >

Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1

Johann Wolfgang von Goethe: Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1 - Kapitel 55
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authorJohann Wolfgang von Goethe
titleBriefe an Charlotte Stein, Bd. 1
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1781

533

[Weimar, Montag 1. Januar]

war ich erwacht, und lag und dachte was ich Ihnen zum neuen Jahr sagen und schicken wollte, als mir Ihr Packetgen zuvorkam. Ich dancke tausendmal meine beste. Keine Reime kan ich Ihnen schicken denn mein prosaisch Leben verschlingt diese Bächlein wie ein weiter Sand, aber die Poesie meine Beste zu lieben, kan mir nicht genommen werden. Ihr artig Büchsgen werd ich immer bey mir führen, und schicke etwas süses dagegen, das freylich seiner Natur nach angenehm und vergänglich ist. Adieu.

d. 1. Jan. 81.

G.

534

[Mittwoch 3. Januar]

Sagen Sie mir wie Sie geschlafen haben? wie Sie leben und ob Sie noch reisen? Nehmen Sie's gut auf dass ich für Ihre Gesundheit besorgt bin, denn wenn Sie nicht wohl sind bin ich auch kranck.

d. 3. Jan. 81.

G.

535

[Sonntag 7. Januar]

Guten Morgen beste. Unser Spas ist gestern sehr glücklich ausgeführt worden. Heut will ich auf dem Eis essen, und diesen Abend seh ich Sie bey Hof. Adieu.

d. 7. Jan. 81.

G.

536

[Montag 8. Januar]

Schweer enthalt ich mich noch einmal in meinen liebsten Spiegel zu sehen, die schöne Dämmerung lockt mich aus der Stube. Wenn Sie nur auch sähen wie lieblich es iezt um mich herum ist. Gute Nacht meine beste. Ich habe keine zusammenhängende Gedancken, sie hängen aber alle zusammen an Ihnen. Addio.

d. 8. Jan. 81.

G.

537

[Dienstag 9. Januar?]

Heut ist Conseil also bin ich von allen dichtrischen und Eisfreuden getrennt. Der Herzog isst auf dem Zimmer. Dancke für die schönen Materialien. Adieu beste.

G.

538

Auch noch um achte komm ich meine Beste. Leben Sie wohl und vergnügt.

G.

539

So ists recht schön, ob mirs gleich lieber gewesen wäre Sie früher und zu Tisch zu sehn. Es wird von Ihnen abhängen Abends zu bleiben.

G.

540

[Sonnabend 13. Januar]

Guten Morgen beste, ich hab es nicht vergessen und werde kommen. Heut Nacht fehlten Sie mir an allen Enden. Die Menschen waren ganz artig und ich auch. Schon lang hätt ich Ihnen gerne etwas geschenckt. Hier schick ich die Zeichnung die Ihnen wohlgefallen hat, dencken Sie sich dabey, dass zwischen solchen Felsen, im tiefsten dieser Gegenden ich immer an Sie gedacht habe.

d. 13. Jan. 81.

G.

541

[Mitte Januar?]

Da ich Ihr Zettelgen habe worauf ich seit meinem Erwachen hoffe ist mein Tag vollendet. Ich gehe nicht aufs Eis und will mich der Einsamckeit ergeben. Der Mensch ist so gebaut dass wenn er auch auf wichtige Vorfälle bereitet, ruhig schläft, ihn doch eine verächtliche Wanze um die Nacht bringen kan. Leben Sie wohl und vergnügt, und glauben Sie dass ich nichts höher schätze als Ihre Liebe.

G.

542

[Montag 15. Januar]

Da ich Sie gestern nicht gesehen habe sind Sie so artig gewesen mich heute Nacht mit Knebeln zu besuchen, dafür ich dancke. Geben Sie doch Überbringern das Röllgen Geld, und ich schicke zugleich die Mitschuldigen. Bitten Sie doch Steinen dass er sie liest, und sich entschliest den Wirth zu machen. Er wird ihn gewiss recht hübsch spielen, und uns wär es eine grose Freude das Stück zu geben. Es ist entsezlich kalt. Wenn Sie auf der Ilm fahren wollen, es wird Bahn gekehrt. Thun Sie's um der Seltenheit willen. Ich gehe auf die Kriegs Comm[ission] lassen Sie mir die Stunde sagen wenn Sie herunter kommen wollen, vielleicht um Mittag. Auch bitt ich um die Papiere die bey Ihnen liegen, versiegelt. Womöglich noch vor 9 Uhr.

d. 15. Jan. 81.

G.

543

[Montag 15. Januar]

Wenn irgend eine Gefahr wäre hätt ich Sie nicht eingeladen, es thut mir weh dass man mich für so leichtsinnig oder Gott weis was hält, es trägt Lastwagen an dem Ort wovon die Rede war. Doch will ich auf die grose Bahn kommen, es war ohne dies nur ein Scherz denn der Plaz ist nicht gros. Adieu beste.

d. 15. Jan. 81.

G.

544

[Dienstag 16. Januar]

Heute werd ich Sie schwerlich zu sehen kriegen. Mittags bin ich in der Welt, und Sie des Abends. hier sind die Kegelschnitte zum leichteren Begriff des unbegreiflichen. Adieu beste.

d. 16. Jan. 81.

G.

545

[Donnerstag 18. Januar]

Die gestrigen Aepfel ess ich zum Frühstück und dancke dafür. Bey Ihrer Partie zu seyn, machte mir grose Freude, es ist nicht hübsch dass Sie sich mir endlich einmal nähern ohne mich dazu zu nehmen. Da ich mit dem Wetter stimme und traurig bin, nehm ich alles von der ominosen und schlimmsten Seite, und über ein Mittag essen dabey ich nicht seyn kan, wird mir das unlustig wozu ich geladen bin. Adieu wenn ich den duncklen Vorstellungen recht ihre Gewalt lasse, so komm ich auch nach Tische nicht auf die Bahn. Adieu beste allerliebste.

d. 18. Jan. 81.

G.

546

[Freitag 19. Januar]

Wenn Sie mich mögen, so sollen nach 1 Uhr zwey gebratne Feldhühner ankommen, die wir zusammen verzehren wollen in Friede und Eintracht. Ich hoffe das Conseil soll nicht lang dauern, denn es ist nicht viel da. Nur ein Wörtgen Antwort. Adieu beste.

d. 19. Jan. 81.

G.

547

[Donnerstag] d. 25. Jan. 81.

Unsere Freude ist zu Wasser, und ich kan mir nichts an deren Statt erdencken. Gerne bät ich Sie zu Gaste, und Sie brächten noch iemand mit, etwa die Kleine und Ihren Bruder. Sagen Sie mir was Sie mögen, das Wetter ist entsezlich. Ich fürchte noch einen Sturm wie der auf Barbados wenigstens ein nachgeschwister Kind. Schreiben Sie mir was Ihnen lieb ist, ich mögte heut etwas apartes mit Ihnen geniessen.

548

[Sonntag 28. Januar]

Mein Hals ist nicht besser geworden, ich hab mir etwas von Huflanden hohlen lassen, und will heut zu Hause bleiben. Gegen Abend wird mir das Verlangen ankommen Sie zu sehen, und ich werde es nicht befriedigen können. Ihr Halstuch will ich noch behalten, und mögte Ihnen gern etwas schicken, wenn ich nur Steine zu Kuchen machen könnte, sobald das Schweingen zerlegt ist, sollen Sie Ihr Theil daran haben. Mit dem Schirm scheint mir's ohnmöglich fertig zu werden, ich kan mich kaum entschliesen wieder daran anzufangen. Adieu beste. und sagen Sie mir etwas.

d. 28. Jan. 81.

G.

549

[Sonntag 28. Januar]

Es geht mir ziemlich doch fürcht ich dass sich mein Hals nicht ganz giebt, ich hab auch äusserlich einige Spannung. Ich will mich ruhig halten, und hoffen. Am Schirm hab ich nichts machen können ich will morgen früh das mögliche thun. Der Wind geht von mir zu Ihnen also bringt er Ihnen meine Gedancken. doch können auch die gegen den Wind gehn und also hoff ich Besuch von den Ihrigen. Um achte will ich nicht vergessen Sie bey der Uhr zu qrüssen. Wenn ich ein Paar Racketen hätte so würf ich sie, Ihnen einen guten Abend zu sagen.

d. 28. Jan. 81.

G.

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