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Bingo und andere Tiergeschichten

Ernest Thompson Seton: Bingo und andere Tiergeschichten - Kapitel 10
Quellenangabe
authorErnest Thompson Seton
titleBingo und andere Tiergeschichten
publisherKosmos, Gesellschaft der Naturfreunde Franckh'sche Verlagshandlung
printrunHunderteinundzwanzigste Auflage
yearo.J.
translatorKarl Ernst Poeschel
illustratorErnest Thompson Seton
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20170520
projectid532744ec
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Nachwort an den Leser

Diese Erzählungen sind wahr. – Obwohl ich die geschichtliche Wahrheit an manchen Stellen umgangen habe: die Tiere in diesem Buche haben alle wirklich gelebt. Ihr Leben floß dahin, wie ich es geschildert habe, und sie bewiesen Persönlichkeit und Heldengröße weit nachdrücklicher, als es meine schwache Feder wiederzugeben imstande war.

Ich glaube, daß die Naturwissenschaft durch die allgemeine Behandlung, wie sie gewöhnlich üblich, viel verloren hat. Eine zehn Seiten lange Abhandlung über die Gewohnheiten und das Leben der Menschen gewährt wenig Befriedigung; es ist viel wertvoller, diesen Raum dem Leben eines großen Mannes zu widmen. Unter dem Einfluß dieses Grundsatzes sind diese Geschichten entstanden. Ich habe die Persönlichkeit des Einzelwesens und seine Lebensanschauungen den einfachen Erzählungen zugrunde gelegt und nicht die Gewohnheiten einer Familie im allgemeinen, gesehen durch das abwägende, feindselige Auge des Menschen.

Man könnte mir vorwerfen, ich hätte diesen Grundsatz nicht durchgeführt, da ich oft verschiedene Charaktere in einen vereinigt habe. Dies machte sich jedoch infolge der oft mangelhaften Berichte über sie nötig. Trotzdem bin ich in den Lebensgeschichten Lobos, Bingos und des Paßgängers auch nicht einen Zoll von der Wahrheit abgewichen.

Lobo führte sein wildes, romantisches Räuberleben, dessen sich die Ansiedler noch gut erinnern, von 1889 bis 1894 am Currumpaw, und endete, genau wie berichtet, am 31. Januar 1894.

Bingo war mein Hund von 1882 bis 1888, trotz längerer Unterbrechungen unseres Zusammenlebens durch größere Reisen. Und mein alter Freund, der Besitzer von Tan, wird aus diesem Buche erfahren, wer tatsächlich der Mörder seines treuen Hundes war.

Der Mustang lebte nicht weit weg von Lobos Gefilden, anfangs der neunziger Jahre. Seine Geschichte ist genau so wiedergegeben, wie sie verlief, nur über das Ende sind die Meinungen geteilt, denn einige behaupten, der Mustang habe das Genick gebrochen, als man ihn gefangen auf eine Farm brachte. Tom Truthahnspur weilt im Jenseits, kann also die Streitfrage nicht mehr schlichten.

Wullys Lebensgeschichte ist, genau genommen, die zweier Hunde; beide waren Mischlinge mit etwas Collieblut und wurden als Schäferhunde erzogen. Wullys Jugend verlief genau so, wie es der erste Teil seiner Biographie erzählt, während der zweite Teil tatsächlich das Leben eines anderen Hundes schildert – ein treuer Schäferhund am Tage, ein blutdürstiger Wüterich bei Nacht. Derartiges ist weniger selten, als man vermutet. Während ich diese Geschichten schrieb, erfuhr ich von verschiedenen anderen Schäferhunden, die ein gleiches Doppelleben wie Wully führten, und fast in jedem Falle war es ein Collie.

Rotkrause lebte im Don-Tal, nördlich von Toronto, und viele meiner Bekannten werden sich seiner noch erinnern. Er wurde 1889 von einem rohen Gesellen getötet, dessen wahren Namen ich nicht veröffentlicht habe, da ich mehr eine gewisse Sorte Menschen, als den einzelnen, bloßstellen wollte.

Silberfleck, Zottelohr und Vixen haben ebenfalls gelebt, und obwohl ich die Abenteuer verschiedener ihrer Genossen in diesen Biographien vereint habe, ist jede Begebenheit aus dem Leben gegriffen.

Die Tatsache, daß die Geschichten wahr sind, ist zugleich der Grund für das tragische Ende einer jeden.

Eine Sammlung, wie die vorliegende, bringt naturgemäß stets eine Nutzanwendung, und zweifellos wird jeder Leser eine Moral nach seinem Empfinden und seinem Geschmack darin finden; aber ich hoffe, daß einige eine Lehre, so alt wie die Bibel, herauslesen werden – die Lehre, daß wir und die Tiere eines Stammes sind. Dem Menschen ist nichts eigen, wovon das Tier nicht wenigstens eine Spur in sich trüge, und die Tiere haben keine Gewohnheit und keine Eigenschaft, die der Mensch nicht bis zu einem gewissen Grade teilte.

Wenn demnach die Tiere erschöpft sind, deren Wünsche und Gefühle nur in der Art des Ausdrucks und des Wertes sich von den unseren unterscheiden, so haben sie sicher auch Rechte und wir Verpflichtungen ihnen gegenüber. Die alte Tatsache, die man endlich in der gebildeten Welt anzuerkennen beginnt, wurde schon von Moses ausgesprochen und bereits vor zweitausend Jahren von Buddha gelehrt.

Neuyork, am 31. Dezember 1899
Ernest Thompson Seton

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