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Gutenberg > Johann Wolfgang von Goethe >

Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1

Johann Wolfgang von Goethe: Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1 - Kapitel 5
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authorJohann Wolfgang von Goethe
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[Sonntag 24. März]

Noch Einen Adieu – Ich seh wohl liebe Frau wenn man sie liebt ist's als wenn gesät würde es keimt ohnbemerckt, schlägt auf und steht da – – und Gott gebe seinen Seegen dazu – Amen.

Abends 7. d. 24. Merz 76.

G.

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[Sonntag 24. März]

Nachts halb zwölfe Auerstät. Unter allerley Gedancken über Schicksaal und Grillen und träumen bin ich hier angekommen. Auf halbem Weege fand ich noch eine Orange in meinem Sack, und ob mir sie gleich sehr wohl that in der Nacht und dem Frost; so verdross mich's doch dass ich sie Ihnen nicht mit den andern geben hatte. – Auch hab ich eine Erscheinung gehabt von all den Prügeln die Nobody schon verdient hat, das ein höllisches Heer war – Eh ich ging war ich auf der Gallerie konnt sie aber nicht sehen. Gute Nacht Engel, ich dencke mir dich iezzo schlafend.

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[Montag 25. März]

Naumburg früh 5. mit Tags Anbruch komm ich an. Ein wunderbaares liebes Dämmerlicht schwebt über allem. Ich habe viel gefroren und was das beste ist auch viel geschlafen. Jezt schläffst du auch! vielleicht wachst du einen Augenblick auf und denckst an mich. Ich bin ruhig dencke an dich, und von dir aus an alles was ich lieb habe. – Wie anders! Lieber Gott wie anders! als da ich vor zehen Jahren als ein kleiner, eingewickelter, seltsamer Knabe in eben das Posthaus trat – Wie viel hat nicht die Zeit durch den Kopf und das Herz müssen, und wieviel wohler, freyer, besser ist mir's nicht. –

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[Montag 25. März]

Vormittag halb 10 Rippach in der Chaise vorm Posthause. Biss die Pferde kommen, ein Wort. Hinter Naumburg ging mir die Sonne entgegen auf! Liebe Frau ein Blick voll Hoffnung Erfüllung und Verheisung – die Morgenluft so erquickend, der Dufft zwischen den Felsen so schauerlich. Die Sonne so golden blickend als ie. – Nicht diesen Augen nur, auch diesem Herzen – Nein! es ist der Born der nie versiegt. Das Feuer das nie verlischt keine Ewigkeit nicht! beste Frau auch in dir nicht, die du manchmal wähnst der heilige Geist des Lebens habe dich verlassen. Ich will nun ganz den Eintritt in L[eipzig] geniessen.

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Leipzig d 25 Nacht 10

Nun hier! – Nur mündlich unaussprechliche Worte. Alles ist wies war, nur ich bin anders – Nur das ist geblieben was die reinsten Verhältnisse zu mir hatte damals – Mais – ce n'est plus Julie – Adieu Ich bin dumpf im Schlaf. – Die Schröter ist ein Engel – Wenn mir doch Gott so ein Weib bescheeren wollte dass ich euch konnt in Frieden lassen – doch sie sieht dir nicht ähnlich genug. Ade. – –

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[Dienstag 26. März]

Beste Frau, mir ist immer Sie sind in Gotha wenn ich wieder komme. Ich habe heut viel viel gelitten, aber auch Einen Moment! – O ich will nichts davon schreiben dass ich seine Ganze Fülle erzählen kann. – Ich bin bey der Schrötern – ein edel Geschöpf in seiner Art, – ach wenn die nur ein halb Jahr um Sie wäre! beste Frau, was sollte aus der werden! Gute Nacht. Und bleiben Sie mir immer was Sie mir iezt sind.

L. d. 26. Merz 76.

G.

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[Sonntag 31. März]

Liebe Frau. Ihr Brief hat mich doch ein wenig gedrückt. Wenn ich nur den tiefen Unglauben Ihrer Seele an sich selbst begreifen könnte, Ihrer Seele, an die tausende glauben sollten um seelig zu werden. – Man soll eben in der Welt nichts begreifen seh ich ie länger iemehr. – Ihr Traum Liebste! und Ihre Trähnen! – Es ist nun so! das Würckliche kann ich so ziemlich meist tragen; Träume können mich weich machen wenns ihnen Beliebt. – Ich habe mein erstes Mädgen wieder gesehen – Was das Schicksal mit mir vorhaben mag! Wie viel Dinge lies es mich nicht auf dieser Reise in bestimmtester Klarheit sehn! Es ist als wenn diese Reise sollt mit meinem vergangenen Leben saldiren. Und gleich knüpfts wieder neu an. Hab ich euch doch alle. Bald komm ich. Noch kann ich nicht von der Schrötern weg. Ade! Ade!

d. lezten Merz 76. Leipzig.

G.

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[Weimar, Freitag 5. April]

Da haben Sie ihn schon wieder. liebste Frau, darf ich heut früh mit Lenzen kommen. Wie fatal waren mir die Meerkazzen gestern, iust im Augenblick da ich so viel so viel ihnen zu sagen hatte. Adieu beste. Sie werden das kleine wunderliche Ding sehen. Und ihm gut werden, doch – sie sollen was sie wollen und wollen was Sie werden. Ade.

d. 5. Apr. 76.

G.

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Dass Sie uns doch noch entdecken mussten gestern. Der Herzog ist besser ich blieb heut Nacht hoben. Heut muss ich Sie sehn wärs nur ein Augenblick. Addio Beste Frau.

G.

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[Sonnabend 13. April]

Liebe Frau hier ein Zetrelgen da ich selbst nicht komme. Wie haben Sie geschlafen auf das gestrige Schwärmen? Mir ists wohl, und im Herzen, dass ich's nicht sagen kann, voll Ahndung und Hoffnung im gegenwärtigen. Doch wollt ich dass mich einmal wieder was zu lachen machte, und dass mir ein Affisches Wesen wieder ins Blut kam. Addio. Zeichnen Sie brav ich will auch heut an Sie dencken. Nur hierauf ein Wort, bitte bitte.

d. 13. Apr. 76.

G.

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