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Gutenberg > Johann Wolfgang von Goethe >

Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1

Johann Wolfgang von Goethe: Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1 - Kapitel 15
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authorJohann Wolfgang von Goethe
titleBriefe an Charlotte Stein, Bd. 1
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130

[Donnerstag 20. Februar]

Ich habe dem Herzog gerathen heute bey Ihnen zu essen. Er ist nicht in den besten Umständen, wenn Sie uns mögen kommen wir gegen 1. Machen Sie aber weiter keine Umstände. Hier schick alten Wein. Addio.

d. 20. Febr. 77.

G.

131

[Sonnabend 1. März]

Dancke herzlich Liebes für das Essen ich habe mir auf den Abend aufgehoben, es sizzt was in mir weis Gott was, ich seh die Sachen gar zu wunderbaar. Einmal wollt ich kommen zum zweyten Ackt will aber reiten.

Ade. d. 1. März 77.

G.

132

[Donnerstag 6. März]

Gestern hab ich mir lächerliche Gewalt angethan sie nicht zu sehen, und muss nun probieren wie weit ich's heute bringen werde. Morgen gehen Sie! – Der Stadthalter hat mich auch eingeladen, und nicht recht begreifen können warum ich so eine Partie verbat. Addio. Hier schick ich Frizzen was.

d. 6. März 1777.

G.

133

[Donnnerstag 6. März]

Dass ich doch auch mich angebe, der ich so offt über andrer Unglauben schelte, gesteh ich Ihnen, dass ich schon heut den ganzen Tag gedacht habe Sie würden weggehn ohne mir was zu sagen, Sie würden's gut seyn lassen, und s. w. und habe grosse Picks auf Sie gehabt. Wenn Sie nicht nach Hof gingen käm ich doch. Also solls so seyn. Adieu. Morgen siz ich im Conseil wenns Ihnen wohl ist. Adieu lieber Engel.

d. 6. März 77.

G.

Verbitte künftig dass Sie mir nicht schreiben was Sie selbst nicht dencken, wie diesmal der Anfang Ihres Billets.

134

[Montag 10. März]

Hier bester Engel schick ich was, da ich nicht selbst kommen kann. Zu Tische gehts nach Tiefurt, heute Abend komm ich wenns auch spät wäre. Das Glück des Lebens liegt dunckel auf mir.

Addio. d. 10. März 77.

G.

135

[Dienstag 11. März]

Wie der herrliche Morgen auf den gestrigen Nebel wohlthut, können Sie dencken. Und ich mögte nun wissen ob Sie das böse Kopfweh verlassen hat. Heut ist zwar Session ich hoffe aber doch um ein Uhr fertig zu seyn, denn es ist nicht viel. Und komme also. denn Nachmittag giebts wieder was zu thun. Abends hingegen sind die Grasaffen zum Feuerwerck eingeladen.

d. 11. März 77.

G.

Hier schick ich einen Beutel, beym vingt un an mich zu dencken.

136

[Mittwoch 12. März]

Weil ich Sie schweerlich heute sehn werde, schick ich Ihnen einen freundlichen Blick auf die Ankunft des Frühlings. Es wird eine Zeit seyn wo dieser Dinge viel um mich herum blühen werden, heut ists wieder so ein kalter Tag, dass es fast unmöglich scheint. Addio bestes.

d. 12. März 77.

G.

137

[Donnerstag 13. März]

Verzeihen Sie dass ich schon wieder allerley Zeug schicke. Sie sehen daraus dass ich von der ältern Kirche bin, da man sich den Göttern ohne Gaben nicht zu nähern traute. Heut hab ich viel Arbeiter, und mein Garten hält mich, darf ich diese Nacht mit Ihnen essen? Zum Mittage bitt ich mir durch Überbringern eine Wurst oder so etwas zu schicken.

d. 13. März 77.

G.

138

[Freitag 14. März]

Ich esse mit dem Herzog auf dem Zimmer, wenn Sie aber zu Hause bleiben komm ich gleich nach Tische, ich hab grose Lust und Hofnung Sie zu zeichnen. Die grose Welt ist mir bekommen gestern wie dem Hunde das Gras.

d. 14. März 77.

G.

Mein Auge ist viel besser.

139

[Sonnabend 15. März]

Dancke herzlich dass Sie sich meiner Augen annehmen wollen, sie sind immer in Einem wie gestern. Ich hätte viel drum gethan um gestern Abends mit Ihnen zu seyn, es war mir nicht sonderlich in meiner Einöde. Das Wetter ist wild. Zu Mittag werd ich wohl aus dem Conseil zu Ihnen flüchten.

d. 15. März 77.

G.

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