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Beowulf

Karl Simrock: Beowulf - Kapitel 40
Quellenangabe
typeepos
booktitleBeowulf
authorKarl Simrock
firstpub1859
year1859
publisherJ. G. Cotta'scher Verlag
addressStuttgart und Augsburg
titleBeowulf
created20051005
sendergerd.bouillon
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36. Der Wurm gefällt.

        Da erfuhr ich, daß in der Gefahr   des Volksgebieters
Der junge Held   Hochsinn bewährte,
Kraft und Kühnheit,   angeborene, kund that.
Er hütete des Hauptes nicht,   und die Hand verbrannte
5   Der muthvolle Mann,   als nach seiner Macht er half.
Dabei traf er tiefer   den tückischen Gast,
Der Held im Harnisch,   daß ihm das herrlich geschmückte
Waffen in die Weiche drang   und ein wenig nachließ
Die grimmige Glut.   Da gewann auch der Geatenfürst
10   Seine Sinne wieder:   er schwang das kürzere Schwert
Erbost und erbittert,   das er an der Brünne trug,
Und durchschnitt den Wurm,   der Wedern Schirm,
Daß er den Feind fällte   und die Feuerwunden rächte.
Die Kraft gebrochen   hatten ihm beide so
15   Die gesippten Fürsten.   So sollten sich immer
Helden zu Hülfe stehen.   Dem Herscher war das
Der letzte Siegkampf,   der ihm leider beschieden war
In dieser Welt zu wirken.

                                            Die Wunde begann nun

20   Zu schwären und zu schwellen,   die ihm geschlagen war
Von des Drachen Feuer.   Da empfand er bald,
Daß ein böser Brand   in der Brust ihm wallte
Von dem giftgen Geifer.   Da gieng der Edeling
Mit weisem Bedacht,   sich an der Bergwand dort
25   Den Sitz zu suchen.   Er sah der Riesen Werk,
Wie auf Ständer gestützt   die steinernen Bogen
Im Innern das ewige Erdhaus hielten.

Da mühte sich der Jüngling,   der ungemeßen gute,
Den lieben Gebieter,   den blutüberlaufnen

30   Berühmten König,   den der Kampf ermüdet,
Mit Waßer zu laben;   auch löst' er den Helm ihm.
Beowulf begann nun,   von dem Blute sprechend
Und der todbleichen Wunde;   er wuste genau,
Daß er der Zeiten genugsam   genoßen hätte,
35   Der Erdenwonne;   ihm war zergangen
Seiner Tage Zahl,   der Tod ganz nahe:
»Schenken sollt ich   meinem Sohne jetzt
Die Waffengewande,   wäre mir nur
Ein Erbe vergönnt,   ein Abkömmling
40   Meines Leibes. – Dieß Land beherscht ich
Funfzig Winter.   Kein Volkskönig war,
Von allen Umsitzenden   nicht Einer mehr,
Der mich mit Heereskraft   heimsuchen durfte,
Aengsten und drängen.   In meinem Erbe harrt ich
45   Der Zeitgeschicke,   hielt geziemend das Meine,
Uebte nicht Arglist,   nicht Eide schwur ich
Jemals mit Unrecht.   Nach dem Allen mag ich mich
An Todeswunden siech   des Trostes freuen,
Daß der Walter der Völker   mir nicht vorwerfen kann
50   Der Blutsfreunde Mord,   wenn nun bald sich scheiden
Leib und Leben.

                              »Du lauf nun hurtig
Unter den grauen Stein,   den Goldhort zu suchen,
Wiglaf, lieber,   da der Wurm nun liegt,

55   Und erschlagen schläft   des Schatzes beraubt.
Aber eile dich,   daß ich die alten Kleinode,
Die Schätze noch sehe,   erschaue zumal
Die schönen Gemmen,   daß ich sanfter alsdann
Mein Leben laße   vor dem lichten Golde,
60   Und Land und Leute,   die ich lange beherschte.«
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