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Beowulf

Karl Simrock: Beowulf - Kapitel 49
Quellenangabe
typeepos
booktitleBeowulf
authorKarl Simrock
firstpub1859
year1859
publisherJ. G. Cotta'scher Verlag
addressStuttgart und Augsburg
titleBeowulf
created20051005
sendergerd.bouillon
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3. Hygd und Offa.

Auf die Gemeinschaft der ingäwonischen Völker deutet es auch, wenn Hygd, die wir so eben als Gemahlin Hygelaks nannten, nach dem Tode dieses Geatenkönigs sich dem Offa vermählt, dem König der Angeln. Ausdrücklich hebt der Dichter den Ruhm Offas hervor und wie er durch Weisheit sich der Ahnen Erbe erhalten habe. Dieß wird uns durch das Wandererslied bestätigt, wonach Offa fast ein Knabe noch das gröste der Königreiche erfochten haben soll. Bei Fifeldore habe er den Myrgingen die Grenze gewiesen und wie Er mit dem Schwert es erfochten, so sei es fortan zwischen Angeln und ihren Nachbarn den Myrgingen gehalten worden.

Nach unserm Gedichte ist Offa der Sohn Garmunds; er selbst aber zeugt mit der Hygd den Eomär. Die angelsächsische Stammtafel von Mercia läßt auf Wärmund Offa folgen, schiebt aber zwischen diesen und Eomär noch Angeltheow ein. Saxo, der Eomär nicht kennt, erzählt ausführlich, wie Uffo (Offa) den Angeln die Grenzen gegen die Sachsen erfochten habe. Er war in der Jugend trägen Geistes wie ein Gleiches von Beowulf (30, 40–46) gemeldet wird und wie dieser epische Zug noch bei andern berühmten Helden begegnet. Erst als sein im Alter erblindeter Vater von einem benachbarten Fürsten bedrängt wird, ihm sein Reich abzutreten oder dessen Sohne einen Kämpfer entgegenzustellen, da löst sich ihm, der bisher stumm gewesen, der Zunge Band: er erbietet sich, nicht nur den feindlichen Königssohn, sondern auch dessen Gefährten im Kampf zu bestehen. Der blinde König will nicht glauben, daß es sein Sohn sei, der so gesprochen habe; er muß, um sich zu überzeugen, ihm erst Antlitz, Brust und Arme mit den Fingern begreifen. Bekannt ist es dann, wie er während des Kampfes, der auf einer Eiderinsel Statt hat, sich über die Brücke lehnt, um sich, wenn sein Sohn erliegt, hinabzustürzen, denn er kann dessen Fall und den Verlust seines Reichs nicht überleben. Da vernimmt er den bekannten Schall seines Schwertes Skrepp, der ihm Uffos Sieg verkündet. Zwar hat dieser jetzt noch einen zweiten Feind zu bestehen; als aber auch dießmal der vertraute Schall seines alten Schwertes ihm die Siegesbotschaft bringt, da bricht der greise Angelnkönig in Freudenthränen aus. Einige Züge dieser anglischen Heldendichtung hat Uhland seiner Romanze der blinde König eingewebt. Daß sie einst hochberühmt war, geht daraus hervor, daß sie Saxo seiner dänischen Geschichte einverleibte und Matthäus Paris sie auf den gleichnamigen historischen König von Mercia, den Zeitgenoßen Karls des Großen, überträgt. Er giebt aber unter dem Scheine, von zwei verschiedenen Königen des Namens Offa zu erzählen, die beide schon in England geherscht hätten, nichts als zwei Varianten der alten Sage des anglischen Offa, die mit dem Volke der Angeln in Britannien eingewandert war. Der neue mercische Offa hieß eigentlich Winefrid, und seine Gemahlin, die an Hygds Stelle getreten ist, Cynethryd. Nur in der zweiten Variante entspricht ihr Charakter dem der Hygd, wie wir sie aus unserm Gedichte kennen lernen. Doch kann, wenn die erste sie liebenswürdig darstellt, auch hiefür im Beowulf 27, 68 ein Anhalt gefunden werden, wo sie als Offas Gemahlin Hochliebe zu ihm gehegt haben soll. Wenn aber die zweite Variante sie auf einem steuerlosen Schiff an die englische Küste treiben läßt, so erinnert dieß an unser Gedicht nicht bloß, weil in der Einleitung von Scild Scefing ein Gleiches gemeldet wird; auch die 27, 63 ff. über Hygd gebrauchten Worte, »als sie Offas Wohnung über die falbe Flut im Schiffe suchte,« stimmen auffallend zu der Meldung des Chronisten.

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