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Bilder aus der deutschen Vergangenheit

Gustav Freytag: Bilder aus der deutschen Vergangenheit - Kapitel 3
Quellenangabe
typetractate
booktitleBilder aus der deutschen Vergangenheit Band I
authorGustav Freytag
firstpub1859-67
yearca. 1980
publisherBertelsmann Verlag
addressGütersloh
titleBilder aus der deutschen Vergangenheit
created20040829
sendergerd.bouillon
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Unser Abt Engilbert hatte vom König Heinrich die Abtei erhalten und ihm Treue geschworen, und kehrte in Ehren entlassen zu uns zurück, als ein großes Unglück über uns kam. Denn die Ungarn hatten von der Not des Reiches vernommen, fielen wütend in Bayern ein und verwüsteten es (im Jahre 924); sie lagen lange vor Augsburg, wurden dort durch das Gebet des Bischofs Udalrich, des allerfrömmsten Mannes seiner Zeit, verscheucht und drangen in Haufen nach Alemannien, ohne daß sie jemand hinderte. Da zeigte der tätige Abt Engilbert, wie gut er sich gegen Unglück zu wehren wußte. Denn als das Verderben herankam, mahnte er jeden einzelnen seiner Vasallen, befahl den stärkeren Brüdern, sich zu bewaffnen und ermutigte die Hörigen. Er selbst tat wie ein Riese des Herrn das Stahlhemd an, zog die Kutte und Stola darüber und befahl den Brüdern, ebenso zu tun. »Bitten wir Gott, meine Brüder«, sagte er, »daß wir mit der Faust gegen den Teufel ebenso stark werden, wie wir es bis jetzt im Gottvertrauen mit dem Geiste gewesen sind.« Es wurden Speere gefertigt und Brustpanzer aus dicker Leinwand, Schleudern wurden geschnitzt, feste Bretter und Weidengeflecht zu Schilden gemacht, Sparren und Stangen gespitzt und am Feuer gehärtet.

Aber im Anfang glaubten mehrere Brüder und Dienstleute dem Gerücht nicht und wollten nicht fliehen. Es wurde aber doch ein Platz ausgesucht, der wie von Gott dazu bereitet war, um einen Burgwall auszuführen am Flusse Sint-tria-unum, den einst der heilige Gallus so genannt haben soll um der heiligen Dreieinigkeit willen, weil drei Bäche zu einem zusammenfließen. Der Platz wurde auf schmalem Berghals durch abgehauene Pfähle und Baumstämme umschanzt, und es entstand eine sehr feste Burg, die der heiligen Dreieinigkeit würdig war. Eilig wurde der notwendige Bedarf dorthin gebracht und schnell eine Kapelle als Oratorium gebaut, in diese wurden die Kreuze und die Verzeichnisse der Spender in den Kapseln geschafft und dazu fast der ganze Schatz der Kirche außer den Büchern, welche auf den Gestellen standen. Diese hatte der Abt nach Reichenau gesendet, doch waren sie dort nicht ganz sicher. Denn als sie zurückgebracht wurden, stimmte zwar, wie man sagte, die Zahl, aber es waren nicht ganz dieselben. Die Alten mit den Knaben gab er unter Aufsicht des Thieto nach Wasserburg, das dieser mit den Dienstleuten, welche über dem See waren, sorglich befestigte. Er befahl diesen auch, Lebensmittel mit sich zu nehmen, damit sie längere Zeit auf den Schiffen bleiben konnten.

Die Späher strichen bei Tag und Nacht auf wohlbekannten Pfaden und verkündeten die Ankunft der Feinde, damit man in die Verschanzung fliehe (im Jahre 925); aber die Brüder hielten zu sehr für unmöglich, daß der heilige Gallus jemals von den Barbaren überfallen werden könnte. Engilbert selbst war dieser Meinung und trug fast zu spät die wertvollsten Sachen des heiligen Gallus in die Burg. Deshalb wurde auch das Ziborium des heiligen Otmar den Feinden zurückgelassen. Denn die Feinde zogen nicht gesammelt, sondern brachen in Schwärmen über Städte und Dörfer, weil niemand widerstand, raubten und brannten aus und sprangen unerwartet gegen Sorglose, wo sie gerade wollten. Auch in den Wäldern lagen ihrer zuweilen hundert und weniger, um hervorzubrechen; nur der Rauch und der rote Feuerschein am Himmel verrieten, wo gerade die Haufen waren.

Es war aber damals unter den Unsern ein recht einfältiger und närrischer Bruder, dessen Rede und Tun oft belacht wurde, mit Namen Heribald. Ihn mahnten erschrocken die Brüder, als sie nach der Burg flohen, daß er auch fliehe. Er aber sprach: »Meinetwegen fliehe, wer will, mir aber hat der Kämmerer in diesem Jahre kein Leder zu meinen Schuhen gegeben, ich werde niemals fliehen.« Da ihn aber die Brüder in der letzten Not mit Gewalt zwingen wollten, mit ihnen zu weichen, so sträubte er sich sehr und schwor, niemals den Weg zu machen, wenn ihm nicht sein jährliches Leder in die Hand gegeben würde. Und so erwartete er furchtlos die eintreffenden Ungarn. Endlich flohen fast zu spät die Brüder mit anderen Zweiflern, durch den Schreckensruf gescheucht: die Feinde dringen heran. Er selbst aber blieb unverzagt bei seiner Meinung und spazierte müßig auf und ab. Die köchertragenden Ungarn brachen ein, mit Wurfspeer und Lanze drohend. Eifrig suchten sie überall, kein Geschlecht oder Alter hatte auf Erbarmen zu hoffen. Da fanden sie den Bruder allein, der furchtlos in ihrer Mitte stand. Sie wunderten sich, was er hier wollte und warum er nicht geflohen war. Die Führer befahlen den Mördern, seiner noch mit dem Eisen zu schonen, und fragten ihn durch Dolmetscher, und als sie merkten, daß er ein großer Narr war, schonten sie lachend seiner. – Den steinernen Altar des heiligen Gallus hüteten sie sich zu zerwerfen, weil sie sich früher häufig durch ähnliche Versuche aufgehalten und nichts als Knochen und Asche darin gefunden hatten. Endlich fragten sie den Narren, wo der Schatz des Klosters liege; er aber führte sie rüstig zu dem verborgenen Türchen des Schatzhauses, sie erbrachen es und fanden dann nur Leuchten und vergoldete Kronleuchter, welche die Eiligen bei der Flucht zurückgelassen hatten, und gaben ihm Ohrfeigen, weil er sie getäuscht hätte. Zwei von ihnen bestiegen den Glockenturm, denn sie hielten den Hahn auf der Spitze für golden, weil der Gott eines Hauses, das nach ihm genannt sei, nur aus edlem Metall gegossen sein könnte. Und als sich einer heftig vorbeugte, um ihn mit der Lanze abzustoßen, fiel er von der Höhe in den Vorhof und kam um. Der andere stieg unterdes zur Schmach des Gotteshauses auf den Gipfel der östlichen Zinne und schickte sich an, den Leib zu entleeren, da fiel er rückwärts und wurde ganz zerschmettert. Diese beiden verbrannten sie, wie Heribald später erzählte, zwischen den Türpfosten, und obgleich der flammende Scheiterhaufen den Türbalken und die Decke heftig ergriff und mehrere von ihnen um die Wette mit Stangen den Brand schürten, vermochten sie doch nicht, die Kirche des Gallus, auch nicht die des Magnus anzuzünden. Es lagen aber in dem gemeinen Keller der Brüder zwei Weinfässer, noch voll bis zum Spund, die man so zurückgelassen hatte, weil in der Not niemand die Ochsen anzuschirren und zu treiben wagte. Diese Fässer öffnete keiner der Feinde, ich weiß nicht, aus welchem Zufall, vielleicht weil sie auf ihren Beutewagen Überfluß daran hatten. Denn als einer von ihnen den Eschenspeer schwang und einen Reifen durchschlug, da rief Heribald, der schon vertraulich mit ihnen verkehrte: »Laß das sein, guter Mann. Was denkst du denn, daß wir trinken sollen, wenn ihr weggegangen seid.« Als der Ungar dies durch den Dolmetsch vernahm, lachte er und bat seine Genossen, die Fässer seines Narren nicht zu berühren.

Die Ungarn schickten Kundschafter, welche die Wälder und Verstecke sorglich durchsuchen sollten, und warteten, ob diese neue Kunde bringen würden. Endlich breiteten sie sich über den Vorhof und die Wiese aus, um ihr Mahl zu halten. Ihre Führer setzten sich auf den Klosterplatz und schmausten reichlich. Auch Heribald wurde bei ihnen, wie er selbst später sagte, besser gesättigt als jemals in seinem Leben. Und als sie nach ihrer Sitte auf dem grünen Gras ohne Sessel sich zur Mahlzeit lagerten, trug er für sich und einen andern Geistlichen, der als Beutestück gefangen war, Stühlchen herzu. Die Ungarn aber zerrissen die Schulterstücke und die übrigen Teile der geschlachteten Tiere noch halb roh ohne Messer mit den Zähnen und verschlangen sie, die abgenagten Knochen warfen sie im Scherz einer auf den andern. Auch der Wein wurde in vollen Bottichen in die Mitte gesetzt, und jeder trank ohne Unterschied wie viel ihm beliebte. Als sie durch den Wein warm wurden, riefen alle greulich ihre Götter an und zwangen den Geistlichen und ihren Narren, dasselbe zu tun. Der Geistliche aber verstand ihre Sprache wohl, und sie hatten auch deshalb sein Leben geschont. Er schrie laut mit ihnen, und als er in ihrer Sprache zur Genüge Unsinn geschrien hatte, stimmte er die Antiphona vom heiligen Kreuz an, weil am nächsten Tage Kreuzerfindung war, und sang unter Tränen Sanctifica nos. Dies sang auch Heribald, obgleich er eine rauhe Stimme hatte, eifrig mit ihm ab. Alle, die da waren, versammelten sich bei dem ungewöhnlichen Gesang der Gefangenen, sie tanzten in überströmender Freude vor ihren Häuptlingen und rangen, andere kämpften auch mit den Waffen, um zu zeigen, wie gut sie das Kriegswerk verstünden. Bei dieser Lustigkeit hielt jener Geistliche die Zeit für günstig, um seine Befreiung zu bitten; der Unglückliche flehte die Hilfe des heiligen Kreuzes an und warf sich weinend den Häuptlingen zu Füßen. Diese aber in wildem Sinn gaben ihrem Gefolge durch Pfeifen und greuliches Grunzen einen Befehl. Die Krieger sprangen wütend herzu, packten den Menschen im Umsehen und zogen ihre Messer, um an seinem geschorenen Haupt den Mutwillen zu üben, welchen die Deutschen das Picken nennen, bevor sie ihn umbrächten.

Während sie sich dazu rüsteten, kamen die Späher aus dem Walde, der auf die Burg zu liegt, plötzlich heran und gaben Zeichen durch Horn und Ruf. Sie meldeten, daß eine Burg mit bewaffneten Scharen besetzt ganz in der Nähe sei. Da sprangen die Ungarn jeder für sich schnell aus dem Tor, ließen den Geistlichen und Heribald allein im Kloster zurück und ordneten sich nach ihrer Gewohnheit schneller, als jemand glauben sollte, zum Treffen. Als sie aber die Beschaffenheit der Burg erfuhren, daß sie nicht zu belagern sei, daß eine lange und schmale Höhe den Angreifenden nur mit dem größten Verlust und sicherer Gefahr zugänglich werde, und daß die Verteidiger, wenn sie Männer seien, niemals vor ihrer Menge weichen würden, solange sie Lebensmittel hätten, da standen sie endlich von dem Kloster ab, weil sein Gott Gallus Macht über das Feuer habe. Sie zündeten einige Häuser des Dorfes an, die sie noch sehen konnten (denn die Nacht brach herein), geboten durch Horn und Ruf Stillschweigen und zogen auf dem Wege nach Konstanz ab. Die Burgleute aber meinten, daß das Kloster brenne und verfolgten sie, als sie den Abzug erfuhren, auf Seitenwegen; sie bekamen ihre Späher, die dem Haufen weit vorauszogen, zu Gesicht, töteten einige und führten einen Verwundeten gefangen mit sich. Die übrigen retteten sich mit Mühe durch die Flucht und gaben dem Haufen durch das Horn ein Zeichen, man sollte sich wahren. Die Ungarn aber besetzten so schnell als möglich das Feld und die Ebene, rüsteten frisch zum Treffen, stellten Karren und den übrigen Troß im Kreise umher, teilten die Nacht in Wachen, lagerten sich im Grase und überließen sich schweigend dem Wein und Schlaf. Am ersten Morgen brachen sie in die nächsten Dörfer, suchten und raubten, was etwa die Flüchtlinge zurückgelassen hatten, und brannten alle Häuser aus, bei denen sie vorbeikamen.

Aber Engilbert, der die ausfallende Schar anführte, sandte die Mehrzahl der Seinen nach der Burg zurück, er selbst zog mit wenigen gleich beherzten vorsichtig zum Kloster zu spähen, ob Feinde im Hinterhalt zurückgeblieben waren. Ihn dauerte der närrische Bruder Heribald, der doch von guter Geburt war, und sie suchten eifrig nach seinem Leichnam, ihn zu bestatten. Doch sie fanden ihn nirgend, denn mit Mühe vom Geistlichen überredet, hatte er mit diesem den Gipfel des nächsten Berges erstiegen und lag dort in Wald und Busch verborgen. Da beklagte Engilbert, daß die Feinde den Einfältigen als Sklaven weggeführt hatten, er wunderte sich auch, daß die Weinfässer von den trunksüchtigen Feinden gemieden waren und dankte Gott. Darauf machten sie eilig den Morgengesang zum Lob des heiligen Kreuzes ab, so leise als sie konnten, staunten über die Türpfosten und die durchgebrannte Decke, wichen schnell von der Stätte und suchten schweigend die Klause der Wiborada auf, ob sie noch lebe, und als sie sahen, daß sie für den Glauben getötet war, wagten sie nicht zu zögern, überstiegen den nächsten Berg und kamen endlich durch gekannte Wildnis eilig in der Burg an, bereit, entweder tapfer zu sterben oder die Burg mannhaft durch ihre Hand zu verteidigen.

Aber der Geistliche nahm den Heribald mit sich, denn sie sahen die Burg von ihrem Berg; und sie kamen in der Morgenstunde an. Da die Wächter sie von fern noch in der Finsternis erblickten, hielten sie die beiden für Späher und riefen die Gefährten. Und sie brachen rüstig aus, erkannten den Heribald, waren aber zuerst wegen des Geistlichen bedenklich, doch sie nahmen ihn in die Mauer auf, und als sie seine ganze Tragödie gehört hatten, pflegten sie ihn gastfrei um Christi und ihres Gefangenen willen, dessen Sprache er verstand. Allmählich erfuhren sie durch diese beiden das ganze Verhalten der frevelhaften Feinde. Der Ungar wurde getauft, nahm ein Weib und zeugte Söhne.

Weil man aus Erfahrung wußte, daß die Ungarn zuweilen zurückkehrten, fällten die in der Burg die Bäume des Waldes auf dem Zugang zum Kastell, warfen einen tiefen Graben auf und gruben an einer Stelle, wo Binsen wuchsen und Wasser anzeigten, einen sehr tiefen Brunnen und fanden sehr reines Wasser. Auch den Wein, welchen die Ungarn dem Heribald zugeteilt hatten, trugen sie in Krügen und allerlei Gefäßen heimlich bei Tage und Nacht in schnellem Lauf herzu. So hausten sie und riefen den Herrn unablässig an. Aber unser Engilbert sah den Himmel in der Runde bei Tag und Nacht von Feuer gerötet, er wagte nicht mehr, Späher auszuschicken, hielt sich aber in seiner Burg mit den Seinen fest, nur zuweilen schickte er die Beherzten in das Kloster, dort Messe zu lesen, und bewahrte mit Mühe seine Ruhe, bis sie zurückkehrten.

Zwischen Furcht und Hoffnung ermutigte die Brüder sehr der eifrige Bericht des Heribald und des Geistlichen über die Feinde. Die klügeren Brüder freuten sich, daß der gute Gott so gnädig gegen die Einfalt gewesen war, und daß er auch die Toren und Schwachen mitten unter Schwert und Spieß der Feinde zu schützen nicht unterließ. Wenn sie in der Ruhezeit den Heribald fragten, wie ihm so zahlreiche Gäste des heiligen Gallus gefallen hätten, antwortete er: »Ei, sehr gut; glaubt mir, ich habe nie in unserem Kloster lustigere Leute gesehen, denn sie sind ausnehmend freigebige Spender von Speise und Trank. – Was ich bei unserem zähen Kellermeister kaum durch Bitten erlangen konnte, daß er mir auch nur einmal einen Trunk reichte, wenn ich durstete, das gaben sie mir, wenn ich bat, im Überfluß.« Und der Geistliche versetzte: »Und wenn du nicht trinken wolltest, zwangen sie dich durch Ohrfeigen dazu.« – »Das ist wahr«, bestätigte er, »dies einzige mißfiel mir sehr, daß sie so eine grobe Art hatten. Ich sage euch fürwahr, nie habe ich in dem Kloster des heiligen Gallus so grobe Leute gesehen, nicht nur in der Kirche und im Kloster, sondern auch draußen auf der Wiese trieben sie es wild. Denn als ich ihnen einmal mit der Hand ein Zeichen gab, sie möchten an Gott denken und in der Kirche schweigsamer wirtschaften, versetzten sie mir schwere Nackenschläge; aber sogleich machten sie gut, was sie gegen mich versehen hatten, denn sie boten mir Wein, was niemals einer von euch getan hat.« So unterhielten sich die Unsern furchtlos von ihrem Unglück, sooft sie Muße hatten, und riefen unablässig Gott an. Da aber das Gerücht, wie es zu geschehen pflegt, heranflog, die Feinde wären zurückgekehrt und schalteten wieder im Kloster, da bat der Narr flehentlich, man möchte ihn herauslassen, daß er zu seinen lieben Leuten käme.

Die Burgleute und die von Wasserburg, welche viel auf den Schiffen waren, weil die Feinde keine hatten, harrten einige Tage auf das Ende des feindlichen Unwetters. Endlich hörten sie, daß die Vorstadt von Konstanz niedergebrannt war, die Stadt selbst durch Waffen verteidigt wurde, daß auch Reichenau die Schiffe entfernt hatte und ringsum von Scharen Bewaffneter glänzte, und daß die wilden Feinde auf beiden Ufern des Rheins alles durch Feuer und Mord verwüstet hatten und über den Strom gesetzt waren. Da wagten sie endlich, sicher in das Kloster zurückzukehren. Sie säuberten die Oratorien, untersuchten die Werkstätten, luden den Bischof, baten ihn, alles mit geweihtem Wasser zu besprengen, und entfernten so alle Gewalt des Teufels. [...]

Vor jenem Ungareinfall hatte ein Graf Udalrich vom Stamme Karls zur Gemahlin die Wendilgard, ein Tochterkind des Königs Heinrich. Als Udalrich auf seinem Sitz Buchhorn Kunde erhielt, daß die Ungarn in Bayern, wo er Güter hatte, eingefallen waren, so griff er mit andern die Feinde an, wurde besiegt, gefangen und nach Ungarn geführt. (Wer aber die Ungarn für Awaren hält, irrt sehr.) Wendilgard nun wurde, da das Gerücht meldete, ihr Mann sei gefallen, als Witwe umfreit, wollte sich aber auf göttliche Eingebung nicht vermählen, sondern bat den Bischof Salomo um Erlaubnis, zum heiligen Gallus zu ziehen. Dort baute sie sich eine Kemenate neben der Wiborada, lebte von dem ihrigen und spendete den Brüdern und den Armen viel für die Seele ihres verstorbenen Gemahls. Da sie aber lüstern nach Leckereien war und immer nach Veränderung begierig, weil sie zärtlich erzogen und daran gewöhnt war, so wurde sie von der Wiborada gescholten, es sei einer Frau kein Zeichen von Zucht, mannigfaltige Speise zu begehren. Als sie nun an einem Tage vor der Klause der Jungfrau in Unterhaltung saß, bat sie diese um Äpfel, wenn sie süße hätte. »Ich habe sehr gute, wie die armen Leute essen«, sagte die andere, brachte ganz saure Holzäpfel heraus und gab sie der Begehrlichen, welche ihr die Äpfel aus der Hand riß. Die Witwe des Grafen aber hatte kaum einen halben hinuntergeschluckt, da verzog sie Gesicht und Augen, warf das übrige weg und sagte: »Du bist herb, und herb sind deine Äpfel«, und da sie gut unterrichtet war, setzte sie lateinisch hinzu: »Hätte der Schöpfer alle Äpfel so gemacht, sie hätten die Eva nie ins Unglück gebracht.« – »Richtig«, sagte die andere, »hast du die Eva genannt, sie war ebenso lüstern wie du nach guter Kost, und wie du hat sie beim Genuß eines Apfels gesündigt.« Die edle Frau ging davon, beschämt durch die niedrige Magd. Seitdem legte sie sich Zwang auf, enthielt sich der Leckerbissen, die ihr vorkamen, und wuchs bei dieser großen Mahnerin in kurzer Zeit so in der Gnade, daß sie den erwähnten Bischof bat, ihr mit Bewilligung der Synode den heiligen Schleier anzulegen, den sie vorher nicht gewollt hatte. Danach entäußerte sie sich so sehr ihres weltlichen Sinnes, daß sie selbst nach dem Tode der Rachildis, welche in der Büßerzelle auf die Wiborada folgte, eingeschlossen werden wollte.

Unterdes kam der vierte bittere Jahrestag, seit Wendilgard ihren Gemahl verloren, sie ging an diesem Tage nach Buchhorn, spendete und gab den Armen. Da, siehe, war Udalrich durch einen Zufall der Gefangenschaft entronnen; er barg sich mit heimlicher List unter den übrigen Zerlumpten und rief sie um ein Gewand an. Sie aber schalt ihn, daß er zuchtlos und zu keck bettle, und gab ihm doch unwillig ein Kleid. Er aber ergriff die Hand der Spendenden mit dem Kleid, zog sie an sich, umarmte und küßte sie, sie mochte wollen oder nicht. Und als ihm die andern mit Backenstreichen drohten, warf er die langen Haare über seinem Antlitz auf den Hals zurück und rief: »Laßt eure Backenstreiche, ich habe genug erhalten, und erkennt euren Herrn Udalrich.« Die Dienstmannen hörten erstaunt die Stimme des Herrn; sie erkannten das wohlbekannte Antlitz hinter den Haaren und begrüßten ihn mit lautem Ruf, die Dienerschaft schrie: »Heil!« Wendilgard aber sah starr zur Seite, sie meinte von einem Fremden Schmach erlitten zu haben. »Jetzt erst fühle ich«, rief sie, »daß mein Udalrich tot ist, da ich solche Gewalttat von einem Fremden erdulden muß.« Jener aber reichte ihr seine Hand, die durch eine sehr deutliche Narbe kenntlich war, zum Berühren; da wachte sie wie aus dem Traume auf und rief: »Mein Herr, du liebster unter allen Menschen! Sei gegrüßt, mein Herr, sei gegrüßt, du holder in Ewigkeit.« Und sie küßte und umarmte ihn und sprach: »Hüllt euren Herrn in ein Gewand und eilt, ihm zur Stunde ein Bad zu rüsten.« Als er aber gekleidet war, sagte er: »Komm zur Kirche!« und auf dem Wege: »Ich bitte dich, wer hat deinem Haupt diesen Schleier aufgesetzt?« Und da er hörte, daß dies der Bischof in der Synode getan hatte, sagte er leise zu ihr: »Ich darf dich nicht mehr umarmen, außer mit seiner Erlaubnis.« Unterdes wurden von den Geistlichen, welche zahlreich an diesem Gedenktag zusammengekommen waren, Lobgesänge angestimmt, von dem Volk der Schluß gesungen. In Freude feierten sie die Messe für den Lebenden, nicht für den Toten. Er aber ging in das Bad, die Kunde flog umher und führte, wie zu geschehen pflegt, viele herzu. Ein Gastmahl wurde angestellt, viele Tage dauerte die Freude.

Demnächst trat die Synode zusammen; Udalrich forderte seine Gemahlin, die er Gott entzogen hatte, von dem Bischof zurück, der Schleier wurde ihr durch die Hand des Bischofs abgenommen und nach Bestimmung der Synode im Kirchenschrein verwahrt, damit sie ihn als Witwe wieder anlege, wenn ihr Gatte vor ihr stürbe. Darauf wurde von neuem die Vermählung gefeiert. Die Frau wurde guter Hoffnung; in Begleitung ihres Gatten ging sie ihren Gallus und die heiligen eingeschlossenen Büßerinnen an und gelobte, wenn sie einen Sohn gebären sollte, ihn dem heiligen Gallus als Mönch zu weihen. Aber als die Zeit kam, wo sie sich der Geburt näherte, hatte sie ein Unglück und starb vierzehn Tage vor der rechtzeitigen Entbindung. Das Kind wurde gerettet und in den Speck eines frisch geschlachteten Schweines gewickelt, wo es seine Haut erhalten sollte; und da sich in kurzem zeigte, daß es von gutem Verstand war, so wurde es getauft und Purchard genannt. Als das Kind von der Brust der Amme entwöhnt war, legte es der Vater auf den Altar des heiligen Gallus, wie er mit der Mutter gelobt hatte, und weihte es diesem zugleich mit der Flur von Hosten (Höchst) und dem Zehnten und beweinte sehr die Mutter.

Der Knabe wurde in dem Kloster aufgezogen, ein zärtliches Kind, sehr schön von Antlitz. Die Brüder aber pflegten ihn Ungeboren zu nennen; und weil er vor der Zeit zur Welt gekommen war, so konnte ihn keine Fliege stechen, ohne daß Blut herauskam; deshalb verschonte ihn auch später der Lehrer mit Rutenstreichen. Auch als er heranwuchs, blieb er treu der angeborenen Tugend, obgleich er von Fleisch schwach war, die Reife seines Geistes war dem unreifen Leib voraus. Und als er die Tugenden durch lange Übung sich zur Natur gemacht hatte, so übertrug der Stellvertreter des Abts, Ekkehard, auf diesen Pater von so guter und edler Art die Würde, welche ihm selbst angeboten war, mit allgemeiner Beistimmung (im Jahre 958). Und Purchard wurde darauf mit erwählten Brüdern zu dem großen Otto nach Mainz gesandt, als dieser nach Besiegung des Königs Knud aus Schleswig zurückkehrte. Da der König den Purchard, den er wohl kannte, von weitem erblickte, rief er: »Komm heran, mein Kleiner, und küsse mich.« Denn er war klein und schön von Antlitz. Er streichelte ihn unter dem Mantel und liebkoste ihn. Als er aber den Abtstab sah, sprach er: »Ist euer Abt gestorben, der seine Mönche blendete?« Und sie antworteten: »Geschieden ist unser Abt, o Herr, jetzt steht bei Gott allein, was er gewesen.« Darauf küßte der König die einzelnen Mönche und sagte: »Ich sehe, was ihr wollt, aber ich weiß nicht, wen ihr wollt.« Darauf sprachen sie: »Ihn selbst, den du umarmt hast, unsern Herrn Purchard.« Bei diesen Worten fielen sie auf die Knie. Er befahl ihnen aufzustehen. Sie sagten: »Auch unser Vater Ekkehard, der Stellvertreter, sendet Euch Gebet und Heilwunsch, und wünscht, daß Ihr in diesem Fall Euch früherer Versprechen erinnert.« – »Ich fürchte«, versetzte der König, »ihr seid der strengen Zucht müde, welche eure Väter vor allen andern gepflegt haben, und habt euch auf diesen Kleinen vereinigt, der euch sanft und nachsichtig sein soll; weshalb habt ihr den hochsinnigen Mann nicht gewählt, dessen Gruß ihr mir bringt?« Darauf trugen sie den ganzen Verlauf der Wahl nach der Ordnung vor und sprachen: »Außerdem war dieser hier bis jetzt auch gar nicht so nachsichtig in der Zucht, daß man meinen könnte, er werde sie irgendeinmal vernachlässigen.« Als der König dies hörte, wurde er ruhig, wandte sich zu Purchard, hielt das Kinn desselben in der Hand und sagte mit zärtlichen Worten: »Willst du mein kleiner Abt sein? Wenn es Gottes Wille ist, mag es meinetwegen geschehen.«

Darauf nahm er ihn mit sich in die Kirche zu der Königin und sprach:«Hier empfehle ich deiner Gunst meinen Neffen, der jetzt mit deiner Hilfe Abt werden soll.« Und sogleich wurde das Gebet gesprochen, der König nahm den Stab und gab ihn dem Purchard unter den Worten, womit eine Abtei erteilt wird. Er selbst hob das Te deum laudamus an und mahnte alle Anwesenden, in den Gesang einzustimmen.

Darauf wurde Purchard fröhlich vom Kaiser entlassen und kehrte nach Hause zurück. Wie schön er sich aber nach den Ratschlägen Ekkehards verhielt, das wissen die Armen und ein Teil der Brüder und Dienstleute, die noch am Leben sind, zuweilen unter Tränen zu bezeugen. Purchard erfreute sich gar sehr daran, Almosen zu geben, wie er von seiner Kindheit gewöhnt war, weil er jetzt mehr Mittel hatte, und er gab nicht nur den Dürftigen und Fremden, sondern er verteilte und schenkte auch öffentlich und heimlich den armen Brüdern und Dienstleuten.

Da er dies emsig Tag und Nacht tat und zuweilen halb nackt und barbeinig nach Hause kam, so tadelte sein Kämmerer, ein gewisser Richere, der Sohn seines Bruders, häufig im geheimen, daß seine Kammer die Verschwendung nicht aushalten könnte, denn kaum hätte er etwas weggenommen, so forderte er immer anderes. Er aber schalt seinen Neffen, er möge ihm nicht lästig werden und sagte: »Wenn du mir nicht geben willst, was ich verlange, so weiß ich einen andern, der mir helfen wird, soviel er helfen kann.« Damit meinte er den Dekan Ekkehard. »Denn er trägt mir häufiger zu als du, was ich den Armen geben kann, Röcke und Hemden, Stiefel und Schuhe und alles übrige bis auf den Gürtel, und er steckt es mir auch unter die Bettdecke, damit ich es dort finde.«

Ekkehard nämlich war auch für sein Teil sehr eifrig mit Almosen, und ich will etwas Lustiges von ihm erzählen. Er hatte einen von den Dienstleuten dazu bestimmt, die Armen oder Fremden, die er ihm angab, heimlich in dem dafür bestimmten Hause zu waschen, zu scheren, zu kleiden und zu erquicken, und bei Nacht mit dem Gebot, daß sie gegen niemand davon reden sollten, hinauszulassen. Da traf es sich einst, daß er ihm einen Kontrakten, der von Haus ein Welscher war und auf einer Karre herangefahren wurde, nach Gewohnheit überwies. Der Mensch war dick und wohlgenährt, und als der Diener nach Befehl hinter sich und ihm die Tür verschlossen hatte, vermochte er ihn kaum mit aller Anstrengung seiner Kraft in die Badewanne zu wälzen. Da schimpfte er, denn er war von heftiger Art, und sagte: »Jetzt weiß ich wirklich keinen einfältigeren Menschen als meinen Herrn, er vermag nicht zu unterscheiden, wer Guttaten verdient, daß er mir einen so fetten Schlingel auf den Rücken geladen hat.« Aber dem Kontrakten erschien das Badewasser zu heiß, und er rief in Romanisch: »cald, cald est!« Weil das in der deutschen Sprache »es ist kalt« zu bedeuten scheint, sagte der Diener: »Nun, ich will dir's warm machen.« Er schöpfte Wasser aus dem kochenden Kessel und goß es in das Bad. Der andere schrie mit schrecklicher Stimme: »Ei mi, cald est.« – »So?« sagte der Diener, »wenn es noch kalt ist, so will ich dir's jetzt, so wahr ich lebe, warm machen«, und er schöpfte noch mehr heißes und goß es zu. Aber der andere konnte die Hitze des brodelnden Wassers nicht vertragen, er vergaß seine Kontraktheit, erhob sich schnell, sprang aus dem Bade, lief hurtig zur verschlossenen Tür, um zu fliehen, und arbeitete eine Weile an dem Riegel. Als nun der Diener sah, daß der Mensch ein Betrüger war, riß er im Umsehen ein glimmendes Scheit vom Feuer und maß dem Nackten ungezählte Streiche auf. Als Ekkehard den Lärm und die Stimmen in dem Oberhaus hörte, fuhr er heftig deutsch und romanisch auf beide los, welche schnell herabkamen, und schalt den einen, warum er ihn betrogen hätte, und den andern, warum er die Strafe des Menschen nicht ihm überlassen hätte. »Ei ja«, versetzte der Diener, »mein gestrenger Herr, du würdest ihm schön die Tarnhaut gerben und diesem Betrüger mehr als ich aufzählen. Sicher würdest du's ganz anders treiben; du hättest diesen Bösewicht bekleidet und beköstigt und bei Nacht mit einem Kuß entlassen, und, wie ich dich kenne, hättest du es trotz alledem auch jetzt so gemacht.« Und Ekkehard sagte: »O du Schelm, darf ich nicht tun, was ich will?« Darauf strafte er den Menschen mit Worten, zwang ihn zu schwören, daß er nie wieder solchen schlechten Streich begehen würde, und entließ ihn.

Dies halte ich für den rechten Ort, um von seinem Schwestersohn Ekkehard zu reden, unserem Mönch, den er und Gerald eifrig unterrichtet hatten. Ich beginne damit ein schweres Werk, denn ich fürchte, man wird mir nicht glauben, weil es jetzt gar keine solchen Männer gibt, oder doch nur sehr wenige. Er war so schön von Angesicht, daß die Leute, welche ihn ansahen, um seinetwillen stehenblieben, wie auch König Otto der Rote von Sachsen über ihn sagte: »Niemals hat einem die Kutte des heiligen Benedikt vornehmer gesessen.« Er war von hoher Gestalt, einem Kriegsmann ähnlich, von gleichmäßigem Wuchs und funkelnden Augen, die so waren, wie jemand zum Augustus sagte: »Ich kann den Glanz deiner Augen nicht vertragen.« Weisheit und Beredsamkeit, vor allem aber klugen Rat hatte er wie der Beste seiner Zeit. In blühender Jugend freute ihn mehr der Ruhm als die Demut, wie bei so geartetem Manne natürlich war, aber später war das nicht so, denn die Zucht, welche keinen Stolz leidet, wurde an ihm sehenswert. Er war ein guter und strenger Lehrer; denn als er bei dem heiligen Gallus beiden Schulen vorstand, wagte niemand, außer den kleinen Putzen, mit den Gespielen ein anderes Wort zu sprechen als nur Latein, und die er zu ungeschickt für das Studium fand, beschäftigte er mit Abschreiben und Buchstabenzeichnen. In beidem war er selbst sehr geschickt, bsonders in großen Anfangsbuchstaben und in der Vergoldung. In der Wissenschaft aber unterrichtete er gleich sorgfältig die aus dem Mittelstande und die Vornehmen. Groß war die Zahl, welche er beim heiligen Gallus und anderswo in die Höhe brachte, mehrere von ihnen sah er selbst noch als Bischöfe wie einst zu Mainz im Konsilium, wo sechs Schüler, die damals Bischöfe waren, bei seinem Eintritt aufstanden und ihn als Lehrer grüßten. Und der Erzbischof Wilegis winkte ihm und küßte ihn und sprach: »Mein würdiger Sohn, auch du wirst einst mit ihnen auf den Thron gesetzt werden«, und als Ekkehard ihm zu Füßen sank, hob er ihn achtungsvoll mit der Hand auf. Und da wir das spätere Schicksal des Mannes vorweggenommen haben, wollen wir jetzt zu seinen früheren Taten kommen.

Auf Duellium (Hohentwiel) wohnte Hadawig, Tochter des Herzogs Heinrich, nach dem Tode ihres Gemahls Purchard verwitwete Herzogin der Schwaben; sie war eine sehr schöne Frau, aber gegen ihre Leute gar zu hart, und deshalb weit und breit dem Lande ein Schrecken. Als kleines Kind war sie dem Griechenkönig Konstantin verlobt, und wurde in griechischer Wissenschaft gar sehr unterrichtet durch seine Eunuchen, welche deshalb geschickt waren. Aber als ein Eunuch, der Maler war, sie genau ansah, um das Bild der Jungfrau ganz ähnlich abzumalen und seinem Herrn zu schicken, da war ihr die Vermählung so verhaßt, daß sie den Mund und die Augen verzerrte. Sie verschmähte den Griechen hartnäckig; dann lernte sie lateinische Wissenschaft, und Herzog Purchard heiratete sie mit ihrem reichen Schatz, er war aber schon alt und untüchtig, starb bald darauf, und hinterließ sie – wie bekannt – als Mädchen mit Schatz und Herzogtum.

Als diese Witwe einst den heiligen Gallus aufsuchte, um zu beten, nahm sie unser Abt Purchard als seine Nichte festlich auf und wollte ihr Geschenke machen; sie aber sagte, sie wollte kein anderes Geschenk haben, als daß er den Ekkehard ihr auf einige Zeit als Lehrer nach Hohentwiel überließe. Denn da Ekkehard Pförtner war, hatte sie sich schon vorher insgeheim über seinen guten Willen mit ihm verständigt. Dies gab der Abt ungern zu, auch der Onkel, der Dekan Ekkehard, riet ab, er aber setzte doch durch, worum er gebeten war. Er kam am verabredeten Tage nach Hohentwiel, ungeduldig erwartet, sie nahm ihn höher auf, als er selbst wollte, und führte ihren Lehrer, wie sie sagte, an der Hand in das Gemach, welches zunächst an dem ihrigen war. Dort trat sie bei Nacht und Tag mit einer vertrauten Dienerin ein, um zu lesen; doch standen immer die Türen offen, damit niemand Grund zum Argwohn hätte, wenn er sich solcher Gedanken unterfangen wollte. Oft fanden dort Dienstmannen und Ritter, auch die Vornehmen des Landes beide zusammen über den Büchern oder in gelehrtem Rat. Durch ihre harte und wilde Art aber empörte sie den Mann oft, und vielmals wäre ihm wohler zu Hause gewesen, als bei ihr zu wohnen. So hatte er selbst aus Demut geboten, das Rückentuch und den Vorhang seines Bettes wegzunehmen, sie aber befahl, den zu züchtigen, der dies weggenommen hatte, und wurde kaum durch große Bitten ihres Lehrers abgehalten, diesem Menschen Haut und Haare vom Kopf ziehen zu lassen.

Wenn Ekkehard an einem Fest oder sonst einmal zum Besuch nach Hause kam, da war lustig, welche schöne Geschenke sie dem Mann zu Schiff nach Steinach vorausschickte. Immer dachte sie angelegentlich darauf, ihm etwas zurechtzumachen, was er selbst gebrauchen oder dem Gallus darbringen konnte. Unter diesen Geschenken, seidenen Oberkleidern, Priestermänteln und Stolen, ist auch die Alba, in welcher die Hochzeit der Philologie mit Gold eingestickt ist, außerdem die Dalmatika und ein Diakonengewand fast ganz von Gold; dies Gewand aber nahm sie später mit ihrer trügerischen List zurück, weil der Abt Immo ihr ein Gesangbuch (Antiphonarium), das sie forderte, versagte.

In dieser Zeit war der Mund der Neider, wie immer, gegen die Mönche geschäftig, als wenn sie in Ausgelassenheit lebten. Ich übergehe einiges und erwähne nur unser Geschick. Die Mönche von Reichenau hatten sich den Ruodmann zum Abt gesetzt, der die Seinen tyrannisch leitete, und das Fell zerriß, das er nicht zu rupfen verstand. Dieser führte auch boshafte Reden gegen die Mönche von St. Gallen, wo er konnte, als wenn sie nicht nach der Regel lebten. Es waren damals beim heiligen Gallus außer dem Ekkehard, von dem wir gesprochen haben, und vielen jüngeren, welche die Väter aufgezogen hatten, noch der Dekan Ekkehard I. in tüchtiger Kraft, Gerald, Notker, Chunibert, der später Abt von Altnach wurde, und Walto II.; diese gingen auf Befehl des Abtes den Ruodmann durch den Sprecher Ekkehard an und baten ihn brüderlich, er möge seine Zunge im Zaum halten. Der Ruodmann gab zwar nichts darauf, nahm aber den Boten um dessen selbst willen und aus Furcht vor der strengen Herzogin, zu welcher Ekkehard gerade ging, geziemend auf. Ekkehard aber fand den Menschen auf alles Widerwärtige bedacht und versuchte vergebens, ihn bei langer Unterhandlung durch seine Beredsamkeit zu überzeugen; jener stieß die heftigsten Drohungen aus, und Ekkehard kehrte deshalb heimlich ins Kloster zurück und sandte einen Boten auf den nahen Berg, der seiner Herzogin melden sollte, was seine Ankunft verhinderte. Von dem Ruodmann aber entfernte er sich, indem er die Botschaft desselben mit Unwillen abwies.

Ruodmann aber meinte, er sei zur Herzogin gegangen, bestieg ein Pferd, kam bei Nacht zum heiligen Gallus und betrat heimlich das Kloster, um verstohlen zu spähen, ob er etwas, was einem Unrecht ähnlich wäre, finden könnte. Das Kloster war ihm wohlbekannt, er schlich umher und spionierte überall, fand aber nicht, was erwünschte; endlich stieg er von der Kirche in das Schlafhaus, begab sich tappend in das heimliche Gemach der Brüder und setzte sich dort verborgen hin. Ekkehard, der in allem umsichtig war, hörte den Fußtritt, stand vom Lager auf und fand ihn. Er wußte nicht, wer es war, er sah nur einen Menschen und wunderte sich, wer von den Brüdern so verstohlen an diesen Ort ging (den wir in der Nacht nicht zu betreten pflegen); denn Ruodmann saß versteckt, weil das Licht des Raumes dunkel brannte. Eine Weile war Ekkehard unsicher, wer der Mensch sei, bis er an dem Schnauben, welches dem Ruodmann beim Atemholen eigen war, diesen erkannte. Sogleich ermahnte er einen Bruder heimlich, die Laterne des Abtes zu bringen, er zündete sie an, setzte sie vor den Ruodmann hin, legte ihm Wische zurecht und stellte sich, wie sein Kaplan, abseits. Und als die Brüder dazu kamen, so bedeutete er ihnen wie gewöhnlich durch Winke, das Schweigen nicht zu brechen; sie aber wunderten sich, für wen die Laterne dastand, denn der Abt, welcher allein eine Laterne zu tragen pflegte, war abwesend. Er wartete lange, endlich wußte Ruodmann nicht, was er tun sollte, und stand auf; nahm Ekkehard die Laterne, ging ihm auf demselben Wege voran, auf dem er sein Kommen bemerkt hatte, und als sie zu der Vorhalle der Kirche gekommen waren, wo das Sprechzimmer ist, mahnte er ihn stillschweigend, dort niederzusitzen, bis er ihn seinem Oheim, dem Dekan, und den Brüdern gemeldet hätte, damit sie eines so vornehmen Gastes nicht unkundig wären. Also ein Teil der Brüder, besonders der jüngeren, kam, durch den unerhörten Vorfall aufgeregt, heran, und einer von ihnen, der eine Geißel in der Zelle ergriffen hatte, stürzte schreiend auf den Bösewicht ein, und hätte ihm Streiche aufgezählt, wenn ihm nicht die klügeren in den aufgehobenen Arm gefallen wären. Da Ruodmann nun merkte, daß er in der Not war, sprach er: »Wenn ich Gelegenheit zur Flucht hätte, meine besten Jünglinge, so würde ich gewiß fliehen. Da ich aber in euren Händen bin, ich mag wollen oder nicht, so ziemt euch sanfter mit mir zu verfahren, und überdies euren Dekan und die übrigen Väter zu erwarten.« Endlich kam der Dekan, der in Kürze mit den Vätern über ihn Rat gehalten hatte. Aber Notker, der Arzt, mit Beinamen Pfefferkorn, sprach zornig zu ihm: »Du hinterlistigster aller Menschen, du Löwe, der sucht, wen er verschlinge, zu deinem Unglück bist du in die Hände der Brüder gefallen, die du als zweiter Satan anklagst.« Jener aber wurde erschreckt durch die Worte des gewichtigen Mannes und sagte zum Dekan, dessen mitleidiges Herz er kannte: »Ich bin durch die List deines Namensvetters umstellt, siehe zu, fürsichtiger Vater, daß du mich nicht beschimpfen läßt, es könnte dich später zu ungerechter Zeit gereuen.« Endlich stürzte er auf die Knie: »Wohlan«, rief er, »ich bitte alle um Verzeihung, ich will mich mit euch versöhnen und fortan solcher Dinge enthalten.« Den Klügeren bewegte der plötzliche Wechsel der Dinge bei einem so mächtigen Mann die Seele. Aber die anderen murmelten Feindliches, wie zu geschehen pflegt. Endlich ließen sich die Väter auf den Rat des Ekkehard besänftigen, durch sie wurde er mit allen versöhnt. Und von Ekkehard geleitet, ging er hinaus zu der Stelle, wo die Seinen ihn erwarteten, und entfernte sich, indem er vor den Seinen heitere Worte sprach, und unter anderem den Ekkehard angelegentlich bat, er sollte ihm ja nicht vorbeigehen, wenn er das nächstemal nach Hohentwiel zöge. Den Brüdern aber versprach er zwei Fässer Wein und schickte sie mit dem nächsten Schiff nach Steinach.

Abt Purchard aber hörte in der Ferne von dem Lärm; er bedauerte bei seiner Ankunft sehr, daß der andere so sicher und frei entkommen war, und übergab dem Bischof eine Klage über den unerhörten Vorfall. Ekkehard aber zog nach Hohentwiel, begleitet von seinen Verwandten: Ekkehard III., dem gleichnamigen Diakonus, der später Dekan wurde, und von dem Knaben Purchard, der später Abt wurde. Dabei sprach er in Reichenau bei Ruodmann vor, wie sie verabredet hatten. In dem Gespräch versuchte jener Schlaue umsonst seine Künste, er fand einen Gegner, der ihm gewachsen war. Denn da Ekkehard eilte, um nicht zu spät bei der gestrengen Frau anzukommen, beschenkte ihn Ruodmann mit einem schönen Pferd. Dies schickte Ekkehard mit einem Teil seiner Begleiter voraus, und säumte mit Absicht ein wenig bei freundlichem Wort und vertraulichen Scherzreden; endlich wurde er mit Umarmung und Kuß entlassen, und dabei sagte jener Hinterlistige seinem Gastfreunde ins Ohr: »Du Glücklicher, der du eine so schöne Schülerin Grammatik lehren kannst.« Darauf antwortete Ekkehard, wie in freundlicher Beistimmung lächelnd, dem Gegner folgendes ins Ohr: »So hast auch du, Heiliger des Herrn, die schöne Nonne Rotelind, deine liebe Schülerin, Dialektik gelehrt.« Als er dies gesagt hatte, wendete er sich schnell von dem andern ab, der ich weiß nicht was herauszischen wollte, bestieg das Pferd und entfernte sich unwillig. Aber Otker, der Bruder und Dienstmann des Abtes, hatte seine Erregung gemerkt und sagte: »Mir scheint, mein Herr, das Pferd da hast du ganz umsonst verloren.« Die beiden Brüder aber, von denen wir gesprochen haben, Ekkehard III. und der junge Purchard, standen noch vorgebeugt, um ihre Entlassung zu erbitten, da vernahmen sie, wie ich selbst von ihnen gehört habe, daß Ruodmann abgewandt zu seinem Bruder sagte: »Schicke ihm doch Reiter nach, die mir mein gutes Pferd zurückbringen.« Aber dieser antwortete: »Nein, er zieht jetzt mit den Seinen zu der Frau dort, und ich wage nicht, einem meiner Leute aufzutragen, daß sie seine Habe anrühren.«

So bestiegen also jene beiden ihre Pferde und zogen bescheiden ihrem Lehrer nach.

Als sie den Berg hinaufstiegen, kamen sie der Herzogin zu Gesicht, da sie zur Vesper ging. Aber sie hatte schon von dem Lärm mit Ruodmann gehört und sagte beim Empfang: »Nun, ich höre, mein Lehrer, du bist gerade kein bequemer Laternenträger gewesen für jenen Wolf, der in fremden Hürden drang«; und als Ekkehard lächelte, sagte sie: »Beim Leben der Hadawig« – denn so pflegte sie zu schwören –, »wenn einer unter den Hitzköpfen des Klosters jenem Einbrecher Streiche aufgezählt hätte, mich würde es nicht kümmern.« Als man am Tage darauf mit der Dämmerung, wie man dort pflegte, das Schweigen der Regel nach Gebühr beendet hatte – denn sie selbst hielt eifrig darauf und hatte schon angefangen, ein Kloster auf dem Berge zu bauen –, da kam sie zum Lehrer in die Lesestunde. Als sie sich gesetzt hatte und den stehenden Knaben Purchard sah, fragte sie im Gespräch: »Wozu ist der Knabe dort mitgekommen?« – »Um des Griechischen willen, meine Herrin«, versetzte Ekkehard, »habe ich Euch das kluge Kind mitgebracht, damit er etwas von Euren Lippen auffange.« Der Knabe selbst aber war von holdseligem Aussehen und sehr gewandt im lateinischen Vers und begann sogleich:

»Griechisch stünde mir feiner,
Doch bin ich kaum ein Lateiner.«

Wie sie denn nach Neuem begehrlich war, freute sie sich darüber so sehr, daß sie den Knaben an sich zog, küßte und auf einen Fußschemel nahe zu sich setzte, und neugierig von ihm forderte, daß er ihr noch mehr Verse aus dem Stegreif machen sollte. Der Knabe aber war solchen Kuß ungewohnt, sah auf seine beiden Lehrer und begann:

»Ach ich vermag mitnichten
Geschickt meine Verse zu dichten,
Weil ich erschrecken muß
Über der Herzogin Kuß.«

Sie aber brach wider ihre gewöhnliche Strenge in Lachen aus, stellte den Knaben sich gegenüber und lehrte ihn die Antiphona: »Maria et flumina« singen, die sie selbst ins Griechische übersetzt hatte: »Thalasse ke potami« usw. – und häufig rief sie ihn später, wenn sie Muße hatte, zu sich, forderte von ihm Stegreifverse, unterrichtete ihn im Griechischen und tat ausnehmend hübsch mit ihm. Als er endlich abging, beschenkte sie ihn mit einem Horaz und mit einigen anderen Büchern, welche jetzt in unserer Bibliothek sind. Denn jener jüngere Ekkehard III., der auch seine gute Bildung hatte, ging, wie er pflegte, mit dem Knaben, um einige andere Kapläne der Herzogin zu unterrichten, weil die Herzogin durchaus nicht leiden wollte, daß diese an ihrem Hofe müßig wären.

Es blieben also Hadawig und Ekkehard wie sonst allein zum Lesen. Virgil lag in ihrer Hand und die Stelle: Timeo Danaos et dona ferentes (ich fürchte die Danaer, zumal wenn sie Geschenke bringen). Da sagte Ekkehard: »Gestern hatte ich Grund, meine Herrin, an diese Stelle zu denken.« Darauf erzählte er, wie ihn der Abt nach Reichenau eingeladen, mit einem ansehnlichen Pferd beschenkt und sich doch bei dem Geschenk gewundener Worte nicht enthalten hätte; was sie dabei aber einander in das Ohr geraunt hatten, sagte er ihr nicht. Da sprach sie: »Ich will von Anfang an die ganze Tragödie hören, die neulich unter euch gespielt hat, weil ich nicht weiß, ob ich sie recht vernommen. Auch wundere ich mich, daß zwei Klöster meines Herzogtums so Unholdes gegeneinander gebraut haben, ohne sich um mich, den Stellvertreter des Königs, zu kümmern; und fürwahr, wenn mir nicht meine Räte entgegen sind, werde ich Strafe verhängen, wo ich den Schuldigen finde.« Und er sagte: »Nächst meinem Oheim habe gerade ich die Versöhnung betrieben. Es wäre treulos, meine holde Herrin, wenn ich nach dem Friedenskuß jemand von mir beschuldigen wollte, wie ich doch müßte. Denn obgleich er mich gestern immer wieder heimlich gereizt hat, auch nachdem er die Geschenke gegeben hatte – du selbst kennst ja den Menschen –, so ziemte es mir doch gar nicht, den Frieden zu brechen, der unter so wichtigen Männern geschlossen wurde. Auch will ich darum nicht aufhören, mit ihm für den Frieden, den er selbst begehrt, zu stimmen.« Der Frau gefiel der Verstand und gerade Sinn ihres Lehrers. Doch setzte sie später in diesem und vielen andern Regierungsgeschäften eine öffentliche Verhandlung am Orte Walewis (Walwies am Hegau) an, und gebot auch dem Bischof und den Äbten dorthin zu kommen.

Ruodmann aber argwöhnte, Ekkehard könnte jene Worte, die er ihm ins Ohr gesagt, der Herzogin mitgeteilt haben; ihm wurde Angst, und er sandte ihm einen Brief auf den Berg durch einen gewandten Fremden. Dieser Brief lautete nach einer Bitte um Herstellung des freundlichen Verhältnisses folgendermaßen: »Denn ich würde mich sehr wundern, wenn mein Freund, der in allen Dingen so scharfsinnig ist, jenes neuliche Wispern der Frau Herzogin zu Ohren gebracht hätte. Solltest du es doch getan haben, so widerrufe es, ich bitte.« Ekkehard aber schrieb ihm durch denselben Boten nach einigem anderen folgendes: »Nie war ich vor meiner Allerschönsten unverschämt, und nie habe ich in das Ohr der strengen Frau dergleichen zu flüstern gewagt.« [...]

Endlich nach längeren Verhandlungen wählte die Herzogin Berater, unter diesen auch den Ekkehard, und es wurde mit Mühe verhandelt, daß Ruodmann wegen jenem Einbruch, der unter Mönchen ganz unerhört war, zuerst in Gegenwart seiner Abgeordneten mit unserm Abt versöhnt wurde durch ein Strafgeld um Friedensbruch, daß dann Ruodmann ferner an gesetztem Tag vor den Toren von Hohentwiel, wie Brauch ist, hundert Pfund vorwies und dadurch die Gnade der Herzogin zurückerhielt. Und am gesetzten Tage erließ sie fünfzig davon dem Abt, um des Bischofs willen, der für ihn gebeten hatte, das übrige behielt sie zurück. Und die Herzogin schenkte nach diesen Tagen unserm Abt Purchard, ihrem Lieben und Verwandten, einen sehr schmucken und munteren Zelter, um auch ihrerseits sein gekränktes Gemüt zu besänftigen. Denn sie erfuhr, daß er an edlen Rossen große Freude hätte, aber daß er auch betete, sie möchte seinetwegen keinen Verdruß haben.

Man fand ihn zu Reichenau, das Pferd wurde ihm vorgeführt, er trug sich stolz, und der Abt befahl, aus Liebe zu der hohen Geberin, sofort den Sattel aufzulegen, und bestieg es, um abzureiten. Aber das Pferd bäumte unter ihm und warf den zarten Mann, der doch angeborenes Feuer und Mut hatte, gegen den Pfosten des Hoftors, beschädigte ihm die Hüfte und renkte sie aus dem Gelenk. Dieser Schlag wurde ihm durch Notker nach Möglichkeit geheilt, aber er konnte später doch nicht ohne zwei Krücken gehen. Lange duldete er dies Leiden. Endlich übertrug er unter Beistimmung aller Brüder dem schon erwähnten Richere, welcher Kämmerer seines Hofes und ein Mann von unvergleichlicher Tugend war, die Leitung der Abtei, die er nach dem Rat des bereits alternden Dekan Ekkehard führen sollte. – Damals blühten wenig andere Klöster so wie das des heiligen Gallus.

Unterdes wurde auf Betrieb der Hadawig Ekkehard an den Hof der Ottonen, des Vaters und Sohnes, gezogen, als kaiserlicher Kaplan, als Lehrer des jungen Königs und als Helfer bei den wichtigsten Geschäften. Dort zeigte er sich in kurzem so tüchtig, daß alle sagten, er habe eines der höchsten Bischofsämter zu erwarten. Denn auch die Königin Adalheid, die jetzt heiliggesprochen ist, liebte ihn ausnehmend.

Soweit der Bericht des Mönches Ekkehard IV. Ekkehard II., Palatinus, der Hofmann, genannt, blieb längere Zeit am Kaiserhof, wie die Mönche von St. Gallen erzählten, als vertrauter Ratgeber seines Schülers Otto II. und der Kaiserin, zugleich Protektor und Liebling seiner Brüder, der dem Kloster bei Hofe zu nützen verstand. [...]

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