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Bilder aus der deutschen Vergangenheit

Gustav Freytag: Bilder aus der deutschen Vergangenheit - Kapitel 17
Quellenangabe
typetractate
booktitleBilder aus der deutschen Vergangenheit Band I
authorGustav Freytag
firstpub1859-67
yearca. 1980
publisherBertelsmann Verlag
addressGütersloh
titleBilder aus der deutschen Vergangenheit
created20040829
sendergerd.bouillon
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Viele der Transportwagen und Karren nebst Bespannung wurden von den Bürgern und verpflichteten Bauern gestellt oder durch die Städte gemietet; in fortgesetzter Ordnung zogen die Wagen von ihren Sammelplätzen aus den Mauern, jeder Wagen mit einer Plane überdeckt. Im Felde wurden bei Lager und Schlacht die ausgespannten Wagen im großen Viereck durch Ketten zu einer Burg aneinandergekoppelt, auf der Außenseite Schutzbretter als Deckung befestigt.

Geschützmeister waren selten und gut bezahlt, sie reisten auf Stadtkosten nach anderen ansehnlichen Städten, um neue Einrichtungen kennenzulernen; sie verstanden auch Feuerkugeln und Feuerpfeile zu verfertigen, und man sieht aus erhaltenen Rechnungen, daß sie zu dieser gefährlichen Fabrikation außerordentliche Stoffe beanspruchten, z. B. teuren welschen Wein in großen Massen. Dafür wurden ihre Kunstwerke auch wohl einmal öffentlich zur Schau ausgestellt.

Gegen die Burg oder Stadt der Feinde wurden die Geschütze hinter ihren Pavesen aufgefahren, mühselig war das Richten und langsam das Laden. War Bresche geschossen, dann wurden die Gräben auf Brücken überschritten, die man aus großen leeren Fässern machte, man näherte sich unter hölzernen Bohlendächern, die man heranrollte. Gestürmt wurde mit Leitern. Auf die Belagerer wurde von Mauer und Turm außer Kugeln und Bolzen alles Schwere und Unsaubere geworfen, was Zorn und Not erfinden konnte, Steine und Balken, Pech und heißes Wasser, brennende Ruten mit Stroh umwunden und mit Pech bestrichen; auch stählerne Haken wurden an Stangen herabgelassen und den Belagerern in den Leib geschlagen, um diese über die Mauer zu ziehen.

Gelang der Sturm, dann wurde getötet und gebunden, geraubt und angezündet und jede Sorgfalt angewandt, damit man die Beute den nachsetzenden Feinden entzog. Die Stadtgemeinden pflegten jeden, der beim Sturm das Beste tat als erster, zweiter und dritter, durch ein ansehnliches Geschenk zu belohnen.

So zog sich die Fehde durch Monate, aus einem Jahr ins andere, in der Hauptsache ein elender Verderb von Hab und Gut und Quälerei der Landleute, zuweilen ein Zusammenstoß größerer Haufen ohne großen Erfolg.

Die Städte vereinigten sich in dieser Zeit in großen Bündnissen, die Franken, Schwaben, Rheinländer, vor allen die Norddeutschen in der Hansa. Auch die binnendeutschen Städtebünde waren kein schwaches Werk; die Heere, welche sie aufbrachten, gut bewaffnet und nicht selten gut geführt, haben mehr als einmal die Fürsten und ihre Vasallen in schwere Sorge um die eigene Dauer gebracht, sie haben hundert Raubburgen gebrochen, haben schrankenloser Habgier festen Damm entgegengestellt und das Gedeihen bürgerlicher Freiheit, damals die einzige Grundlage für nationale Kraftentfaltung, durch harte Jahrhunderte erhalten. Aber diese Bünde waren doch nicht dazu gemacht, einig und in großen Fehden siegreich zu sein. Wie auf Inseln saßen die Bundesgenossen durch wilde Brandung getrennt, jede Stadt mit ihren besonderen Interessen, die den Genossen oft feindlich waren, nicht ohne inneren Parteizwist, der ihre Politik im entscheidenden Augenblick völlig umwandeln konnte. Und jeder Stadt war jede Fehde eine harte Last, die man in eigner Sache zu vermeiden suchte, solange es anging, die unleidlich erschien, wenn man um einer anderen entfernten Stadt willen die Außenhäuser verbrannt, die Bürger in elender Gefangenschaft sehen sollte. Uns darf deshalb auch hier nicht auffallen, daß die Bundesstädte oft lau und uneinig waren, eher, daß sie in einer Zeit, wo der Egoismus besonders hart und geldsüchtig herrschte, noch so weit zusammenhielten und jahrelang für ihre Rivalen, denen sie keine besondere Zuneigung gönnten, verständig Opfer brachten. Allerdings im höchsten eigenen Interesse; aber es ist einer Gemeinde weit schwerer als dem einzelnen, das beste eigene Interesse stets über den Vorteil der Stunde zu setzen.

Deshalb waren die befehdeten Städte bei großem Kampf immer im Nachteil. Natürlich, sie hatten am meisten zu verlieren, der Erwerb vermindert, die Tore gesperrt, die Warentransporte auf den Landstraßen höchlich gefährdet, die Stadtmauer umschwärmt von allen Raubvögeln der Landschaft. Auch wenn die Stadt nicht umlagert wurde, trat Teuerung ein und machte den gemeinen Mann aufsässig. Dazu kamen die großen Lasten des Krieges, Uneinigkeit und Ungehorsam der Edlen, welche der Stadt geschworen hatten, aber mit ihrem Herzen zuweilen auf Seite ihrer Vettern draußen waren. Dann die Bedenken der verbündeten Städte, von denen jede die Kosten berechnete und geneigt war, den Nachteil der befreundeten Stadt geringer zu achten als den eigenen. Endlich wurde entschiedenes Auftreten gehindert durch die Rücksicht auf benachbarte Fürsten oder den Kaiser, die sich noch neutral hielten, deren guter Wille aber jeden Tag verlorengehen konnte, wenn ein Feind, der Verbindungen hatte, allzu rauh angefaßt wurde. Es gehörte ungewöhnliche Männerkraft dazu, unsichere Bundesgenossen und eine sorgenvolle Bürgerschaft zu großen Schlägen fortzureißen und im Kriegszorn zu erhalten. Auch in der Stadt selbst war die Leitung des Krieges durch eine Kommission der Wirksamkeit eines starken Feldherrn nicht förderlich. Das Regiment der Städte beruhte auf unablässigen Kompromissen mit einflußreichen Bürgern, auf gewandter und vorsichtiger Unterhandlung mit dem Hochmut und den Interessen der großen Familien. Die politischen Führer aus den Geschlechtern von Nürnberg, Ulm, Augsburg, Bern, Straßburg, Basel und den Nordseestädten waren keine ungeschickten Diplomaten, ihren Gegnern, dem Adel der Landschaft und fürstlichen Räten, wahrscheinlich oft an Weltklugheit und vorsichtiger Haltung, an scheinbarer Kälte, sicherem Wesen und weiten Verbindungen überlegen. Es fehlte den Städten auch nicht an tüchtigen Kriegsmännern, welche ein Treffen zu führen verstanden. Aber auch in diesem Fall mußten weitsichtige Politiker abgeneigt sein, alles auf die heißen Kriegskugeln ihrer ungeheuren Büchsen zu setzen.

Man wußte, daß Haß und Neid in jedem Lehnhause, an jedem Fürstenhof, ja auch in anderen Städten gegen den Reichtum der Gemeinde arbeitete. In hundert Burgen wäre der Tag als glorreich gefeiert worden, an welchem die Speergesellen über den rauchenden Trümmern Nürnbergs die Habe einer Stadt teilten, die dem törichten Sinn wie ein unerschöpflicher Goldbrunnen erschien. Dann wäre ein Geschrei geworden von Jerusalem bis Lissabon, aber es war möglich, daß sich keine Hand rührte, einen solchen Schaden des deutschen Landes zu rächen. Das bändigte nach außen und machte mitten im Kampf Schonung einflußreicher Feinde zur Aufgabe.

Dies alles wußte auch der Adel und seine Vasallen. Die Hilfsmittel einer Stadt waren im Anfang des Krieges den Kräften der Gegner wahrscheinlich überlegen. Eine ansehnliche Stadt hatte Kredit, soweit ihre Kaufleute handelten, weit mehr als der Kaiser und der größte Fürst des Reiches, deren Geldverlegenheit und Gewissenlosigkeit im Erfüllen ihrer Verpflichtungen notorisch waren. Aber der Fehder wußte auch, daß durch langgesponnene Fehde die Kraft der Stadt schneller abnahm als seine eigene, und er konnte erwarten, den Trotz der Bürger zu verringern und bei einem Vertrage bessere Bedingungen durchzusetzten, als die Städter vor der Fehde bewilligen wollten.

Wurde allmählich der Kampfzorn schwächer, so legten sich die Vermittler dazwischen. Nach langen Verhandlungen, nach heftigem Aufbrausen der Edlen und vorsichtiger Kälte der Städter wurde Tod gegen Tod, Brand gegen Brand, Schad gegen Schad verglichen und darüber eine Rechnung gemacht. Ein solcher Vertrag war bei mächtigen Gegnern fast immer der Stadt zum Schaden, selbst wenn der Verlauf des Krieges für sie nicht ungünstig gewesen war. Wälder, feste Häuser, Dörfer, Mühlen, an denen die Stadt durch friedliche Verträge Rechte erworben hatte, mußten abgetreten werden, und es bedurfte wieder längerer Friedensjahre und neuer Geldverlegenheiten der Gegner, um die verlorenen Rechte allmählich zurückzukaufen. Auch wenn die siegreiche Stadt einen Landbeschädiger fing, mußte sie ihn zuweilen schonen und gegen leidliche Bedingungen freilassen, weil seine vornehmen Gönner das fordertern. Oder sie mußte sich gar helfen, wie im Jahre 1373 die Stadt Worms. Dieser war Hennele Streif, ein gefährlicher Gesell, deshalb Feind geworden, weil die Stadt Speyer zwei Straßenräuber, die Brüder Gabel, gerichtet hatte. Hennele fand Öffnung auf den Burgen der Umgegend, schlug Wormser tot und wirtschaftete übel auf der Landstraße. Da wurde Worms ärgerlich, nahm ihn gegen 200 Gulden jährlich in Dienst, und er wurde ihr Mann und ein treuer Diener.

Den Städten ward die Fehde Notwehr, den Fürsten und dem Adel Machtmittel und Erwerbsquelle, ja, was am schlimmsten war, nicht selten die wilde Poesie ihres Lebens. Nie fehlte ein Grund oder Vorwand zur Fehde, denn endlos waren die Kollisionen der Rechte und Ansprüche. Oft lag dem Fürsten selbst an der Kriegsbeute wie dem kleinen Junker. Auch er trug Ritterschild und Sporen und hatte im Grunde seines Herzens die Empfindung, daß die Anmaßung der Stadtkrämer, welche beim Kaiser klagten, Büchsen gossen und seine Mitfürsten für sich zu gewinnen suchten, unleidlich sei. Vollends, wenn er hoch von seiner Stellung dachte, suchte er planvoll die ummauerten Republiken seiner Landschaft durch die frischen Gesellen seiner Edelhöfe unterzuzwingen, er als Löwe, der dem Haufen der Schakale, die hinter ihm bellten, einen Teil der Beute überließ.

Der menschenreiche Stand der Rittermäßigen, welche sich selbst Wappner nannten, wenn sie nicht den Rittergurt trugen, war in dieser ganzen Periode schlimm daran. Sein Treiben, ja seine Existenz galt dem Bürger, dem Bauer, dem Sittenprediger, zuweilen sogar dem Fürsten für ein Unglück. Die Raubsucht und Fehdelust der großen Mehrzahl war mit dem neu aufblühenden Stadtleben völlig unverträglich.

So wild, frevelhaft und gemeinschädlich war das Gebaren gerade der Rührigsten, daß ihr Stand in aller Ruchlosigkeit des Räuberhandwerks zugrunde gegangen wäre, wenn nicht dieselbe Schwäche, welche sie verhinderte, nützliche Mitglieder der Gesellschaft zu werden, auch das letzte Verderben von ihnen ferngehalten hätte. Daß sie ein privilegierter Stand waren, der seine Genossen für besser hielt als den Bürger und Bauern, der in Ehe, Beschäftigung, Recht, in Sitten und Zeremoniell sich gegen andere abschloß, dies exklusive Standesgefühl hat die Rittermäßigen durch Jahrhunderte schwach gemacht und ihre Ansprüche zu einem Leiden für das Volk, aber es hat sie auch vor dem Untergang in wüstem Treiben bewahrt. Denn wie verkehrt die Neigungen eines Geschlechtes sein mögen; wenn sie die Selbstachtung der Individuen nicht schmälern, sondern erhöhen, so halten sie das Verderben vielleicht lange auf. Zwischen dem Räuber, der jetzt auf entlegener Heide den Wanderer beraubt, und dem Landjunker, der um das Jahr 1400 den Kaufmann vom Pferde warf und bei Wasser und Brot in ein finsteres Gefängnis steckte, während seine Frau aus dem gestohlenen Tuch Röcke und Mäntel schnitt, ist in Rücksicht auf die Tat sehr wenig Unterschied. Aber vor 450 Jahren übte der Räuber den Frevel mit der Empfindung, daß sein Tun vielleicht gegen die Bestimmungen eines Reichstagsabschiedes verstoße, daß es aber von den gesamten Wappenträgern seiner Landschaft, ja von mehreren höchsten Herren des Landes als ein angenehmer, im schlimmsten Fall als ein gewagter Streich betrachtet werden würde. Wie unvernünftig die Ehrengesetzte waren, nach denen er lebte, er hatte nur das Bewußtsein, daß dieselben Gesetze von tausend anderen geehrt wurden, die er für die Besten auf dieser Erde hielt. So war möglich, daß sich inmitten großer Unsittlichkeit und Verkehrtheit bei einzelnen männliche Tugenden erhielten: Treue gegen gegebenes Wort und Hingabe an die Freunde.

Auch der Schildträger des 14. Jahrhunderts ritt nicht immer in die Fehde mit dem fröhlichen Behagen eines Unternehmers, auch er wurde endlos geärgert und gereizt und setzte sich nach deutscher Gewohnheit erst in sittliche Entrüstung, bevor er zum Speer griff. Zumal wenn er gegen alte Spießgesellen oder gar gegen seinen Lehnsherr in Stegreif trat, mußte er starken Groll in sich herumgetragen haben, dann war ihm wohl sein Rittergewissen lange schwer. Und es fehlte ihm nicht an gewichtiger Klage. In der Regel war ihm sein Lehnherr Geld schuldig für geworbene Männer, reisigen Zug und Rosse, die er ihm zugeführt, und für Schaden, den er in seinem Dienst erlitten, und er fand ungnädiges Ohr, wenn er an sauer verdientes Geld zu erinnern wagte. Dann wußte er sich nicht immer zu helfen, wie Burkhard Ehingen, dem sein Herr, Graf Eberhard der Greiner, viel Geld schuldig war, ohne jede Neigung zu bezahlen. Da wurden beide den Städten feind. Ehingen fing als Mann des Greiners zwei große Bürger aus Weil und Nördlingen; statt sie abzuliefern, schätzte er sie selbst gerade so hoch, daß sein Guthaben bei seinem Lehnsherrn getilgt wurde und sandte sie dann mit der Quittung an den Grafen, der die Gefangenen zur Strafe noch einmal schätzte. Gewann der Lehnsmann sein Geld nicht auf solche Weise oder durch eine neue Burg, die ihm pfandweise überlassen wurde, so geriet er endlich in heißen Zorn und wurde seines Herrn Feind. Auch alte Genossen kränkten ihn, sie hatten ihm Bauern geschlagen und gepfländet, Knechte in den Stock gesetzt, und seine Reiterehre heischte Rache. Aber den Städten gegenüber hatte er doch die größte Fehdelust, denn hier wurde der Fehdebrief Beginn eines zwar unsichern, aber vielleicht sehr vorteilhaften Geschäftes; [... und] das Unberechenbare [...] machte die Sache reizvoll.

Zunächst freilich stellte er Forderungen als Besitzer auf eigenem Grund und Boden. Die Landstraße, der Fluß, welche an seinem Hause vorbeiliefen, boten ihm Gelegenheit, von dem Eigentum der Kaufleute für sich zu nehmen. Er forderte Zoll von Waren und Reisenden, er drang sein schützendes Geleit auf und beraubte solche, welche dies Geleit nicht für nötig hielten, er baute wohl gar eine Brücke, wo kein Fluß war, um Brückenzoll zu erheben, er erhielt die Landstraße absichtlich in schlechtem Zustand; denn die Waren des reisenden Kaufmanns zogen zwar unter des Kaisers Schutz, solange sie im Wagen oder im flotten Schiff waren, wenn der Wagen aber umfiel oder das Schiff auf den Grund stieß, gehörten – so behauptete er – nach Boden- und Fuhrrecht die Waren dem Eigentümer des Grundes.

War die Örtlichkeit dieser regelmäßigen Industrie ungünstig, so suchte er Vorwände zum Streit mit großer Naivität. Er wußte etwas von ungeheuren Forderungen, die einer seiner Vorfahren an die Stadt gehabt haben sollte. Er hatte keinen Brief darüber, auch war ihm die Summe nicht genau bekannt. Aber er dachte sich einen Betrag, der ihn mit einem Schlag zum reichen Mann gemacht hätte. Oder er fand unerträglich, daß die Stadtordnung verbot, Lösegelder für Gefangene auf Bürger anzuweisen, oder er behauptete, daß irgendein Wegelagerer, den die Stadt eingesperrt, Handgeld von ihm genommen habe, um in seinen Dienst zu treten. Oder er lauschte, ob in der Landschaft irgend jemand eine Beschwerde gegen die Stadt habe, ein Fuhrmann, ein fremder Bürger, ein Reitersknabe; diese nahm er unter seinen Schutz, schloß mit ihnen Vertrag zu gemeinsamer Fehde, stellte eine entschlossene Geldforderung, und wenn diese kalt abgewiesen wurde, sandte er mit seinen Gesellen den Fehdebrief über die Mauer. Endlich machte er sich's ganz bequem, sagte die Fehde gar nicht an, sondern überfiel einen Ratsherrn oder einen Frachtwagen aus der Stadt, erschlug die Fuhrleute, welche sich zur Wehr setzten, schnitt die Plane auf und nahm heraus, was ihm gefiel. Und das letzte taten nicht nur Straßenräuber, auch die Häupter alter Familien, denn nicht nur der Eigennutz stachelte gegen die Städter, ebensosehr ein bitterer tiefer Groll und Neid. Die Macht des Geldes erschien denen, welche Erwerb durch Arbeit zu verachten gelehrt waren, als höchste Tyrannei. Daß der Bürger pfandweise Burgen und rittermäßige Lehngüter gewann, daß die festen Häuser in der Nähe einer Handelsstadt fast sämtlich in Abhängigkeit von dem Kapital oder dem Regiment der Bürger gekommen waren, daß geliehenes Geld, wenn es nicht pünktlich zurückgezahlt wurde, Habe und Freiheit des Borgers in Gefahr bringen konnte, daß der Kaufmann den Ritterschild beanspruchte und daß er mit seiner Frau rittermäßige Kleider, Goldschmuck, Juwelen zu tragen wagte, das alles dünkte unerträglich. Es war ein Kampf des alten Lebens der Nation gegen das neue, und wir sind gänzlich außerstande, dem Hochmut und der wilden und unritterlichen Rachsucht, womit die Drohnen jener Zeit auf die Arbeitsbienen blickten, einen andern Anteil zu gönnen als den, welchen jedes Unglück verdient. Denn dieser Haß trieb viele zu schnöder und elender Freveltat.

Mehr noch als die Stadt hatte der Lehnsmann auf abgelegener Burg den Drang, sich mit Genossen seiner Landschaft zu verbinden. Aber den Schwurgesellschaften der Rittermäßigen war in dieser ganzen Zeit nur ein kurzes Leben im Tageslicht vergönnt, die Genossen fuhren uneinig auseinander, weil sie nicht gleiche Freunde und Feinde bewahren konnten, oder sie benutzten ihre Brüderschaft zu unleidlich großen Raubgeschäften und wurden durch stärkere Gewalt beseitigt, oder sie fühlten sich vornehm, nahmen Fürsten und Bischöfe in die Gesellschaft, und wurden schnell in Politik und Fehden der großen Herren verbraucht. Wurden sie aber auch zersprengt oder zerrissen sie in Zwist, die Erinnerung blieb auf den Burgen, auch Statut und Zeichen erhielten sich, und Namen und Ordnung kamen vielleicht nach mehreren Generationen wieder zum Vorschein. Von politischen Gesellschaften des 13. Jahrhunderts sind uns fast nur die Namen überliefert. Im Jahre 1214 wurden die Wölfe, wahrscheinlich im Elsaß, erschlagen, um 1270 waren die Geschlechter von Basel in zwei Verbindungen: Sittiche und Sterner geteilt, die Sterner, 1271 vertrieben, kehrten unter König Rudolf zurück. Im Jahre 1289 wurde wieder im Elsaß eine Rittergesellschaft, welche sich die Nebelringen (Nibelungen?) nannte und seit einigen Jahren gleiches Gewand trug, vor den König gefordert. – Seitdem mögen viele Schwurvereine in den Burgen entstanden und gelöst sein, man merkt sie fast bei jeder größeren Fehde; aber erst nach 1360 wird Brauch, daß sie sich durch Namen und Abzeichen auffällig machen. Das vergrößert ihnen vielleicht Zulauf und Ruf, nicht die Dauer.

Sie gewinnen seitdem im westlichen Deutschland, wo nicht größere Landesherrn hindern, überall Mitglieder, zumeist bei Hessen und Schwaben, und sind in dieser Zeit fast sämtlich Vereine zu praktischem Nutzen. Die Mitglieder verpflichten sich, weder mit Worten noch Werken, nicht mit Rat noch Tat gegeneinander zu handeln, sondern sich beizustehen in allen Fehden und Händeln, gleichviel, weshalb und gegen wen, und ein gefangenes Mitglied durch gemeinsame Anstrengung zu erledigen; die einzelnen behalten sich wohl die Pflicht gegen ihre Herren und frühere Eide vor. Sie wählen einen Vorstand, welcher oft der König heißt, bestimmen Jahresversammlungen, gestatten Geldbeiträge der Mitglieder; sie binden sich durch Schwur, tragen meist – nicht alle – ein Zeichen der Gesellschaft an Hals oder Brust, die Ritter von Gold, die Knappen von Silber, und führen wohl auch ein Siegel. Aus den zufällig erhaltenen Namen ist zu ersehen, daß eine Minderzahl die Ritterwürde hatte. Schwerlich war rittermäßige Geburt zur Aufnahme in das Silber der Brüderschaft nötig, einige unter fürstlichen Stiftern mögen vorsichtiger ausgewählt haben, andere trieben Buschklepperei, schätzten vor allem die packende Faust und waren ein Schrecken der Reisenden. Gegen diese Vereine, welche sowohl die Fürsten als die Städte bedrohten, stifteten die Landherren andere Vereine, ebenfalls mit Gesellschaftszeichen, aus denen die fürstlichen Orden wurden.

In Hessen gab sich eine kleine Wetterauische Gesellschaft ohne Namen (1362) eine Ordnung, welche uns erhalten ist. Ihr folgte die Gesellschaft vom Stern (ca. 1370–1376), die größte von allen, sie stand unter einem König, rühmte sich, 2000 Ritter und Knappen, darunter 350 Burgbesitzer zu haben und reichte bis nach Sachsen, Thüringen und dem Oberrhein; die Sterner entstanden und vergingen als Bundesgenossen Otto des Quaden von Braunschweig in dem Sukzessionsstreit gegen Landgraf Hermann von Hessen. Aus ihren Trümmern entstanden in derselben Gegend die kleinen Gesellschaften von der Alten Minne (1374) und vom Horn (1378–1382). – In Westfalen und Hessen die Gesellschaft vom Falken (ca. 1380), nach ihr eine andere ohne Namen und Kapitelversammlungen (1385); Mitglieder derselben banden sich aufs neue (1391/92), nannten sich jetzt die Bengeler, führten als Zeichen einen silbernen Klöppel, wurden schnell sehr schädlich und durch die versöhnten Fürsten Otto von Braunschweig und Hermann von Hessen niedergeworfen. Beide Fürsten gründeten gegen die Bengeler eine Gesellschaft mit der Sichel (1391–97) unter König und Marschalk zur Herstellung eines dauerhaften Landfriedens. Im Fuldaischen hatten sich nach dem Untergang der Sterner die Burginhaber der Landschaft Buchenau als Buchner in eine Gesellschaft zusammengetan, auch sie wurden 1397 vom Landgrafen Hermann niedergeworfen. Später entstand dort die kleine Gesellschaft des heiligen Ritters Simplizius (1403) mit Zeichen und frommer Tendenz, sie forderte vier Ahnen, erhielt sich lange und wird hier erwähnt, weil die Erinnerung an sie wahrscheinlich noch im 17. Jahrhundert dem Verfasser des Simplizissimus in der Seele lag, als er seine Romanfiguren zu einem Verein gesellte. Nach Buchenau gehört auch die Gesellschaft vom Luchse (etwa 1409); drei der Gründer ermordeten den Herzog Friedrich von Braunschweig. – Während die hessischen Vereine durch Kampf oder Bund mit den Fürsten von Hessen und Braunschweig gestellt und vernichtet wurden, bleiben die fränkischen und thüringischen unschädliche Privatvereine oder Hofgesellschaften, so die Gesellschaft von der Spange (etwa 1350), deren Zeichen eine goldene Gürtelspange nach einer Nürnberger Reliquie der Jungfrau Maria war, deren Oberst den Mitgliedern gleiche Kleidung befehlen konnte und die sich Pflege frommer Rittersitte vorgesetzt hatte. Dann die mit dem Greifen (1379) der Grafen von Wertheim und die vom Einhorn (1407) des Landgrafen Balthasar von Thüringen. In Schwaben wird die der Martinsvögel (Gänse, erwähnt 1367 und 1395) gegen die Grafen von Württemberg gegründet. Dann die vom Schwert (1370), die große von der Krone (1372), um dieselbe Zeit eine »mit den Wölfen«, darauf die berühmte Gesellschaft vom Löwen oder Panther (1379), in der Wetterau gestiftet, aber schnell über Schwaben und den Oberrhein verbreitet. Zu gleicher Zeit die Gesellschaften von St. Wilhelm, das Zeichen ein Bild des Heiligen, und von St. Georg (beide um 1380), das Zeichen ein weißes Kreuz auf rotem Grunde, nach der Georgsfahne, unter welcher die Schwaben seit alter Zeit in Reichsschlachten den Vorstreit hatten. Endlich die bemerkenswerteste unter allen: die Schlegeler (1394 bis 1396), unter drei Königen, welche dasselbe Zeichen wie die fast gleichzeitigen westfälischen Bengeler führte und wie dieser gegen die Übergriffe der Fürsten gerichtet war. Sie nahm auch große Städte in den Bund auf: Worms und Speyer, und jener Diener, der Wormser Hennele Streif, war einer der Tätigsten im Bunde. Indes diese demokratischen Ideen eines Bundes der Ritter und Städte, welche 125 Jahre später durch Hutten und Sickingen aus alten Schloßerinnerungen noch einmal hervorgeholt wurden, gelangten zu keinem Leben. Alles war zu locker und zuchtlos; als die Fürsten gegen den Schlegelerbund ein starkes Bündnis schlossen, verhandelten die Schlegeler und lösten sich auf. Hennele Streif aber wurde in demselben Jahr begünstigter Diener des Königs Wenzel, der zwar ein Wüterich und Trunkenbold war, aber recht gut wußte, daß dem deutschen Königtum not tat, gegen die großen raublustigen Herren mit den Kleinen zusammenzuhalten. [...]

Hatte der Fehder einer Stadt den Brief gesandt und wurde das ruchbar, so fehlte es ihm nicht an Zulauf. Der arme Schildbürtige, welcher sich heraufbringen wollte, wandte sein letztes Geld auf ein dauerhaftes Pferd, das über Felsgestein und durch Waldesgestrüpp zu traben gewöhnt war, und gesellte sich einer aufbrechenden Fehde zu, er horchte und schrieb darum und bot seine Genossenschaft an in der Hoffnung, sich bei der »kleinen Reiterei«, wie sie genannt wurde, einen Namen zu machen und so viel Geld zu gewinnen, daß er sich rittermäßig halten konnte.

Nicht weniger geschätzt war der erfahrene Knecht, der Schildamt nicht begehrte. Außer den Knechten im festen Dienst warb man für eine aufbrennende Fehde ledige Leute, am liebsten mit einem Pferd, und es gab überall harte Gesellen im Volke, die friedliche Arbeit unbehaglich fanden, oder aus dem Frieden in den Unfrieden versetzt waren und gern auf Kost und Beuteteil mitmachten. Daneben sammelte sich schwächeres Gesindel, verdorbene Bürger, zumal Fuhrleute, die von der Landstraße und den Waldschenken her dem Handwerk vertraut waren.

Die Kundschafter der befehdeten Stadt brachten sorglichen Bericht über die Bande und ihre Mitglieder, und wir sehen aus der Niederschrift, welche der Rat von ihren Aussagen machte, wie bunt zusammengeworfen die Gesellschaft war, welche sich wegen der Beute einer solchen Fehde durch Schwur gebunden hatte. Da haben z. B. um das Jahr 1444 zwei Wallenfels ohne Fehdeanzeige den Nürnbergern wiederholt Frachtwagen aufgeschnitten und Pelzwerk, Panzer und für 100 Gulden Safran geraubt, Dörfer abgebrannt, Bauern gefangen und gebrandschatzt. Ihre Gesellschaft besteht zuerst aus Ritter Hans und aus Fritz Wallenfels, sie führen gemeiniglich niederländische Kleider, grobe Mäntelein und kurze Kappen und wie die Mehrzahl ihrer Leute Armbrüste, reiten fast immer miteinander, haben 20 bis 24 Pferde zum Streiten; der Hans hatte vormals gemeiniglich Rot getragen, was er aber jetzt für eine Farbe trägt, weiß man nicht eigentlich, er reitet ein rot Pferd mit einer Blässe, der Fritz reitet gemeiniglich einen grauen Hengst mit Blässe, hat einen Krebs unter dem grauen Rock und grauen Hut. Sie haben große Förderung auf den Burgen in der Nähe von Hof. Bei ihnen ist Ott Müring, ein junger Gesell, edel, mittler Länge, hat langes krauses Haar und ein Pferd; dann Balthasar von Watzdorf, ein junger, langer, gerader Gesell, ist auch edel, hat zwei Pferde und langes Haar; Georg von Kolditz will auch edel sein, ist ein kurzer Mann, hat ein Pferd, ist hin und her daheim; Hein Scheiding, ein junger, hübscher, frischer Gesell, lang und dünne, hat einen Bruder zu Franken und ist nirgend daheim, hat ein Pferd; Friedel von Dobeneck, ein Bankert, ein frischer Gesell, hat ein Pferd; Erhard Röder hat krauses Haar, ist edel, hat einen Vater in der höfischen Art und ein Pferd; Nickelasko ist ein Bösewicht, des Herrn Hansen Knecht, ein kurzer, dicker Gesell, hat auch kräuslichtes Haar; Hans Hofmann, eines Bauern Sohn von Rückendorf, ein kurzer Gesell, hat ein eigen Pferd; Kunz Michel, ist ein Schneider und ein großer Bösewicht, ein gerader Gesell aus dem Vogtland, hat sein eigen Pferd; Hans Kolbel ist ein Karrenmändel von Lichtenburg, dort Bürger, er reitet zuweilen und fährt auch mit dem Karren. – Unter den übrigen führen manche nur ihre Reiternamen: der Wolf, Pock den Stein, Raum den Kasten, Hol den Bolz, Rübendunst.

Nächstdem sorgte der Fehder für Häuser, die sich ihm im Notfall öffneten; war der befreundete Besitzer durch Rücksichten gehindert, ihm vor den Leuten Vorschub zu tun, so wurde doch ein entlegener Hof oder ein Schlupfwinkel im Walde nachgesehen; denn man mußte Herbergen haben und Zufluchtsorte [...].

Auch der Junker ließ Briefe schreiben, worin er seine Sache gut darstellte, Freunde warb, sich entschuldigte, diese sandte er an Fürsten und Städte und bat, den Gegnern keinen Vorschub zu tun. Ja er ließ, um die Gegner zu verkleinern, seine Beschwerden öffentlich in Stadt und Land durch Zettel anschlagen. War die Fehde im Gange, so hing jeder gute Erfolg von der Kundschaft ab, und in allerlei Verkleidungen liefen und ritten die Kundschafter durch das Land, um einen Fang auszuspähen, einen beladenen Wagen, ein Frachtschiff, einen Herrn vom Rat. Dann ritt der Haufe auf geheimen Waldwegen über die Berge, viele Meilen weit, sorglich bemüht, nicht gesehen zu werden, denn auch die Späher der Stadt lagen überall auf der Straße und in den Herbergen, und die Reise mußte geglückt sein, bevor die Städter ihre Schar hinaussenden konnten. Es war oft saure Arbeit und hungriges Harren im dichten Wald; den Wirten in Dorf und Stadt war nicht zu trauen, und war der Wirt gewonnen, so konnte jedes Bäuerlein, das im Stall die Pferde sah, zum Verräter werden. Viele Helden der Landstraße, der Eppele von Gailingen, Rumensattel, Schüttesam, waren in der Herberge verraten worden. War die »Nahme«, der Fang, gemacht, so wurde alle Reiterkunst daran gesetzt, sie glücklich in Sicherheit zu bringen; wenn die Verfolger auf der Straße waren, mußte ein Teil die Nahme treiben, während die Reisigen gegen die Anrückenden Front machten; dann hielt der Haufe still, den Spieß auf Sattel und Bein gestützt, bis der Führer den Leisen sang – die Textnoten eines Liedes, welche nach deutschem Brauch noch im 15. Jahrhundert bei kleiner Reiterei den Angriff einleiteten. Auf der Burg oder im Waldversteck wurde die gesicherte Beute verteilt, die Gefangenen in dem Turm an Ketten gelegt, bestockt und gepflockt. Sie wurden oft [...] gequält, um ihnen den Aufenthalt unleidlich zu machen und ein hohes Lösegeld zu erpressen. Auch Kinder reicher Familien wurden im Gefängnis gehalten, zuweilen jahrelang. Man wußte, daß die Bauern am schwersten daran gingen, die Schatzungssumme zu bezahlen, und behandelte sie danach. [...] Auch die Reisen solcher, welche sich für ehrliche Reiter hielten, waren nicht nur blutig, es war in ihnen nicht selten eine wilde Grausamkeit, die uns entsetzt. Noch im 15. Jahrhundert vergaß man den Gewinn, um Rache zu üben, man verstümmelte oder tötete die überwältigte Mannschaft, hackt Hände und Ohren ab. Ja, es war eine gewöhnliche Praxis jener Zeit, Feinde, denen man persönlichen Haß nachtrug oder deren Leben lästig war, im Turm verhungern zu lassen; oder man handelte christlicher, gab ihnen Wasser und Brot, überließ sie aber in schweren Ketten und unterirdischer Finsternis dem Verderben durch den Kerker, und es geschah, daß ihnen, während sie noch lebten, Gliedmaßen abfaulten. Abt Mangold von Reichenau, der später Bischof von Konstanz wurde, stieß fünf gefangenen Fischern von Konstanz mit eigener Hand die Augen aus. Dem Bauern, der in Verdacht stand, den Feinden Nachricht gegeben zu haben, wurde in der Nacht das Haus über dem Kopf angezündet, und die sich retten wollten mit Spießen in das Feuer zurückgetrieben. Solcher Mordbrand wurde ein neuer Klagepunkt der Stadt, aber gestraft wurde er nur dann, wenn der Stadt selbst gelang, die Fehder zu fangen und zu richten. Erlangten die Bürger Gewalt über den Leib ihres Feindes und zwang die Politik nicht zur Schonung, dann übten auch sie mit der Energie eines lange bewahrten Hasses Vergeltung; aber ein Unterschied war zwischen ihrer Rache und der von Schildbürtigen, oft nur ein formeller Unterschied, dennoch ein entscheidender: sie vollzogen die Strafe an einem Verbrecher, der durch des Königs Recht und Gericht verurteilt war, und sie quälten nicht im Gefängnis, weil er ihr Feind war. Es war ein hartes Recht und grausam seine Strafen, aber es war das Gesetz einer wilden Zeit. Der Mordbrenner wurde verbrannt, der Mörder gerädert; das Vorrecht des Edelmannes war, enthauptet zu werden, seine Spießgesellen wurden gehenkt. Die Bürger hatten vielleicht längst hohe Preise auf ihre Feinde gesetzt, so die Augsburger 1374 auf den lebenden Leib ihres Feindes Kraft Waaler, eines rittermäßigen Mannes 1500 Gulden, auf seinen Tod 1000 Gulden. – Für Haman von Reischach bat in Ulm die Erzherzogin Mechtild von Österreich persönlich, er wurde doch enthauptet, und in manchem Stadtturm trauerte ein junger Gesell in der Weise des rührenden Liedes, das der arme Peter Unverdorben im Turm »Schütt den Helm« zu Neuenburg vor seiner Hinrichtung gesungen hatte: »Gott gesegne dich, Laub, Gott gesegne dich, Gras, Gott gesegne alles, das da was, ich muß von hinnen scheiden. Lieber Engel, steh' mir bei, weil Leib und Seel' beieinander sei, daß mir mein Herz nicht breche. Gott gesegne dich, Sonn', Gott gesegne dich, Mond, Gott gesegne dich, schönes Lieb, das ich heimlich hab', ich muß mich von dir scheiden.« [...]

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