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Gutenberg > Johann Wolfgang von Goethe >

Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1

Johann Wolfgang von Goethe: Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1 - Kapitel 16
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authorJohann Wolfgang von Goethe
titleBriefe an Charlotte Stein, Bd. 1
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140

[Montag 17. März]

Nach der Mittags Stunde fangen die Maurer an, schicken Sie mir etwas das ich in Ihrem Nahmen in Grund legen kann. Meine Augen sind leidlich, der Zug aber in den Schenckeln und Seiten fatal. der Wind ist gar leidig, übrigens hab ich aufstehend allerhand Affereyen im Kopf gehabt. Wie sieht das Bild heute aus? und was macht das Original?

d. 17. März 77.

Dancke bester Engel fürs überschickte es soll wohlverwahrt in Grund kommen. Wenn Sie zu Haus bleiben komm ich nach Tisch. Das will ich daraus abnehmen wenn Sie nicht wiederschicken. Gehn Sie aber aus oder es käme iemand lassen Sie mir's nur vor 1 Uhr sagen, so bleib ich gar zu Hause.

G.

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Darf ich heute zu Tisch? ich muss bis nach 12 im Garten bleiben, gegen eins aber bin ich da. da kommt der Winter wieder, und mir ists als wollt ich ihn wohl noch einmal ausstehn. Kästnern muss meine Nachtigall aufzuheben geben.

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Wie die Götter mit mir stehen weis ich nicht, so viel weis ich: dass sie Geistern Macht über mich gegeben haben, die denn in ihrem Streit mich treten und treiben. Heissen Sie die S[chröter?] wegen der Schuld ruhig seyn. Ich wollt heut zu Ihnen essen, und hätte den Herzog mitgebracht. Musste aber bauen und pflanzen. Heut abend komm ich noch, wenn ich für Sie, leider nicht gebaut und gepflanzt nur gegrundrisst habe.

G.

143

Ich habe gleich einen Bissen abgepflückt und das schmeckt gut. Dancke dancke. Denn da ich die Uhr verlohr kam Wende, ich hatte sie vergessen und ich dachte er brächte mir was von Ihnen und da es die Uhr war ärgert ich mich. Also – und Amen! Wenn ich nur Componist wäre ich glaube diese Melodie würde mir am herrlichsten gerathen.

G.

144

[Freitag 21. März]

Hier Hab ich ein Morgenbrod für Sie zusammengesucht von mancherley Gesichtern und Fingern. Zu Tische komm ich und hab gute Zeichnungs Hoffnung. Addio beste.

d. 21. März 77.

G.

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[Sonnabend 22. März]

In dem Augenblick da ich das schreibe bin ich noch unschlüssig ob ich nicht zu Ihnen kommen soll. Doch ich will nach Ettersburg. Adieu. Lassen Sie Steinen sagen er mögte morgen gegen 9 Uhr in meinem Garten seyn ich hab ihm nothwendigs zu sagen. Gezeichnet Hab ich wieder heut früh am alten Plaz wenn mein Geist nicht um's bild und um den Plaz schwebt; so giebts weder Ahndungen noch Rückkehrende. Er ist um Sie mit leidlicher drolligkeit heute d. 22. Merz 77.

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[Palmsonntag 23. März]

Wir reiten erst eilf Uhr weg, kommen also spät wieder, gern war ich heut früh kommen, da hat mich ein bissgen Unglaube, und ein Bissgen Wohlstand abgehalten. Addio Gold. Vom Ohr hat mirs geträumt.

d. 23 März 77.

G.

147

[Charfreitag 28. März]

Ich hoffte heut früh in Ruh meine Ackten zu lesen, und dann bey Ihnen zu seyn und zu zeichnen. Nun komm ich aber drauf dass mir die Handwercksleute einen schweer zu verbessernden Fehler an meinem neuen Bau gemacht haben, das mir grosen Verdruss macht. Und ich muss zu Hause bleiben weil ich fürchte es wird immer dümmer. Hier das Portefeuille. Und den freundlichsten Guten Tag

d. Charfreytag 77.

G.

148

[Ostersonntag 30. März]

Danck dass Sie mir am frühen morgen was in die Einsamkeit schicken, gestern war ich bald wieder zu Ihnen gelaufen. Es war mir gar närrisch. Guten Tag und alles! Heut Abend seh ich sie, wo die Schellen klingen.

d. Ostertag 77.

G.

149

[April?]

Bitte um meine Bücher, und ein Wort wie Sie geschlafen haben, mich hatte der unendliche Schlaff eingewindelt, dass ich in dumpfem Vergessen glücklich dalag, keine Verhältnisse des Tags mich im Traum plagten.

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