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Gutenberg > Johann Wolfgang von Goethe >

Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1

Johann Wolfgang von Goethe: Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1 - Kapitel 52
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authorJohann Wolfgang von Goethe
titleBriefe an Charlotte Stein, Bd. 1
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510

[Sonnabend 2. Dezember]

Wir müssen einander in Sprachen und allem forthelfen. Dancke, recht sehr. Darf ich heut mit Ihnen ein Feldhuhn verzehren? Hier ist ein Billet das sich zu mir verlohren. Es freut mich dass man nicht glaubt Sie konnten wo anders hin schreiben.

d. 2. Dez. 80.

G.

511

[Sonntag 3. Dezember]

Ich soll nicht zu den Feldhünern kommen. Man hat mich nach Hofe zitirt. Heut Abend kommen Sie ia wohl auch hinauf. Adieu beste. Der Sonntag ist mir kein Ruhetag.

d. 3. Dez. 80.

G.

512

[Montag 4. Dezember]

Auf meine gestrige Beichte befind ich mich um ein gros Theil leichter und besser, möge sie doch vollkommen werden. Der Reif dieses Morgens war mir auch sehr willkommen. Heut ist Conseil nachher will ich in der Stille zu Hause essen, und Sie gegen Abend aufsuchen. Hier ist das Halstuch zurück, und ein Frühstück für Frizzen.

d. 4. Dez. 80.

G.

513

[Mittwoch 6. Dezember]

Auf die gestrige Eisfahrt hab ich sehr gut geschlafen. Wenn Sie nur einen Augenblick gekommen wären! Ich esse wieder draussen und nähme wohl ein Stück Braten an, mein Gözze solls im Vorbeygehn mit nehmen.

d. 6. Dez. 80.

G.

514

[Freitag 8. Dezember]

Dancke liebe beste dass Sie mein Mittag essen durch ein Gericht haben wollen schmackhafft machen. Ich habe mich beschäfftigt und mir ists wohl. Hier ist auch das Portefeuil. Ohngeachtet hundert Pinselstrichen und Tupsgen ists immer noch nicht fertig, lassen Sie's aber machen, und gebens noch unsern Meinungen mit. Adieu allerliebste.

d. 8. Dez. 80.

G.

515

[Sonnabend 9. Dezember]

Zum Tanze schick ich dir den Straus
Mit himmelfarbnem Band,
Und siehst du andern freundlich aus,
Reichst andren deine Hand,
So denck auch an ein einsam Haus
Und an ein schöner Band.

d. 9. Dez. 80.

G.

516

[Sonntag 10. Dezember]

Sagen Sie mir meine beste wie Sie geschlafen haben? Wie Sie Sich befinden? denn ich fürchte dass Ihnen mögte nicht wohl seyn. Ists Ihnen aber so, und können Sie mir den heutigen Tag schencken, so soll er mir in mehr als einer Betrachtung Sabath seyn.

Seit Donnerstag Abends kan ich Sie versichern bin ich nicht einen Augenblick von Ihnen gewichen. Gestern und vorgestern hab ich meine Pflicht gethan, aber was ist Pflicht ohne die Gegenwart der Liebe. Adieu liebste wenn Sie wollen so seh ich Sie bald.

d. 10. Dez. 80.

G.

517

d. 11. Dez. 1780.

Aus Kötschaus Thoren reichet Euch
Ein alter Hexenmeister,
Confeckt und süsen rothen Wein
Durch einen seiner Geister.

Der sollt wenn er nicht heiser wär
Euch auch dies Liedgen singen,
Doch wird er einen holden Grus
Von mir Euch überbringen.

Kein Wetter kan der arme Tropf
Am hohen Himmel machen,
Sonst sollt euch Sonne Mond und Stern,
Zu Eurer Reise lachen.

Genieset weil Ihr süse seyd
Auch etwas süses gerne
Und denckt bey Scherz und Frölichkeit
An einen in der Ferne.

Der gerne mögt mit mancher Lust
Euch Schönen zu vergnügen
An iedem Weeg, in iedem Busch
Im Hinterhalte liegen.

Den Ihr drum als Oresten saht
Als Scapin sich gebärden,
Und der nun mögt zu Eurem Spas
Auch Wirth von Kötschau werden.

G.

518

[Dienstag 12. Dezember]

Ich schicke Ihnen unsre Locke wieder, und verlange sehr zu wissen wie Ihnen die Nachtfahrt bekommen ist. Mein Bote brachte mir um ein Uhr das Zettelgen vors Bette das mir ein gros Vergnügen gemacht hat. Sind Sie wohl; so kom ich heute zu Tisch.

d. 12. Dez. 80.

G.

519

[Mittwoch 13. Dezember?]

Zwar wollt ich heut wieder durchs Entbehren erfahren wie lieb ich Sie habe. Ich dencke doch aber ists besser Linsensuppe mit Ihnen aus der Pasteten Schaale zu essen also komm ich um 12 Uhr.

d. 12. Dez. 80.

G.

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