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Beowulf

Karl Simrock: Beowulf - Kapitel 38
Quellenangabe
typeepos
booktitleBeowulf
authorKarl Simrock
firstpub1859
year1859
publisherJ. G. Cotta'scher Verlag
addressStuttgart und Augsburg
titleBeowulf
created20051005
sendergerd.bouillon
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34. Beginn des Kampfes.

            »In diesem Kriege konnt ich   dem König die Schätze,
Die er an mich gewendet,   wohl alle vergelten
Mit lichtem Schwerte.   Land gab er mir
Und Erbsitzwonne:   darum war ihm nicht Noth
5   Bei den Gifden oder   bei den Geerdänen,
Oder im Schwedenreich   einen geringern Söldner
Sich aufzusuchen   und mit Schatz zu erkaufen;
Da Ich seinem Fußvolk   vorkämpfen wollte
Allein an der Spitze   wie ich spät im Alter noch will
10   Im Streite stehen,   weil dieser Stahl mir währt,
Der mir oftmals aushielt   eh und seitdem,
Da ich vor den Degen   den Dagräfn,
Den Helden der Hugen,   hinwarf und tödtete.
Er sollte den Schmuck   dem Schirmherrn der Friesen,
15   Die Brustzierde   nicht bringen dürfen,
Sondern im Streit erstarb   der Standarthüter,
Der rasche Recke.   Ihn raffte das Schwert nicht:
Mit der Hand griff ich ihm   in des Herzens Wallen
Und zerbrach das Beinhaus.   Das Beil soll mir nun,
20   Die Hand und das harte Schwert   den Hort erkämpfen.«

Beowulf begann,   Erbotworte sprechend
Zum letzten Male:   »In der Jugend maß ich oft
Mich mit werthen Helden;   nun will ich im Alter
Als meines Volkes Wart   noch Fehde suchen

25   Und Lob erlangen,   wenn der Leuteschädiger
Aus seinem Erdsaal   mich hier außen suchen kommt.«

Da grüßt' er noch Jeglichen   der Geatenmänner,
Der liebe Landfürst   zum letztenmale,
Die süßen Gesellen:

30  

                                    »Kein Schwert wollt ich tragen
Wider den Wurm   wüst ich nur eins:
Wie ich dem übeln Unhold   anders möchte
Den Grimm vergelten,   wie ich Grendeln that.
Aber heiße Kampfglut   muß ich hier erwarten,

35   Gift und Geifer:   darum geh ich auch gewappnet
Mit Schild und Brünne.   Des Berges Hirten
Will ich nicht fliehn, den Feind,   eines Fußes breit,
Werd es mit uns beiden   wie es Wurd gebeut,
Die aller Menschen waltet.   Des Muthes bin ich,
40   Wider diesen fliegenden Feind   nicht ferner zu pralen.
Harrt vor dem Hügel   vom Harnisch beschützt,
Ihr Biedern in der Brünne,   wer am Besten sich
Von Wunden erholen wird   auf dem Walplatz hier
Unter uns beiden.   Nicht euer Werk ists,
45   Noch einem Manne gemäß   außer mir allein,
Wider diesen Unhold   den Arm zu gebrauchen
Und wehrlich zu werben.   Ich will das Gold
Rühmlich erringen   oder es raffe der Tod,
Der furchtbare Lebensfeind,   den Fürsten euch.«

50  

Da riß sich vom Rand empor   der ruhmvolle Kämpe,
Herrlich Helm   und Harnisch tragend
Unter die Steinklippen;   der Stärke vertrauend
Des Einen Mannes:   das übt kein Feiger.
Da sah an der Bergwand   der Biedererprobte,

55   Der soviel Gefahren   zuvor bestanden,
Viel Schlachten geschlagen   wo die Scharen tobten,
Einen Steinbogen stehn   und einen Strom darunter
Aus dem Berge brechen:   der Brunnquell wallte
Von heißem Feuer.   Zum Horte konnte
60   Keinen Augenblick,   wer nicht verbrennen wollte,
In die Tiefe kommen   vor des Drachen Feuer.
Da entließ der Brust,   erbost wie er war,
Der Wedergeaten Fürst   ausfordernde Worte:
Das starke Herz stürmte:   die Stimme drang
65   Grimmvoll gellend   unter den grauen Stein.
Der Haß war erzeugt:   der Hortwart erkannte
Des Mannes Stimme;   hiemit war da länger
Nicht Frist zum Frieden.   Da fuhr zuerst
Des übeln Unholds   Athem aus dem Stein,
70   Ein heißer Brodem:   der Hügel erdröhnte.
Unter den Berg da brachte   Beowulf den Schild
Gegen den graunhaften Gast,   der Geaten Herscher.
Da war rasch bereit   des Ringbogigen Herz
In den Streit zu stürzen.   Den Stahl zog hervor,
75   Das alte Erbstück,   der edle Kampffürst,
Mit bitterer Schneide.   Beide hatten sie
Vor einander Furcht,   die feindlich gesinnten.
Starkmüthig stand   unter dem starrenden Rand
Der Wedern König.   Der Wurm zog sich
80   Rasch zusammen;   gerüstet erharrt' er ihn:
Da kam er brennend   in Bogen geschritten,
Sein Geschick beschleunigend.   Der Schild barg leider
Leib und Leben   dem Leutefürsten
Nur kürzere Frist   als der König gewähnt,
85   Als er in der Frühe   des Gefechts mit dem Wurm
Zu walten gewillt war;   Ihm beschied es Wurd nicht.
Stolz im Streite   streckte die Hand
Der Geaten König:   den grausbunten schlug er
Mit Ingwis Nachlaß.   Doch abglitt die Schneide
90   Von dem Bein, die braune,   und biß nicht so scharf,
Als des bedurfte   im Drang des Kampfes
Der bekümmerte König.   Da kam des Berges Wart
Nach dem grimmen Schlage   in großen Zorn.
Wild warf er Feuer aus,   daß weithin schoß
95   Der Lohe Lichtglanz.   Frohlocken durfte nicht
Der Goldfreund der Geaten:   das gute Schwert versagt' ihm
Nun in der Noth,   wie es nimmer gesollt,
Das edle Eisen.   Aber unleicht geschah es,
Daß der berühmte Abkömmling   Ecgtheows
100   Aufgeben wollte   diese Erdgefilde
Und mit seinem Willen   andre Wohnung suchen,
Wie alle Menschen   doch endlich diese Tage,
Die geliehnen, laßen.   Nicht lange währt' es,
So maßen sich wieder   die vermeßnen Streiter,
105   Da den Busen blähend   vorbrach der Hortwart
Mit neuem Grimme.   Noth erduldete,
Von Feuer umfangen,   der einst dem Volk gebot.
Nun naht' ihm nicht   der Nothgestallen Schar,
Die jungen Edlinge:   nicht um ihn standen sie
110   Zu wehrlichem Kampf;   im Walde gedachten sie
Ihr Leben zu bergen.   Einem Biedern nur wallte
Der Sinn in Sorgen,   denn der Sippe Macht
Weiß nichts zu wenden   dem Wohlgesinnten.
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