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Blume und Flamme

Emmy Hennings: Blume und Flamme - Kapitel 20
Quellenangabe
typefiction
booktitleBlume und Flamme
authorEmmy Ball-Hennings
year1938
firstpub1938
publisherBenziger & Co.
addressEinsiedeln / Köln
titleBlume und Flamme
pages320
created20190213
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Der Geburtstag

Dann kam mein siebzehnter Geburtstag, mitten im Winter. Niemand hatte Notiz davon genommen. Kein Mensch hatte mir gratuliert, und ich selbst legte doch so großen Wert auf meinen Geburtstag. Wochenlang vorher hatte ich Mamsell und Gundel, zwar unauffällig, aber doch sehr mit Absicht, auf meinen Geburtstag aufmerksam gemacht. Ich war leicht vergnügt, doch ließ ich auch sehr leicht den Kopf hängen. Detleff, unser alter Hausknecht, dem ich am Abend vorher eingeschärft hatte, mir doch ja rechtzeitig zu gratulieren, war morgens, als ich die Asche wegtrug, mit der Stallaterne glatt an mir vorüber zum Pferdestall gegangen. Es war betrüblich, so übersehen zu werden, beinahe, als sei man nie geboren worden.

Beim gemeinsamen Frühstück fragte mich Mamsell, warum ich so wortkarg sei. Ich zuckte nur mit den Schultern, da ich doch nicht nochmals auf meinen Geburtstag hinweisen konnte. Das wäre doch aufdringlich gewesen.

Meine Stimmung besserte sich etwas, als ich hörte, daß ich mittags Frau Wronski, die im Nachbarhause wohnte, ein von ihr bestelltes Menu bringen sollte. Frau Wronski war eine der ersten und beliebtesten Schauspielerinnen unseres Stadttheaters. Sie hatte einen Freund oder Verehrer, der Leutnant war und manchmal mit einem Trupp Soldaten am Hause, wo Frau Wronski wohnte, vorbeimarschierte, natürlich auch an unserem Hause: doch hatte ich schon mehrmals bemerkt, wie der Leutnant nach einigen flotten Kommandorufen 276 zum zweiten Stockwerk hinaufsah, wo die schöne Frau Wronski leise lächelnd hinabgrüßte.

Das hatte ich von der Straße aus gesehen, doch an meinem Geburtstag zog wieder ein Trupp Soldaten vorüber. Indessen sah ich vom Kellerfenster aus nur die marschierenden Beine. Diesmal sangen sie:

Glori-Glori-Gloria,
Schön sind die Mädchen von siebzehn-achtzehn Jahr.

Ob ich mich nicht ein bißchen getroffen fühlen durfte? Ich war gerade siebzehn Jahre alt.

Dann machte ich mich daran, die Teller vom Abend zu waschen, und sang das alte Seemannslied, das nach derselben Melodie ging:

Glori-Glori-Gloria,
Schön sind die Mädchen von Batavia . . .

Und dabei kam ich dann in sehr gute Laune.

 

Gegen ein Uhr zog ich mein rosafarbenes Kleid an, obwohl es eigentlich für den Winter viel zu leicht war; aber es war nun einmal mein Glückskleid, das mir nett stand, und wenn ich dieses trug, konnte ich mich nicht erkälten. Als ich bei Frau Wronski klingelte, stand zugleich mit mir ein älterer Herr vor der Tür, der ebenfalls Einlaß begehrte.

Frau Wronski kam selbst öffnen und rief mit fröhlicher Stimme: »Ah, das ist aber nett. Pünktlich wie eine Normaluhr.« Es war nicht ausgeschlossen, daß Frau Wronski mich meinte. Jedenfalls sah sie mich sehr freundlich an: »Sagen Sie, kleines Fräulein, mögen Sie den Tisch decken? Ich 277 wäre Ihnen dankbar, wenn Sie das übernehmen wollten.«

Das wollte ich natürlich sehr gern. Wie angenehm, wie gut es hier nach Wärme duftete und ganz fein, hauchzart nach Rosen. Frau Wronski selbst war so ungewöhnlich schön. Ihr flockiges, rötliches Haar hatte metallischen Glanz, türmte sich, eine hohe Woge, über einem fein gezeichneten, verspielten Gesicht. Schade, daß die Linien zu sehr mit Puder überdeckt waren. Doch war dies auch wiederum sehr reizvoll. Selbstvergessen betrachtete ich diesen Kopf, wie man eine seltene Blume ansehen mag. Frau Wronski bemerkte es. Ihre dunkel umschatteten Sternaugen leuchteten auf. Sie lächelte mir langsam zu, verwirrend schön.

Dann wurde mir der Tisch angewiesen, wo ich decken sollte, und Frau Wronski ging mit ihrem Besuch in den Nebenraum. Während ich meine Arbeit machte, sah ich mich zugleich im Zimmer um. Einige noch ganz frische Lorbeerkränze mit langen Seidenschleifen hingen an den Wänden. Bilder von Schauspielern in alten Trachten, doch hätte ich durchs Zimmer gehen müssen, um diese Bilder näher zu sehen, und die Tür zum Nebenraum stand geöffnet. Ganz nahe jedoch hing ein Bild, das mich sehr anzog. Es war wohl die Reproduktion eines alten Stahlstiches. Ich fand die Zeichnung herrlich, kostbar ausgeführt. Es war ein einsam gelegenes Landhaus, ein weiter, stiller Garten. Im Hintergrund des Bildes ragten einige Bäume mit weichen Wolkenwipfeln. Der Wald schien in den Garten dringen zu wollen, die süße Stille des Waldes. Was mochten das für seltsam schöne Bäume sein, die ich nicht kannte? 278 Dann entdeckte ich, was das Bild darstellte: Bembos Villa in der Nähe von Padua. Ein Mann saß hier unter einem sehr lieben Schattenbaum und schrieb in einem Buch.

Neben diesem Bild fand ich eine eingerahmte Handschrift. Die sichere, sorgliche Schrift sah mich so klug an. Ich las die Worte, die, wie ich glaube, die folgenden waren: O Schlaf, der stillen, feuchten und schattigen Nacht sanfter Sohn . . . Wo ist die Stille, die den Tag flieht und das Licht? . . . Wo sind die leichten Träume, die mit leisen Schritten dir zu folgen pflegen? . . . Sehr wohl hätte ich die Worte auch später in mir lesen können, da sich mir das Satzbild treu einprägte, Ich las: »Wo ist die Stille, die den Tag flieht und das Licht?«

Ein Liebhaber, ein Freund des Schlafes, vielleicht jener, der hier unterm Baum saß, hatte diese einsamen, feierlichen Worte geschrieben. Die kleine Betrachtung fand viel rascher statt, als ich Zeit bedarf, um sie hier aufzuzeichnen, und doch war mir, als hätte ich einen weiten Ausflug gemacht.

Dann kam die Schauspielerin mit ihrem Gast ins Zimmer zurück, wo sich beide zu Tisch setzten und mich ersuchten, in einer Stunde das Geschirr wieder abzuholen.

Pünktlich »wie eine Normaluhr« war ich wieder an Ort und Stelle. Ich traf Frau Wronski und ihren Gast, Zigaretten rauchend, noch am Tisch sitzend, in behaglicher Stimmung. Sie tranken nicht nur aus kleinen Tassen schwarzen Kaffee, sondern aus zierlichen Spitzgläsern einen goldgelben Wein. Es erschien mir reichlich üppig, zwei Getränke gleichzeitig zu genießen, doch mochte dies in der 279 vornehmen Welt üblich sein. Während ich die Teller zusammenräumte, fragte ich Frau Wronski, ob sie mit dem Essen zufrieden gewesen sei.

»O ja, es war vorzüglich und hat uns trefflich geschmeckt. Haben Sie es selbst gekocht?«

Nein, ich hätte nur die Petersilie gewiegt und den Rotkohl gehobelt.

Frau Wronski wollte mir gewiß etwas Freundliches sagen. Sie sprach in wohlwollend-scherzhaftem Ton, etwas ungeschickt, wie Erwachsene manchmal zu Kindern zu sprechen pflegen.

»Ja, zuerst muß man natürlich Petersilie wiegen und Rotkohl hobeln. Das will auch gelernt sein, aber später werden Sie dann eine tüchtige Köchin sein.«

Es verdroß mich, daß Frau Wronski dies bemerkte. Das Zimmer war so angenehm warm. Es duftete nach Rosen mitten im Winter, und ich verspürte nicht die mindeste Lust, mich über die Kocherei ausfragen zu lassen. Ich gestattete mir ja auch keine Fragen über Frau Wronskis Beruf. Kümmerte sie sich etwa um meine Zukunft?

Die vornehmen Leute durften einen immer ausfragen. Man hätte es auch einmal umgekehrt machen können.

Im dunkel und fremd singenden Ophelienton entgegnete ich: »Gnädige Frau, wir wissen wohl, was wir sind, aber nicht, was wir werden können.«

Frau Wronski horchte auf, sah erstaunt lächelnd auf ihren Gast, der sich in seiner Sophaecke aufrichtete und mich höflich fragte:

»Haben Sie dies soeben gesagt? Ich meine, ob es Ihre eigenen Worte sind?«

»Nein, es sind nicht meine Worte.« 280

»Wäre es nicht schöner, oder ehrlicher, wenn man seine eigenen Worte gebrauchen würde?«

»Gewiß. Vielleicht habe ich keine eigenen Worte. Auch nehme ich an, daß es kaum ein Wort gibt, das nicht schon gebraucht worden ist. Und wem gehört es dann? Wer dürfte ein Wort sein eigen nennen?«

Darauf fragte Frau Wronski: »Haben Sie etwas Zeit? Ja? Setzen Sie sich ein wenig. Trinken Sie einen Schluck . . . Warum lächeln Sie jetzt?«

»Ach, über verschiedenes, aber das kann ich nicht alles erzählen.«

»Warum nicht?«

»Weil Sie nicht die Zeit haben, das alles anzuhören.«

Frau Wronski lachte hell: »Kennen Sie denn meine Tageseinteilung?«

»Nein, das nicht, aber ich kenne meine Geschichte . . . Trinken Sie den Wein immer aus so kleinen Gläsern, bitte?«

»Das ist kein Wein. Es ist Likör. Mögen Sie noch ein Glas?«

»Nein, ich danke. Wenn ich noch ein Glas tränke, wäre ich hier zu sehr auf Besuch.«

»Nun, warum denn nicht? Sie sind eingeladen.«

»Oh, Sie sind sehr freundlich. Ich muß aber gleich wieder ins Hotel zurück, weil ich in der Küche viel zu tun habe. Es ist heute Markttag.«

»Ich kann mir denken, daß es dann viel Arbeit gibt. Haben Sie Geschirr zu putzen? Denn mir scheint, kochen wollen Sie nicht lernen, oder?«

»Aber, gnädige Frau, wollen! Es gehört viel Talent dazu, und dieses habe ich wahrscheinlich nicht. Vielleicht darf ich es Ihnen anvertrauen, 281 ich wäre vor langer Zeit einmal sehr gerne Schauspielerin geworden.«

»Und meinen Sie, daß hierzu weniger Talent gehört? «

»Ja, viel weniger. Ich glaube, schauspielern können die meisten Menschen viel besser, als sie wissen, womit ich nicht sagen will, daß jeder sich für die Bühne eignet. Aber Köchin sein und zum Beispiel einen Hasen zubereiten, das ist beinahe so schwierig, als einen Hasen zu schießen, was manchmal dem eifrigsten Jäger nicht gelingt.«

»Nämlich, wenn es keine Hasen gibt«, warf Frau Wronski ein.

»Wenn sich der Hase nicht fangen läßt«, verbesserte ich.

»Sie glauben also, daß jeder Hase sich seinen Jäger sucht?«

»Genau kann ich's nicht wissen, doch halte ich es für sehr möglich. Aber ich muß jetzt gehen, gnädige Frau. Ich fürchte, ich habe schon zu lange Stegreif geplaudert. Ich habe mich hier ein wenig einfangen lassen.«

»Oh, es könnte auch umgekehrt sein.«

So anmutig hatte noch kein Mensch mit mir gesprochen seit meiner Dienstzeit. Ich war entzückt von Frau Wronski.

Als ich mit meinem Korb die Treppe hinabstieg, verspürte ich Lust, den Rotkohl zu verzehren. Bei mir zu Hause gab's nur am Altjahrsabend Rotkohl, und zwar zu einem völlig unnötigen Schweinebraten. Man sollte Rotkohl ohne jegliche Zutaten essen, höchstens ein paar Kartoffeln dazu, damit man wußte und recht spürte, wie trefflich Rotkohl schmeckte. Dagegen konnte man mit den 282 Schweinen nur verlorene Tochter spielen. Dazu waren die Schweine gut, zu sonst nichts. Schweinefleisch war ein wildes Essen, aber es gab starke Naturen, die es vertragen konnten. Frau Wronski und ihr Freund hatten geräucherte Rippen zum Rotkohl gehabt, auch nicht sehr vornehm, aber Frau Wronski durfte sich manches erlauben. Was ich auch von ihr erfahren sollte, ich war entschlossen, ihr vieles hingehen zu lassen. Sie konnte zum Beispiel nicht dafür, daß die vielen Leutnants mit den Soldaten an ihrem Hause vorüber mußten. Anstatt die »Augen gradaus« zu richten, warf alles Seitenblicke nach oben. Frau Wronski hatte sich ja nicht so schön erschaffen, genau so wenig wie die Magnolie, die in Konsul Teyssens Garten stand. Diese schöne, fremdartige Magnolie, die jeder Vorübergehende ansehen durfte, und die Magnolie wehrte sich nicht. Frau Wronski war nicht ganz so stumm, wie . . . ja, wie die Magnolie, jener südliche Blumenbaum, der den Norden begnadete.

Ich setzte mich auf eine Treppenstufe, und unter romantischen Betrachtungen verzehrte ich behaglich den Rotkohl. Ob diese Speise kalt oder warm war – selbstverständlich war sie kalt – das war mir völlig gleichgültig. Ich saß noch immer bei Frau Wronski, griff in Gedanken nach dem Glas, um den kleinen Rest zu trinken, auf daß nichts umkomme.

Wie schön war es doch, daß ich Geburtstag hatte. Ich nahm mir vor zu genießen, was genießenswert war. Vor allem sehnte ich mich danach zu lesen, was lesenswert war. Leise sprach ich die Worte vor mir her: »wo ist die Stille, die den Tag flieht und das Licht?« Das konnte nur einer 283 geschrieben haben, der Tag und Nacht wirklich kannte. Ach, wer sich in die Dichtung werfen könnte wie in ein Meer . . . Was Frau Wronski auf der Bühne spielte? »Sind das Ihre eigenen Worte?« so hatte Frau Wronskis Freund mich gefragt, als wäre es nicht recht, wenn ich mich einmal fremder Worte bediente. Dabei hätte ich fortwährend als Hamlet sprechen mögen. Als Dienstmädchen war man genötigt, manchmal klassisch zu sprechen, sich in eine Unverständlichkeit zu hüllen, um klar zu bleiben vor sich selber. Mochten andere Leute, zum Beispiel Frau Wronski, sich anders schminken. Mir war, als würde ich mehr und mehr einer Maske bedürfen, einer geistigen Maske. Ich hatte etwas zu verbergen.

Sollte man es für möglich halten, daß der Rotkohl so anregend auf mich wirkte? Er schmeckte nach Jahreswende, nach Rückblicken und Zukunftsträumen. Wahrlich, ich verstand es, die Zeit zu verzetteln, indem ich sie einfach vergaß. Zu solcher Stunde war ich nicht für die Welt erschaffen, sondern die Welt war für mich da. Ach, vielleicht war das ganze Leben nur ein abgekühltes Rotkohlessen, ein Rest, aber ich war bereit, an allem Geschmack zu finden. Man mußte es sich nur zurechtlegen.

Plötzlich stand der Freund von Frau Wronski vor mir. Ich hatte ihn nicht die Treppe hinabsteigen hören. Da saß ich nun mit der leeren Schüssel auf dem Schoß. Es war nicht leicht sich zurückzufinden, als der Herr mich verwundert ansprach: »Was machen Sie denn noch hier, kleines Fräulein? . . . Sie scheinen sich hier häuslich niederlassen zu wollen . . .« 284

»Ja, ich habe heute meinen Geburtstag,«

»O, da gratuliere ich.«

»Danke.« Und blieb sitzen.

»Ja, da muß man Ihnen wirklich Glück wünschen«, sagte der feine Herr nochmals. Er spielte den Überlegenen, während er zugleich nach Worten suchte. Das war ja gar nicht nötig. Mochte er ruhig seiner Wege gehen. Mich konnte man schon sitzen lassen, aber das wußte der Freund von Frau Wronski natürlich nicht.

Ich war nicht so ungeniert aufgelegt, als ich mich anstellen konnte, und war es mir ernst, fiel mir unwillkürlich ein leichter Ton ein. Der klang wie Scherz. Ich hörte mir zu.

»Wissen Sie, mit dem Glückwünschen ist es nicht getan. Das kenne ich. Es sind Redensarten, bei denen man sich nicht aufhalten sollte. Zungenübungen. Ich stieß mich an einen spitzen Stein . . . Den ganzen Tag über hat man mir nicht gratuliert. Sogar Detleff hat's vergessen. Macht nichts. Gut so. Ich werde es mir merken. Mir braucht keiner Glück zu wünschen. Man hat es mir zu bringen, das Glück. So wünsche ich es. Jawohl, nichts anderes.«

»Ich verstehe nicht recht . . . Am liebsten möchte ich mich einen Augenblick setzen . . . Sie sind ein drolliges Persönchen.«

»Wie Sie wollen. Wenn Sie sich aber am liebsten setzen möchten, legen Sie wenigstens die Serviette unter sich. Hier. Bitte. Die Steinstufen sind immer und ewig staubig. Da kann man fegen und fegen. Unten auf der ersten Treppe liegt ja ein Läufer. Ein nobles Getue, das bald aufhört. Ich 285 mag so was gar nicht. Entweder ganz oder gar nicht. Hab' ich recht oder nicht?«

»Sie haben vollkommen recht. Alle Stufen der Welt sollten mit Teppichen belegt sein, nicht wahr? Wie? Nein? Soviel verlangen Sie nicht? Überhaupt nichts? Das finde ich ungewöhnlich bescheiden. Was wünschen Sie sich denn zu Ihrem Geburtstag? Vielleicht eine neue Bluse oder eine Schürze? Sagen Sie mir das mal, bitte.«

»Ach, ich weiß nicht, was ich mir wünschen soll. Vielleicht eine Reise nach Padua. Es muß nicht sofort sein. Irgendwann einmal. Es muß schön sein in Padua. Ich möchte einmal nachsehen gehen, sehen, ob es dort so schön ist, wie es dort wirklich ist.«

Wieder tauchten die Worte auf, die unter Baumwipfeln geboren waren, an einem Saum von wundersamen Bäumen, und wie zu mir gesprochen klang es: »wo sind die leichten Träume, die mit leisen Schritten dir zu folgen pflegen?« Nach Padua reisen. Vor dem Garten eines Dichters stehen, nur von ferne hineinsehen. Die Gartenwege waren schön, wie die Wege, die zu einem Herzen führten.

»Es könnte sein, daß ich in Padua erwartet werde. Ein Freund von mir wohnt dort.«

Im Augenblick, da ich aus einem Traum heraussprach, kam Frau Wronski die Treppe hinab. Sie sagte zu ihrem Freund: »Ich habe dir vom Fenster aus nachsehen wollen, aber du kamst nicht. Was machst du denn hier auf der Treppe?«

»Ich habe mich nur ein Wenig unterhalten. Es ergab sich so.« 286

»Und Sie, Fräulein?«

Ich stotterte verlegen: »Ich, ich habe hier nur ein bißchen Rotkohl gegessen, weil es sonst ja doch weggeworfen wird, aber ich gehe schon. Guten Tag mitsammen.« 287

 

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