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Beowulf

Karl Simrock: Beowulf - Kapitel 39
Quellenangabe
typeepos
booktitleBeowulf
authorKarl Simrock
firstpub1859
year1859
publisherJ. G. Cotta'scher Verlag
addressStuttgart und Augsburg
titleBeowulf
created20051005
sendergerd.bouillon
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35. Wiglaf.

        Wiglaf war es,   Weochstans Sohn,
Der liebe Lindkämpe,   ein Lenker der Schilfinge,
Aelfhers Verwandter.   Er gewahrte, daß sein König,
Unter dem Harnische   Hitze erduldete.
5   Da gedacht er des Gutes,   das er ihm gab vordem:
Die wonnige Wohnstatt   der Wägmundinge,
Und viel der Volksrechte,   die sein Vater beseßen.
Er verhielt es nicht länger,   den Handschild ergriff er,
Die gelbe Linde,   und das gute Erbschwert,
10   Das als Eanmunds Nachlaß   die Edlinge kannten,
Des Sohnes Ochthers:   in der Schlacht ward ihm,
Dem Wonnelosen,   Weochstan zum Mörder.
Mit der scharfen Schneide   dem Sippen entführt' er
Den braunschönen Helm,   die geringte Brünne
15   Und das alte Eotenschwert,   das ihm Onela gegeben,
Seines Verwandten   Waffenrüstung,
Das herrliche Heergeräthe.   Seinen Haß besprach er nicht,
Obgleich er des Bruders   Geborenen tödtete.
Nun behielt er den Hort   der Halbjahre viel,
20   Schwert und Harnisch,   bis sein Sohn vermochte
Eorlschaft zu üben   wie einst sein Vater.
Kampfgewande gab er ihm   im Geatenreiche,
Aller Art unzählige   eh er vom Leben schied,
Im Alter von der Erde.

25  

                                        Das war das erste Mal,
Daß der junge Krieger   des Kampfes Sturm
Mit seinem Gabengeber   beginnen sollte.
Da schmolz ihm weder   der Muth, noch wich ihm
Seines Vaters Waffe,   der Wurm empfand es,

30   Als sie sich versuchen   sollten im Kampfe.

Wiglaf begann   der Wortreihen viel
Und sprach zu den Gesellen   mit jammerndem Sinn:
»Mir gedenkt im Gemüth,   als wir den Meth empfiengen
Was wir verheißen haben   unserm Herrn und Gebieter

35   Wenn er Ringe uns Recken   reichte im Methsaal,
Wie wir gerne die Gaben   ihm vergelten wollten,
Die Waffengewande,   würd es ihm Noth,
Helme und harte Schwerter.   Aus dem Heere wählt' er uns
Zu dieser Ausfahrt   nach eigenem Willen,
40   Weil er uns für gute   Geerkämpfer ansah,
Für herbe Helmträger,   wenn unser Herr auch gleich
Allein für uns alle   dieß Edlingswerk
Zu vollführen gedachte,   des Volkes Hirte,
Der von allen Recken   das Rühmlichste wirkte,
45   Die tapfersten Thaten.   Nun ist der Tag gekommen,
Da unser Gebieter   des Beistands bedarf
Werther Weigande:   nun wohl, laßt uns gehn denn,
Und dem Helden helfen   so lange die Hitze währt,
Die grimme Glutschauer.   Gott weiß an mir,
50   Daß es mir lieber ist,   wenn meinen Leib allhier
Mit meinem Goldgeber   die Glut verschlingt.
Eine Schande schien' es mir,   wenn wir die Schilde heim
Zu Lande trügen,   eh wir den leidigen
Feind hier fällten   und dem Fürsten der Wedern
55   Das Leben schirmten.   Das ließe übel
Zu den alten Bräuchen,   sollt Er allein
Von den Geatenhelden   den Harm erdulden,
Und im Streite sinken.   Uns soll Schwert und Helm,
Brünne und Bordschild   beiden gemein sein!«

60  

Da rannt er durch den Rauch,   und trug den Rand
Dem Herrn zu Hülfe,   der Held, und sprach:
»Beowulf, geliebter,   leiste nun Alles
Was du vor Jahren   ein Jüngling sprachst:
So lange du lebtest,   ließest du nimmer

65   Die Tugend entsinken.   Nun sollst du, Thatberühmter,
Viel edler Fürst,   mit voller Macht
Dein Leben lösen:   ich leiste dir Beistand!«

Nach diesen Worten   kam der Wurm ergrimmt,
Der üble Unhold,   zum andern Male

70   In Feuerfluten   die Feinde zu bestürmen,
Die leiden Männer.   In lichten Flammen brannte
Alsbald der breite Schild;   auch die Brünne konnte
Den jungen Geerkämpen   vor der Glut nicht schirmen.
Unter des Freundes Bordschild   barg sich der junge Mann
75   In aller Eile,   da ihm den eigenen
Die Flamme geraubt.   Des Ruhmes gedachte da
Der kriegerische König,   und mit der Kraft Gestrenge
Schwang er das Schwert,   daß es am Schädel anstund
Durch des Hiebes Nachdruck;   aber Nägling zersprang
80   Und versagt' ihm im Kampf,   die Klinge Beowulfs,
Die gute, grauhelle.   Nicht gegeben war es ihm,
Daß ihm der Schwerter   Schneiden durften
Im Handgemenge helfen.   Die Hand war zu stark,
Die jedwedes Kampfschwert,   wie es kund ist Männiglich,
85   Im Streich übernahm,   wenn er zum Streit auch trug
Eine wunderharte Waffe;   ihm ward nicht wohler drum!

Da gedachte der Bedränger   zum drittenmale,
Der frevle Feuerdrache,   des feindlichen Ansturms.
Rasch auf den Ruhmvollen,   da er Raum ihm gab,

90   Fuhr er mit Feuergrimm   und umfieng den Hals ihm all
Mit bittern Bißen,   daß ihn blutig überspritzte
Der rothe Lebenssaft:   er entrann ihm in Wogen.
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