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Gutenberg > Johann Wolfgang von Goethe >

Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1

Johann Wolfgang von Goethe: Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1 - Kapitel 43
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authorJohann Wolfgang von Goethe
titleBriefe an Charlotte Stein, Bd. 1
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420

[Freitag 5. Mai]

Wir sind im Lande herumgeritten, haben böse Weege gesehen in die viel verwendet worden ist und die doch nicht gebessert noch zu bessern sind, haben gute in der Stille lebende Menschen gefunden und an Leib und Seele Bewegung gehabt.

Gestern Abend gab der Graf Ley den Frauen und Fräuleins ein Abendessen und Tanz. Es waren niedliche Misels dabey und es ging lustig zu. Der kleine hat seine schöne Gäste mit unendlichen Kinderpossen geneckt und sie haben sich mit ihm herum gerollt. Der Stadthalter war vergnügt. Wir haben schon was rechts geschwäzzt, für mich ist sein Umgang von viel Nuzzen. Durch die Erzählungen aus seinem mannigfaltigen politischen Treiben, hebt er meinen Geist aus dem einfachen Gewebe in das ich mich einspinne, das ob gleich es auch viele Fäden hat, mich doch zusehr nach und nach auf Einen Mittelpunckt bannt. Der Stadth[alter] ist doch eigentlich auch kein rechtes Kind dieser Welt, und so klug und brav seine Plane sind, fürcht ich doch es geht einer nach dem andern zu scheitern. Er hat eine treffliche Gewandtheit in bürgerlichen und Politischen Dingen, und eine beneidenswerthe Leichtigkeit. Wir haben gekannegiesert und gegörzt, und aus allem was ich von den vier Enden der Erde höre, zieh ich immer meine eigne Nuzanwendung. Im Stillen Krafft und Fähigkeit |: das heist Gewalt :| zu sammlen, zu halten, und aus zu arbeiten und auf Glück zu warten wo das mögte zu brauchen seyn!! Zum Laufen hilft nicht schnell seyn u. s. w. Adieu Liebste! Da Sie von der Welt soweit entfernt sind, werden wir ihnen Kinder scheinen die das Wasser aus dem Fluss in's Meer tragen, es liefe wohl geschwinder von selbst. Bleiben Sie mir nah und verzeihen Sie dass ich immer über mein eigenstes mit Ihnen rede, hätt ich Sie nicht ich würde zu Stein. Adieu. Ich habe hundert Plane die ganz sachte in mir lebendig werden und meine Existenz scheint mir immer noch einförmig. Die Paar Tage Wechsel und Menschen und Sachen bekommen mir wohl. Ich komme mir vor wie der Steinfresser der um satt zu werden, nach der reichlichsten Mahlzeit noch Kiesel verschlucken muss Adieu. Morgen Sonnabends Mittag ess ich mit Ihnen.

d. 5. May 80 Erfurt.

G.

421

[Weimar, Sonnabend 6. Mai?]

Sehr gut ists dass ich wieder einen bissen aus Ihrer hand erhalte. dagegen schick ich eine Blume die während meiner Abwesenheit so weit aufgeblüht ist. Wenn ich meine hausgötter sattsam geehrt habe komm ich zu Ihnen.

G.

422

[Sonntag 7. Mai]

Schicken Sie mir doch meine zusammen geschriebnen Gedichte. Es haben sich schöne Misels bey mir eingefunden. Heut Abend seh ich Sie bey Hofe. Es ist sehr schön bey mir.

d. 7. May 1780.

G.

423

Hier schick ich Blumen wie sie das Regenwetter erlaubte zu pflücken. doch Zeugniss dass ich Ihrer und der verlohrnen Wette gedenck bin.

G.

424

Hier Spargel liebste Frau. Ein Wort wies Ihnen geht und ob Sie mich nach Tische wollen. Ich will mit den Burschen essen der Zerstreuung willen. Ade.

425

[Donnerstag 11. Mai]

Diesen Abend hätt ich gern mit Ihnen zu gebracht, wenns nicht so regnerisch wäre ging ich Ihnen entgegen. Die Probe ging so ziemlich, Knebel ist am unwilligsten sich ins dramatische Joch zu schmiegen. Ins Kloster hatte das Wetter Böcke und Schafe zusammen getrieben. Morgen Mittag soll ich in Tiefurt essen und sehe Sie also wieder nicht. Adieu Liebste Gute Nacht.

d. 11. May 1780.

G.

426

[Freitag 12. Mai]

Was Sie wollen will ich gerne machen.

Vielleicht geh ich doch nach Tiefurt, wo nicht, so komm ich zu Ihnen. Auch im Regen ists sehr schön hier. Lieben Sie mich.

d. 12. May 1780.

G.

427

[Sonnabend 13. Mai]

Sehr ungern verzehr ich meinen Theil Spargel alleine, das kommt aber daher wenn man sich ganze Tage nicht sieht. Mein Morgen war zwischen Ackten dem Messias und Volgstädten getheilt. Mittags war ich beym Misel, dann stellte ich einen Ritter fast im Gusto von Takanno vor, denn ich war prächtig vom Theater trödel, drauf tanzt ich, und da es im Thal sehr schön doch sehr feucht ist sucht ich Sie auf und fand Sie nicht. Gute Nacht! Es kommt hierbey Ihr Anteil Spargel, nebst andern Raritäten aufs Fest.

d. 13. May 1780.

G.

428

[Pfingstsonntag 14. Mai]

Haben Sie die Güte mir drey Schokolate Tassen zu schicken und auf 3 Personen Schokolade. Ich kriege Besuch. Zu Mittag bitt ich mich zu Ihnen zu Gaste.

d. 1. Pfingstag 1780.

G.

429

[Pfingstmontag 15. Mai]

Ich schicke Ihnen und Frizzen ein frühstück. Ernst darf nicht davon essen. Sie sehen es geht bey mir auch festlich zu und Kuchen werden gebacken. Schicken Sie mir das Landschafftgen und die Pinsel pp. den Atlas nicht ich fürchte er wird nass. Adieu beste.

d. Pfingstmontag 80.

G.

Ich erhalte alles, diesen Mittag komm ich ich kan Ihrer Einladung nicht widerstehn, ich wollte nach Tiefurth.

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