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Beowulf

Karl Simrock: Beowulf - Kapitel 9
Quellenangabe
typeepos
booktitleBeowulf
authorKarl Simrock
firstpub1859
year1859
publisherJ. G. Cotta'scher Verlag
addressStuttgart und Augsburg
titleBeowulf
created20051005
sendergerd.bouillon
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6. Begrüßung.

        Da versetzte Hrodgar,   der Helm der Schildinge:
»Ich kannt ihn wohl,   als er ein Knabe noch war.
Sein Vater, der alte,   war Ecgtheow geheißen,
Dem zur Hausfrau Hredel, der Herr der Geaten,
5   Die einzige Tochter gab.   Sein Abkömmling fuhr er
Nun her, der harte,   den holden Freund zu suchen!
So sagten mir   Seefahrende,
Die Güter und Gaben   der Geaten uns her
Zu Danke brachten,   daß dreißig Männer
10   Kraft der kühne,   Kampfberühmte
Im Handgriff habe.   Ihn hat der heilige Gott
Uns zu Ehren   herübergesandt
Zu den Westdänen,   so will mir ahnen,
Wider Grendels Graus.   Dem Guten will ich
15   Für seine Kühnheit   Kleinode bieten.
Nun bitte sie eilends   hereinzutreten,
Daß sie der Sippen Schar   hier beisammen sehen.
Und meld ihnen wahrhaft,   daß sie willkommen sind
Uns Geerdänen all.«

20  

                                      [Da gieng hinaus
Wulfgar der Wendelfürst,]   und das Wort entbot er:
»Sagen soll ich euch   von dem siegreichen Fürsten,
Der Ostdänen König,   euern Adel kenn er,
Und über der See   salzreiche Wellen

25   Heiß er euch hoch-   geherzte willkommen.
So könnt ihr kommen   im Kampfgewande,
Unter Helm und Harnisch,   Hrodgarn zu sehen;
Die scharfen Schäfte   und der Schilde Ränder
Laßt derweil erwarten   des Worts der Bestimmung.«

30  

Da erhob sich der Hehre   und die Helden um ihn,
Dreister Degen Schar.   Dort verblieben Einige,
Des Heergeräths zu hüten   nach des Herrn Gebot.
Die Andern eilten,   dem Amtmann folgend
Unter Heorots Dach.   Ihr Herr schritt voran

35   Unterm Helm sich hehlend   bis er vor dem Hochsitz stand.

Beowulf begann,   die Brünne glänzt' ihm,
Das Schlachtnetz, vom Schmiede   kunstreich verschlungen:
»Heil dir, Hrodgar!   Ich bin Hygelaks
Mann und Neffe.   Viel mannhafter Thaten

40   Begieng ich jung schon.   Mir blieb Grendels Unfug
Auf meinem Erbsitz   unverhohlen.
Seefahrer sagten mir,   dein Saal hier stünde,
Die hehrste der Hallen,   der Helden jeglichem
Eitel und unnütz,   wenn das Abendlicht
45   Unter heiterm Himmel   sich verhohlen habe.
Da riethen mir nun   die Recken mein,
Die edelsten auch   und einsichtsvollsten,
Hier, König Hrodgar,   dich heimzusuchen,
Zumal sie meine   Machtgestrenge kannten,
50   Und selber oft sahen,   wenn ich vom Siege kam,
Von den Feinden blutig,   wie ich fünfe gebunden.
Ich tilgte die Thurse,   traf in den Wellen
Nachts die Nixe,   große Noth erduldend
Der Wedern Harm zu rächen,   denn Weh betraf sie
55   Bis ich die grimmen tödtete.   Mit Grendeln will ich jetzt
Ich Einer allein   mit dem ungethümen
Riesen ins Gericht gehn.   So ruf ich dich an,
Gebieter der Dänen,   bitten will ich,
Obdach der Schildinge,   dich Einer Bitte,
60   Die versage mir nicht,   du Schirm der Kämpfer,
Freund deiner Völker,   da ich so fern her kam:
Daß ich Einer dürfe   mit meiner Edlinge Schar,
Dieser Helden Geleit,   Heorot reinigen.
Ich erfuhr auch wohl,   daß sich der freche Wicht
65   In seiner Verwegenheit   vor Waffen nicht scheut:
Wohlan, so verheiß ich,   so wahr Hygelak mir,
Mein Lehensherr,   seine Liebe bewahre,
Weder Schwert zu tragen,   noch den tiefen Schild,
Den goldbeschlagenen:   mit den Griffen der Hand
70   Will ich den Feind erfaßen   und Faust gegen Faust
Ums Leben ringen:   dem Gerichte Gottes
Getrost vertraue sich,   wen der Tod hinwegnimmt!
Ich wähn er wolle,   wenn ers walten dürfte,
In der Gabenhalle   uns Geaten auch
75   Furchtlos freßen,   wie ers vormals that
An den Hredmännern6, 76. Hredmänner sind die Dänen. Reidgotaland und Eygotaland werden entgegengesetzt: jenes bedeutet das feste Land von Dänemark, dieses die Inseln. Vgl. Grimm GDS. 446. 740. 1. .   Du darfst mir da
Das Haupt nicht bewachen;   haben will er mich6, 77 scheint fast auf eine Art Todtenwache zu gehen. Deren wird Hrodgar überhoben sein, wenn seines Gastes Leichnam von Grendeln in sein Moor geschleppt wird.
Triefend von Blut,   wenn der Tod mich nimmt.
Er schleppt die Leiche,   des Schmauses begierig
80   Und ißt, der Unhold,   dann unbekümmert
Sein Moor umwandelnd.   Mir brauchst du dann
Auf Leibesnahrung   nicht länger bedacht zu sein.
Dem Hygelak sende,   wenn mich hinnimmt der Kampf,
Der Brünnen beste,   die meine Brust beschirmt,
85   Das hehrste Heergewand,   Hredels Nachlaß
Und Wielands Werk.   Seinen Weg geht das Schicksal.«
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