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Beowulf

Karl Simrock: Beowulf - Kapitel 5
Quellenangabe
typeepos
booktitleBeowulf
authorKarl Simrock
firstpub1859
year1859
publisherJ. G. Cotta'scher Verlag
addressStuttgart und Augsburg
titleBeowulf
created20051005
sendergerd.bouillon
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2. Grendel.

            Bei nahender Nacht   eilt' er nachzuspüren
In dem hohen Hause,   wie die Hringdänen
Nach dem Aelgelage   sich darin gebettet.
Da fand er auf dem Estrich   der Edelinge Schar
5   Nach dem Schmause schlafend.   Sie kannten Sorge nicht,
Kein lastendes Leid,   das die Leute drückt.
In grausamem Grimme   war er gleich bereit,
Und entriß der Rast   mit raffender Gier
Der Degen dreißig.   Von dannen eilt' er dann,
10   Sich der Beute brüstend   dem Baue zu,
Mit den geraubten Recken   zurück in sein Haus.

Da ward um die Uchte, beim ersten Tagen,
Grendels grause Kraft   den Geerdänen kund.
Auf des Festmals Freude   folgte Wehruf,

15   Lauter Morgenschrei.   Der erlauchte König,
Der fromme Fürst   unfreudig saß,
Drangsal duldend:   um die Degen sorgt' er,
Als sie des Leidigen   Laufspur ersahen,
Des verwünschten Geistes.   Zu groß war das Unheil,
20   Zu leidvoll lastend.

                                  Doch lange ruht' er nicht:
In der nächsten Nacht   naht' er wieder und übte
Der Mordübel mehr;   ihn ermüdete nicht
Gefährd und Frevel:   er war zu fest darin.

25   Da war unschwer zu finden   dem der anderwärts
Gerne geruhiger   rasten wollte,
Ein Bett in den Bauten,   da ihm entboten war
Und für sicher gesagt   mit sichtlichen Zeichen
Des Höllengeistes Haß:   wer hielte sich da
30   Nicht fern hinfort,   dem Feind zu entweichen?
So schaltete schonungslos   und scheute das Recht nicht
Der Eine wider Alle,   bis eitel stand
Der Häuser wonnigstes.   Es währte lange so:
Seinen Zorn erduldete   zwölf Winter lang
35   Der Freund der Schildinge,   schwere Trübsal
Lastendes Leid.

Lautbar ward es bald,
Unverborgen kund   den Kindern der Menschen
In grausigen Liedern,   wie Grendel so schwer

40   Wider Hrodgar wüthe:   er erwies ihm Haß,
Fehd und Gefährde   in der Halbjahre viel,
Unversöhnliche Feindschaft.   Frieden wollt er
Der Degen Keinem   des Dänenlands gönnen,
Noch gegen Lösegeld   ihr Leben schonen.
45   So hatt auch Niemand,   die Hoffnung wär thöricht.
Wehrgeld zu gewärtigen   von des Wüthrichs Hand.
Der üble Unhold   ängstigte stäts,
Der traurige Todschatte,  Tugend und Jugend
Meuchelnd und mordend   in den Mitternächten
50   Dem Nebelmoor entsteigend.   Niemand weiß genau,
Wo die Geister der Hölle   hausen und brüten.
So übte der arge   Eingänger lange
Vielfachen Frevel,   der Feind der Menschen,
Häßlichen Hohn.   Heorot bewohnt' er,
55   Den schmuckreichen Saal,   in schwarzen Nächten;
Aber dem Gabenstuhl   Gottes durfte,
Der seine Minne misste,   der Mörder nicht nahen.

Der Kummer kränkte   den König der Schildinge.
Mit gebrochenem Muthe   manchmal saß er wohl

60   Mit den Reichen zu raunen,   ob sie ihm Rath ersännen,
Was die Hochgeherzten   am Heilsamsten thäten
So grimmem Graus   entgegen zu wirken.
In Hof und Heiligthum   verhießen sie oft auch
Opfer und Weihen,   mit Worten flehend,
65   Daß der Geisttilger ihnen   gnädig hülfe2, 65. Der Dichter weiß, wie er es ausdrücklich sagt, daß seine Helden Heiden sind und freilich war er hier, da von heidnischen Heiligthümern die Rede ist, durch den überlieferten Text daran erinnert; er vergißt es aber oft wieder, indem er sie auf Gott vertrauen läßt, nicht auf ihre Stärke allein. Vgl. 19, 20.
Wider den Würger.   Das war ihr Gebrauch,
Die Hoffnung der Heiden:   der Hölle gedachten sie
In Geist und Sinn,   den Schöpfer verkennend,
Der die Thaten wägt.   Sie wusten von Gott nichts,
70   Den Herrn der Himmel   verherrlichten sie nicht,
Den Walter der Wonnen!   Weh dem, der da soll
Zur Sühne der Bosheit   die Seele tauchen
In Feuerflammen;   er freue sich nicht,
Daß ein Ende werde.   Wohl ihm, der da darf
75   Nach des Hingangs Tag   den Herren suchen,
Und Frieden finden   an Vaters Busen!
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