Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Karl Simrock >

Beowulf

Karl Simrock: Beowulf - Kapitel 57
Quellenangabe
typeepos
booktitleBeowulf
authorKarl Simrock
firstpub1859
year1859
publisherJ. G. Cotta'scher Verlag
addressStuttgart und Augsburg
titleBeowulf
created20051005
sendergerd.bouillon
Schließen

Navigation:

11. Ongentheow und Hädkynn.

Die auf den Schwedenkönig Ongentheow und seine Gemahlin bezüglichen Zwischenerzählungen erwähnen wir nur, weil wir versuchen wollen, was in ihnen noch dunkel bleibt, aufzuhellen, nicht weil wir deutsche Sagenverhältnisse in ihnen nachzuweisen wüsten. Auch wird man dem Urtheile beipflichten müßen, daß diese Dinge weniger mythischen als historischen Grund zeigen, obgleich die urkundliche Geschichte nichts von ihnen weiß.

Der greise Schwedenkönig Ongentheow überfällt Hredels Sohn und Nachfolger Hädkynn und erschlägt ihn in dem Treffen beim Hrefnaholze. Durch diesen Sieg befreit er zugleich ein Weib, das Onelas und Ochtheres Mutter genannt wird und an dessen Besitz sowie der Kinder, ihm Alles gelegen scheint. Am andern Morgen läßt aber Hygelak, des erschlagenen Hädkynn Bruder, seine Heerposaunen erschallen, und beginnt aufs Neue den Kampf, in welchem zuletzt Ongentheow unterliegt und vor Eofurs Schwerte fällt. Vgl. 39 und 40 mit 33, 86 ff.

Hier bleibt es unklar, in welchem Verhältnisse die geraubte Frau zu Hädkynn und dem alten Ongentheow stand. Da sie Onelas und Ochtheres Mutter war, die an andern Stellen als Ongentheows Söhne erscheinen, so vermuthe ich, daß sie diesem früher Hädkynn entführt hatte, der nun diesen Raub durch den Tod von der Hand des beleidigten Schwedenkönigs büßen muste. Dabei laße ich unentschieden, ob Onela und Ochthere wirklich Ongentheows Söhne seien, oder ob seine entführte Gemahlin sie dem Hädkynn geboren habe. So sehr mir letztere Annahme widerstrebt, so begreift sich doch schwer, wenn sie Ongentheows rechtmäßige Söhne waren, warum hernach Ochtheres Söhne Eadgils und Eanmund von ihrem Oheim Weochstan gehaßt und verfolgt werden, Eadgils aber bei Heardred, Hygelaks Sohne, Aufnahme findet. Nach 32, 73 ff. führte dieß Heardreds Tod herbei, worauf dann Beowulf, als Ongentheows Sohn (Weohstan) sich wieder heimgewandt hatte, den Gebieterstuhl der Geaten bestieg. Bei jener Annahme würde sich auch der kaltblütige Haß erklären, womit Weohstan nach 35, 12 ff. seinen Neffen Eanmund erschlägt und der Waffen beraubt, denn er erkannte ihn nicht für seines Vaters Enkel an, wenn er gleich von seiner Mutter stammte, die ihn selber vor ihrer Entführung durch Hädkynn geboren haben könnte. Erst jetzt wird sich Beowulf, wie 32, 80 ff. berichtet ist, des Eadgils angenommen haben, den er nach Weochstans Bezwingung auf den Gebieterstuhl der Schwedenkönige hob, Weochstans Sohn Wiglaf aber an seinem Hof erzog.

 << Kapitel 56  Kapitel 58 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.