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Friedrich Gerstäcker: Blau Wasser - Kapitel 25
Quellenangabe
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typenovelette
authorFriedrich Gerstäcker
titleBlau Wasser
publisherVerlag von Neufeld u. Henius
printrunSiebente Auflage
editorDietrich Theden
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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17. Die Landung

»Sail ho!« rief in diesem Augenblick Timor, der trotz seiner Beschäftigung im Boot doch nicht aufgehört hatte, den Horizont wie seine nächste Umgebung zu beobachten.

Dieser Ruf gab natürlich den Gedanken der kleinen Mannschaft eine total andere Richtung. Aller Augen richteten sich blitzschnell nach der einzigen Himmelsgegend hin, wo ein Segel sichtbar werden konnte – der Einfahrt der Torresstraße zu. Und richtig genug, über dem Horizont waren deutlich die oberen Segel eines wahrscheinlich großen Schiffes zu sehen, das schon gestern Abend in die Straße eingelaufen und vor Anker gegangen sein mußte und jetzt mit einer guten, wenn auch leichten Brise und von der starken, westwärts setzenden Strömung begünstigt seine Durchfahrt antrat.

»Da wär' eine Gelegenheit, von hier fortzukommen,« sagte Hans lächelnd, nachdem sie das Segel, dessen Fortgang sie leicht bemerken konnten, eine Weile schweigend beobachtet hatten, »was meinst Du Bill? sollen wir unser Glück damit versuchen?«

Bill schüttelte aber finster mit dem Kopf und sagte endlich, nachdem er sich ein tüchtiges Stück von seinem Kautabak abgebissen und den Rest wieder in die Mütze – den gewöhnlichen Aufbewahrungsort, gelegt hatte: – »Ne – so gern ich hier weg wäre, aber die Gesellschaft Capitain Oilytt's ist doch zu gut für mich – ich bin sie nicht mehr werth und – ich will mich nicht gern wieder hineindrängen. – Wenn wieder eins käme, ja, da will ich nichts dagegen sagen, aber ich denke, dies erste gönnen wir unserm Alten zu seiner alleinigen Verfügung.«

»Oh wenn's nur deshalb wäre,« rief Jean, »das sollte mich wahrhaftig nicht abhalten! Auf einem fremden Schiff hat er nichts zu sagen, denn er ging höchstens als Kajüten-Passagier und wir kämen als Wachtverstärkung mit in's Vorcastel. Was könnte er uns da anhaben?«

»Was er uns anhaben könnte?« wiederholte Bill; »weiter nichts, Mann, als daß er uns Viere hier einfach in Eisen legen ließe wegen Widersetzlichkeit – wenn er da irgend Gefallen dran fände. Und thäte er das wirklich nicht, so kannst Du Dich drauf verlassen, er würde uns bei dem andern Capitain einen solchen Namen machen, daß ich lieber mit sieben Jahr Urlaub nach Norfolk Island oder Vandiemensland geschickt werden möchte, als dort Matrose sein. Frag einmal Hans, was er dazu meint. – Und Timor erst für sein bischen Versteckensspielen. – Aus dem seiner Haut machten sie, Gott straf' mich! Kabelgarn.«

»Unsinn» Mann,« lachte Jean, »es fällt mir ja gar nicht ein, Capitain Oilytt's Gesellschaft je wieder aufzusuchen. Im Gegentheil, ich danke Gott, daß ich sie mit so guter Manier los geworden bin. Das Schiff hat aber jedenfalls den Vortheil für uns, daß es den Capitain mit seiner ganzen Gesellschaft aus der Straße herausnimmt, und kommt später einmal ein anderes und es gefällt uns dann nicht auf dem festen Land, dann können wir immer noch thun, was wir wollen.

»Hallo, Hans, was machst Du da?« wandte er sich plötzlich zu diesem, der nach vorn gegangen war und, ohne weiter etwas zu sagen, den kleinen Anker aufholte.

»Was ich mache? – ich mache uns flott,« lautete die Antwort – »oder wollen wir hier liegen bleiben?«

»Gut denn, an Land!« rief Jean fröhlich, »und gefällt uns das Innere, so sollen uns alle Wilden Australiens nicht abhalten, unser Ziel zu erreichen.«

»Damit bin ich auch einverstanden,« meinte Bill, »meine Flinte kann aber Timor nehmen. Ich will verdammt sein, wenn ich das Ding noch einmal losschieße, oder vielmehr sich selber losschießen lasse. Was ich bis jetzt davon gesehen habe, so scheint es mir verwünscht unabhängig zu sein und sich wenig daran zu kehren, ob an dem kleinen Stück Eisen da gedrückt wird oder nicht.«

Als der Anker gelichtet war, wollten Bill und François nach den Rudern greifen, um die kurze Strecke hinüber zu rudern; Hans richtete aber das Segel auf und schlug ihnen vor, noch eine Strecke an der Küste hinabzufahren, bis wo sie wieder Hügel zum Strand niederdachen sehen konnten. Die Gegend war hier vollkommen flach, die keinen Hügel standen aber mit anderen höheren, deren blaue Spitzen sie jetzt schon erkennen konnten, jedenfalls in Verbindung. Es war dort auch eher wahrscheinlich, daß sie Wasser finden würden, als hier, und Wasser blieb ihnen ja doch, bei einem Marsch in's Innere, die Hauptsache, wo sie wohl dann und wann ein Stück Wild erlegen konnten, ihren Hunger zu stillen, aber nie im Stande gewesen wären, sich ohne Wasser zu behelfen.

»Und dann kommen wir auch ein Stück von diesen verdammten schwarzen Heiden fort,« sagte Bill, als er die Schote des kleinen Segels anholte und fest machte – »hol' sie der Henker!«

»Das nun wohl nicht,« meinte Hans, »denn ich bin fest überzeugt, daß wir die ganze Zeit von mehr als den wenigen beobachtet wurden und selbst diese können uns leicht zu Lande folgen. Laufen wir aber scharf gegen die Küste an, so werden sie sich jedenfalls zurückziehen, und ich bin ziemlich gewiß, daß sie uns beim Landen nicht im Geringsten stören.«

Nach zwei Stunden erreichten sie das höher gelegene Land und fanden hier sogar, ganz gegen Erwarten, ein wohl dreißig Schritt breites kleines Strombett, in dem eine ziemlich starke Quelle niederrieselte. Es war gerade Regenzeit, und sie durften jetzt allerdings weit eher erwarten, dann und wann Wasser zu finden als im Sommer, wo auch diese Quelle sicher vertrocknete.

Bei der Landung gebrauchten sie nichtsdestoweniger jede Vorsicht, die ihnen unter diesen Umständen nur möglich war. Während Bill vorn mit dem Springtau in der Hand auf das Anlaufen des Bootes wartete und dann hinaussprang und das Boot an's Ufer zog, standen Jean und François mit ihren geladenen Gewehren neben ihm. Hans hielt das Ruder. Es ließ sich aber kein Indianer blicken, ja nicht einmal die Spur ihrer Füße konnten sie in dem Ufersand entdecken, und nachdem sie erst zu diesem Zweck eine kleine Runde durch die Büsche gemacht und auch nicht das mindeste Verdächtige gefunden hatten, zogen sie ihr Boot in die kleine Süßwasser-Bai, die hier das frische Wasser in den sonst überall nahe zum Ufer kommenden Korallen gebildet zu haben schien, und fanden sich zum ersten Mal wieder auf festem, trockenem Lande.

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