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Beowulf

Karl Simrock: Beowulf - Kapitel 54
Quellenangabe
typeepos
booktitleBeowulf
authorKarl Simrock
firstpub1859
year1859
publisherJ. G. Cotta'scher Verlag
addressStuttgart und Augsburg
titleBeowulf
created20051005
sendergerd.bouillon
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8. Brosinga mene.

Das Kleinod, das in unserm Gedichte eine so große Rolle spielt, hat einem noch viel berühmtern den Namen gegeben. Es bestand in einem Halsring, welchen der Dichter 18, 9 ff. als den grösten bezeichnet,

»Davon ich je erfuhr   bei den Völkern der Erde.
Nie hört' ich unterm Himmel   von herrlicherm
Horte der Helden   seit Hama (Heime) forttrug
Zu der blinkenden Burg   der Brosinge (Breisacher) Schatz,
Schmuck und Geschmeide.   Den schnöden Haß erwarb er
Kaiser Ermenrichs,   erkor ewiges Heil.

Hier ist uns ein wichtiges Stück der deutschen Heldensage gerettet und zugleich Licht geworfen auf die Göttersage. Bekanntlich heißt das leuchtende Halsgeschmeide der Freyja, der Göttin der Schönheit und Liebe, Brisinga men, und so wird auch in unserm Text statt Brosinga mene zu lesen sein. Allerdings spricht dieser von einem ganzen Schatze, welcher viel Schmuck und Geschmeide enthielt, während jener Halsschmuck der Freyja nur ein einzelnes Kleinod ist. Allein auch unsere Stelle geht von einem einzelnen Kleinod aus und so konnte sie leicht dazu führen, den zur Vergleichung herangezogenen Schatz der Brosinge gleichfalls nur als ein einzelnes Halsband aufzufaßen, wie es die Skalden nach D. 35 gethan zu haben scheinen, welche auf unsere Stelle anspielend, das Halsgeschmeide der Göttin, das als der grüne Schmuck der Erde früher jardhar men hieß, nun brisinga men nannten. Vgl. M. Handb. 328. 422. Jenen von Heime entführten Schatz der Brisinge verstehe ich als das in unserer Heldensage so berühmte Harlungengold, das auch der Marner meinte, als er von dem »Ymelungehorte« sprach, der in dem Burlenberg liege, womit der Bürglenberg bei Breisach gemeint ist, wo die Harlunge, Ermenrichs Bruderssöhne, mit ihrem Schatze hausten. Statt Ymelungehort wird Amelungehort zu lesen sein, da die Harlunge so nahe Verwandte des ostgothischen Königshauses der Amelunge waren. Vgl. Grimm Myth. 933, Mein Rheinland 30, Wackernagel Zeitschr. VI, 157.

Den Schatz der Harlunge entführte Heime, Ermenrichs Dienstmann, als dieser seine Neffen, die Harlunge, nach Sibichs treulosem Rathschlag hinrichten ließ. Wenn Heime zwar damit Ermenrichs Haß erworben, zugleich aber ewiges Heil erkoren haben soll, so ist damit auf eine genauere Bekanntschaft mit der deutschen Heldensage gedeutet. Auch der Dichter des verwandten Wandererslieds (Vidsith) kannte die Harlunge, er nennt sogar ihre Namen Emerka und Fridla, wie er auch von Hama (Heime) und Ermenrich (Eormenrik) spricht. Da nun Ermenrich sich nach dem Fall der Harlunge gegen seinen Neffen Dietrich wendet, dessen Dienstmann Heime früher gewesen war, so steht zu vermuthen, daß er diesem den Schatz der Breisacher (brisinga mene) erhalten wollte, dessen er bedurfte, um seinem Oheim ein Heer entgegenzustellen. Später fiel er gleichwohl in Ermenrichs Hände und so finden wir ihn im Reineke de Voss Ermenrichs Schatz genannt.

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