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Gutenberg > Johann Wolfgang von Goethe >

Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1

Johann Wolfgang von Goethe: Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1 - Kapitel 22
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authorJohann Wolfgang von Goethe
titleBriefe an Charlotte Stein, Bd. 1
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200

[Sonnabend 29. November]

Adieu liebe Frau, ich streiche gleich ab. Die Feder hab ich vergessen das ärgert mich. Sie hätten mir sie gestern wohl geben können. Indess sollen Sie doch einen Brief haben. Adieu sagen Sie auch Steinen. Ich bin in wunderbaar dunckler Verwirrung meiner Gedancken. Hören Sie den Sturm der wird schön um mich pfeifen.

d. 29. Nov. 77.

G.

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[Elbingerode, Dienstag 2. Dezember]

d. 2 Dez. Nur die Freude die ich habe wie ein Kind sollten Sie im Spiegel sehn können! Wie doch nichts abenteuerlich ist als das natürliche, und nichts gros als das natürliche, und nichts pppppppppp als das natürliche!!!!! Heut wie ich auf einer Klippe sas – Sie sollen sie sehn – Wo mich Götter und Menschen nicht gesucht hätten. Ich zeichne wieder den ganzen Tag und werde doch nichts mitbringen, wie gewöhnlich. Ich hab Sie wohl sehr lieb. In der ungeheuern Natur da ich krizzelte und mirs sehr wohl war, fiel mir's ein: wenn du's nur auch heut Abend in der Grünen Stube aufhängen könntest! da ists freylich besser in Stern zeichnen. Aber dafür auch!!! Lieb Gold, Weege mit unter!! Im dreckigen Jerusalem Schwedenborgs ists nicht gröber. Und wenn nun gleich die allzugefällige Nacht einem sich an Rücken hängt!! – die Trauer an den langen seichten Wassern hin in der Dämmrung! –

Mich ärgert dass ich das Messer und ein Paar dicke Strümpfe nicht von Ihnen habe, denn das sind Freunde in der Noth! – Zwar hab ich Ihren Handschuh, aber ich bin so ein ehmännischer Liebhaber dass das nicht recht fruchten will. Ohne den mindsten Unfall bin ich bis hier. Einige Frazzen wo der Poete sich nicht verläugnet ausgenommen, so sehr ich mit Kaufmanns Diener Aufmercksamkeit auf das meinige, zu reisen bemüht bin! – Gar hübsch ists Auf seinem Pferde mit dem Mantelsäckgen, wie auf einem Schiffe herumzukreuzen. Gute Nacht.

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[Goslar, Donnerstag 4. und Freitag 5. Dezember]

Donnerst. d. 4. Dez. 77.*****r.

Von hier wollt ich Ihnen zu erst schreiben, sie sehn aber aus dem Bleystifft Blättgen dass ich früher laut worden bin. Ein ganz entsezlich Wetter hab ich heut ausgestanden was die Stürme für Zeugs in diesen Gebürgen ausbrauen ist unsäglich, Sturm Schnee, Schlossen, Regen, und zwey Meilen an einer Nordwand eines Waldgebürgs her, alles fast ist nass, und erhohlt haben sich meine Sinne kaum nach Essen, Trincken, drey stunden Ruhe u. s. w. – Mein Abenteuer hab ich bestanden, schön, ganz, wie ich mir's vorauserzählt, wie sie's sehr vergnügen wird zu hören, denn Sie allein dürfens hören, auch der Herzog und so muss es Geheimniss seyn. Es ist niedrig aber schön, es ist nichts und viel, – die Götter wissen allein was sie wollen, und was sie mit uns wollen, ihr Wille geschehe.

Hier bin ich nun wieder in Mauern und Dächern des Alterthums versenckt. Bey einem Wirthe der gar viel väterlichs hat, es ist eine schöne Philisterey im Hause, es wird einem ganz wohl. – – Wie sehr ich wieder, auf diesem duncklen Zug, Liebe zu der Classe von Menschen gekriegt habe! die man die niedre nennt! die aber gewiss für Gott die höchste ist. Da sind doch alle Tugenden Beysammen, Beschräncktheit, Genügsamkeit, Grader Sinn, Treue, Freude über das leidlichste Gute, Harmlosigkeit, Dulden – Dulden – Ausharren in un – – ich will mich nicht in Ausrufen verlieren.

Ich trockne nun iezt an meinen Sachen! – sie hängen um den Ofen. Wie wenig der Mensch bedarf, und wie lieb es ihm wird wenn er fühlt wie sehr er das wenige bedarf. – Wenn Sie mir künftig was schencken, lassen Sie's etwas seyn was man auf so einer Reise braucht. – Nur das stück Papier wo die Zwiebacke in gewickelt waren, zu wie vielerley mir's gedient hat! – Es kan nicht fehlen dass Sie hier nicht lachen und sagen: Schließlich wirds also den Weeg alles Papiers gehn! – Genug es ist so – – – Ihre Uhr ist denn doch ein hübsch Vermächtniss. ———

Ich weis nun noch nicht wie sich diese Irrfahrt endigen wird, so gewohnt bin ich mich vom Schicksaale leiten zu lassen, dass ich gar keine Hast mehr in mir spüre, nur manchmal dämmern leise Träume von Sorglichkeit wieder auf, die werden aber auch schwinden. |: NB. ich rede hier von einer kindischen Sorglichkeit, nie übers ganze, sondern über einzelne kleine Fälle. :|

d. 5. Dez. Guten Morgen noch bey Lichte. Es regnet gar arg, und niemand reisst ausser wen Noth treibt, und dringend Geschäfft, und mich treiben seltsame Gedancken in der Welt herum. Adieu. Grüsen Sie steinen.

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[Goslar, Sonnabend 6. und Sonntag 7. Dezember]

–r, d. 6. Dez. 77.

Mir ists eine sonderbaare Empfindung, unbekannt in der Welt herumzuziehen, es ist mir als wenn ich mein Verhältniss zu den Menschen und den Sachen weit wahrer fühlte. Ich heise Weber, bin ein Mahler, habe iura studirt, oder ein Reisender überhaupt, betrage mich sehr höflich gegen iedermann, und bin überall wohl aufgenommen. Mit Frauens hab ich noch gar nichts zu schaffen gehabt. Eine reine Ruh und Sicherheit umgiebt mich, bisher ist mir noch alles zu Glück geschlagen, die Lufft hellt sich aus, es wird diese Nacht sehr frieren. Es ist erstes viertel. ich hab einen Wunsch auf den Vollmond wenn ihn die Götter erhöhren, wärs grosen Dancks werth. Ich nehm auch nur mit der Hälfte vorlieb. Heut wollt ich zeichnen, ein lieblich Fleck, es ging gar nicht. Mir ists ein vor alle mal unbegreiflich, dass ich Stunden habe wo ich so ganz und gar nichts hervorbringe. – –

Ich drehe mich auf einem sehr kleinen aber sehr merckwürdigen Fleckgen Welt herum. Die kurzen Tage machen alles weiter. Und es ist gar ein schön Gefühl wenn von Plaz zu Plaz aus Abend und Morgen Ein Tag wird. – Schlafen thu ich ganz ohne Maas.

d. 7. Heute früh Hab ich wahrhafftig schon heimweh, es ist mir als wenn mir mein Thal wie ein Kloz an gebunden wäre. Ich bin immer um unsre Gegenden. und treffe Sie vermuthlich da an. Es ist kalt und heitrer Himmel, heut will ich hier weg, und rücke Ihnen schon wieder einigermassen näher.

um 10 Uhr. Mir ist ganz wunderlich als wenn michs von hier wegpeitschte. Ich hab das Essen früher bestellt und will gleich fort. Adieu dieser Brief geht erst Morgen ab. Adieu.

G.

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[Clausthal, Sonntag 7. bis Altenau, Dienstag 9. Dezember]

Clausthal d. 7. Dez. Abends. Schöne Mondnacht und alles weis im Schnee. Sie sehen wohl dass ich auf den Bergen bin weil ich in so wenig Stunden das Clima so sehr verändern kann. Aber nicht allein Clima. Ich hab Ihnen viel zu erzählen wenn ich wiederkomme. Wenn ich nur hernach erzählen kan. Den sonderbaaren dramatisch-ministerialischen Effeckt den die Welt auf mich macht durch die ich ziehe!! Das schönste von dieser Wallfahrt ist dass ich meine Ideen bestätigt finde auf iedem Schritt, über Wirthschafft, es sey ein Bauergut oder ein Fürstenthum, und dass sie so simpel sind, dass man gar nicht zu reisen brauchte wenn man bey sich was lernte. Nur die Einsamkeit will mir doch nicht recht, ich habs sonst besser gekonnt, bey euch verwöhn ich mich, ich möchte doch in manchen Stunden wieder zu Hause seyn.

d 8 Dez. Nachts. Diesmal bring ich Sie um eine Menge toller Ideen. heute den ganzen Tag schwäzz ich mit Ihnen was ich des Abends schreiben wollte. Und nun unterhält mich die Menschenwirthschafft durcheinander so sehr dass ich nur gute Nacht sagen kann. Gute Nacht Liebste.

d. 9. Es ist gar schön. Der Nebel legt sich in leichte Schneewolcken zusammen, die Sonne sieht durch, und der Schnee über alles macht wieder das Gefühl von Fröhligkeit. In meiner Verkappung seh ich täglich wie leicht es ist ein Schelm zu seyn, und wieviel Vortheile einer der sich im Augenblick verläugnet, über die harmlose Selbstigkeit der Menschen gewinnen kann. Niemand macht mir mehr Freude als die Hundsfütter, die ich nun so ganz vor mir gewähren, und ihre Rolle gemächlich ausspielen lasse. Der Nuzzen aber den das auf meinen phantastischen Sinn hat, mit lauter Menschen umzugehn die ein bestimmtes, einfaches, daurendes, wichtiges Geschäfft haben, ist unsäglich. Es ist wie ein kaltes Bad, das einen aus einer bürgerlich wollüstigen Abspannung, wieder zu einem neuen kräfftigen Leben zusammen zieht.

d. 9. Dez. Abends Altenau Was die Unruhe ist die in mir stickt mag ich nicht untersuchen, auch nicht untersucht haben. Wenn ich so allein bin, erkenn ich mich recht wieder wie ich in meiner ersten Jugend war, da ich so ganz allein unter der Welt umhertrieb. Die Menschen kommen mir noch eben so vor, nur macht ich heut eine Betrachtung. Solang ich im Druck lebte, solang niemand für das was in mir auf und abstieg einig Gefühl hatte, vielmehr wie's geschieht, die Menschen erst mich nicht achteten, dann wegen einiger widerrennender Sonderbaarkeiten scheel ansahen, hatte ich mit aller Lauterkeit meines Herzens eine Menge falscher, schiefer Prätensionen – Es lässt sich nicht so sagen, ich müsste ins Detail gehen – da war ich elend, genagt, gedrückt, verstümmelt wie Sie wollen. Jezt ists kurios besonders die Tage her in der freywilligen Entäuserung was da für Lieblichkeit für Glück drinne steckt.

Die Menschen streichen sich recht auf mir auf, wie auf einem Probirstein, ihre Gefälligkeit, Gleichgültigkeit, Hartleibigkeit und Grobheit, eins mit dem andern macht mir Spas – Summa Summarum es ist die Prätension aller Prätensionen keine zu haben.

Liebes Gold! Ich hab an keinem Orte Ruh, ich habe mich tiefer ins Gebürg gesenckt, und will morgen von da in seltsame Gegenden streifen, wenn ich einen Führer durch den Schnee finde. Um halb viere fangts schon hier an Nacht zu seyn, und das ist nach der Uhr des platten Lands gewiss erst drey.

Ich dencke des Tags hundertmal an den Herzog und wünsche ihm den Mitgenuss so eines Lebens, aber den rechten leckern Geschmack davon kan er noch nicht haben, er gefällt sich noch zu sehr das natürliche zu was abenteuerlichem zu machen, statt dass es einem erst wohl thut wenn das abenteuerliche natürlich wird.

Es ist eben um die Zeit, wenig Tage auf ab, dass ich vor neun Jahren kranck zum Todte war, meine Mutter schlug damals in der äusersten Noth ihres Herzens ihre Bibel auf und fand, wie sie mir nachher erzählt hat: »Man wird wiederum Weinberge pflanzen an den Bergen Samariä, pflanzen wird man und dazu pfeifen.« Sie fand für den Augenblick Trost, und in der Folge manche Freude an dem Spruche.

Sie sehn was für Zeug mir durcheinander einfällt.

Dass ich iezt um und in Bergwercken lebe, werden Sie vielleicht schon errathen haben. Gestern Liebste hat mir das Schicksaal wieder ein gros Compliment gemacht. Der Geschworne ward einen Schritt vor mir von einem Stück Gebürg das sich ablöste zu Boden geschlagen, da er ein sehr robuster Mann war so stemmte er sich da es auf ihn fiel, dass es sich in mehr Stücken auseinander brach, und an ihm hinabrutschte es überwältigte ihn aber doch, und ich glaubte es würde ihm wenigstens die Füsse sehr beschädigt haben, es ging aber so hin, einen Augenblick später so stund ich an dem Fleck, denn es war eben vor einem Ort den er mir zeigen wollte, und meine schwancke Person hätt es gleich niedergedrückt, und mit der völligen Last gequetscht. Es war immer ein Stück von fünf, sechs Zentnern. Also dass Ihre Liebe bey mir bleibe, und die Liebe der Götter.

205

[Torfhaus, Mittwoch 10.und Clausthal, Donnerstag 11. Dezember]

d 10 Vor Tag. eh ich wieder hier aufbreche noch einen guten Morgen.

Nachts gegen 7. Was soll ich vom Herren sagen mit Federspulen, was für ein Lied soll ich von ihm singen? Im Augenblick wo mir alle Prose zur Poesie und alle Poesie zur Prose wird. Es ist schon nicht möglich mit der Lippe zu sagen was mir widerfahren ist wie soll ichs mit dem spitzen Ding hervorbringen. Liebe Frau. Mit mir verfährt Gott wie mit seinen alten heiligen, und ich weis nicht woher mir's kommt. Wenn ich zum Befestigungs Zeichen bitte dass möge das Fell trocken seyn und die Tenne nass so ists so, und umgekehrt auch, und mehr als alles die übermütterliche Leitung zu meinen Wünschen. Das Ziel meines Verlangens ist erreicht, es hängt an vielen Fäden, und viele Fäden hingen davon, Sie wissen wie simbolisch mein Daseyn ist – – – Und die Demuth die sich die Götter zu verherrlichen einen Spas machen, und die Hingebenheit von Augenblick zu Augenblick, die ich habe, und die vollste Erfüllung meiner Hoffnungen.

Ich will Ihnen entdecken – |: sagen Sie's niemand :| – dass meine Reise auf den Harz war, dass ich wünschte den Brocken zu besteigen, und nun liebste bin ich heut oben gewesen, ganz natürlich, ob mirs schon seit 8 Tagen alle Menschen als unmöglich versichern. Aber das Wie, von allem, das warum, soll aufgehoben seyn wenn ich Sie wieder sehe, wie gerne schrieb ich iezt nicht.

Ich sagte: ich hab einen Wunsch auf den Vollmond! – Nun Liebste tret ich vor die Thüre hinaus da liegt der Brocken im hohen herrlichen Mondschein über den Fichten vor mir und ich war oben heut und habe auf dem Teufels Altar meinem Gott den liebsten Danck geopfert.

Ich will die Nahmen ausfüllen der Orte. Jezt bin ich auf dem sogenannten Torfhause, eines Försters Wohnung zwey Stunden vom Brocken.

Clausthal d. 11. Abends, heut früh bin ich vom Torfhause über die Altenau wieder zurück und habe Ihnen viel erzählt unter weegs, o ich bin ein gesprächiger Mensch wenn ich allein bin.

Nur ein Wort zur Erinnrung, wie ich gestern zum Torfhause kam sas der Förster bey seinem Morgenschluck in Hemdsermeln, und diskursive redete ich vom Brocken und er versicherte mir die Unmöglichkeit hinauf zu gehn, und wie offt er Sommers droben gewesen wäre und wie leichtfertig es wäre iezt es zu versuchen – Die Berge waren im Nebel man sah nichts, und so sagt er ists auch iezt oben, nicht drey Schritte vorwärts können Sie sehn. Und wer nicht alle Tritte weis ppp. Da sas ich mit schweerem Herzen, mit halben Gedancken wie ich zurückkehren wollte. Und ich kam mir vor wie der König den der Prophet mit dem Bogen schlagen heisst und der zu wenig schlägt. Ich war still und bat die Götter das Herz dieses Menschen zu wenden und das Wetter, und war still. So sagt er zu mir: nun können Sie den Brocken sehn, ich trat ans Fenster und er lag vor mir klar wie mein Gesicht im Spiegel, da ging mir das Herz auf und ich rief: Und ich sollte nicht hinaufkommen! haben Sie keinen Knecht, niemanden – Und er sagte ich will mit Ihnen gehn. – Ich habe ein Zeichen ins Fenster geschnitten zum Zeugniss meiner Freuden Trähnen und wärs nicht an Sie hielt ich's für Sünde es zu schreiben. Ich habs nicht geglaubt biss auf der obersten Klippe. Alle Nebel lagen unten, und oben war herrliche Klarheit und heute Nacht bis früh war er im Mondschein sichtbaar und finster auch in der Morgendämmrung da ich aufbrach. Adieu. Morgen geh ich von hier weg. Sie hören nun aus andren Gegenden von mir. Fühlen Sie etwa Beruf mir zu schreiben geben Sie's nur Philippen, dem hab ich eine Adresse gemeldet.

Adieu Liebste. Grüsen Sie Steinen und die Waldnern, aber niemanden wo ich bin. Adieu.

G.

206

[Aus dem Notizbuch der Harzreise. Sonntag 30. November bis Montag 15. Dezember]

ganzen tag in unendlich gleicher Reinheit.
+Schöne Aussicht die goldene Aue, vom Kyffhäuser bis Nortausen herauf.

d. 1. Dez. Mont. früh 7 von Ilefeldt ab. mit einem Boten gegen Mittag in Elbingerode. Felsen und Berg weeg. Gelindes Wetter. Leiser Regen dem Geyer gleich pp.

1. Dez. Früh nach Elbingerode. herrlicher Eintritt in Harz. Nachmittags in die Baum[anns] Höle.

2.) den ganzen Tag in der Baumannshöle Abends nach Elb[ingerode].

3) auf Wernigerode. Mit P[lessing] spazieren auf die Berge pppp.

4. Über Ilsenburg, auf Goslar, bey Scheffl[ern] eingekehrt grimmig Wetter.

5.) früh in Rammelsb[erg] bis auf den Sumpf, durchaus.

d. 6. Nach den Hütten an der Ocker. Gesehn die Messing Arbeit und das Hüttenw[erk]. Zurück. Gessen. Spazier vergebl. gezeichn. Zu Zeh[ent] Geg[en] Schreiber, geschwäzt. Zurück.

d. 7. Heimweh, nach Clausth[al]. Seltsame Empfindung aus der Reichsstadt, die, in und mit ihren Privilegien, vermodert, hierherauf zu kommen wo vom unterirdischen Seegen die Bergstädte fröhlich nachwachsen. Geburtstag meiner abgeschiednen Schwester.

d. 8. früh eingefahren in der Carolin und Dorothee. Schlug ein Stück Wacke vor mir den Geschwornen nieder, ohne Schaden als die Streifrizze. Nachmittag durchgelogen. Spazieren und Spas mit den Fremden, d. 9. früh auf die Hütten. Nach Tische bey Ilsemann sein Kabinet zu sehen. Abends nach Altenau. unendlich geschlafen.

d. 10. früh nach dem Torfhause. 1 viertel nach Zehn auf den Brocken, ein viertel nach eins droben, heitrer herrlicher Tag, rings die ganze Welt in Wolcken und Nebel, oben alles heiter. Was ist der Mensch dass du sein gedenckest. Um Viere wieder zurück, bey dem Förster auf dem Torfhause in Herberge, d. 11. früh 7 vom Torfh. ab. über die Altenau. halb eilf wieder in Clausth. Erhohlt, getruncken, gessen, die Zeit vergängelt abends Briefe und eingepackt. Vom Torfh. geht der Weeg zurück die Lerchenköpfe herunter, an der steilen Wand her. Über die Engels-Krone, Altenauer Glück, Lilien Kuppe, d. 12. früh halb sieben im Nebel aufgebrochen, übers Damm Haus, den Bruchberg, die Schlufft auf Andreasberg angekommen um 11 Uhr. meist zu Fus. starcker Dufft auf den höhen und Flächen durchdringende Kälte. Im Rathhaus eingekehrt. Abends eingefahren in Samson durch Neufang auf Gottesgnade heraus. Ward mir sauer, nachher geschrieben. Kalte schale gemacht, d. 13. früh 6 in Nacht und glättendem Nebel herab durchs Thal nach Lauterberg war schon feuchter doch noch Schnee. Auf die Königshütte, während fütterns mich umgesehn. Fuhr mir was ins lincke Aug. Über Silckerode nach Duderstadt, Nebel, Koth, und unwissenden Boten. Abends 4 in Duderstadt muste das Auge verbinden legte mich vor langerweile schlafen. d 14 um 8 Uhr weg; in tiefem Nebel und Koth nach Mühlhausen, angek. um 2. blieb da die Nacht, d. 15 früh mit einem Postillon vor sechs weg. War wieder kälter in Eisenach gegen 11. fand den Herzog da. Englischer Reuter

207

[Weimar, Sonnabend 27. Dezember]

Heut früh ahndet ich so was, also adieu für heute. Ich bleibe zu Haus, um mit dem sechsten Ackt fertig zu werden und geh nicht auf die Redoute. Hier sind Pl[essings] Papiere.

208

[Dienstag 30. Dezember]

Eine Blume schick ich Ihnen die ich im Ausritt vom Harze, unter dem Schnee aus einem Felsen für Sie gebrochen habe, es war beylage zum Brief der verlohren ist. Auch einige angefangne Zeichnungen, auch eine Ente, und bitte Sie um meine Gedichte dass ich was einschreiben kan. Ich bin still in meiner Hütte, heut Abend sehn Sie mich in dem Leichtsin der Representation. Addio beste.

d. 30. Dez. 77.

G.

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