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Beowulf

Karl Simrock: Beowulf - Kapitel 41
Quellenangabe
typeepos
booktitleBeowulf
authorKarl Simrock
firstpub1859
year1859
publisherJ. G. Cotta'scher Verlag
addressStuttgart und Augsburg
titleBeowulf
created20051005
sendergerd.bouillon
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37. Beowulfs Tod.

                    Da hört ich, daß schleunig   der Sohn Weochstans
Dem verwundeten Herrn   aufs Wort gehorchte,
Dem kampferkrankten.   Das Kriegsnetz trug er,
Die gestrickte Brünne,   unter des Steines Dach.
5   Da sah er siegesfroh,   als er zum Saale kam,
Der kühngemuthe Kämpe,   der Kleinode Menge,
Sah das Gold auf dem Grunde   gleißend lagern,
An der Wand manch Wunder   und des Wurmes Bette,
Des alten Uchtfliegers   Erbkrüge stehen:
10   Gefäße der Vorzeit,   der Füllenden bar,
Mancher Zierden beraubt.   Rosten sah man da
Manch alten Helm   und der Armringe viel
An Schnüren aufgereiht.   Reichthümer soll,
Das gleißende Gold   ein Jeder der Menschen
15   Im Herzen verachten:   hüt es wer da wolle!
Auch sah er dabei   ein Banner allgülden
Ueber dem Horte hangen,   der Handwunder gröstes,
Durch Liedstäbe siegreich.   Ein Licht entstralt' ihm,
Daß er die Grundflur   gänzlich erkannte,
20   Den Bau überblickte.   Da blieb von dem Wurm
Keine Spur mehr zu schauen,   den das Schwert gespaltet.

Da hört ich wie den Hort   aus dem Hügel nahm,
Das alte Enzenwerk,   der einzelne Mann,
Sich Becher und Schalen   in den Busen schob,

25   Und bei sich barg;   das Banner auch nahm er,
Das schimmernde Schlachtzeichen,   und das erzgeschuhte Schwert
Des alten Erben   (eisern war die Klinge),
Der dieser Hortschätze   Hüter gewesen
Eine lange Zeit,   und Lohschrecken wirkte,
30   Siedend heißen,   den Hort zu beschützen
In Mitternächten,   bis der Mord ihn traf.

Rasch war der Recke   der Rückkehr begierig,
Von Schätzen geschleunigt.   Er sehnte sich, zu schauen
Ob er den kühnen   König noch lebend

35   Im Freien fände,   den Fürsten der Wedern,
Wenn auch krank an Kräften,   wie er ihn kürzlich verlaßen.
Da fand er den Hehren,   als er die Hortschätze brachte,
Im Blute liegen   an des Lebens Ende,
Den großen König.   Er begann ihn aufs Neu
40   Mit Waßer zu bewerfen,   bis ihm des Wortes Drang
Die Brust durchbrach.   Da sprach Beowulf,
Der Greis im Gram,   als er das Gold erblickte:

»Dieser Kleinode sag ich   dem König der Ehren,
Dieses Horts dem Herrn   der Himmel Dank,

45   Den ich überschaue,   dem ewigen Fürsten,
Daß es mir vergönnt war   dem Geatenvolke
Vor meinem Scheidetage   den Schatz zu erwerben.
Da ich die rothen Ringe   nun redlich bezahlte
Mit der Lebensflamme,   so fördert nun Ihr
50   Der Leute Nothdurft;   ich darf hier länger nicht mehr sein.
Einen Hügel heißt mir   die Helden erbauen
Ueber dem Bühel blinkend   an der Brandungsklippe,
Der mir zum Gedächtnissmal   sich meinem Volke
Hoch erhebe   über Hronesnäss;
55   Daß die Seefahrenden   ihn schauend heißen
Beowulfs Burg,   wenn sie die schäumenden Barken
Ueber der Fluten Nebel   fernhin steuern.«

Da hob vom Halse   der herzstarke König
Den glänzenden Goldring   und gab ihn dem Recken,

60   Dem jungen Geerkämpen   mit dem goldschönen Helm
Und Baug und Brünne:   »Gebrauche sie wohl!
Du bist der Endesproß   unsres Geschlechts,
Der Wägmundinge.   Wurd entführte all
Meine Freunde mir,   die Männer der Kraft,
65   Zu der Seligen Saal!   ich soll ihnen folgen.«

Dieß war des Erlauchten   letzte Rede
Aus gebrochner Brust,   eh er den Brand erkor,
Die heiße Lohe.   Vom Herzen wich ihm
Die Seele und suchte   der Seligen Urtheil.

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