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Beowulf

Karl Simrock: Beowulf - Kapitel 42
Quellenangabe
typeepos
booktitleBeowulf
authorKarl Simrock
firstpub1859
year1859
publisherJ. G. Cotta'scher Verlag
addressStuttgart und Augsburg
titleBeowulf
created20051005
sendergerd.bouillon
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38. Der Verzagten Verfehmung.

                      Da hatte Jammer   den jungen Mann
Völlig befangen   als er vor sich sah
Den Geliebtesten liegen   an des Lebens Ende
Matt und müde.   Auch der Mörder lag,
5   Der eisliche Erdwurm,   übel getroffen,
Des Lebens ledig.   Nicht länger durfte nun
Des Ringhorts walten   der geringelte Wurm:
Erschlagen hatten ihn   die schneidigen Eisen,
Die harten, haarscharfen,   der Hämmer Nachlaß,
10   Daß der Weitflieger,   durch Wunden gestillt,
Darnieder geneigt war   nahe dem Hortsaale.
Nicht länger die Lüfte   lohend durchbraust er
In Mitternächten   auf den Machthort stolz
Sich blähend und brüstend:   am Boden lag er,
15   Von des hehren Helden   Händen erschlagen.
Das wär im Lande   Wenigen gelungen
Der mächtigern Männer,   meines Erfahrens –
Ob sie sonst zu Thaten   auch tüchtig wären –
Des Giftigen Gluthauch   sich entgegen zu stemmen,
20   Oder in den Hortsaal   mit Händen zu stören,
Wenn sie wachend wüsten   den Wächter unten
Im Berge geborgen.   Auch dem Beowulf war
Sein Theil am Goldschatz   mit dem Tode vergolten.
Der Eine wie der Andre   hatte das Ende erreicht
25   Dieses geliehnen Lebens.

                                            Nicht lange währt' es nun,
Bis die Streitflüchtigen   das Strauchwerk verließen,
Der verzagten Zehn   treubrüchige Zunft,
Die nicht wagen gewollt   das Waffenspiel

30   In ihres Heerkönigs   harter Bedrängniss.
Nun trugen sie voll Scham   die Schilde dahin,
Die Streitgewande,   wo der Gestorbne lag
Und schauten auf Wiglaf.   Werkmüde saß
Der Fußfechter   bei des Fürsten Achsel.
35   Ihn mit Waßer netzend;   doch wirkt' er nichts damit.
Er mochte das Leben   dem Leutefürsten nicht
Hienieden halten   wie heiß er es wünschte,
Noch den Willen wenden   des waltenden Gottes.
Sein Machtspruch wollte   über der Menschen Jeden
40   Richten und rathen   wie er räth hinfort.
Von dem jungen Helden   war da herbe Antwort
Dem leicht zu erlangen,   den der Muth verlaßen.

Wiglaf begann da,   Weochstans Sohn,
Der harmvolle Held   sah die Verhaßten an:

45   »Wohl mag nun sagen   wer die Wahrheit sprechen will,
Daß dieser milde König,   der euch die Kleinode gab,
Die Heerrüstung,   in der ihr hier vor ihm steht,
Wenn er so manchem   auf der Methbank euch schenkte,
Der Hallsitzenden,   Helm und Brünne,
50   Der König seinen Kämpen,   den kühnsten, die er irgend
Fern oder nah   zu finden wuste –
Daß er gänzlich   sein Gut vergeudet hatte,
Als es zum Kampfe kam,   die Kriegsgewande!
Da mochte der Volksfürst   seiner Fahrtgenoßen
55   Sich leise rühmen!   Doch verlieh ihm Gott,
Der des Sieges waltet,   daß er sich selber rächte
Allein mit dem Stahle,   als ihm Stärke Noth war.
Nur wenig zu wehren   wust ich sein Leben
In dem übeln Kampfe;   doch unternahm ichs
60   Ueber Leibesgewalt   dem lieben Freund zu helfen.
Aber schlimmer ward es stäts,   wenn mein Schwert den Feind,
Den tödtlichen, traf,   da nur tobender das Feuer
Dem Wurm entwallte.   Zu wenig der Schirmer
Umstanden den König   als diese Stund ihm kam.
65   Nun soll euch Schatzgabe   und Schwertspende gebrechen,
Alle Erbsitzwonne   euerm Geschlecht,
Alle Liebe fehlen.   Des Landbesitzes
Muß der argen Sippschaft   aller und jeder
Verlustig wandern,   wenn die Leute erst
70   Eure Flucht erfahren   in Fern und Nähe,
Die treulose That.   Der Tod ist beßer
Der Leute Jedem   als solch Leben voll Schmach.«
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