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Gutenberg > Johann Wolfgang von Goethe >

Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1

Johann Wolfgang von Goethe: Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1 - Kapitel 37
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authorJohann Wolfgang von Goethe
titleBriefe an Charlotte Stein, Bd. 1
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Schafhausen

[Dienstag] d. 7. Dez. 79.

Mit allem meine beste bleib ich zurück, meine Reisebeschreibung stockt vom Wallis aus und doch kan ich die Schweiz nicht verlassen ohne Ihnen zu sagen dass wir auch hier schön Glück gehabt, und den Rheinfall gestern im hohen Sonnenschein gesehen haben. Lavater auch hat uns hier überrascht, sich zu hause losgemacht und ist gestern hier hergekommen. Wir haben heut zusammen den Rheinfall wieder doch bey trüben Wetter gesehen, und immer glaubt man er wäre stärcker als gestern. Wir haben einen starcken Dialog übers Erhabne geführt den ich auch aufzuschreiben schuldig bleiben werde. Es ist mit Lavater wie mit dem Rheinfall man glaubt auch man habe ihn nie so gesehen wenn man ihn wiedersieht, er ist die Blüte der Menschheit, das Beste vom besten. Adieu Morgen gehn wir von hier auf Stuttgard. Der Raum schwindet zwischen uns und es wird ein Augenblick seyn da wir uns wiedersehn.

G.

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[Karlsruhe, Montag 20. und Mannheim, Mittwoch 22. Dezember]

Carlsruh, d. 20. Dez. 79.

Weil uns die Briefe nicht mehr in die Schweiz folgen durften, ist ein gros Packet in Franckfurt liegen blieben, und hier erhalt ich also vier Ihrer Briefe auf einmal. Sie sind recht Lieb und gut dass Sie fortfahren mir zu schreiben. Ich habe vergebens etlichemal angesezt meine Reise Beschreibung ins reine zu bringen, ieder Tag war wieder so ganz besezt dass ich leider zurückbleiben muss.

Hier freut mich die kleine Staff am meisten, doch ist die arme Seele auch schon stiller und in sich gebracht, es geht ihr in so fern wohl und sie weis sich ziemlich zu schicken.

In Stuttgard haben wir den Feyerlichkeiten des Jahrstags der Militär Akademie beygewohnt, der Herzog war äuserst galant gegen den unsrigen, und ohne das incognito zu brechen hat er ihm die möglichste Aufmercksamkeit bezeigt.

Uns andre hat er auch sehr artig behandelt, und in allem Betracht war dieser achttägige Aufenthalt sehr merckwürdig und instrucktiv für uns.

Nun gehts über Mannheim auf Franckfurt. Von da sollen Sie weiter hören. Hier findet man den Herzog wohl aussehend, doch hat sich bisher noch keine Herzlichkeit zwischen den hohen Herzen spüren lassen. Es muss sich heute geben oder nie denn morgen früh verreisen wir. Adieu beste grüsen Sie Steinen. Dancken Sie der Herzoginn für ihre Antwort. der Waldnern für das Zettelgen u. s. w. die Grasaffen werden wohl gewachsen seyn, und das durchlauchtige Grasäffgen auch. Hier sind die Kinder schön und allerliebst. der Marckgr[af] gefällig und unterhaltend. die Markgrafin gefällig und gesprächig, der Erbprinz in seine Augbrauen retranchirt aber gutwillig, die Erbprinzess sehr passiv am Gängelbande der Frau Schwiegermama. Der zweite Prinz artig und möchte gern, der iüngste ganz ins Fleisch gebacken. So viel von der unterthänigsten Sensation des ersten Tags. Nochmals Adieu.

G.

Mannh. d. 22 Dez.

Von Carlsruh sind wir gestern früh ab. Die Langeweile hat sich von Stund zu stund verstärckt. Von der armen Albertine hab ich sehr zärtlichen Abschied genommen, so ein Würmgen ist doch recht übel dran. Adieu Gold. Gott im Himmel was ist Weimar für ein Paradies!

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