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Gutenberg > Johann Wolfgang von Goethe >

Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1

Johann Wolfgang von Goethe: Briefe an Charlotte Stein, Bd. 1 - Kapitel 13
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authorJohann Wolfgang von Goethe
titleBriefe an Charlotte Stein, Bd. 1
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110

[Ende November?]

Hier liebe Frau den Rest von allerley Bildnerey, die mein Herz unter Ihrer Regierung vollbracht hat. Ich wollt dass das der lezte Transport wäre, und ich aufhören könnte Sie zu plagen durch meine unhimmlische Gegenwart. Mit allem dem schick ich auch noch Papier mit für Himmel, Hölle und Fegfeuer, seyn Sie lieb. – Gestern hatt ich einen Pick auf euch alle drum kam ich nicht. Addio.

111

[Sonntag 1. Dezember?]

Lenz hat mir weggehend noch diesen Brief an H[erzoginn] Louise offen zugeschickt, übergeben Sie ihn liebe Frau. Die ganze Sache reisst so an meinem innersten, dass ich erst dadran wieder spüre dass es tüchtig ist und was aushalten kann.

G.

112

[Sonntag 1. Dezember]

Ich sollte gar nichts schreiben, denn ich weis nicht wie mir ist. Die Reise muss wohl gut seyn da sie mich aus der tiefsten Verwirrung mein selbst herausreisst. Addio. Ich ruhe auf Ihrer Hand.

d. 1. Dez. 76.

G.

113

D. 2ten Dec. 776 früh um ½7.

lebe wohl liebste beste Frau alleweile reisen wir, der Mond ist jetz noch unser begleiter, er scheint himlisch schön. leben Sie ja recht vergnügt, u. empfangen Sie von uns diesen collegialen abschied, leben Sie wohl.

C[arl] A[ugust]

Ich preiße die Götter die uns bey den Schöpfen fassen und uns gleich ienem Propheten mit unsern Reisbrey Töpfen abseits tragen. Adieu beste. Meine Gedancken wachsen aus Ihren Zwiebeln. Geb es schöne Blumen!

114

Montag d. 2 Dez. Abends 8.

Wir sind in Rippach, werden bis Mitternacht ruhen und dann im Mondschein nach Leipzig. Dieses Blat kriegen Sie erst Donnerstags. Mir ist in all meinen Verwirrungen immer ein freudiger Ausblick wenn ich an Sie dencke. Dass nur Herzogin Louise die Geschwister nicht weiter giebt oder sonst – Eh sie nach Gotha geht lassen Sie sich's wiedergeben, es muss uns bleiben. Die Schrittschue die ich ihr versprochen habe sind aus Versehn eingepackt worden. Gute Nacht. Sie sind immer gleich und ich wie der Mond in seinen Veränderungen sich auch gleich! Eben hier schrieb ich vor drey vierteliahr an Sie mit eben dem Herzen.

Gute Nacht.

G.

115

[Wörlitz, Donnerstag 5. Dezember]

Liebste Frau wir sind auf dem Lusthause Wörlitz von dem ich Ihnen viel erzählen will, vielleicht zeichn' ich Ihnen was. Wir sind bald in die Leute gewohnt sie bald in uns. Wir hezzen uns mit den Sauen herum und mir thuts besonders wohl dass so viel neues um mich herum lebt. Hernach bin ich einmal wieder schnell in meinem Garten und bey Ihnen. Gute Nacht liebe Frau, ich sag Ihnen weiter nichts denn Sie wissen alles.

d. 5. Nov. 1776.

G.

116

[Weimar, Sonntag 22. Dezember]

Wie ich Ihnen dancke fühlen Sie, sonst hätten Sie das nicht geben. Hier einen Wanderstab wenn Sie wieder einmal fern von mir in Ihren Thälern wallen. Vielleicht komm ich zu Tische. Addio.

d. 22. Dez. 76.

G.

117

[Montag 23. Dezember]

Liegt der Riss nicht noch bey Ihnen? Ich bin heut still in meinem Garten, habe doch schon Menschen bey mir gehabt. Wenn Sie die Geschichte gefunden haben schicken Sie mir's.

d. 23. Dez. 76.

G.

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