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Gutenberg > Johann Wolfgang von Goethe >

Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1

Johann Wolfgang von Goethe: Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1 - Kapitel 50
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authorJohann Wolfgang von Goethe
titleBriefe an Charlotte Stein, Bd. 1
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490

[Donnerstag 2. November]

So einen bösen Vorhang mir Ihr Brief herunter wirft, und neue Nebel meine schönsten Aussichten decken; so ist mirs doch wilkommner als Ihr anfänglich gleichgültig thun, da Sie mirs ausreden und mich beruhigen wollten.

Möge es Ihnen recht wohl seyn. Knebel hat mir gesagt dass Sie recht vergnügt sind.

Es macht mich nachdencken dass es Frizzen geht wie mir. Danck für die Bratens wir wollen sie in Gesellschafft mit guten Wesens verzehren. Die kleine lehrt mich Schach u. s. w. Grüsen Sie Stein und Lingen recht schön, und auch meinen Bruder nicht in Christo sondern in der Unart und Unbethulichkeit.

d. 2. Oktbr. 80.

G.

491

[Dienstag 7. November]

Heut sinds fünf Jahre dass ich nach Weimar kommen bin. Es thut mir recht leid dass ich mein Lustrum nicht mit Ihnen feyern kan.

Gestern hatten wir recht schön und wunderbaar Wetter, kamen sehr vergnügt hierher. Ihrer Liebe wieder ganz gewiss, ist mirs ganz anders, es muss mit uns wie mit dem Rheinweine alle Jahr besser werden. Ich rekapitulire in der Stille mein Leben seit diesen 5 Jahren, und finde wunderbaare Geschichten. Der Mensch ist doch wie ein Nachtgänger er steigt die gefährlichsten Kanten im Schlafe. Behalten Sie mich lieb. Das muss einen befestigen dass man mit allem guten bleibender und näher wird, das andre wie Schaalen und Schuppen täglich von einem herunter fällt.

Der Prinz hat auch wie ich mercke eine politisch, sentimentalische Visite gemacht.

Der Graf v. d. Lippe ist angekommen. Vielleicht ist schon Donnerstags Comödie. Wenn Sie wiederkommen müssen wir doch einmal einige Politika tracktiren. Die Erde bebt immer fort. Auf Candia sind viel Orte versuncken. Wir aber auf dem uralten Meeresgrund wollen unbeweglich bleiben wie der Meeresgrund.

Adieu Grüsen Sie Lingen. Es warten Ihrer eingemachte Früchte. Auch Steinen und Frizzen.

Kommen Sie glücklich.

W. d. 7. Nov. 80.

G.

492

[Freitag 10. November ?]

Ich wollte anfragen ob Sie diesen Nachmittag zu Hause sind? Ich käme von Hof herüber und brächte die erste Scene vom Tasso mit. Es scheint mir räthlich zu seyn dass wir uns nach und nach mit diesem Stück bekannt machen. Knebeln wollte ich es sagen laßen.

G.

493

[Sonntag 12. November]

Heut will ich in der Stille zubringen.

Friz kommt mit Kupfern beladen zurück, auch bringt er ein Kästgen mit, davon Sie Carolingen was geben können wenn sie gut Englisch lernt. Lassen Sie mich wissen wo Sie heut Abend sind. Adieu beste. Mein Erster Ackt muss heute fertig werden.

d. 12ten Nov. 80

G.

494

[Montag 13. November]

Lassen Sie mich meine beste Ihnen einen guten Morgen sagen, hierhaussen ist es wild und trüb, die Wolcken liegen der Erde und dem Geiste schweer auf. Doch ist unter der Hülle mein erster Ackt fertig geworden, ich mögt ihn gerne lesen, dass Sie theil an allem hätten was mich beschäfftigt. Sagen Sie mir dass Sie mich lieben, und ersezzen das Licht der Sonne. Heut ein Jahr waren wir auf dem Gotthart.

d. 13. Nov. 80.

G.

495

[Dienstag 14. November]

Da der Tag anbricht mag ich schon wieder bey Ihnen seyn, und nehme also Ihre Einladung zu Mittage an. Ich hoffe das Conseil soll kurz werden. Verzög es aber so essen Sie nur und heben mir etwas auf.

d. 14. Nov. 80.

G.

496

[Mittwoch 15. November]

Ihr gütigs Zureden und mein Versprechen haben mich heute früh glücklich den IIten Ackt anfangen machen. Hier ist der 1ste mög er in der Nähe und bey wiederhohltem Lesen seinen Reiz behalten. Lassen Sie ihn niemand sehen. Ich will heute spazieren laufen und zu hause essen. Adieu.

d. 15. Nov. 80.

G.

Der Zeichentisch ist wieder angekomen und eingeräumt.

497

[Donnerstag 16. November]

Danck für den guten Morgen. Wenn Sie erlauben so komm ich zu Tische und bring auch etwas mit.

Frühmorgens nehm ich mir vor zu Hause zu bleiben und bestelle mein Essen, wenns gegen Mittag kommt zieht mich das alte Verlangen zu Ihnen. Behalten Sie den Ackt wie sie wollen, er wird mir erst lieb da Sie ihn lieben. Schicken Sie mir doch gleich die Adresse des Brockenburgs in Rudolstadt.

d. 16. Nov. 80.

G.

498

[Sonntag 19. November]

Lassen Sie mir wissen ob Sie in die Kirche gehen? und wie Ihr Mittag und Nachmittag eingetheilt sind, ich mögte gern das Portefeuille vorwärts bringen.

Mein Stück ist heute vorgerückt, dessen Ende Sie mit keinen freundlichen Erinnerungen zu beschleunigen gesinnt sind. Adieu beste.

d. 19. Nov. 80.

G.

499

[Montag 20. November]

Der Himmel sey mit Ihnen und mache Ihnen recht wohl, aber nicht der untere der heute sehr leidig ist. Geschrieben ist worden heute früh, wenig, doch stockts nicht. Behalten Sie den Anteil den ich offt leider einen Augenblick nicht fühle an dem was mich angeht und helfen mir leben. Und lassen mir den Glauben dass ich auch etwas zu Ihrer Zufriedenheit beytrage.

d. 20. Nov. 80.

G.

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