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Gutenberg > Johann Wolfgang von Goethe >

Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1

Johann Wolfgang von Goethe: Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1 - Kapitel 32
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authorJohann Wolfgang von Goethe
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310

[Buttstädt, Montag 8. März]

Knebel war gar brav dass er kam. Sie kriegen noch einen Brief von mir, der bey Philipp liegen blieb weil ich die Adresse vergessen hatte. Das Wetter ist sehr schön. Adieu lieber Engel. Lassen Sie sich von Knebeln erzählen er wird nicht viel sagen. Morgen geh ich nach Alstädt.

d. 8. März 1779.

G.

311

[Ilmenau, Dienstag 16. März]

Einen guten Abend geb ich Ihnen durch den alten Hofmechanikus.

Mein Ritt war gut, unterweegs gute Wirthsleute.

Durch eine Dummheit von Philipp kam ich erst nach 10 aus Weim[ar] und konnte Sie doch nicht sehn.

Grüsen Sie Frizzen, und halten Sich gesund und lassen nicht die Aerzte überhand nehmen.

Ilm[enau] d. 16. März 79.

G.

Eine ganze halbe Stunde hab ich mich noch mit Ihnen unterhalten, kanns aber nicht zu Papier bringen.

312

[Mittwoch 17. März]

Den ganzen Tag bin ich in allerley Händeln herumgeschleppt worden, und der Abend ist mir ohne viel dramatisches Glück hingegangen. Nur die wenigen Worte zur Erinnerung, dass Sie nicht ferne werden.

d. 17. März 1779 Ilmenau.

G.

313

[Weimar, Mittwoch 24. März]

Da mir Worte immer fehlen ihnen zu sagen wie lieb ich Sie habe, schick ich Ihnen die schönen Worte und Hieroglyphen der Natur mit denen sie uns andeutet wie lieb sie uns hat.

d. 24. März 1779

G.

314

[Montag 29. März?]

Gut denn so wird mir ein Weeg gespaart, dafür mein Schimmel unterthänig danckt. Ich esse in Tiefurt und wenn die iunge Frau zu Tisch kommt so erwarten wir die alte zum Gouté. Addio und besten guten Morgen beyden.

G.

315

[Sonnabend 10. April]

Ob Sie gleich gar nicht artig sind schick ich Ihnen doch zum freundlichen Guten Morgen, eine Blume wie sie der schöne Regen heraus gelockt hat.

d. 10. Apr. 1779.

G.

316

[Montag 19. April]

Deine Grüse hab' ich wohl erhalten
Liebe lebt iezt in tausend Gestalten,
Giebt der Blume Farb und Duft
Jeden Morgen durchzieht sie die Lufft,
Tag und Nacht spielt sie auf Wiesen in Hainen,
Mir will sie offt zu herrlich erscheinen,
Neues bringt sie täglich hervor
Leben summt uns die Biene ins Ohr
Bleib ruf ich offt Frühling man küsset dich kaum
Engel so fliehst du wie ein schwanckender Traum
Immer wollen wir dich ehren und schäzzen,
So uns an dir wie am Himmel ergözzen.

d. 19. Apr. 1779.

G.

317

[Dienstag 20. April]

Soll man s gut oder bös deuten wenn man die kindischten Empfindungen nicht los werden kan. Ich gönne und wünsche Ihnen immer Freude, und dass Sie eine kleine Lust ohne mich geniessen macht mir einen Tag üblen Humor. Dass so viel selbstisches in der Liebe ist und doch was wär sie ohne das. Ich habe mich in die Büsche an der Strase versteckt um Sie herein fahren zu sehen, um wenige Minuten hätt ich ganz nah bey Ihnen verborgen stehen können, ich kam zu spät und musste in der Ferne bleiben. Wenn sie mit mir wäre dacht ich genösse sie des schönen Abends der über alles schön ist, nun fährt sie im Staub hinein. Doch weis ich dass Sie Sich mein Andencken nicht aus der Seele rasseln noch musiciren lassen. Dass ich so viel schreibe ist wohl ein Zeichen dass mir nicht wohl ist. Adieu liebstes Herz. Ich schicke Ihnen das verlangte. Kommen Sie morgen ja in Garten.

d. 20. Apr. 1779.

G.

318

[Mittwoch 21. April]

Noch einen guten Morgen. Der Tag kommt nach dem wenigen Regen unendlich schön, das Grün wird satter und die Gegend treibt sich in die Fülle. Ein recht willkommner Anblick dem der mit Gedancken aufwacht an das was er liebt. Adieu liebste.

d. 21. Apr. 1779.

G.

319

[Jena, Donnerstag 22. April]

Nur ein Wort auf dies Papier und das alte, dass ich Sie liebe, und Sonnabends früh wiederkomme. Wenn Sie unten umgehen, bin ich bey Ihnen. Wir sind überall herumgezogen und Herder ists nicht wohl in dieser Lufft geworden.

G.

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