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Beowulf

Karl Simrock: Beowulf - Kapitel 45
Quellenangabe
typeepos
booktitleBeowulf
authorKarl Simrock
firstpub1859
year1859
publisherJ. G. Cotta'scher Verlag
addressStuttgart und Augsburg
titleBeowulf
created20051005
sendergerd.bouillon
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41. Bestattung.

        Da ward klärlich kund,   daß es Keinem gedeihen mag,
Der da mit Unrecht   will zu eigen haben
Verschloßene Schätze.   Erschlagen hatt ihr Hüter
Der Menschen Kinder:   die mordliche That
5   Ward grimmig gerochen.   Ist so groß das Wunder,
Daß ein erlauchter Held   das Looß muß theilen
Aller Erdenwesen?   Nicht ewig mag
Ein Mann mit den Seinen   den Methsaal bewohnen.
So war es mit Beowulf.   Als er des Berges Hirten
10   Suchte, zu schwerem Kampf,   sah er nicht voraus
Was für ein Ende   er finden sollte.
Nicht goldgierig war er:   gerner hätt er
Des Eigners Gunst   ehedem beseßen.

Wiglaf sprach da,   Weochstans Sohn:

15   »Oft müßen Alle   um Eines Willen
Uebles ertragen,   wie es Uns zu Theil wird.
Nicht bewegen konnten wir   den werthen König,
Des Reiches Hirten,   nicht zu rathen war ihm,
Daß er nicht grüßen gienge   diesen Goldhüter,
20   Ihn liegen ließe,   wo er lang gehaust,
In der Wohnung weilen   bis zum Weltende.
Es war unser Schicksal!   Schaut nun den Hort,
Den grimmerworbenen!   Das Gift war zu stark,
Das den Gebieter so bald   uns entzogen hat.
25   Ich war darinne   und Alles sah ich rings,
Das Geräth im Saal,   als mir schon geräumt war,
Obgleich nicht so gutwillig   mir der Gang erlaubt ward
Unter den Erdwall.   Eilends ergriff ich
Mit beiden Händen   eine mächtige Bürde
30   Der Hortkleinode,   sie hieher zu tragen
Meinem lieben Landesherrn,   der noch am Leben war,
Und wohl bewust:   viel Weises sprach er noch
Der bekümmerte Greis.   Euch zu grüßen befahl er,
Und bat euch, die Burg41, 34 – 42, 2. 7. Burg heißt der Scheiterhaufen auch in der Edda (m. Handb. der Myth. 559) und wie dort (Sig. Kw. III., 62. 63.) die Burg mit Zelten und Schilden (tjöldum ok skjöldum) umzogen wird, so hier 42, 3 mit Helmen, Heerschilden und blanken Brünnen. Daraus erklärt sich auch die Schildburg in Sigudrifumal als ein mit Schilden umschloßener Scheiterhaufen. Darum sagt Brynhild in Helreid von Odhin:
Er umschloß mich mit Schilden   in Skatalundr,
Mit rothen und weißen;   die Ränder schnürten mich; –
Um meinen Saal,   den südlich gelegnen,
Ließ er hoch des Holzes   Verheerer entbrennen u. s. w.

Es scheint, daß aus den Schilden ein Zelt gebildet wurde: dieses Zelt wird in Sigudrifumal Schildburg und in Helreid Saal genannt.

So wird auch in Schiffen mit Schilden gezeltet, vgl. die Anm. zur Edda II. Aufl. S. 456, wo aber die Burg noch nicht als Scheiterhaufen begriffen war, während Schilde und Zelte schon richtig erklärt wurden. Mit dem Banner, welches nach Sigudrifumal oben aus der Schildburg herausstand, hatte es dieselbe Bewandtniss, wie in unserer Einleitung S. 5. Z. 3 mit dem goldenen Banner, das dem Skeaf zu Häupten gebunden ward. Es ward damit die Gegenwart des Gebieters oder der Gebieterin angedeutet, wie noch jetzt Aehnliches zu Waßer und zu Lande Sitte ist. Hiemit ist aber auch neues Licht auf die Waffen geworfen, welche Skeaf nach S. 4, 40, 41 umgeben. Da auch Skeaf auf dem Schoofe liegt (im Trierischen und Luxemburgischen heißt der Burgsonntag, wo das Burgbrennen beim Faosens Feuer Statt hat, auch der Schoofsonntag), so bedeuten die ihn umgebenden Waffen nichts anders als die Helme, Heerschilde und blanken Brünnen, mit welchen Beowulf seiner Feuerburg übergeben wird. Wenn auch köstliche Kleinode nach Z. 42 den Skeaf begleiten sollten, so werden diese dem Beowulf zwar nicht auf den Scheiterhaufen gelegt, wohl aber in den Hügel, der seine Asche empfängt, und ihm zum Todtenmal dient.

  auf der Brandstätte
35   Ihm hoch zu erheben   nach des Helden Thaten,
Groß und mächtig,   wie unter Männern Er
Aller Weigande Würdigster   weithin auf Erden war,
So lang er des Burghorts   gebrauchen durfte.
Auf denn, eilen wir   zum andern Male
40   Zu sehn und zu suchen   die sinnreichen Kleinode,
Die Wunder unterm Walle.   Ich weis' euch hin,
Wo ihr nimmer die Augen   genugsam weidet
An Baugen und blankem Gold.   Die Bahre derweil
Bereitet rasch:   wenn wir zurück kommen,
45   Daß wir unsern Gebieter   dahin bringen mögen,
Den lieben Mann,   wo er lange soll
In des Waltenden   Gewahrsam bleiben.«

Gebieten ließ da   der Geborene Weochstans,
Der herrliche Heermann   der Helden Manchem,

50   Der Burggeseßnen,   daß sie die Brandscheite
Von fern hinführten   durch das Volk der Knechte,
Dem Guten entgegen.   »Nun soll Glut verzehren,
Schwarze Lohe schmelzen   der Schlachthelden strengsten,
Der oftmals aushielt   die Eisenschauer,
55   Wenn von Strängen geschnellt   der Geschoße Sturm
Ueber den Schildwall schlug,   und Schäfte hafteten,
Gefiederte Pfeile,   daß er pfriemvoll einhergieng.«

Da wählte Weochstans   weiser Sohn
Von des Königs Kämpen,   den kühnen Degen,

60   Sich aus den sehnigsten   sieben Gefährten;
Selbachter eilt' er   unter das üble Dach.
In der Hand hielt   der Helden Einer,
Der zuvörderst gieng,   einen Feuerbrand.
Da looßten die Helden nicht,   wer das Lager beraube,
65   Als unbehütet   die übrigen Schätze
Die Suchenden sahen   im Saale rasten
Und verlaßen liegen;   leid wars Keinem,
Als sie in Eile   hinaus nun trugen
Die theuern Kleinode.   Den Drachen stießen sie,
70   Den Wurm von der Wallklippe,   daß die Woge nähme,
Die Flut umfienge   den Pförtner der Schätze.
Dann lud man auf Wagen   das gewundene Gold,
All ungezählt.   Der Edling ward getragen,
Der graue Heldenfürst,   gen Hronesnäss.
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