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Gutenberg > Johann Wolfgang von Goethe >

Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1

Johann Wolfgang von Goethe: Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1 - Kapitel 26
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authorJohann Wolfgang von Goethe
titleBriefe an Charlotte Stein, Bd. 1
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250

[Mittwoch 17. Juni]

Ich schicke Ihnen Erdbeeren wo nicht in meinem Garten doch in unsrer Gegend gewachsen.

Es scheint als sollen unsre Gäste das ätherische Haus nicht sehn. Und ich weis nicht ob ich Sie vor Ihrer Abreise noch sehn werde. Immer kriegen Sie Blumen und meinen Seegen bis an die Unstrut. adieu.

d. 17. Jun. 78.

G.

251

[Mittwoch 17. Juni]

Nehmen Sie die Knospen mit auf die Reise zu der der Himmel kein freundlicher Gesicht macht als ich. Es ziemt sich nicht zu fürchten, doch ist mirs fatal dass Sie in dem Wetter durch Wasser und Moor müssen. Adieu. Ich bin leider an Ihre Liebe zu fest geknüpft wenn ich manchmal versuche mich los zu machen thut mirs zu weh da lass ich's lieber seyn. Adieu.

d. 17. Jun. 78.

G.

252

[17. Juni?]

Von mehr als Einer Seite verwaist
Klag ich um deinen Abschied hier.
Nicht allein meine Liebe verreist
Meine Tugend verreist mit dir.

G.

253

[Dienstag 23. Juni]

Die Blumen die ich schicke passen wohl besser zu denen Liebs und Braut und Ehe Gedancken die Sie jezt umgeben als meine Gesellschaft. ich reite nach Rohrbach. Adieu.

d. 23. Jun. 78.

G.

254

[Sonntag 28. Juni]

Ich hab Ihnen nur immer eben dasselbe an Früchten Blumen und Gesinnungen zu geben, lassen Sie mich glauben dass diese Eintönigkeit neben hundert unterhalternden Sachen Ihnen nur das Vergnügen eines Augenblicks macht.

d. 28. Jun. 78.

G.

255

[Sonntag 28. Juni]

Den ganzen Morgen geh ich mit um sie Ihnen zu bringen oder zu schicken. Hier ist sie. Ich will Ihre Gesundheit trincken in meinem Sälgen essend von dem Schaafkäse. Adieu liebste.

d. 28. Jun. 78.

G.

256

[Montag 29. Juni]

Ihren Grus erhielt ich als ich von leichten Träumen die Augen öffnete, meinen Danck und Blumen finden Sie nach lebhaffteren Eindrücken. Überhaupt bitt ich Sie immer zu thun als wenn ich nichts sagte, denn ich sehe nicht ein woher mir's kommen dürfte Ihnen irgend ein Vergnügen zu beneiden. Auch sind Dinge im Anfang am empfindlichsten, wenns aber muss, giebt sichs denn nach und nach. Leben Sie wohl liebste.

d. 29. Jun. 78.

G.

257

[Donnerstag 2. Juli]

Um halb 5 wacht ich auf und wartete auf Ihren Boten aber er kam nicht, und ich schlief wieder lang. Erdbeeren schick ich Ihnen aus meinem Garten und Blumen. Wir essen in Belvedere. Adieu liebste.

d. 2. Jul. 78.

Haben Sie den Bergmann glücklich nach hause gebracht?

258

[Anfang Juli]

Wenn Sie Seckendorffen diesen Nachmittag mögen, so lassen Sie's ihm zur Tafel sagen.

Aus den Hölen

G.

259

Hier Früchte nicht aus meinem Garten. Aber Rosen draus. Wie haben Sie geschlafen? Ich bin gestern noch in viel Fährlichkeit kommen, musste über Thor und Zäune wegsteigen, und kam so in Geschmack des Kletterns dass ich noch einige Willkührliche Gefahren eingangen wär, hätt ich nicht an Ihr Wort gedacht. Adieu bestes, wenn's Ihnen leidlich wär käm ich heut mit Ihnen essen.

G.

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