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Beschreibung der Insel Silt in geographischer, statistischer und historischer Rücksicht

Jens Booysen: Beschreibung der Insel Silt in geographischer, statistischer und historischer Rücksicht - Kapitel 4
Quellenangabe
authorJens Booysen
titleBeschreibung der Insel Silt in geographischer, statistischer und historischer Rücksicht
publisherIm Königl. Taubstummen-Institut zu Schleswig
year1828
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180906
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Anhang.

Das Nord-Ende der Insel Silt, das beinahe aus lauter Sand-Dünen besteht, gehört zum Stift-Amte Ripen.

Dieser Theil der Insel hält von Norden nach Süden ¾ bis ? Meile. Zwischen den Dünen findet man hie und da kleine mit Haide bewachsene Thäler, in denen auch folgende Beeren wachsen, als: die schwarze Rauschbeere ( Empetrum nigrum), blaue oder Bickbeeren ( Vaccinium myrtillis) und Mooßbeeren ( Vaccinium Oxycotius).

Das Dorf auf der Ost-Seite, dieser Theil des Landes heißt List, und besteht aus 10 Wohnhäusern mit 38 Einwohnern, nämlich 2 Feste-Bohlen und 8 Kathen.

Dieses Dorf ist vor etwa 200 bis 250 Jahren daselbst, wo es jetzt liegt, auf einer kleinen Insel erbauet, die aber schon seit weit über 50 Jahren durch den Sandflug mit den andern Dünen verbunden worden ist.

Ohngefähr ? Meile S. W. von diesem Dorfe habe ich noch in meiner Jugend, vor 48 bis 60 Jahren, Ueberbleibsel von Mauerwerk gesehen, ohngefähr auf der Stelle, wo früher die im Jahre 1362 abgebrochene Kirche von List gestanden haben soll, und welche Stelle noch Kirk-Sted oder Kirchstelle genannt wird. Man pflegte, bis vor einigen Jahren, die in der Nähe von List oder auf dem Strande angetriebenen Leichname dort zu begraben.

Die beiden Bohlsbesitzer haben zwar ein wenig Land, und wenn nicht zu dürre Jahre eintreten, können sie ziemlich Heu bergen, etwa 40 bis 45 Fuder jeder; allein ihr Ackerland lohnt die Arbeit nur äußerst selten, denn öfters können sie 2 bis 3 Jahre nach einander kaum ihre Aussaat erndten.

Unter den Dünen können sie 10 bis 16 Stück Hornvieh mittelmäßig fett gräsen, und in den Dünen kann eine ziemliche Anzahl Schafe sich beinahe Winter und Sommer ernähren, so wie sie auch, außer ihren Milchkühen, jeder etwa 10 bis 12 St. junges Hornvieh ernähren können; die Schafzucht scheint aber' ihr vortheilhaftester Betrieb zu seyn.

Der auf den Sanddünen wachsende Helm ( Arundo arenaria) ist ihnen dabei eine ansehnliche Hülfe, da dieser, grün abgehauen und getrocknet, ein mittelmäßiges Futter abgiebt, sowohl für Schafe als für Rindvieh, nur müssen sie diesen etwas ferne herbeiholen, damit sie die Dünen in der Nähe nicht kahl machen.

Die Bepflanzung der Dünen, damit ihr Land nicht ganz und gar von Flugsand überschwemmt werde, macht diesen Beiden sehr viele Mühe und Kosten, denn sie müssen bisweilen in einem Herbste 40, 60 bis 60 Fuder Helm anpflanzen.

Das ganze ihnen gehörige Land mit den Dünen ist Erb-Feste. Die Bohlsbesitzer sind zugleich Strand-Vögte, wobei sie dann und wann auch etwas verdienen; dies ist ihnen aber auch höchst nothwendig, weil sie sonst mit ihrem Landbau bald zu Grunde gehen würden.

Die Einwohner von List besuchen unsere Kirche zu Keitum, woselbst sie auch ihre Todten begraben, taufen lassen, von unserm Prediger copulirt werden und dergleichen. Die Schule ist auch unter die Propstei Tondern gelegt worden, und in der Schule wird die deutsche Sprache gelehrt, obschon die tägliche Sprache unter den Einwohnern doch die dänische ist.

Im Zollwesen steht List auch unter dem Zoll-Comptoir von Silt. Uebrigens gehört List in jeder andern Rücksicht zum Stift-Amte Ripen und zur Birkvogtei von Ballum, was oft sehr beschwerlich ist.

Eine achtel Meile nordwärts vom Dorfe liegt der bekannte Lister Hafen, auch wohl Königs-Hafen genannt, der eine sehr tief westwärts eingehende Bucht ist, in deren Mündung eine kleine Insel, Udhörn genannt, liegt. Die Nordseite dieses Hafens wird durch eine sehr schmale, mit niedrigen Sandhügeln bedeckte Landzunge, die wohl ? bis ½ Meile von der Nordwest-Ecke der Insel ostwärts ausläuft, gebildet, wodurch der Hafen von der sogenannten Lister Tiefe getrennt wird.

Wie dieser Hafen früher gewesen seyn mag, kann ich nicht beurtheilen; allein seit über 100 Jahren ist er so seicht gewesen, daß man nur mit kleinen Schiffen bei gewöhnlicher Fluth in selbigen einlaufen kann; blos eine kleine Rinne führt eine kleine Strecke in selbigen hinein.

Neben List aber, oder zwischen der Landzunge, worauf das Dorf liegt, und der äußersten Nordost-Ecke der Insel findet man indessen eine sehr gute Rhede für allerlei Schiffe mit 5, 6, 8 bis 10 und 12 Faden Wasser, wo sie mit guten Ankern und Tauen jeden Sturm bequem abhalten können; doch müssen sie sich nicht vom Eis überfallen lassen, sondern alsdann in See gehen, oder an's Ufer anlegen, was für tiefgehende und scharfe Schiffe nicht gut thunlich ist.

Der Einlauf bei List, oder die Lister Tiefe, ist bei weitem der beste und sicherste auf der ganzen Küste. Es wäre daher recht sehr zu wünschen, daß auf den Ellenbogen, oder auf der Nordwest-Ecke von Silt eine Baake errichtet würde, und daß im Fahrwasser einige Seetonnen gelegt werden könnten, wodurch gewiß sehr viele Schiffe, die auf dieser Küste auf Legerwall gerathen wären, gerettet würden, weil die Insel Silt die kennbarste aller Inseln ist.

Wer aber sollte die Kosten davon stehen? Das Tonnen- und Baaken-Geld würde dazu um vieles nicht hinlänglich seyn.

Der Einlauf neben dem Süd-Ende der Insel Silt ist blos für kleine Schiffe dienlich, und bei stürmischer Witterung dennoch sehr gefährlich.

 

Tabelle
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