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Beowulf

Karl Simrock: Beowulf - Kapitel 4
Quellenangabe
typeepos
booktitleBeowulf
authorKarl Simrock
firstpub1859
year1859
publisherJ. G. Cotta'scher Verlag
addressStuttgart und Augsburg
titleBeowulf
created20051005
sendergerd.bouillon
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1. Heorot.

                Da blieb in der Burgen   Beow(ulf)1, 1. Die Ansicht, daß hier statt Beowulf nur Beow zu lesen sei, habe ich oben S. 176 zu begründen versucht. der Schilding1, 1. Schilfinge hießen die Schwedenkönige dem aus den Nibelungen bekannte Schilbung entsprechend. Das vorgesetzte Heado- schildert sie als kriegerisch.
Als lieber Leutefürst   lange Jahre
Den Völkern ferne kund,   da sein Vater längst
Sich weggewendet.   Derweil erwuchs ihm
5   Der hohe Healfdene:   der beherschte spät noch
Ein grimmkühner Greis   die guten Schildinge.
Dem Könige waren   der Kinder vier
Zur Welt erwacht,   die Wehrscharführer
Heorogar, Hrodgar   und Halga der gute.
10   Elan, hört ich,   hieß des Königs Tochter,
Die Bettgehalsin   des Headoschilfings.

Dem Hrodgar wurde   Heerglück verliehen,
Erwünschter Waffenruhm,   daß die werthen Sippen
Ihm gerne gehorchten   bis die Jugend erwuchs,

15   Der Männer Menge.   Ins Gemüth kam ihm,
Daß er ein Hallgebäude   gebieten wollte,
Einen mächtigen Methsaal   den Männern zu bauen,
Des Gleichen nimmer noch   vernommen ward.
So wollt er darinnen   Alles vertheilen,
20   Jungen und Alten   was Gott ihm schenkte
Außer den Leuten   und dem Leben der Männer.

Da wurde weithin   das Werk geboten
Ueber den Mittelkreiß   mancher Gilde,
Die Volkstatt zu zieren.   Zu fördern gelang es ihm

25   An den Erdensöhnen,   daß endlich errichtet stand
Der Hallhäuser gröstes.   Hirsch nannt' er es,1, 26 lies:
Der Hallhäuser gröstes.   Heorot (Hirsch) nannt er es;

Der weithin des Wortes   Gewalt besaß.
Er brach sein Erbieten nicht:   Bauge (Ringe) vertheilt' er,
Schätze beim Schmaus.   Der Saal hob sich
30   Hoch und hornreich   als hätt er nicht zu scheun
Der leiden Lohe Grimm.
                                            Nicht lange währt' es noch,
Daß den Edlingen   zu eifrigem Kampf
Des Walfeldes Wuth   erwachen sollte,
35   Da ein ungeheurer Geist   gar ungern länger
Das erduldete   in der düstern Wohnung,
Daß er den Jubel   jeglichen Tag
In der Halle hörte.   Da war Harfenklang,
Des Sängers lautes Singen.   Es sagte der Kundige
40   Der Menschen Ursprung   in alten Zeiten,
Wie der Allmächtige   die Erde schuf,
Die frischen Gefilde   von der Flut gegürtet,
Dann siegsfroh setzte   Sonne und Mond
Als leuchtende Lichter   den Landbewohnern,
45   Und zum Schmuck die weiten   Gewannen zierte
Mit Laub und Zweigen,   Leben auch schenkte
Allem was athmet   auf der Erde Breiten.

So lebten die Leute   in Lust und Frieden
Aller Sorgen ohne   bis Einer begann

50   Frevel zu stiften,   ein Feind aus der Hölle.
Der grimme Gast   war Grendel geheißen,
Der berüchtigte Markgänger,   der im Moore hauste
In des Sumpfes Abgrund.   Der Unthiere Sitz
Behauptete lange   der leidige Wicht,
55   Welchen der Schöpfer   verworfen hatte.
So rächt' an Kains   Kindern1, 56. Vgl. 19, 11 ff. Die Herleitung der Riesen von Kain bezeichnete Bouterweck Germ. I, 40 als Anknüpfung an Rabbinische Ueberlieferungen; schon Ettmüller hatte S. 71 bemerkt, die Mischung germanischer, griechischer, romanischer und jüdischer Mythen verrathe den gelehrten Mönch. Eoten und Enzen sind Riesen (Myth. 485), die sogleich wieder als Giganten vorkommen; Orken ist ans dem römischen Orcus vervielfältigt (vgl. Myth. 291. 454 und Kuhn Nordd. Sagen 521); Elfen sind die deutschen Elben. den Mord
Der ewige König,   daß er Abeln erschlug.
Des genoß er nicht:   aus der Nähe der Menschen
Verwies ihn der Schöpfer   für die unselge That.
60   Ihm sind die Unholde   all entstammt,
Eoten und Elfen   und der Orken Scharen,
Die Giganten zugleich,   die Gott widerstrebten
Jahrhunderte lang;   doch lohnt' er es ihnen.
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