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Gutenberg > Johann Wolfgang von Goethe >

Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1

Johann Wolfgang von Goethe: Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1 - Kapitel 18
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authorJohann Wolfgang von Goethe
titleBriefe an Charlotte Stein, Bd. 1
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160

[Montag 5. Mai]

Da schick ich Ihnen die Kleinen wieder Sie mögen unsre Wirthschafft erzählen, und den besten Morgen! An der gestrigen Unterschrifft hab ich doch gesehen dass Sie mich nicht mit bösen Geistern verwandt halten. Adieu Beste.

d. 5. May 77.

G.

161

[Montag 5. Mai]

Sie müssen viel draussen in der Welt zu suchen haben dass Sie nicht einmal die Paar Tage da Sie so nach Kochberg gehn warten können. Ich sage aber nichts drüber. Und komme wohl.

d. 5. May 77.

G.

162

[Dienstag 6. Mai]

Noch eine Erinnerung auf den Weeg, ich hoffe sie sollen bis Kalbsrieth nicht verriechen. Ein schöner Morgen ists mich freuts recht sehr. Wenn Sie doch gehn so muss Sie auch der Himmel so begleiten. Leben Sie wohl Adieu beste.

d. 6. May 77.

G.

163

[Pfingstsonntag 18. Mai]

Ich wollte den ganzen Tag und Abend zu Ihnen und ward immer abgehalten, könnte aber nicht ruhig schlafen wenn ich Ihnen nicht noch gute Nacht sagte, ob Sie gleich den ganzen Tag in Weimar seyn konnten ohne mich ein Wort hören zu lassen. Gute Nacht, immer bleibende liebste.

d. 18. May 77.

G.

164

[Dienstag 20. Mai]

Dancke für das Frühstück hier schick ich etwas dagegen. Heut Nacht hab ich auf meinem Altan unterm blauen Mantel geschlafen, bin dreymal aufgewacht um 12, 2 und 4 und iedesmal neue Herrlichkeit des Himmels um mich. Zu Tische komm ich wenn mich nichts auffängt.

d. 19. May 77.

G.

165

[Mittwoch 21. Mai]

Ich erwarte das Pferd um nach Belv[edere] zu reiten. Die Waldner soll schön geplagt werden. Ich mögte Sie heute nicht sehn. Ich wohne in stiller traurigkeit über meinen Gefilden. Es ist alles so unendlich hold. Adieu beste.

d. 21. May 77.

G.

166

[Freitag 23. Mai]

Guten Morgen aus kühlem Regenwetter. Ich bin heute in grader Trockenheit aufgestanden wie's zum Conseil Tag ziemt. Stein ist noch nicht kommen. Was macht Charles. Zu Tische komm ich, und habe Sie sehr lieb. Das hab ich schon so offt gesagt, und mich dünckt das ist eins von den wenigen Dingen die man ohne neue Wendung immer wieder neu zu sagen glaubt.

d. 23. May 77.

G.

167

[Montag 26. Mai]

Nur dass ich zu Tisch komme und den Herzog mitbring. Wie lieb ich Sie gestern Abend hatte durft ich Ihnen nicht sagen, Wie wunderbaar ich mir vorkam konnt ich nicht. Sie werfen mir vor immer dass ich ab und zunehme in Liebe, es ist nicht so, es ist nur gut dass ich nicht alle Tage so ganz fühle wie lieb ich Sie habe. Ich reite nach Belv[edere] um Steinen zu sprechen. Adieu beste.

d. 26. May 77.

G.

168

[Dienstag 27. Mai]

Ihr Zettelgen erhielt ich gestern Nacht als ich um 10 wieder aufwachte ich hatte mich um achte auf einen Strohsack im Altan Stübgen niedergelegt und war glücklich eingeschlafen. Heut sollt ich einmal nicht kommen. Es ist gar frisch und herrlich im Regen hier. Adieu beste.

d. 27. May 77.

G.

169

[Sonntag 1. Juni]

In beykommendem versiegelten Packet, das ich nicht zu eröffnen bitte, eh ich komme, sind allerley Schreibereyen meiner ersten Jahre, die Sie zum Theil unterhalten werden. Seh ich Sie bey den Springern? Ich komm auf alle Fälle gegen Abend. Was macht Carl? Adieu bestes. Ich mag gar nicht fragen wie Ihnen die Arzney bekommt.

Trinitatis 77.

G.

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